Heimkehr nach Usedom

Bin gerade auf Usedom, wo ich eine eigene Ferienwohnung habe, die viel zu groß für mich ist. Größer als meine Berliner Bude. Ich muss aufpassen, dass ich mich nicht verlaufe. Kann alles machen, außer in Hausnähe grillen. Wegen dem Rohrdach, auch als Reetdach bekannt. Zum Glück hatte ich nicht vor zu grillen. Nicht, weil ich Vegetarier bin, sondern weil auch auf Usedom Winter ist. Nächste Woche soll die Sonne scheinen. Dann darf ich noch hier sein. Ich bin eingeladen. Jemand hat mich eingeladen, nachdem die Person mein Interview mit Jasmin gesehen hat. Diese Person hat auch Jahre im Ausland gelebt. Gestern saßen wir einige Stunden zusammen und haben uns unterhalten. Und da sagte sie, dass die Zeit im Ausland die beste Zeit ihres Lebens war. Jetzt denkt sie erneut darüber nach, ihre Heimat – Deutschland – zu verlassen. Und da kam mein Interview mit Jasmin, in dem ich von Bulgarien erzählt habe, gerade recht. Bulgarien ist – wie für viele – Neuland für sie. Usedom für mich nicht. Als Kind war ich viele Jahre hintereinander hier auf der Insel im Kinderferienlager. Der Ort, wo ich gerade bin, ist davon nur einen Steinwurf entfernt. In gewissem Sinne ist mein Besuch auf Usedom auch eine Heimkehr.

Apropos Nachtrag

Bereits am Montag Abend erreichte mich diese Rückmeldung zu meinem Beitrag Apropos bezüglich der problematischen Personenbeförderung in der Bundeshauptstadt. Kaliningrad, wer es nicht kennt, ist das frühere Königsberg, das heute dem bösen Russen gehört. Vielleicht wird es demnächst wieder zurück erobert. Lohnen würde es sich wohl, wenn man obiger Rückmeldung vertraut, alleine der fahrenden Straßenbahnen wegen.

Idiotentest

Heute war ich bei einem Facharzt für Arbeitsmedizin, um meinen Taxischein zu verlängern. Ich habe hin und her überlegt, ob ich ihn verlängern soll – auch aus Kostengründen. Das letzte Mal habe ich meinen Taxischein vor fünf Jahren verlängert. Seither habe ich ihn nicht gebraucht, was gegen eine weitere Verlängerung sprach. Am Ende hat der Deutsche in mir gewonnen, der gesagt hat: „Geh auf Nummer sicher. Was du hast, hast du. Du weißt nicht, was kommt.“ Letzteres traf nun bereits auf meinen heutigen Facharztbesuch zu, der mich sogleich an obige Szene aus dem Film „Idiocracy“ erinnerte. Ich hatte zwar keine drei verschiedenen Bauklötzer in der Hand, musste dafür einen Knopf drücken, wenn auf dem Monitor vor mir ein Pfeil auftauchte, der nach unten zeigte. Nicht alle auf dem Monitor auftauchenden Pfeile zeigten nach unten. Manche zeigten auch nach oben, nach links oder nach rechts. Insgesamt saß ich wohl zwanzig Minuten vor dem Monitor. Angefühlt haben sich diese zwanzig Minuten wie zwei Stunden. Ach was sage ich: Wie ein ganzer Arbeitstag! Jedenfalls bin ich jetzt fix und fertig – praktisch ausgebrannt. Immerhin, eines weiß ich mit Sicherheit. Es war meine letzte Taxischeinverlängerung.

Apropos

Das Leben in der Bundeshauptstadt wird immer absurder. Einzelne Straßenbahnen fahren zwar, aber nicht zur Personenbeförderung, sondern damit die Strecke frei bleibt. Immerhin, man erfährt, wenn auch nur zwischen den Zeilen, dass die Öffentlichen der Personenbeförderung dienen. Manch einer hatte es schon vergessen. Ich zum Beispiel dachte, die würden nur fahren, damit die stündlich wachsende Zahl der Mühseligen und Beladenen ein Dach über dem Kopf haben. Apropos: Was machen die eigentlich heute? Fahren vermutlich mit der S-Bahn.

„Westalgie“

Schafft es auch der Westen?

Das Phänomen „Westalgie“ ist relativ neu. Der Begriff ist über zehn Jahre alt. In der Vergangenheit meinte „Westalgie“ die Sehnsucht zurück zur alten Bundesrepublik beziehungsweise zum alten West-Berlin. Diese „Westalgie“ im klassischen Sinne, die in gewisser Weise auch das Gegenstück zur „Ostalgie“ ist, erlebt gerade eine Weiterentwicklung, vielleicht besser Zuspitzung. Jetzt erfährt der Westen, wie es sich anfühlt, wenn Gewissheiten zerbrechen. Der Osten hat das schon durch. Dass Normen wegbrechen und das System kollabiert. Also genau das, was gerade passiert, aber viele nicht wahrhaben wollen, weil sie in ihrer „Westalgie“ verhaftet sind. Und das ist der wichtigste Unterschied zur „Ostalgie“. Die „Ostalgie“ kam erst auf, nachdem das System kollabiert und das Land den Bach runter gegangen war. Zu Ost-Zeiten gab es keine „Ostalgie“. Das ist heute anders. Die „Westalgie“ steht dem, was – so oder so – kommt, im Weg. Das ist die Tragik der „Westalgie“.

„Flucht aus Berlin“

Gestern habe ich obiges Kartenspiel auf der Straße, meiner Universität, gefunden. Ich hatte es noch nie gesehen, obwohl es „Das spannende Escape-Kartenspiel“ bereits seit März 2021 gibt, also seit fast fünf Jahren. Der Zeitpunkt ist nicht uninteressant, der ein oder andere erinnert sich, da war doch was – Corona. Meine „Flucht aus Berlin“ – auch wenn ich gerade wieder in der Stadt bin – begann bereits 2020. Aber gut, es braucht ja auch eine gewisse Zeit, ein entsprechendes Kartenspiel zu entwickeln. Apropos: Entwickelt wurde es von Katrin Abfalter – ein Name, den man sich eventuell merken muss. Doch zurück zu dem von ihr entwickelten Kartenspiel. Auch wenn ich es schon mehrfach gesagt habe: Ich kenne nur noch Leute, die weg wollen aus Berlin. Oder umgedreht: Ich kennen keinen, der noch nach Berlin will. Und noch etwas fällt mir ein: Bereits 2010 habe ich Berlin noch zehn Jahre gegeben. Damals hat man mich ausgelacht. Jetzt gibt es das passende Kartenspiel dazu. Übrigens, die Eigenwerbung auf der Rückseite lautet folgendermaßen: „Dieses Spiel ist nicht nur der perfekte Begleiter für euren nächsten Städtetrip, sondern macht auch zu Hause richtig Spass!“ Ich erwähne das, weil immer mehr Menschen nicht mehr wissen, wo ihr zu Hause ist. Vielleicht der Grund, dass das Spiel nicht richtig gut läuft?