
Mein bester Freund in Bulgarien ist Engländer. Sein Name ist Jerry, ich habe schon oft über ihn geschrieben. Als Soldat der englischen Armee war Jerry auch in Berlin stationiert, später in Westdeutschland. Dort war er mit einer Deutschen verheiratet, deren Eltern ursprünglich aus dem Osten kamen. Jerry kennt also Deutschland und hatte auch schon frühzeitig Kontakt zu Ostdeutschen. – Neulich habe ich über den englischen Historiker Christopher Clark und sein Buch „Die Schlafwandler – Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog“ geschrieben. Heute geht es um den Engländer David Betz. Beide, sowohl Betz als auch Clark, sind übrigens Professoren, aber das nur nebenbei. Betz beschäftigt sich mit den Bedingungen für Bürgerkriege und bewaffneten Aufständen. In einem Interview mit der Berliner Zeitung sagt er, dass nahezu alle Voraussetzungen für Bürgerkriege gegeben sind. Jetzt nicht irgendwo, sondern in Westeuropa. Betz kommt zu dieser Aussage aufgrund von Faktoren, die er seit Jahrzehnten erforscht: tiefe gesellschaftliche Spaltung, ein beschleunigter Statusverlust der einst dominanten Mehrheitsbevölkerung und ein dramatischer Zusammenbruch des Vertrauens in die Institutionen. Der möglicherweise bevorstehende Bürgerkrieg sei im Kern eine Revolte der „Regierten“ gegen die Eliten, so Betz. – Viele „Regierte“ sind zunehmend „Angry“. Manch einer hat sogar schon ein Nummernschild an seinem Auto, auf dem „Angry“ steht, was mich an meinen Freund Jerry denken lässt. Jerry sagt immer, die Engländer seien praktisch Deutsche, nur mit Humor. Das finde ich gut, weil – leider – zutreffend. Besser ist nur noch seine Beschreibung unseres Lebens ins Bulgarien: „We are Lucky!“. Und das kann ich auch nur meinen humorlosen Landsleuten empfehlen: „Be Lucky, Not Angry!“






