Bericht aus einem gebrochenen Land (069)

Den Wolf im Schafpelz – wer kennt ihn nicht? Aber das Wiener Würstchen im Schafsaitling geräuchert, dazu noch 2. Wahl? Neulich war ich beim Bäcker und kaufte ein halbes Brötchen mit der Begründung, dass auch ich jetzt kleinere Brötchen backen müsste. Die Bäckersfrau, sie kennt mich, nahm’s mit Humor. Schließlich sei Monatsende und da haben immer mehr gar keine Kohle. Viele kennen das gut: Kein Geld im Portemonnaie aber noch so viel Monat übrig. Was die Wiener 2. Wahl im Schafsaitling angeht: sie haben nur optisch kleine Fehler. Schmecken tun sie wie 1. Wahl, wenn nicht sogar besser. Vom Preis her spart man knapp die Hälfte: sechs Stück kosten 1,69 Euro. Das ganze übrigens bei Kaufland. Nicht dass jetzt einer alle Supermärkte abrennt, um die Wiener 2. Wahl zu finden.

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Bericht aus einem gebrochenen Land (068)

Polizisten mit Maschinenpistolen in der Notaufnahme im Urban-Krankenhaus in Kreuzberg. So steht es nicht nur in der BZ (oben), sondern auch im Tagesspiegel. Der Grund ist ein Clan-Streit mit Schwerverletzten. Was einen Journalismus vermuten lässt, der alles aufbauschen und Dinge erfinden muss, ist hier näher dran an der Realität als die „Journalisten“ von Correctiv bei ihrer „Recherche“ zum „Geheimtreffen“ in Potsdam. Ein Journalist der Berliner Zeitung fragt deswegen: „Fiel die Regierung auf einen Bluff der Rechercheure rein?“ Immerhin: Correctiv steht nun vor Gericht. Warum das wichtig zu wissen ist? Weil Millionen von Menschen wegen der „Recherche“ auf die Straße gegangen sind, um „gegen rechts“ und für die Regierung zu demonstrieren. Der einzige Vorteil scheint mir zu sein, dass sie nicht in der Notaufnahme vom Urban-Krankenhaus in Kreuzberg waren.

PS: Wer sich nun verarscht vorkommt, soll bald ganz offiziell zum Abreagieren in den Ukrainekrieg ziehen dürfen, um dort Mut anstelle von Gratismus unter Beweis zu stellen. Im Krieg mit Russland ist man damit aber immer noch nicht. Also kein Grund zur Sorge. Falls doch irgendwas Ungutes passieren sollte, der Arm oder das Bein ab sein sollte, geht’s in die mit Maschinenpistolen gesicherte Notaufnahme …

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Bericht aus einem gebrochenen Land (067)

Vandalismus nicht auf einer Toilette irgendwo in den Schluchten des Balkans, sondern in der Zentrale des deutschen Irrenhauses, im Herzen der freien Welt am Potsdamer Platz, und das im Wochentakt. Andererseits: nicht nur die Toiletten in der Deutschen Kinemathek, dem Museum für Film und Fernsehen in der Potsdamer Straße 2, sind nicht mehr in dem Zustand, wie sie sein sollten, sondern das gesamte Land. Aber gut, glaubt man Schumpeter, baut jede ökonomische Entwicklung auf dem Prozess der schöpferischen Zerstörung auf. Nun versteht man unter Vandalismus zwar keine schöpferische Zerstörung, sondern blinde Zerstörungswut, aber das macht nichts. Denn es geht darum, dass wir uns daran gewöhnen, dass nichts mehr so ist, nicht wie früher, sondern so wie es sein sollte.

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Bericht aus einem gebrochenen Land (066)

Ruhe ist erste Bürgerpflicht, nicht nur in Ruhleben. Ruhe alleine reicht aber nicht mehr aus. Seit einiger Zeit muss man auch immer öfter viel Geduld haben. Tendenz weiter zunehmend. Beispielsweise beim Warten auf einen Handwerker. Und das, obwohl bereits alle Handwerker aus den Schluchten des Balkans in Berlin sind, nachdem zuvor schon die aus Polen alle Hände voll zu tun hatten hier. In der Krankenpflege sieht es kaum besser aus. Aber es hätte schlimmer können, wie man in Bulgarien sagt. Auch hier trifft die balkanische Weisheit zu. Stell dir vor, du bist Pole oder Bulgare und brauchst einen Handwerker oder eine Pflegekraft. Dann bist du besser beraten, selbst geduldig ein Handwerk oder die Altenpflege zu erlernen. 

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Bericht aus einem gebrochenen Land (065)

Das Leben ist bunt – in Berlin keine Selbstverständlichkleit

Die Berliner sind für ihre chronisch schlechte Laune bekannt. Sie ist sozusagen ihr Markenzeichen. Die schlechte Laune der Berliner ist einerseits dem Umstand geschuldet, dass es zu viele von ihnen gibt und sie darüber hinaus auf zu wenig Raum aufeinander hocken. Das macht nicht nur schlechte Laune, sondern auch aggressiv. Manch ein Berliner ist allerdings der Meinung, er könne in der Stadt auch noch Pflanzen anbauen und Tiere halten und alle Bewohner damit ernähren könne. Wenn diejenigen den großen Garten meiner Nachbarin Oma Bore in Bulgarien kennen würden, mit dem sie immerhin sich und ihre Familie ernährt, würden sie sogleich begreifen, dass ihre Idee nicht nur unrealistisch sondern einfach bescheuert ist. Die ersten haben dies wohl auch schon eingesehen, immerhin der Imkerei-Boom ist in Berlin vorbei. Oder mit anderen Worten: die blöden Bienen sind dem Berliner wieder egal. Genauso verhält es sich mit den Flüchtlingen, fällt mir gerade ein, zumindest in Pankow. Dort sind Bäume wichtiger als Flüchtlinge. Doch zurück zur schlechten Laune der Berliner und weiteren Gründen dafür. Neben dem Aufeinanderhocken ist es die fehlende Sonne, die auch zu einem Mangel an Vitamin D führt, der wiederum zu Knochen-, Gelenk- und Muskelschmerzen, aber auch Müdigkeit bewirkt, oder eben schlechte Laune. Kurz noch ein Vergleich zu Bulgarien, um die Größenordnung zu verdeutlichen. 1.746 Sonnenstunden und 106 Regentage im Jahr in Berlin stehen 2.261 Sonnenstunden und nur 68 Regentage in Varna am Schwarzen Meer gegenüber. Ein Meer fehlt Berlin, und natürlich auch die Berge, von denen es in Bulgarien so einige gibt, die dort für gute Laune sorgen und ein Aufeinanderhocken praktisch verunmöglichen.

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Bericht aus einem gebrochenen Land (064)

„Unnützer Mensch“ in Berlin

Heute soll Cannabis legalisiert werden. Höchste Zeit, denn immer mehr Menschen haben immer mehr Gründe sich zu betäuben, und das permanent. Die Droge könne zu „Psychosen“ („nebenwirkungsfrei“ hört sich anders an) führen, so ein Arzt im öffentlich/rechtlichen InfoRadio. Der Gesundheitsminister (ist er nicht auch Arzt?), der weder gesund aussieht noch sich gesund anhört, sprach zuvor von einer „Megakontrolle“ im Zusammenhang mit Cannabis. Ich verstehe ihn so, dass sicher gestellt werden muss, dass genug Stoff für alle da ist. So wie es der israelische Historiker und Dozent an der Hebräischen Universität von Jerusalem Yuval Noah Harari bereits vor Jahren gefordert hat. Harari ist ein gefragter internationaler Redner und wurde schon mehrfach von Klaus Schwab zum World Economic Forum (WEF) nach Davos eingeladen. In einem Interview sagte er, dass die wichtigste Frage für Politik und Wirtschaft sein würde, was man mit all diesen „unnützen Menschen“ (useless people) macht. Harari empfiehlt „eine Mischung aus Drogen und Computerspielen“. Ein Computerspielzeug hat mittlerweile jeder, und zwar ständig in seinen Händen. Es heißt Smartphone. Heute kommt die Droge hinzu.

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Bericht aus einem gebrochenen Land (063)

Dass es sich niemand mehr leisten kann in Berlin umzuziehen und deswegen der größte Vermieter von Umzugswagen, „Robben & Wientjes“, bereits dicht machen musste, darüber hatte ich hier geschrieben. Dass niemand mehr etwas zu verschenken hat in der Zentrale des deutschen Irrenhauses, das ist jetzt auch nicht neu. Neu ist, dass selbst die Kartons, in denen der Berliner dieses Nichts, das er zu verschenken hat, vor seiner Haustür abstellt, auch nicht mehr zu verschenken sind.

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