Currywurst mit Pommes

Eigentlich wollte ich nur gepflegt eine Currywurst essen, als ein Bettler kam, der so aussah, als ob er Hunger hätte, was er auf Nachfrage bestätigte, weswegen ich nicht wie geplant einmal Currywurst mit Pommes bestellte, sondern zweimal. In der Zwischenzeit tauchte eine Bettlerin (Foto) auf, die in den Mülltonnen unter den Tischen nach Resten von Currywurst und Pommes suchte, um diese zu essen. Die Frau bekam das zweite Currywurst Pommes Menü. Mir war der Hunger vergangen. Mein Bedarf an Currywurst mit Pommes ist vorerst gestillt.

Schöner Schwan

Ich kannte mal eine Frau, die hat beim Vögeln immer nur „schön“ gesagt. Keine Ahnung, wie ich darauf komme. Muss mit dem Schwan heute auf der Spree zu tun haben. War jedenfalls schön – sowohl heute als auch damals.

End Time City

Dass ich das noch erleben muss, dass Berlin mich einmal mehr runter zieht als Bulgarien, hätte ich mir nie träumen lassen. Zugegeben, es gab schon immer ein paar balkanische Ecken in der Stadt. Auch wegen ihnen bin Anfang der Neunziger hergekommen. Um eine gewisses Heimatgefühl zu haben. Wie in Berlin so galt auch in Bulgarien: „Alles ist möglich!“. Mit einem Unterschied: Was in Berlin ein positives Lebensgefühl war, war in Bulgarien das Recht des Stärkeren. Genau das scheint sich gerade auch in Berlin durchzusetzen, nur eben umgedreht, so wie in Deutschland immer alles umgedreht zu Bulgarien ist. Der Reiche schließt sich in seiner Community ein, und der Schwache soll gefälligst zusehen, wo er bleibt. Gefühlt gibt es stündlich mehr von ihnen, die wie der Mann oben am Spreewaldplatz mit Krücken im Müll auf dem Boden nach etwas Essbarem suchen.

Lebensmüde

„Wir sind am Leben“ ist laut Eigenwerbung „DAS Berlin Musical“, welches am 21. März „Weltpremiere“ im Theater des Westens hat. Für den ein oder anderen Berliner ist das leider zu spät. Denn, wie die Berliner Zeitung „exklusiv“ berichtet, wollen immer mehr Berliner nicht mehr leben. Im Zeitraum von 2016 bis 2024 kam es zu einer Zunahme der erfassten Suizide von 10,8 auf 13,7 Fälle je 100.000 Einwohner. Bei Männern, wie sollte es auch anders sein, wurden im gesamten Zeitraum mehr Fälle erfasst als bei Frauen. 2024 waren es bei den Männern 16,5 je 100.000 Einwohner gegenüber 11,1 Fällen je 100.000 Einwohnerinnen bei den Frauen. Über weitere Geschlechter, wie viele waren es gleich nochmal, wusste das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg nichts zu berichten. Aber es wird noch besser! Für Marcel Luthe, Vorsitzender der Good Governance Gewerkschaft (GGG), steht fest, dass die Lebensmüdigkeit der Berliner die desolate wirtschaftliche, innenpolitische und soziale Lage der Gesellschaft in Zahlen widerspiegelt. Und weiter: „Die Spaltung der Gesellschaft, die Zerstörung bestehender Sozialgefüge nicht zuletzt durch die irrwitzige Corona-Verordnungspolitik, aber auch jeder andere Angriff auf die freie Selbstbestimmung der Menschen verstärkt die Verzweiflung und lässt immer mehr Menschen keinen Ausweg mehr sehen.“ So gesehen dürfte „Wir sind am Überleben“ anstelle von „Wir sind am Leben“ vielleicht der bessere Titel für „Das Berlin Musical“ sein, oder möglicherweise nicht gar „Wir haben überlebt“.

Alles sagen

Gestern fiel mir mein Schild ein, das ich in meinem Taxi hatte, und auf dem stand: „In diesem Taxi dürfen sie zwar nicht telefonieren, dafür aber alles sagen, sogar die Wahrheit.“ Dass es mir in den Kopf kam, hängt mit der aktuellen Krise in unserem Land zusammen, aber auch mit dem Eintritt ins Jahr des Feuerpferdes letzten Dienstag. Mit dem Feuerpferd deswegen, weil das Feuerpferd alles unwichtige verbrennt – bis zum Burnout. Und da kam mir mein Schild und die Frage in den Kopf, ob wir uns wirklich alles sagen. Aber eben nicht nur „alles“, sondern an erster Stelle die Wahrheit sagen, wobei es DIE Wahrheit natürlich nicht gibt. Denn „alles“ können auch Banalitäten sein, die vom Feuerpferd verbrannt werden, was zum Burnout – „ausbrennen“ – führt.

Ausnahmezustand

Berlin ist, zumindest für mich, in einem permanenten Ausnahmezustand. Gefühlt jedes zweite Fahrzeug fährt mit Blaulicht und Martinshorn. Schwer zu sagen, ob wirklich mehr passiert, oder ob man die Menschen einfach nur verrückt machen will. Ich vermute eine Mischung aus beidem. Hinzu kommt die Verslumung, ich hatte hier darüber geschrieben, und dass immer weniger Dinge funktionieren, praktisch so wie am Ende der DDR. Zum Beispiel geht am Ostkreuz gerade keine Rolltreppe, weder nach oben, noch nach unten. Die weiträumigen rot/weißen Absperrungen deute ich so, dass das Problem schon länger besteht und nicht erst seit heute.