Lerne Achtsamkeit

Achtsam herausgestellte Bücher

Achtsamkeit gehört zu den Dingen, die ich in Bulgarien lernen durfte. In gewisser Weise auch auf die harte Tour, weil man in Bulgarien besser nichts anfasst. Denn alles, was man anfasst, geht kaputt. Beispielsweise fällt in Bulgarien regelmäßig die komplette Gardinenstange von der Decke, nur weil man die Vorhänge schließen möchte. Mein Leben in Bulgarien könnte man praktisch so zusammenfassen: Fasse nichts an und achte auf deine Sachen! Wobei das mit dem Aufpassen auf die eigenen Sachen nicht mehr so schlimm ist wie in den Neunzigern. Ich würde so weit gehen und sagen, dass Bulgarien heute sicherer als Deutschland ist, und es fällt auch nicht mehr jede Gardinenstange von der Decke, nur weil man die Vorhänge zumacht. Bis heute bin ich dankbar, dass ich diese Achtsamkeit lernen durfte in Bulgarien. Auch weil ich sie in Deutschland oft sehr vermisse. Dass jemand achtsam wie oben Bücher zum Verschenken auf einem Küchentuch vor die Tür stellt, ist die absolute Ausnahme. Die Menschen hier sind aber nicht nur unachtsam, sondern regelrecht betäubt. Ferngesteuerten Zombies gleich, zugeschissen mit sinnlosen Informationen, die sie nicht verarbeiten können, weil sie sie auch gar nicht brauchen. Verrückt, sie wissen oft besser darüber bescheid, was gerade am anderen Ende passiert, als was mit ihnen selbst geschieht. Auch wenn ich alles andere als Bibelfest bin, muss ich bei ihrem Anblick immer an Psalm 39.7 denken: Sie gehen daher wie ein Schatten und machen sich viel vergebliche Unruhe; sie sammeln und wissen nicht, wer es kriegen wird. – Neuerdings denke ich daran, für sie zu beten. Dass auch sie achtsamer werden dürfen.

Lerne zu wachsen

Die Woche in Berlin: Ein Stand in Tarngrün, der von der Bundeswehr sehr könnte. Und vielleicht ist er es auch, wer weiß. Offiziell ist er von „SOS Kinderdörfer“, und das „Weltweit“. Aufschrift: „Für eine Welt, in der ihr wachsen könnt.“ Gemeint sind die Kinder. Vermute ich mal, aber ich bin mir nicht sicher. Denn erstmal müssen die Eltern wachsen lernen. Kinder im Erwachsenenkostüm.

Warum nicht heiter sein?

Strassen und Wege sind noch nicht vom Eis befreit. Im Gegenteil, es soll noch einmal richtig kalt werden. Der böse Russe schickt uns Eis und Schnee in den nächsten Tagen, vermutlich Wladimir Putin persönlich. Aber jetzt im Ernst: Immer mehr Menschen wissen nicht mehr, was sie noch glauben sollen. Mehr und mehr Menschen wenden sich deswegen wieder dem Glauben zu – und den Klassikern. Man merkt das auch auf dem Buchmarkt. Seichte Literatur verkauft sich zwar auch weiterhin ganz ordentlich. Gleichzeitig gehen Schopenhauer, Machiavelli und Nietzsche immer mehr weg wie geschnitten Brot. Aussagen wie „Aber der Staat lügt in allen Zungen des Guten und Bösen; und was er auch redet, er lügt – und was er auch hat, gestohlen hat er’s.“ oder „Einst wirst du dein Hohes nicht mehr sehn und dein Niedriges allzunahe; dein Erhabenes selbst wird dich fürchten machen wie ein Gespenst. Schreien wirst du einst: ‚Alles ist falsch!'“, aber auch „Seines Todes ist man gewiss: warum wollte man nicht heiter sein?“ sprechen immer mehr Menschen an.

Ich als Terminkunde

Hat mit dem Text nichts zu tun, aber irgendwie doch

Obwohl ich eher ein spontaner Typ bin, war ich heute kein „Spontan“, sondern ein „Terminkunde“. Und das kam so: Die Kunde war an mein Ohr gedrungen, dass mein Führerschein nicht mehr gültig sein soll. Genau war gestern der letzte Tag gewesen. Schon vor zwei Wochen habe ich deshalb einen Termin für den Umtausch gemacht. Ich sollte aktuelle Passbilder mitbringen, was ich tat. Im Bürgeramt sah ich dann Automaten, wo man Fotos machen konnte. Allerdings nur für Pass und Ausweis, nicht für Führerschein. Im Amt sah ich darüber hinaus Menschen, die einfach kamen, ganz ohne Termin. Die nannten sich dann Spontankunden. Ob man auch wegen Führerschein spontan kommen kann, habe ich schon nicht mehr gefragt. Die ganze Sache war mir in dem Moment schon zu kompliziert. Und sie wurde noch komplizierter. Ob ich mir den neuen Führerschein zuschicken lassen möchte? Kostet sechs Euro mehr. Warum sollte ich das machen? Weil dann, und nur dann, die Gültigkeit meines Führerscheins, der heute bereits ungültig war, nochmal um zwölf Wochen verlängert wird. Warum zwölf Wochen? Weil so lange braucht es, bis der neue Führerschein fertig ist. Wo bin ich? Irgendwo in den Schluchten des Balkans? Ich meine, da funktionieren die Dinge in Bulgarien besser! Dieses Land ist nicht mehr zu retten. Immerhin, die Sachbearbeiterin war nett.

Monty Pyton in Connewitz

Wenn ich es richtig verstanden habe, wird in Leipzig-Connewitz (kein Witz!) gerade die Fortsetzung von „Das Leben des Brian“ gedreht. Das Original ist allerdings – wie so oft – besser als das Remake. Alleine deswegen, weil man sich die Namen der verfeindeten Gruppen besser merken kann: „Volksfront von Judäa“ und „Judäische Volksfront“. Eines ist immerhin gleich geblieben: Sie hassen sich gegenseitig mehr als ihren gemeinsamen Feind. Wer war das jetzt gleich nochmal?