Bericht aus einem aus der Zeit gefallenen Land (007)

Vor zwei Tagen wurde ich gefragt, ob ich zur heutigen Friedensdemo in Mitte gehen würde. Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher. Ich meine, es ist noch nicht so lange her, da waren selbst Spaziergänge verboten. Es kam natürlich auf die Spaziergänger an, das ist klar. Zuvor waren schon Demonstrationen verboten gewesen. Ich war trotzdem da, vor allem um sie als Zeitzeuge mit den Demonstrationen von ’89 in der DDR abgleichen zu können. Die Demonstrationen von 1989 und 2020/21 hatten viele Gemeinsamkeiten, aber auch einen großen Unterschied. ’89 in der DDR hat sich mir nie die Frage gestellt, ob ich mir das Demonstrieren überhaupt leisten kann. Heute kann ich mir, wie viele anderen auch, Berlin nicht mehr leisten. Die Entwicklung ist, so denke ich, nur folgerichtig. Meine Frage, ob ich mir das Demonstrieren überhaupt noch leisten kann, hat mich darauf vorbereitet, dass ich mir Berlin nicht mehr leisten kann. Vor allem deswegen verbringe ich viel Zeit in Bulgarien. Bulgarien kann ich mir leisten – noch. Auch in Bulgarien war ich auf zahlreichen Demonstrationen beispielsweise gegen die Corona-Maßnahmen und Masken. Demonstrationen waren in Bulgarien zu keiner Zeit verboten. Erzählte ich Bulgaren, dass in Deutschland sogar Spaziergänge verboten sind, schüttelten sie nur mit dem Kopf. Gedacht haben sie vermutlich: „Diese dummen Deutschen!“. Doch zurück zur heutigen Friedensdemo, für die ich mir obiges gelbes T-Shirt organisiert habe, das ich dort tragen könnte, allerdings unter einem Pullover, und das hat seinen Grund. Ich hab mal eine Gelbe Weste getragen, um gegen Uber zu demonstrieren, und wurde daraufhin von der „Antifa“ als „Nazi“ bezeichnet. Wer vor einigen Jahren, es war noch vor Corona, eine Gelbe Weste trug, war in Deutschland automatisch „Nazi“. Damals wollte ich den Antifanten die Sache mit Uber und Taxi erklären. Die knappe Antwort des Ober-Antifanten war, dass er Taxis und Taxifahrer noch nie leiden konnte. Seitdem erkläre ich nichts mehr. Es kann und soll sich jeder selbst informieren. Die Beschaffung von Informationen ist eine Hol-Schuld. So gesehen ist das T-Shirt mit dem Spruch von Gandhi eigentlich schon zu viel des Guten. Besser ich trage es nicht. Jetzt nicht, weil ich Angst hätte. So ist es nicht. Ich wollte ja sowieso einen Pullover drüber ziehen. Nein, einfach weil ein jeder selbst Gandhi lesen kann. Aber auch weil es kalt geworden ist.
PS: Gerade erfahre ich aus der Berliner Mottenpost, dass die bezahlen Provokateure mit der Doppelmoral und dem Herz aus Finsternis die Demo blockieren wollen, indem sie sich im Tiergarten an Bäume kleben. Ich bin gespannt, ob sie jemand beachtet, oder ob sie eventuell morgen immer noch dort festkleben, auch weil es wie gesagt kalt geworden ist in Berlin. Gestern gab es den ersten Schnee.

Fotos&Text TaxiBerlin

Bericht aus einem aus der Zeit gefallenen Land (006)

Eine schrecklich nette Familie
„Die wahre Geschichte – Verdammt großartig!“

Einen Lichtblick gibt es im Herzen der Finsternis, und das sind die Antiquariate mit ihren Büchern von gestern und vorgestern. Meine Erfahrung ist: je älter ein Buch, desto mehr Wahrheiten lassen sich in ihm finden. Die beiden Bücher oben sind jüngeren Datums. Über das angestrebte Amtsenthebungsverfahren gegen den amtierenden Präsidenten Joe Biden und die Vorladung seines Sohnes Hunter und weiterer Familienmitglieder der Familie Biden dazu, darüber erfährt man wie zu erwarten nichts in ihnen. – Aber gut, darüber steht auch nichts in der Zeitung.

Zum Glück gibt es wie gesagt auch Bücher, die etwas älter sind. Vielleicht müsste man das Wort „noch“ hinzufügen. Glaubt man obigem, steht Joe Biden einem „Imperium der Angst“ vor, das die Welt neu ordnen will. Das stimmt natürlich nicht. Sowas machen US-Präsidenten heute nicht mehr – außer sie heißen Trump.

Große Klasse auch der Titel dieses Buches, das ebenfalls etwas älter ist. Das muss definitiv vor den Faktencheckern gewesen sein. Mein Schreibprogramm kennt den Begriff Faktenchecker auch nicht, weswegen er rot unterstrichen ist bei mir. Auch mein Schreibprogramm ist von gestern. – Manchmal sind auch die Faktenchecker von gestern, beispielsweise wenn sie nicht einmal richtig übersetzen können.

Mein Favorit ist ganz klar dieser Buchtitel. Lange dachte ich, dass es keine Steigerung von Nietzsches „Jenseits von Gut und Böse“ geben könne. Nun wurde ich eines besseren belehrt. – Es gibt all diese Bücher. Ich habe sie mir nicht ausgedacht. Das Wissen ist da. Warum man nicht darauf zurückgreift, bleibt unklar.

PS: „Verdammt großartig!“ über Hunter Bidens Buch „Beautiful Things“ hat Stephen King gesagt. (Foto ganz oben) – Ich hoffe, der hat das nicht ernst gemeint.

Fotos&Text TaxiBerlin

Bericht aus einem aus der Zeit gefallenen Land (005)

Im Treptower Park

Wer ein Herz auf die Rechnung malt oder auch nur ein Smiley, bekommt mehr Trinkgeld. Wer schon einmal im Service gearbeitet hat, weiß das. Auch die Letzte Generation bedient sich eines Herzchens, allerdings eines schwarzen Herzchens in einem roten Kreis. Dass ich meine Rückkehr nach Berlin als Reise ins Herz der Finsternis bezeichnet habe, war also keine Übertreibung. Denn den bezahlten Provokateuren mit der Doppelmoral und dem schwarzen Herzchen im roten Kreis fliegen nicht unbedingt die Herzen der Menschen zu. Was die Letzte Generation selbst angeht, wird sie vor allem deswegen die letzte sein, weil sie es vorzieht sich auf Straßen zu kleben anstelle mal richtig rumzuvögeln. Immerhin war es das, was wir in dem Alter gemacht haben: rumgevögelt. (Zumindest haben wir es versucht. Unsere Versuche waren zugegeben nicht immer von Erfolg gekröhnt. Das soll bei aller Eile und auch bei aller berechtigten Kritik an der Letzten Generation nicht verschwiegen werden.) Denn ohne Rumvögeln – und das gilt noch immer – keine Kinder! Dass die Klebekinder der Letzten Generation jetzt auch als Die letzten Wixxer bezeichnet werden, ist diesen Gedanken nur konsequent zu Ende gedacht.

Fotos&Text TaxiBerlin

Bericht aus einem aus der Zeit gefallenen Land (004)

Heute vor 60 Jahren wurde der amerikanische Präsident Kennedy in Dallas erschossen. In den USA glaubt nur noch eine Minderheit an den Einzeltäter Oswald. Dylan spricht in seinem Song „Murder Most Foul“ von „they“, also von „ihnen“, die ihn ermordet haben. Der Song ist auch schon wieder drei Jahre alt. Trotz allem wird in den USA und damit in der Welt an der Oswald Geschichte festgehalten. Genau dasselbe scheint mir mit Corona zu passieren. Angeblich eine todbringende Krankheit, an der nur kaum jemand gestorben ist, weswegen „mit“ und „im Zusammenhang mit“ gestorben werden musste. Der Impfstoff gegen die angeblich todbringende Krankheit sollte einhundert Prozent sicher sein. Bei wem dies nicht so ist, hat es heute schwer. Wer die Nebenwirkungsfreiheit der so genannten Impfung anzweifelte, hatte es zuvor. Die Ermordung Kennedys vor 60 Jahren war, davon kann man ausgehen, ein Staatsverbrechen. Es gibt Bücher und Filme dazu, beispielsweise den von Oliver Stone. Wer ein Buch mit einem solchen Verdacht über die Corona-Krise schreiben möchte, darf dies – immerhin. Oder sollte ich besser „noch“ sagen? Von der Buchmesse wird es allerdings verbannt. So ist es dem Buch „Das Staatsverbrechen“ von Dr. Gunter Frank passiert. Es hat den Untertitel „Warum die Corona-Krise erst dann endet, wenn die Verantwortlichen vor Gericht stehen“. Ich bin mir nicht sicher, ob dies wirklich die Lösung ist. Eine Aufarbeitung nach dem Vorbild der „Wahrheits- und Versöhnungskommission“ in Südafrika wäre aber schon schön. Sonst geht es einfach immer so weiter mit Corona wie mit dem Kennedy Attentat, wo es selbst nach 60 Jahren eine offizielle Geschichte gibt, die aller Wahrscheinlichkeit so gar nicht stattgefunden hat und an die auch kaum noch jemand glaubt – außer vielleicht irgendwelche „150-igen“.
Video BobDylan
Text TaxiBerlin

Bericht aus einem aus der Zeit gefallenen Land (003)

Irgendwo in Berlin

Gerade lese ich „Friedensfähigkeit und Kriegslust“, das neue Buch von Hans-Joachim Maaz, den ich im Sommer interviewt habe. Das Interview ist unter dem Titel „Es ist ein Kulturkampf“ auf Multipolar und bei Radio München erschienen. In Deutschland sollen einige den Begriff „Kriegslust“ für übertrieben halten. Angesichts von Aufrufen wie „Kill Putin!“ bin ich mir nicht sicher. Man kann „Kill Putin!“ auch als Teilaspekt von „Kill All Men“ verstehen. „Kill All Men“ klingt jetzt nicht gerade besonders friedfertig. Ist es bereits „kriegslüstern“ oder „nur“ ein einfacher Mordaufruf? – Aber ist es denn nicht so, dass auch „Men’s Lives Matter“?

PS: Putin wird übrigens morgen am G20-Gipfel teilnehmen, also gemeinsam mit den uns Regierenden an einem Tisch sitzen. – Wie alle anderen allerdings virtuell.

Foto&Text TaxiBerlin

Bericht aus einem aus der Zeit gefallenen Land (002)

„We are lucky!“ sagt mein englischer Freund Jerry immer zu mir. Jerry, der am liebsten Deutscher wäre, lebt seit fast fünfzehn Jahren permanent in Bulgarien und muss es wissen. Und es stimmt wirklich, aber nicht nur das. Mir geht es genauso wie Jerry. Dies fällt mir jetzt besonders auf, wo ich zurück in Berlin bin. Obwohl hier, anders als in Bulgarien, kaum die Sonne scheint, ist niemand geblendet von der Sonne, die mir aus dem Arsch scheint. Genau das Gegenteil ist der Fall. Gestern z.B. wollte ich mit einem von ihnen spazieren gehen. Nach nur einhundert Metern konnte er nicht mehr, musste er zurück nach hause. Chronische Erschöpfung gepaart mit Depressionen und Angstzuständen ist nur eine kleine Auswahl seiner zahlreichen Diagnosen, die er mir voller Stolz aufzählt. Er steht damit nicht alleine. Viele sind so runtergezogen, dass sie nur noch nach unten schauen. So können sie die Sonne natürlich nicht sehen, wenn sie einem anderen aus dem Arsch scheint.

Foto&Text TaxiBerlin

Bericht aus einem aus der Zeit gefallenen Land (001)

Gestern den ganzen Tag vorm Radio gesessen und auf die Fragen gewartet, die andere lieber auslassen. Leider vergeblich. Heute morgen fiel mir ein, dass ich RadioEins vom RBB bereits in meinem Taxi nicht mehr gehört habe. Dazu muss man wissen, dass es einige Jahre her ist, dass ich kein Taxi mehr fahre. Schon damals hat weder RadioEins, noch das InfoRadio ebenfalls vom RBB irgendwelche Fragen gestellt, die andere lieber auslassen. Ich frage mich, wie man beim RBB zu dieser Annahme kommt. Möglicherweise nur zu Werbezwecken. Vielleicht ist es auch die Idee der „Szeneplakatierung“. Auf jeden Fall passt das Wort zum Motto des RBBs: „Fragen, die andere lieber auslassen“. Abends ist mir eingefallen, dass ich noch gar nicht meine Zwangsgebühren fürs vierte Quartal für ÖffentlichRechtlich bezahlt habe. Das habe ich dann gleich nachgeholt. Ich will ja keinen Ärger. Vor allem brauche ich meine Ruhe. Lieber warte ich den ganzen Tag vergeblich vorm Radio. Gerade höre ich – wie bei mir im Taxi – klassische Musik von CD, erst Mozart, dann Bach. Danach höre ich gar nichts, um mir in Ruhe die Fragen, die andere lieber auslassen, selber zu stellen und auch zu beantworten.
PS: Das andere Motto von RadioEins „Nur für Erwachsene“ stimmt auch nicht. – Mein Vorschlag: „Nur für nicht erwachsen gewordene Erwachsene“.

Foto&Text TaxiBerlin