Heute vor 64 Jahren wurde die Mauer gebaut. Der 13. August 1961 war ein Sonntag. Am Tag zuvor lagen viele – so wie heute – am See und ließen es sich gut gehen, schließlich war Sommer. Auch der Erste Weltkrieg begann im Sommer, und zwar am 28. Juli 1914 – einem Dienstag. Darüber, „Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog“, hat der englische Historiker Christopher Clark obiges Buch mit dem Titel „Die Schlafwandler“ geschrieben, das auch von der Bundeszentrale für politische Bildung herausgegeben wird. Das Buch geht nach der Einleitung und dem Teil Eins „Wege nach Sarajewo“ in Teil Zwei „Ein geteilter Kontinent“ bis ins Jahr 1887 zurück. Genau heißt das dritte Kapitel „Die Polarisierung Europas 1887-1907“. 1887 sind es noch 27 Jahre bis zum Kriegsbeginn im Jahre 1914! Um den eigentlichen Auslöser des Krieges, den „Mord in Sarajewo“, geht es erst in Kapitel Sieben auf Seite 475. Das Buch selbst hat 700 Seiten, aber erst das letzte Drittel dreht sich um den eigentlichen Kriegsbeginn. Zwei Drittel des Buches beschäftigt sich nur mit der Vorgeschichte des Ersten Weltkriegs. – Bei wem klingelt’s jetzt?
Gesucht werden männliche, weibliche und diverse Terroristen. So könnte man meinen. Die Wahrheit ist wohl, dass der Geheimdienst männliche, weibliche und diverse Mitarbeiter sucht, um Terroristen zu finden. Ob die gesuchten Terroristen männlich, weiblich und divers sind, bleibt unklar, obwohl dies wichtig wäre zu wissen – zumindest für mich. Ich will ja nicht „die Katze im Sack“ suchen. Fest steht, es ist die erste derartige Anzeige des bundesdeutschen Geheimdienstes an einer Berliner Litfaßsäule, der ich begegne. Was kommt als nächstes? Vielleicht eine Anzeige der Bundeswehr, mit der diese Mitarbeiter für die Aktion „Jeder Schuss ein Russ!“ sucht?
Apropos Terroristen: Weißt Du, was der Unterschied zwischen Touristen und Terroristen ist? Genau: Touristen haben – im Gegensatz zu Terroristen – keine Sympathisanten. Egal übrigens ob männlich, weiblich oder divers.
Angela Merkels FREIHEIT geht es nicht anders wie unser aller Freiheit. Muttis Buch erschien Ende November letzten Jahres, jetzt haben wir Mitte August. Nach nicht einmal neun Monaten ist es nur noch die Hälfte plus einem Euro Wert. Gut, Wert ist es natürlich viel weniger. Vielleicht das Papier plus einem Euro. Und das ist schon hoch gegriffen. Wenn schon nicht am Inhalt, so hätte man zumindest am Titel etwas machen können. Wie wäre es mit ALTERNATIVLOS? Oder ZWEI PLUS ZWEI IST VIER? Laut Orwell ist Freiheit nämlich „die Freiheit zu sagen, dass zwei plus zwei vier ist.“ Apropos George Orwell: Hat der nicht auch gesagt, dass FREIHEIT SKLAVEREI sei?
In ihrem 2009 erschienenen und mit dem Leipziger Buchpreis ausgezeichneten Roman „Apostoloff“, einem Road Movie durch Bulgarien, der mit Unterwegs mit Rumen beginnt, beklagt sich die bulgarisch/schwäbische Autorin Sibylle Lewitscharoff darüber, dass sich viele Frauen in Bulgarien wie Nutten anziehen würden. Meine aktuelle Beobachtung ist, dass auch in diesem Punkt die Balkanisierung in Berlin vollständig abgeschlossen ist. Mit einem Unterschied: die wie Nutten gekleideten Frauen in der Bundeshauptstadt sind not avaible, also nicht verfügbar.
Neulich unterhielt ich mich mit einem von diesen stromlinienförmigen Mainstreamern. Also jemand, der noch der Tagesschau und dem Spiegel glaubt. Ich meine das gar nicht böse. Immerhin gehört er einer Mehrheit an. Es lebt sich bekanntlich immer leichter, wenn man einer Mehrheit angehört. Ich weiß das, weil es in Bulgarien genau umgedreht ist. Auch deswegen tue ich mich immer etwas schwer, mich hierzulande mit Menschen wie Thomas zu unterhalten, der nicht Thomas heißt. Aus unerfindlichen Gründen kamen wir auf Putin zu sprechen. Wie das Leben manchmal so spielt. Mehrheitsmensch Thomas war der Meinung, dass Putin uns wenn nicht morgen, so doch spätestens übermorgen angreifen wird. Schließlich führe Putin einen „Angriffskrieg gegen die Ukraine“. Ich fragte Thomas, ob er sich schonmal die Frage gestellt habe, warum Putins „Angriffskrieg gegen die Ukraine“ nicht „Der vom Westen provozierten Angriffskrieg gegen die Ukraine“ genannt wird. Etwas provokativ erlaubte ich mir die Zusatzfrage, ob er wirklich glaube, dass Putin diesen Krieg begonnen habe, weil er die Nacht zuvor schlecht geschlafen hat. Thomas wusste nicht, was er sagen sollte. Solche Fragen hatte ihm noch nie jemand gestellt, und er sich selbst offensichtlich auch nicht. Ich solle ihm mehr Informationen geben, denn er wisse nichts über die Vorgeschichte dieses Krieges, so Thomas. Ich gab ihm die gewünschten Informationen, woraufhin Thomas als nächstes meinte, dass er meine Informationen prüfen müsse – immerhin. Mehr kann man nicht erwarten. Im Normalfall stehen die Leute auf und gehen oder fangen an einen wüst zu beschimpfen, wenn man es wagt, ihre Glaubensbekenntnisse in Frage zu stellen. Thomas ist dagegen der dritte und beste Fall, auch wenn er nichts prüfen sondern später nur sagen wird, dass da irgendsoein Idiot ihm irgendwelche bescheuerten Fragen gestellt habe. – Der Titel „Putin hat schlecht geschlafen“ ist übrigens inspiriert von „Frank Sinatra ist erkältet“ vom amerikanischen Journalisten und Schriftsteller Gay Talese, der in den frühen 1960er Jahren für die The New York Times schrieb. Darüber hinaus gilt Gay Talese als Mitbegründer des literarischen Journalismus und einer Bewegung im Journalismus, die gerne auch als New Journalism bezeichnet wird. Der vollständige Titel ist: „Frank Sinatra ist erkältet. Spektakuläre Storys aus vier Jahrzehnten.“ Fällt mir gerade noch ein, dass ich ganz vergessen habe Mehrheitsmensch Thomas zu fragen, ob er bereit wäre, gegen Putin in den Krieg zu ziehen. Das ist aber nicht weiter schlimm. Was wäre seine Antwort schon Wert gewesen nach dem fünften halben Liter Bier?
Die „Delegitimierung des Staates“, gerne auch „Verfassungsschutzrelevante Delegitimierung des Staates“, ist ein relativ neues Phänomen. Obwohl, ganz so neu ist es nun auch wieder nicht. Bei der Stasi in der DDR hieß es noch „Staatsfeindliche Elemente“ oder auch „Feindlich-negative Elemente“, aber das nur nebenbei. Jedenfalls wollte ich mich gerade fragen, wer oder was genau der Staat ist, als ich die Antwort in einem bereits vor zwölf Jahren erschienen Buch fand: DER STAAT SIND WIR! Schön auch der Hinweis WARUM VOLK SEIN NICHT (mehr) GENÜGT.