Idiotentest

Heute war ich bei einem Facharzt für Arbeitsmedizin, um meinen Taxischein zu verlängern. Ich habe hin und her überlegt, ob ich ihn verlängern soll – auch aus Kostengründen. Das letzte Mal habe ich meinen Taxischein vor fünf Jahren verlängert. Seither habe ich ihn nicht gebraucht, was gegen eine weitere Verlängerung sprach. Am Ende hat der Deutsche in mir gewonnen, der gesagt hat: „Geh auf Nummer sicher. Was du hast, hast du. Du weißt nicht, was kommt.“ Letzteres traf nun bereits auf meinen heutigen Facharztbesuch zu, der mich sogleich an obige Szene aus dem Film „Idiocracy“ erinnerte. Ich hatte zwar keine drei verschiedenen Bauklötzer in der Hand, musste dafür einen Knopf drücken, wenn auf dem Monitor vor mir ein Pfeil auftauchte, der nach unten zeigte. Nicht alle auf dem Monitor auftauchenden Pfeile zeigten nach unten. Manche zeigten auch nach oben, nach links oder nach rechts. Insgesamt saß ich wohl zwanzig Minuten vor dem Monitor. Angefühlt haben sich diese zwanzig Minuten wie zwei Stunden. Ach was sage ich: Wie ein ganzer Arbeitstag! Jedenfalls bin ich jetzt fix und fertig – praktisch ausgebrannt. Immerhin, eines weiß ich jetzt sicher. Es war meine letzte Taxischeinverlängerung.

Apropos

Das Leben in der Bundeshauptstadt wird immer absurder. Einzelne Straßenbahnen fahren zwar, aber nicht zur Personenbeförderung, sondern damit die Strecke frei bleibt. Immerhin, man erfährt, wenn auch nur zwischen den Zeilen, dass die Öffentlichen der Personenbeförderung dienen. Manch einer hatte es schon vergessen. Ich zum Beispiel dachte, die würden nur fahren, damit die stündlich wachsende Zahl der Mühseligen und Beladenen ein Dach über dem Kopf haben. Apropos: Was machen die eigentlich heute? Fahren vermutlich mit der S-Bahn.

„Westalgie“

Schafft es auch der Westen?

Das Phänomen „Westalgie“ ist relativ neu. Der Begriff ist über zehn Jahre alt. In der Vergangenheit meinte „Westalgie“ die Sehnsucht zurück zur alten Bundesrepublik beziehungsweise zum alten West-Berlin. Diese „Westalgie“ im klassischen Sinne, die in gewisser Weise auch das Gegenstück zur „Ostalgie“ ist, erlebt gerade eine Weiterentwicklung, vielleicht besser Zuspitzung. Jetzt erfährt der Westen, wie es sich anfühlt, wenn Gewissheiten zerbrechen. Der Osten hat das schon durch. Dass Normen wegbrechen und das System kollabiert. Also genau das, was gerade passiert, aber viele nicht wahrhaben wollen, weil sie in ihrer „Westalgie“ verhaftet sind. Und das ist der wichtigste Unterschied zur „Ostalgie“. Die „Ostalgie“ kam erst auf, nachdem das System kollabiert und das Land den Bach runter gegangen war. Zu Ost-Zeiten gab es keine „Ostalgie“. Das ist heute anders. Die „Westalgie“ steht dem, was – so oder so – kommt, im Weg. Das ist die Tragik der „Westalgie“.