Gestern am Strand

Mein Hausarrest ist beendet, zumindest für den Moment. Auch auf Usedom taut es. Gestern war ich am Strand. Ich bin hingelaufen, obwohl er ganz schön weit weg ist. Dass ich gelaufen bin, hat auch damit zu tun, dass ich Fahrpläne nicht mehr verstehe. In dem Fall war es der Busfahrplan. Das Semester, in dem es um Sternchen und Fußnoten von Fahrplänen ging, muss ich irgendwie verpasst haben. Am Ende fuhr der Buss leer an mir vorbei. Da half auch kein winken. In Bulgarien hätte der Bus angehalten – nicht so in Deutschland. So bin ich gute zehn Kilometer gelaufen – hin zum Strand und wieder zurück. So viel hatte ich mir auch vorgenommen. Von daher war es OK. Was auch fehlt, ist die Sonne. Die hab ich schon eine Ewigkeit nicht mehr gesehen. Natürlich nicht nur ich. Alle anderen auch. Vielleicht sind wir deswegen so, wie wir sind. Ist jetzt nur eine Theorie. Muss nicht stimmen. In Bulgarien gibt es mehr Sonne. Und mehr Busfahrer, die auf offener Strecke halten, um Fahrgäste einzusammeln.

Hausarrest

Spuren im Eis

Ich bin immer noch auf Usedom und unter Hausarrest. Denn ringsherum ist alles vereist und nicht geräumt. Der Unterschied zu Berlin, wo Bäume wichtiger sind als Menschen, ist, dass nicht alles zubetoniert ist. Geht man beispielsweise über einer Wiese, drückt man dabei die Eisschicht ein (Foto oben), wodurch das Laufen etwas sicherer wird. Ich weiß das, weil ich gerade draussen war und etwas gelaufen bin. Beim Laufen kamen mir – mal wieder – ganz komische Gedanken, zum Beispiel diese hier: Was wäre, wenn es gar kein Hausarrest, sondern bereits ein neuer Lockdown ist? Aber was ist dann, wenn demnächst das Gas ausgeht und die Menschen in Turnhallen gehen sollen, um sich dort aufzuwärmen? Das ginge dann natürlich nicht. Gut, sich auf die Straße zu kleben und damit das Klima retten, geht gerade auch nicht. Oder hat es einfach nur noch keiner probiert?

Was denkst du?

„Mein Leben“ (immerhin nicht „Mein Kampf“!) – Muss es umgeschrieben werden?

In den letzten Tagen wurde ich öfters gefragt, was ich über den Fall Jeffrey Epstein denken würde. Um es kurz zu machen: Ich denke gar nichts über ihn. Ich wundere mich nur. Zunächst einmal über die Frage an sich. Vor allem wundere ich mich aber, dass sich so viele über den Fall Epstein wundern. Offensichtlich haben sie wirklich geglaubt, dass die Eliten es gut mit uns meinen. Dass Bill Gates wirklich ein Menschenfreund ist. Aber kann man wirklich so naiv sein? Oder sollte ich bereits von Dummheit reden? Das sind die Fragen, die ich mir stelle. Dass ich mir diese und keine anderen Fragen stelle, hat auch mit Bulgarien zu tun. In Bulgarien war das Misstrauen gegenüber den Herrschenden schon immer sehr ausgeprägt – und ist es bis heute. Das drückt sich auch in der Wahlbeteiligung aus, die seit vielen Jahren bei etwa einem Drittel liegt. Im April soll erneut gewählt werden in Bulgarien. Vielleicht geht dann nur noch jeder Vierte zur Wahl, wer weiß. Eines scheint mir sicher zu sein. In Bulgarien dürfte kaum jemand überrascht sein über die Schweinereien von Epstein, Clinton, Gates & Co.

Damit keine Liebe zurückbleibt

„I Contain Multitudes“ ist über mich, auch wenn Bob Dylan über sich selbst singt. Über seine Widersprüche als Zwilling. Dass er Sternzeichen Zwilling ist, sagt er zwar nicht, aber ich weiß es, weil auch ich Zwilling bin. Ich glaube an Sternzeichen, auch an die chinesischen. Da bin ich Feuerpferd. Dazu gleich mehr. Erst einmal zum Text von Bob, dem Zwilling. Meine Highlights sind: „I’m a man of contradictions, I’m a man of many moods – I contain multitudes.“ (Ich bin ein Mann der Widersprüche, ich bin ein Mann mit vielen Stimmungen – Ich schließe eine Vielzahl ein.) – Jetzt zum Feuerpferd. Das Jahr des Feuerpferdes beginnt am 17. Februar 2026 – also nächste Woche Dienstag. Das letzte Jahr des Feuerpferdes war vor 60 Jahren – 1966. Glaubt man den Chinesen, wird das Jahr des Feuerpferdes, das bis zum 5. Februar 2027 andauert, besonders dynamisch werden und von Wandel, Bewegung und neuen Chancen geprägt sein. Wie gesagt, ich glaube auch an die chinesischen Sternzeichen. Aber eigentlich glaube ich an den Wandel, an Veränderung, an eine erneute Wende, wenn Du so willst. Wird auch Zeit, dass was passiert. Kann ja nicht so weitergehen. Und das merken auch immer mehr. Passend dazu diese Worte aus obigem Song: „I’ll keep the path open, the path in my mind – I’ll see to it that there’s no love left behind.“ (Ich werde den Weg offen halten, den Weg in meinem Kopf – Ich werde dafür sorgen, dass keine Liebe zurückbleibt.)

Gedanken zum Sonntag

Eingeschlossen von Schnee und Eis kommt man manchmal auf ganz komische Gedanken. Gerade frage ich mich beispielsweise, als wer ich hier auf Usedom bin. Als 1/2-Bulgare? Als Journalist? Oder ganz&gar als Aktivist? Eines scheint sicher: Nicht als Ministerpräsident! Apropos Aktivist: Heute kann man bereits Aktivist werden, „nur“ wenn man andere Menschen mit dem Hammer auf den Kopf schlägt. Passt zu „Bäume wichtiger als Menschen“ aktuell in der Bundeshauptstadt. Aber warte mal: Könnte man mit einem Hammer nicht auch Straßen und Wege von Eis befreien? Nicht wegen den Alten. Die sollen mal schön zuhause bleiben! Sondern wegen den Klimaklebekindern. Immerhin, ich hab’s noch warm. Und trotzdem zittere ich. Aber nicht, weil sich die Gasspeicher leeren. Sondern weil ich mir nicht sicher bin, ob ich nicht auch noch in den Unterlagen von diesem Epstein auftauche. Kann ja durchaus sein, dass er mir mal im Taxi saß. Russische Prostituierte hatte ich auf jeden Fall an Bord. Wobei ich nicht sagen kann, ob mit oder ohne Tripper. Aber gut, dagegen gibt es Medikamente – auch zum Unterjubeln.

Gefangen auf Usedom

Gestern war ich bei meinem Feriengastnachbarn, um ihm und meiner Gastgeberin Fotos aus Bulgarien zu zeigen. Vorher habe ich den Weg, der unsere Unterkünfte verbindet, vom Eis befreit. Der Rest des Grundstückes ist weiterhin vereist (Foto oben), so dass der Titel „Gefangen aus Usedom“ keine Übertreibung ist. Wobei ich selbst nicht von „gefangen“, sondern von „befreit“ sprechen würde. Befreit von Ablenkung, Oberflächlichkeiten und Luxusproblemen. Denn wir haben alles, was wir brauchen. Wir haben genug zu Essen, zu trinken und die Bude ist darüber hinaus auch noch warm, was nicht mehr selbstverständlich ist. Der Süd-West-Berliner weiß, wovon ich rede. Aber nicht nur das. Die aktuelle Situation hier ist praktisch so, wie sie für mich in Bulgarien permanent ist. Und das war sowohl für den anderen Feriengast, als auch für meine Gastgeberin nur schwer vorstellbar. Also auch ganz ohne Eis keine Ablenkung, Oberflächlichkeiten und Luxusprobleme zu haben. Und das nicht nur für ein paar Tage, sondern für länger oder gar für immer. Ich musste an Landsleute denken, die mich in Bulgarien besucht haben, und die plötzlich nichts mehr mit sich anzufangen wussten und Schreibblockaden oder gar Depressionen bekamen. Obwohl auch dort für Essen, Trinken und wohlige Wärme gesorgt war, und sie darüber hinaus Berge, Natur und Stille direkt vor ihrer Nase hatten (Foto unten). – Oder vielleicht gerade deswegen.

Deutsche Komfortzone

Gestern gab’s Eisregen auf Usedom. Seitdem sind alle Wege vereist. Zum Glück muss ich nicht raus – nur in den Keller. Im Keller gibt es eine Sauna. Da war ich gestern. Mein Leben besteht gerade aus Saunagängen und guten Gesprächen mit meiner Gastgeberin und einem anderen Gast. Beide glauben nicht an das gängige Narrativ, an das hierzulande die meisten glauben. In Bulgarien glaubt nur eine kleine Minderheit der Erzählung, weswegen ich mich ein wenig wie in Bulgarien fühle. Bulgarien ist auch immer wieder Thema. Gerade suche ich Bilder und Videos, um sie den beiden beim nächsten Gespräch zu zeigen. Durch die Gespräche ist mir klar geworden, wie sehr sich mein Leben in den letzten Jahren verändert hat, wie weit weg die deutsche Komfortzone ist. Auch wenn ich hier auf Usedom gerade eine deutsche Komfortzone genieße – oder vielleicht gerade deswegen.