Bericht aus Bulgarien (504) – “Grand Canyon”

in den Schluchten des Balkans
Es ist jetzt schon einige Zeit her, dass ich am Grand Canyon war. Aber einmal gesehen, brennt sich die markante Felsformation ein ins Gehirn. So wie alles anders ist in Bulgarien, so gibt es hier auch alles, was es anderswo auch gibt, nur eben anders. Was sich wie ein Widerspruch anhört, ist keiner. Genauso wie 180 Grad auch mal 360 und Doppelmoral besser als keine Moral sein kann. Zugegeben, das bulgarische Grand Canyon ist ‘ne Nummer kleiner als das Original. Aber müssen wir nicht alle kleinere Brötchen backen in diesen Tagen? In Bulgarien tut man das schon seit langem. “Small is beautiful” ist praktisch eine bulgarische Erfindung. Beim Bulgaren muss es nicht immer das größte und auch nicht die ganze Welt sein.
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Bericht aus Bulgarien (503) – “Der Himmel über … “

Heute waren wir wieder im Balkangebirge unterwegs. Wir meint meinen englischen Freund Jerry und meine Frau aus Amerika. Ausser uns wandert niemand mehr in Bulgarien, denn der Rest ist ausgewandert. Wären wir nicht, wäre Bulgarien nicht nur ein von Gott, sondern auch ein von Wanderern verlassenes Land. Immerhin sind wir ein paar Pferden begegnet. Ist der Mensch erst verschwunden, geht es schnell, dass es auch wieder Tiere und Pflanzen gibt. Der Himmel ist für alle da.

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Bericht aus Bulgarien (502) – “Live aus Berlin”

Da, wo ich früher mit meinem Taxi unterwegs war, wird heute für den Frieden demonstriert. Dank moderner Technik kann ich auch in den Schluchten des Balkans live dabei sein. Ich kenne den Berichterstatter nicht, aber was ich bis jetzt sehe, gefällt mir. Er spricht mit den Leuten, so wie ich mit meinen Fahrgästen gesprochen habe. Das Wetter ist mal wieder bescheiden in der deutschen Hauptstadt, aber man kommt auch nicht wegen dem Wetter nach Berlin, genauso wie man nicht wegen der Toiletten nach Bulgarien kommt. Thomas Bernhard behauptet in “Alte Meister”, dass die Toiletten in Wien schlimmer wären als die auf dem Balkan. Da ich lange nicht in Wien war, kann ich dazu nichts sagen. Das Wetter in Bulgarien ist auf jeden Fall besser als in Berlin. Es ist ein wenig diesig, dafür aber trocken. Darüber hinaus scheint die Sonne, das ganze bei 14 Grad plus.
Video HerrAber
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Bericht aus Bulgarien (501) – “Die große Freiheit”

In den Schluchten des Balkans
Grenzenlos wie über den Wolken ist die Freiheit in Bulgarien nicht. Verglichen mit Deutschland, ist sie aber schon sehr groß. Bulgarien die große Freiheit zu nennen, ist also keine Übertreibung. Dies zu zeigen, war das Ziel meiner Fotosession am Mittwoch. Das sehe ich heute, nachdem ich die besten Bilder gesichtet und bearbeitet habe, zumindest so. Dem Landsmann, der seit eineinhalb Jahren in Sofia lebt, wo er sich vor dem Corona-Wahnsinn in der Heimat in Sicherheit gebracht hat, ging es an erster Stelle um die zahlreichen Tattoos auf seiner Haut und seinen Körper als Gesamtkunstwerk. Da wir uns auch ausgiebig unterhalten haben, weiß ich, dass mein deutsches Foto Modell das mit der Freiheit ganz genauso sieht. Zuvor war er in Albanien gewesen, wo er ob der Freiheit regelrecht “euphorisiert” war, was ihm unheimlich vorkam. Bulgarien war dagegen eher “bodenständig”, weswegen er sich am Ende für die unberührten Schluchten des Balkans entschied.
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Bericht aus Bulgarien (500) – “39 Prozent”

Im Juni 2022 in Berlin-Neukölln
narchisten haben es auch nicht leicht heutzutage

39 Prozent der Deutschen befürworten das Manifest für den Frieden von Sahra Wagenknecht und Alice Schwarzer. Das ergab eine aktuelle Insa-Umfrage. 39 Prozent. Die Zahl ließ mich aufhorchen. Da war doch irgendwas. Und noch gar nicht so lange her. Aber was war es gleich nochmal? Jetzt fällt es mir ein. Genau: 39 Prozent war auch die Wahlbeteiligung bei den letzten Wahlen in Bulgarien im Oktober. Bei der vorletzten Wahl im November 21 war es kaum besser. Da lag die Wahlbeteiligung bei 40 Prozent. Die damalige “pro westliche”, richtiger ist “Amerika hörige” Regierung unter Kiril Petkow hatte zwar etwas mehr als 50 Prozent, allerdings lediglich der abgegebenen Stimmen. Berücksichtigt man die 60 Prozent Nichtwähler, war sie nur von etwas mehr als 20 Prozent gewählt worden. Als sie im Juni vergangenen Jahres ein Misstrauensvotum verlor, sprach man von einem Sturz. Also die “pro westlichen”, sprich “Amerika hörigen” Medien sprachen von einem Sturz. Denn ein Misstrauensvotum ist ein normaler Vorgang in einer Demokratie, oder sollte es zumindest sein. – Zusammengefasst: Wenn eine “pro westliche”, also “Amerika hörige” Regierung nur etwas mehr als 20 Prozent der Wählerstimmen erhält, ist das kein Problem. Verliert sie ein Misstrauensvotum, wird sie gestürzt. Und wenn 39 Prozent für den Frieden sind, dann ist das ein Skandal. Gerade bin ich mir unsicher: Sind Zwei und Zwei eigentlich noch Vier?

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Bericht aus Bulgarien (499) – “Fremdschämen für Faktenfinder”

Das Mitgefühl der Bulgaren kennt keine Grenzen und so auch meins. Ich habe aber nicht nur Mitgefühl mit den Faktencheckern der ARD, sondern ich schäme mich fremd für sie, und das selbst in den Schluchten des Balkans. Für mich ist es nichts Neues, sondern eine Wiederholung. Die “Pflanzenstory” der “Faktenchecker” ist die “Menthol-Zigaretten-Geschichte” des “Neuen Deutschlands”, nur in Grün. Wobei man dazu sagen muss, dass Menthol-Zigaretten auch eine grüne Packung hatten.
PS: Hier nochmal der Hinweis auf das Fachbuch “Sprengen”, das ich am Montag auf dem Flohmarkt in Montana gefunden habe und das zum Verkauf steht. Es ist praktischerweise auf Deutsch, man muss also weder englisch können, noch braucht man Faktenfinder, schon gar nicht die von Öffentlich/Rechtlich – Gott bewahre!
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Bericht aus Bulgarien (498) – “Westlicher Hochmut vor dem Fall”

Selbstüberschätzung und Arroganz führen zum Fall bzw. Scheitern

Ein Leser in der Heimat und Unterstützer meiner Arbeit weist mich gerade auf diesen Beitrag von Antje Vollmer in der Berliner Zeitung hin. Antje Vollmer ist Grünen-Urgestein, war lange Zeit Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages und ist nun Erstunterzeichnerin des Friedensmanifestes von Sahra Wagenknecht und Alice Schwarzer. Da Antje Vollmer schwer erkrankt ist, kann man ihren Text als politisches Vermächtnis lesen. Er ist eine große Abrechnung mit dem Zeitgeist, aber vor allem mit der Partei der Grünen. Die wichtigste Aussage, die ich zu einhundert Prozent teile, ist diese:

Wenn mich nicht alles täuscht, steht Europa kurz vor der Phase einer großen Ernüchterung, die das eigene Selbstbild tief erschüttern wird. Für mich aber ist das ein Grund zur Hoffnung. Der so selbstgewisse Westen muss einfach lernen, dass die übrige Welt unser Selbstbild nicht teilt und uns nicht beistehen wird.

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