„Flucht aus Berlin“

Gestern habe ich obiges Kartenspiel auf der Straße, meiner Universität, gefunden. Ich hatte es noch nie gesehen, obwohl es „Das spannende Escape-Kartenspiel“ bereits seit März 2021 gibt, also seit fast fünf Jahren. Der Zeitpunkt ist nicht uninteressant, der ein oder andere erinnert sich, da war doch was – Corona. Meine „Flucht aus Berlin“ – auch wenn ich gerade wieder in der Stadt bin – begann bereits 2020. Aber gut, es braucht ja auch eine gewisse Zeit, ein entsprechendes Kartenspiel zu entwickeln. Apropos: Entwickelt wurde es von Katrin Abfalter – ein Name, den man sich eventuell merken muss. Doch zurück zu dem von ihr entwickelten Kartenspiel. Auch wenn ich es schon mehrfach gesagt habe: Ich kenne nur noch Leute, die weg wollen aus Berlin. Oder umgedreht: Ich kennen keinen, der noch nach Berlin will. Und noch etwas fällt mir ein: Bereits 2010 habe ich Berlin noch zehn Jahre gegeben. Damals hat man mich ausgelacht. Jetzt gibt es das passende Kartenspiel dazu. Übrigens, die Eigenwerbung auf der Rückseite lautet folgendermaßen: „Dieses Spiel ist nicht nur der perfekte Begleiter für euren nächsten Städtetrip, sondern macht auch zu Hause richtig Spass!“ Ich erwähne das, weil immer mehr Menschen nicht mehr wissen, wo ihr zu Hause ist. Vielleicht der Grund, dass das Spiel nicht richtig gut läuft?

„Such‘ dein Glück woanders!“

Am Potsdamer Platz

Gestern war ich im Abgeordnetenhaus von Berlin, wo Taxifahrer Politikern eine Petition übergeben haben, um einmal mehr auf ihre prekäre Situation aufmerksam zu machen. Die Taxifahrer hoffen immer noch auf die Politik. Eine Hoffnung, die ich lange aufgegeben habe. Nicht nur, wenn es ums Taxifahren geht. Im Gespräch mit den ehemaligen Kollegen stellte sich heraus, dass das Taxigeschäft in den letzten Jahren nochmals schlechter geworden ist. Wie sollte es auch anders sein, wenn Taxis bis heute Werbung für ihren Totengräber machen (siehe Foto oben). Ein Kollege berichtete von drei Fahrten pro Schicht. Als ich noch Taxi gefahren bin, waren es zehn bis fünfzehn. Heute freut sich der Kollege, wenn es mal vier pro Schicht sind. Der Kollege gab mir mit auf den Weg, mein Glück woanders zu suchen, was mich im ersten Moment traurig machte. Nachdem ich eine Nacht darüber geschlafen habe, freue ich mich, dass ich die Freiheit habe, mein Glück anderswo zu suchen. Viele haben sie nicht, beispielsweise der Kollege. Er muss am Taxifahren festhalten, auch wenn es sich nicht mehr rechnet.

Handbetrieb

Am Alex

Die Aufnahme entstand bereits gestern am Alexanderplatz. Heute, also 24 Stunden später, erfahre ich aus dem InfoRadio, dass weiterhin nur zwei Linien durchfahren, die M13 und die 18, allerdings nur im Zehn-Minuten Takt. Bei zehn weiteren Linien werden nur Teilstrecken bedient, auf allen anderen Linien fährt keine Tram. Auch nicht die wichtige M10 von der Warschauer Straße in Friedrichshain über Hauptbahnhof bis zur Turmstraße in Moabit. Grund ist, dass noch nicht alle Oberleitungen enteist sind. Laut BVG ist das sehr aufwändig, weil es per Hand gemacht werden muss. Was sich wie ein schlechter Witz aus den Schluchten des Balkans anhört, betrifft die Bundeshauptstadt Berlin. Zum Mond fliegen wollen, aber enteisen per Hand. Vermutlich müssen die „Fachkräfte für Handenteisung“ erst noch vom anderen Ende der Welt eingeflogen werden. Es kann also noch etwas dauern.

Werde Millionär

U-Bahnhof Alexanderplatz

Nicht nur in Bulgarien, sondern auch in Berlin ist vieles anders als anderswo. Um hier Millionär zu werden, muss man nicht wirklich etwas wissen. Wie es aussieht, muss man auch keine Fragen beantworten. Man muss einfach nur Hinweise geben, möglicherweise reicht sogar ein einziger. Schwer zu sagen, ob es einen Zusammenhang gibt, auf diese Art Millionär zu werde, und dem Hinweis auf einen Sprachkurs. Immerhin, dieser ist kostenlos. Eins sollte man aber schon wissen, und das ist die Bewerbungsfrist fürs Millionärspiel. Die endet am 24.Februar.

Kanonen für Gulasch

Rings um Winter ist einiges frei. Oder anders gesagt: Keiner will mit Winter etwas zu tun haben. Für manche soll es ihn schon gar nicht mehr geben, Stichwort: Klimawandel. Jetzt ist der Winter da. Die Gasspeicher sind zwar noch nicht leer, aber alles andere als gut gefüllt. Der Strom- und Wärmeausfall im Südwesten Berlins Anfang Januar könnte ein Vorspiel gewesen sein, was demnächst der ganzen Stadt bevorsteht. Der Bulgare in mir sagt, dass es schlimmer kommen könnte. Beispielsweise wenn man neben der kalten Bude nicht mal mehr ’ne warme Suppe hat. Das mit der warmen Suppe soll neulich nicht funktioniert haben. Ich hoffe, dass man aus diesem Fehler gelernt hat und jetzt Gulaschkanonen vorbereitet. – Bevor weitere Waffen in die Ukraine geliefert werden.

Warentrennerwerbung

Gestern im Supermarkt bei mir um die Ecke. Ich legen einen Warentrenner, der auch als Kassentrennstab, Warentrennbalken oder Kassentoblerone bekannt sein soll – letzteres angeblich umgangssprachlich! – , hinter meinen Einkauf aufs Band und nehme die Werbung auf ihm wahr. Was will mir der Supermarkt mit der Werbung für das Bestattungshaus im Kiez auf ihrem Warentrenner sagen? Sollte ich vielleicht mal beim Bestattungshaus anrufen? Kann ich eventuell hier an der Kasse gleich meine Bestattung bezahlen? Oder zumindest Punkte dafür sammeln? Gibt es Rabatte oder Sonderangebote? Was ist mit der Rücktrittsversicherung? Wie nah ist das Ende?