Leaving Berlin (001)

Museumsführer statt „Jawohl, mein Führer!“

Nach Leaving California nun Leaving Berlin. Ich kenne praktisch nur noch Leute, die raus wollen aus der Zentrale des deutschen Irrenhauses oder es schon sind. Fand ich früher die Bayern und die Ösis irre, erscheinen sie mir heute die mit dem gesunden Menschenverstand zu sein. Von dem besseren Essen ganz abgesehen. Zünftig, aber extrem lecker. Es muss auch nicht immer Krieg sein. Während in Berlin der Befehl „Deutschland steht eng an der Seite Israels“ unseres Bundeskanzlers mit „Führer befiel, wir folgen dir!“ und „Jawohl, mein Führer!“ aufgenommen wurde, geht man hier in Wirtshaus, in die Natur oder ins Museum, so wie wir. Die Führung durch obigen Vierkanthof Thomas Bernhards in Oberösterreich, die Berliner Zeitung hat neulich meinen Beitrag über Bernhards „Holzfällen. Eine Erregung“ in Sofia veröffentlicht, machte der Halbbruder des alten Grantlers selbst, was ein großes Glück war. Normalerweise machen das Studenten. Peter Fabjan wusste nicht nur einiges über seinen Halbbruder Thomas Bernhard und dessen drei Häuser zu berichten, sondern ist darüber hinaus extrem witzig und für sein Alter (86!) sehr sehr rüstig. Das Bernhard Haus – ein Geheimtip!

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Bericht aus einem gebrochenen Land (132)

Obwohl ich Berlin gestern Richtung Balkan verlassen habe, blicke ich noch einmal zurück in die Zentrale des deutschen Irrenhauses. Obige Vattenfall Werbung habe ich oft von der S-Bahn aus an der Jannowitzbrücke gesehen. Jedesmal habe ich mich über die Verblödung aufgeregt. Zum Schluss habe ich den Witz verstanden. Es ist gar keine Werbung von Vattenfall, sondern eine Steigerung von Zonen-Gabys erster Banane. Die Überschrift heute lautet allerdings nicht „Zonen-Gaby im Glück“, wie im November ’89 die Titanic titelte, sondern „Schlafschafe im Glück“.

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Bericht aus einem gebrochenen Land (131)

Die Stimmung in Berlin ist am Boden. Viele sind runtergezogen, müde und ausgelaugt. Nicht wenige leiden unter Depressionen. Wer kann, verlässt die Zentrale des deutschen Irrenhauses. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis möchten alle nur noch raus aus Berlin. Einige sind schon mit einem Fuß draußen. Andere sind dabei sich von Dingen zu trennen, um sich für den bevorstehenden Absprung leichter zu machen. Manch einer hofft noch auf Arbeit oder gar auf Familie, die ihn über Wasser hält. Spezielle Büros bieten Wartenden bereits Bänke zum Übernachten an. Berlin wird immer mehr zu einem San Francisco an der Spree. Ich hatte hier über die dystopischen Zustände in der einstigen Hippie und Flower Power Metropole am Pazifik geschrieben, die nun auch in Berlin angekommen sind. Hier eine Arbeit zu finden, die genug einbringt, um sich ein Leben in Berlin leisten zu können, gleicht einem Lottogewinn. Wenn überhaupt, so ist es ein Überleben. Von Familie ganz zu schweigen. Familie ist praktisch wie Sex. Ja, das gab es einmal, ist aber lange her. Eine Möglichkeit gibt es wohl noch. Berlin als ideale Filmkulisse für eine Mischung aus „Soylent Green“ und „Idiocracy“.

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Bericht aus einem gebrochenen Land (130)

Nachdem unsere Freiheit neulich noch „erfolgreich“ am Hindukusch verteidigt wurde, nun also Litauen. Endlich wieder Ostfront! Eine Brigade unseres Heeres wird in Litauen mit dem Namen „Panzerbrigade 45“ neu aufgestellt. Zielgröße sind 4.800 Soldatinnen und Soldaten sowie rund 200 zivile Bundeswehrangehörige und weitere Beschäftigte. Sie werden in Rūdninkai und in Rukla und damit in der Nähe der beiden Großstädte Vilnius und Kaunas stationiert. Ich war schonmal in Litauen. Es war das Jahr 1989. In Litauen ist mir klar geworden, dass sich die Dinge ändern werden, auch bei uns. Denn in Litauen hatten sich damals die Dinge Dank Gorbatschows „Glasnost & Perestroika“ schon geändert gehabt. Groß geworden bin ich in Ostdeutschland neben einer großen Kaserne der „Sowjetischen Armee“. Die allermeisten, die jetzt wieder „Jeder Schuss ein Russ!“ brüllen, haben vermutlich noch nie einen Russen gesehen, geschweige dass sie in Litauen gewesen wären. Praktisch eine Art „Pegida“, nur umgedreht. Die meisten der „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ haben noch nie einen Moslem gesehen. Zumindest wird ihnen das immer vorgeworfen. „Pegida“ hat aber noch nie eine Brigade irgendwohin geschickt. Das scheint mir ein großer Unterschied zu sein.

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Bericht aus einem gebrochenen Land (129)

Knapp 35 Jahre ist es her, dass man mit obigem Aufnäher in der DDR Probleme bekam. Jetzt könnte „Der Tod ist ein Meister aus Deutschland“  ausgerechnet wegen seiner Waffenlieferungen an Israel Probleme bekommen. Ob es sich dabei um Beihilfe zum Genozid handelt, wie es in der Klageschrift Nicaraguas vor dem Internationalen Gerichtshof heißt, ist sekundär. Klar ist, dass Waffenlieferungen das Gegenteil von „Schwerter zu Flugscharen“ sind. Und auch, dass ein Gedicht mit dem Titel „Deutschland ist ein Meister beim Frieden machen“ viel schöner wäre.
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Bericht aus einem gebrochenen Land (128)

Gestern früh im Supermarkt ist die Umwelt nicht mehr fein raus. Ich werde nur mein Leergut nicht los. Kein Ding. Der Grund ist angeblich mangelnder Strom, und das schon seit Freitag. Wer nun dachte, er könne seine Flasche trotzdem abgeben, wird enttäuscht. Leergutannahme mit der Hand ist im Supermarkt an der Ecke unbekannt. So wie das Abkassieren ohne Strichcode. Dass Produkte Preise haben, die man zusammenrechnen kann, manchmal sogar im Kopf, um am Ende die Gesamtsumme abzukassieren, haben Kassierer, die diesen Namen nicht verdienen, heute nicht mehr im Kopf. Ich warte auf den Moment, dass man den Leuten sagt, dass sie atmen müssen, wenn sie leben wollen. – Aber zum Mond fliegen wollen …
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