„Westalgie“

Schafft es auch der Westen?

Das Phänomen „Westalgie“ ist relativ neu. Der Begriff ist über zehn Jahre alt. In der Vergangenheit meinte „Westalgie“ die Sehnsucht zurück zur alten Bundesrepublik beziehungsweise zum alten West-Berlin. Diese „Westalgie“ im klassischen Sinne, die in gewisser Weise auch das Gegenstück zur „Ostalgie“ ist, erlebt gerade eine Weiterentwicklung, vielleicht besser Zuspitzung. Jetzt erfährt der Westen, wie es sich anfühlt, wenn Gewissheiten zerbrechen. Der Osten hat das schon durch. Dass Normen wegbrechen und das System kollabiert. Also genau das, was gerade passiert, aber viele nicht wahrhaben wollen, weil sie in ihrer „Westalgie“ verhaftet sind. Und das ist der wichtigste Unterschied zur „Ostalgie“. Die „Ostalgie“ kam erst auf, nachdem das System kollabiert und das Land den Bach runter gegangen war. Zu Ost-Zeiten gab es keine „Ostalgie“. Das ist heute anders. Die „Westalgie“ steht dem, was – so oder so – kommt, im Weg. Das ist die Tragik der „Westalgie“.

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