Zurück in Bulgarien (072) – „Von der Balkanisierung Berlins und dem Geschmack bulgarischer Tomaten“

Flohmarktfund: Esel-Kunst

Bereits gestern haben die Munich Globe Bloggers den fünften und letzten Teil meines Interviews veröffentlicht. Darin geht es an erster Stelle um Esel im Allgemeinen und um mein Projekt des „Donkey Sanctuary & Writers Retreat“, dem ersten Rückzugsort für Autoren und Schriftsteller, an dem es auch Esel gibt, im Besonderen. Ganz nebenbei erkläre ich noch die Balkanisierung Berlins, also warum die deutsche Hauptstadt von heute für mich eine Failed City ist. Dazu ist der Blick von aussen oft sehr hilfreich. Hinzu kommt, dass ich immer wieder auch in Berlin bin, aber nicht nur dort. Im Sommer war ich auch noch zwei Monate in Kalifornien. San Francisco geht Berlin als Failed City voran, ich habe hier darüber geschrieben. Der in der Berliner Zeitung veröffentlichte Text wurde kürzlich von Karsten Troyke für Radio München eingesprochen. Last but not least geht es in dem Interview mit den Munich Globe Bloggers auch um die bulgarische Tomate und dass wir im Westen den Blick für das Wesentliche verloren haben. Dies hat mit dem „Denken in Geld“ und unserem „Quantität vor Qualität“ zu tun. Beides Dinge, die sich auch in „Der Untergang des Abendlandes“ von Oswald Spengler wiederfinden. Was ich dort nicht wiedergefunden habe, sind Esel. Deswegen das Interview mit den Munich Globe Bloggers und neulich auch mit dem Veggieradio.

Foto&Text TaxiBerlin

Zurück in Bulgarien (071) – „Grüne Bohnen“

Wie vieles in Bulgarien anders ist, oft sind die Dinge sogar umgedreht hier, so sind auch die Grünen Bohnen anders. Sehen sie in Deutschland eher so aus wie die Gelben Bohnen rechts im Bild, sind die bulgarischen Grünen Bohnen Endlosbohnen, als würden sie alle an einem Faden hängen. Nur ein Kilo zu kaufen, das immerhin 4,50 Lewa (2,30 Euro) kostet, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Man muss immer gleich eine ganze Kiste nehmen. Das führte dazu, dass ich mir gestern erneut eine Brennnesselsuppe gemacht habe. Die Brennnesseln sind nämlich schon wieder nachgewachsen bei mir im Garten, und dort sind sie ganz und gar umsonst.

Fotos&Text TaxiBerlin

Zurück in Bulgarien (070) – „Sonntag in Sofia“

Am Sonntag war ich in Sofia. Diesmal habe ich im Stadtteil „Nadeshda“ (Hoffnung) geparkt und bin mit der U-Bahn ins Zentrum gefahren. Die Tageskarte für ganz Sofia kostet vier Lewa (zwei Euro) mit „Sofia City Card“ – ohne „Sofia City Card“ 4,80 Lewa (2,40 Euro). Der Einzelfahrschein kostet 1,60 Lewa (80 Euro-Cent). Der Preis ist also heiß. Aber Vorsicht! Die U-Bahn hat der Russe gebaut. Ich schreibe trotzdem über Preise, weil mich ein aufmerksamer Leser in der Heimat darauf hingewiesen hat, dass mein neuer Häcksler von Lidl in Bulgarien nicht weniger als die Hälfte gekostet hat. Das ist bei elektrischen Geräten einer deutschen Supermarktkette auch in Bulgarien nicht möglich. Manche Geräte sollen hier sogar teurer als in der Heimat sein, wie man mir gesagt hat. Grundsätzlich kann man aber sagen, dass man in Bulgarien im Schnitt mit der Hälfte des Geldes gut über die Runden kommt, wie auch der Preis des Tagestickets für Sofia beweist.

Als erstes war ich in meinem Lieblingsantiquariat „Ortograph“, wo ich obiges Buch fand. Obwohl Antiquariate die Tatorte meine Büchersucht sind, habe ich das Buch nicht gekauft. Es hat mich aber daran erinnert, dass es ein aktuelles Buch mit praktisch demselben Titel gibt, das auch ins Bulgarische übersetzt ist. Der Autor heißt David Engels, das Buch „Was tun?: Leben mit dem Niedergang Europas“.

Als nächstes war ich am Denkmal der Sowjetischen Armee gegenüber der Universität. Neulich gab es dort einen Protest, über den ich hier berichtet hatte. Das Gerüst, für das es keine Genehmigung geben soll, steht immer noch – das Denkmal auch. Die improvisierte Mauer ist leicht ramponiert. Die Beschädigungen stammen aber nicht vom Protest. Da war genug Polizei da, die am Sonntag komplett fehlte.

Auch an diesem, also den letzten Sonntag gab es einen Protest in Sofia, wie es praktisch täglich einen Protest in der bulgarischen Hauptstadt gibt – mindestens einen. Bei ihm ging es um das Thema „Frieden und Souveränität“. Dafür gibt es auch ein Referendum, für das man auf den Protest unterschreiben konnte. 

Gesprochen auf dem Protest hat eine Frau, die ich schon auf früheren Protesten gesehen und gehört habe. Überhaupt waren viele Frauen auf dem Protest am Sonntag. Die Sorge um den Frieden scheint bei Frauen besonders ausgeprägt zu sein. Möglicherweise weil sie ihre Söhne nicht verlieren wollen. Ist jetzt nur eine Vermutung von mir. Nebenbei wurde auch der Rücktritt der aktuellen bulgarischen Regierung gefordert, aber das gehört dazu, wenn man für Frieden und Neutralität ist und man darüber hinaus davon ausgeht, dass die aktuellen Regierung mit Hilfe der US-amerikanischen Botschaft in Sofia ins Amt gehievt wurde. Immerhin sind die Amerikaner die größten Waffenlieferanten der Ukraine, noch vor Deutschland.

Auch am Abend ging es weiter mit Frauen, und zwar dem „Sofia Gospel Chor“, in dem seit einiger Zeit die bulgarische Freundin meines englischen Freundes singt und tanzt. Das kostenlose Konzert war großartig, was neben dem phantastischen Chor auch daran lag, dass viele bekannte Gäste, also Sänger und Sängerinnen, in Begleitung des „Sofia Gospel Chor“ an diesem Abend aufgetreten sind.

Zum Schluss musste ich nur noch zurück zum Stadtteil „Nadeshda“ (Hoffnung), was aber kein Problem war. Immerhin hatte ich eine Tageskarte und auf die von den Russen gebaute U-Bahn war auch Verlass. Was Bulgarien angeht, habe ich mehr Hoffnung als ich für Berlin habe, auch wenn ich neulich geschrieben hatte: „Noch ist Berlin nicht verloren“.
Fotos&Text TaxiBerlin

Zurück in Bulgarien (069) – „Unterwegs“

Am Wochenende war ich unterwegs, unter anderem zu einem Fest im ersten bulgarischen Bücherdorf Chelopek. Ich erwähne Chelopek auch in der Beschreibung meines Projektes „Donkey Sanctuary & Writers Retreat“, dem ersten Rückzugsort für Autoren, an dem es auch Esel gibt. Chelopek war einst bekannt für seine vielen Esel. Das erfuhr ich im März von den drei Macherinnen des Bücherdorfes, die ich letztes Jahr auf der Kirmes in der Stadt Vraca kennenlernte, die zwischen ihrem und meinem Dorf liegt. In meinem Dorf war das Wochenende zuvor Kirmes, weswegen viele Junge angereist sind, manche von ihnen auch aus dem Ausland. Ähnlich war es beim Fest im Bücherdorf Chelopek. Den heutigen Feiertag in der Heimat nehme ich zum Anlass, einige Bilder vom Fest in Chelopek zu veröffentlichen. Einerseits, weil Bilder mehr als tausend Worte sagen. Andererseits, um zu zeigen, wie Feste bis heute in Bulgarien begangen werden.

Je oller, umso doller
Siehe oben
Vor dem Auftritt

Gleich geht es auf die Bühne

Sie kommen gerade von der Bühne
Gekocht wird für alle
Die beiden Alten aus der Muppet Show waren auch da
Fotos&Text TaxiBerlin

Noch ist Berlin nicht verloren

Bisher kannte ich nur den Spruch, dass Polen noch nicht verloren ist, der bedeutet, dass trotz einer schier aussichtslosen Lage noch Hoffnung vorhanden, noch nicht alles verloren ist. Lange war ich mir nicht sicher, ob dies für Berlin zutrifft. Das ist insofern keine Überraschung, da Deutschland sich in den letzten Jahren immer mehr zu einem Irrenhaus entwickelt hat, von dem die Bundeshauptstadt leider aber logischerweise die Zentrale ist. In obigem aktuellen Video werde ich nun eines besseren belehrt. „Der Ketzer der Neuzeit“, wie sich der Macher nennt, sein richtiger Name ist Leonard Jäger, steht genau an der Ecke, an der auch ich oft mit meinem Taxi gestanden habe. Es ist die Ecke Schönhauser Allee und Eberswalder Straße, und er führt dort ähnliche Gespräche, wie ich sie in meinem Taxi geführt habe, als ich noch mit ihm auf den Straßen und Plätzen Berlins unterwegs war.
Video KetzerDerNeuzeit
Text TaxiBerlin

Zurück in Bulgarien (068) – „Der Pavillonche“

Was in Deutschland das Tiny House ist, ist in Bulgarien der Pavillon, genauer der Pavillonche. Obiger Pavillonche steht aktuell leer, ist also available, wie man auf englisch sagt. Bisher wurden Pavillonche in Bulgarien ausschließlich zum Verkauf genutzt, waren also Verkaufs-Pavillons. Dass man in einem Pavillonche auch wohnen könnte, darauf ist man in Bulgarien noch nicht gekommen. Dieser Trend ist an dem kleinen Rand am Rand bisher zum Glück vorbeigegangen. In Bulgarien haben die Menschen noch ein zu Hause, in dem sie darüber hinaus auch noch wohnen. Dass in Deutschland immer mehr Menschen in einem Tiny House wohnen wollen, ist nur auf dem ersten Blick dem Umstand geschuldet, dass sich immer weniger eine Wohnung leisten können, sondern vor allem dem, dass immer weniger Menschen noch ein richtiges zu Hause haben wie in Bulgarien. Für den, der sich in der Heimat weder ein eigenes zu Hause noch ein Tiny House leisten kann, könnte der Pavillonche in Bulgarien die Lösung sein. Obiger ist nicht nur umzäunt und hat einen Abzug, sondern hat darüber hinaus einen Deutschland-typischen Stein- genauer Beton-Garten vor der Tür, ist damit wie geschaffen für einen Deutschen. Bei Interesse frage ich gerne nach, was der abschließbare Pavillonche kosten soll.

Foto&Text TaxiBerlin