Bericht aus Bulgarien (76)

 

Regierungschef Petkow unter Beschuss

In Bulgarien ist gerade der Winter zurückgekehrt und mit ihm der Schnee und die Schneeballschlachten. Auch der amtierende Ministerpräsident Kiril Petkow bekam vor wenigen Tagen einen Schneeball ab. Es ist ihm aber nichts passiert, nicht nur weil er von seinen Sicherheitsleuten vor den Schneebällen beschützt wurde, sondern weil Schneebälle auch in Bulgarien nur aus Schnee bestehen. Zuvor musste sich der Regierungschef noch „NATO raus“, „Kiro Hure“ und „Verräter“ von seinen Landsleuten anhören. So sind sie, die bulgarischen Barbaren, haben einfach keinen Respekt, immerhin hat der Mann in Harvard studiert, und undankbar sind sie darüber hinaus auch noch, wo sie doch jetzt auch endlich McDonald’s haben.

Video NOVA
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Bericht aus Bulgarien (75)

Auch für den Hund auf der Straße ist gesorgt

Gestern war ich aus, immerhin war Samstagnacht. Zuerst habe ich einen riesigen Keller in einem Neubaukomplex besucht, wo man spielen konnte: Tischtennis, Pool, Dart und solche Sachen. Der Eintritt war frei, Masken wurden nicht getragen, und auch ein Grüner Pass war nicht erforderlich. Für einen Kaffee und ein Wasser habe ich 3,50 Lewa (1,75 Euro) bezahlt. Vor Ort waren ganz normale Leute, die sich mit Freunden zum gemeinsamen Spielen verabredet hatten.

Da es erst Mitternacht war, und ich noch was anderes sehen wollte, bin ich in die Stadt gefahren. Dort gab es gegenüber vom Parlament eine „Revue“, die ich mir ansehen wollte. Hier war der Eintritt 10 Lewa (5 Euro), und die Bar war auch wieder im Keller. Letztendlich war es eine ganz normale Disco mit diesen ganz schlimmen schicky micky Leuten, die ich normalerweise meide wie die Pest, einfach weil man sich nicht mit ihnen unterhalten kann, wofür es an solchen Orten sowieso immer zu laut ist. Da ich mich nicht irgendwo dazusetzen wollte, und die Bar angeblich komplett reserviert war, konnte ich noch nicht mal ’ne Cola bestellen. Aber ich wollte sowieso nicht lange bleiben. Immerhin, auch hier trug niemand eine Maske, auch einen Grüner Pass wollte niemand sehen. Und auch wenn die Leute und die Location total bescheuert waren, hat es gut getan zu sehen, dass es noch so etwas wie normales Leben, in dem Fall Nacht-Leben, gibt.

Obwohl es nieselte, bin ich dann noch etwas durch Sofia bei Nacht gelaufen. Polizisten stoppten ein Fahrzeug, das verkehrt rum in eine Einbahnstraße gefahren war. Der Fahrer entschuldigte sich höflich bei den Beamten, er habe das Schild nicht gesehen – das war’s. Weil ich etwas Hunger bekam, bin ich noch in einen Gyros-Laden rein. Ganz normale Leute dort, keine Betrunkenen, nicht mal angetrunkene, und auch keine Maskenträger. Der Gyros für 4,50 Lewa (2,25 Euro) war unerwartet gut. Die 0,5l Cola gab es für 1,80 Lewa (90 Cent) dazu.

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Bericht aus Bulgarien (74)

 

„U$A RAUS!“

Im vom Bill Gates finanzierten Spiegel läuft zufällig ein Mann mit einer Stars&Stripes Mütze durchs in Bulgarien gemachte Bild. Ich bin jetzt seit Mai hier und habe eine solche Mütze noch nie gesehen. Aber mit Sicherheit wäre sie mir aufgefallen, nicht nur weil ich Mützenfan bin, auch wenn mir selbst keine steht, sondern weil ich auch Familie in den USA habe, um genau zu sein in Kalifornien. In Bulgarien, genauer in Sofia, wo auch Valentina Petrova das Foto für den Spiegel gemacht hat, habe ich aktuell obiges Graffito gesichtet. Und es ist nicht das einzige „U$A RAUS!“ Graffito in der bulgarischen Hauptstadt.

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Bericht aus Bulgarien (73)

 

Auch wenn der bulgarische Regierungschef in Harvard studiert hat, hat er es nicht leicht im Land. Selbst beim Feiertag am Donnerstag, dem „Independence Day“, forderten viele Demonstranten „Ostavko“, also seinen Rücktritt. Der Cicero fragt gerade: „Zerbricht die Regierung am Ukrainekrieg?“ – Nein, das tut sie nicht, zumindest nicht primär. Wenn sie demnächst zerbrechen sollte, dann vor allem deswegen, weil eine Mehrheit der Bulgaren bereits vor Ausbruch des Krieg beim Heizen sparen musste und aktuell im Kalten sitzt. Nicht nur Privatpersonen, sondern ganzen Gemeinden hatte man da bereits das Gas und / oder den Strom abgestellt gehabt, weil sie ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen konnten. Das habe ich gerade auch dem Cicero erklärt und angeboten, einen ausführlichen Artikel zu schreiben, der ihre Frage „Zerbricht die Regierung am Ukrainekrieg?“ beantwortet. Ich bin gespannt, ob und wie der Cicero reagiert.

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Bericht aus Bulgarien (72)

Ausstellung in Sofia

Offiziell ist Bulgarien Berlin nur eine Stunde voraus. In Wahrheit ist es aber viel mehr, wie obige Ausstellung „THE WAR! A WORLD GONE MAD …“ beweist. Sie wurde am 22. Februar eröffnet, also zwei Tage vor Beginn der Kriegshandlungen in der Ukraine. Berücksichtigt man die Planung, die einer solchen Ausstellung vorausgeht, dürfte es mindestens ein Jahr sein. Da in Bulgarien die Uhren anders ticken, wohl eher zwei. Die Ausstellung in Sofia geht bis zum 22. Mai 2022, wenn sie nicht verlängert wird, falls sie sich jemand ansehen möchte.
Höre gerade deutschen Journalisten zu, die im Internet die Idee diskutieren, jemand solle in Moskau eine Pistole nehmen und damit Putin töten. Wieder sollen andere die Arbeit machen, und wieder nicht ihre. Ihre Arbeit ist, uns ausgewogen zu informieren und nicht zum Töten aufzurufen. Der Wahnsinn ist in den Köpfen deutscher Journalisten bereits angekommen: „THE WAR! JOURNALISTS ALREADY WENT MAD …“    –    Hier ist Deutschland Bulgarien voraus.
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Bericht aus Bulgarien (71)

Polizisten bei der Arbeit

Gestern war in Bulgarien Feiertag, also „Independence Day“, und zwar von den Türken. 144 Jahre ist es jetzt her, dass Bulgarien unabhängig vom Osmanischen Reich wurde, wobei die Russen mitgeholfen haben. Gestern Abend haben bulgarische Polizisten mitgeholfen, dass beim Festakt im Parlament in Sofia nur geladene Gäste hereinkommen. Die Polizisten auf dem Foto, zwei von ihnen sitzen entspannt auf der Bank, eine Maske trägt keiner von ihnen und auch keine Kampfmontur, sind also bei der Arbeit. Sie haben es mir auch im Gespräch bestätigt, ich soll es aber nicht an die große Glocke hängen.

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