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Wenn die Welt Kopf steht, kann es hilfreich sein, es ihr gleich zu tun. Ich habe neuerdings ein Gerät, mit dem ich mich auf den Kopf stellen kann. Wie es genau heißt, weiß ich nicht. Es ist eine Leihgabe eines Freundes, eines „Englishman in Bulgaria“, der viele Jahre in der „Armee Ihrer Majestät“ gedient hat. Das Gerät ist am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, weil wir es nicht gewohnt sind, die Dinge richtig herum zu sehen. Obwohl es einfach zu bedienen ist. Man muss nur seine Füße in dafür vorgesehene gepolsterten Halterungen fixieren. Danach dreht man sich selbst mit den Händen an den seitlichen Bügeln ganz einfach auf den Kopf. Man hängt dann an seinen Fußgelenken, was aber Dank der Polsterung kein Problem ist, und was auch sehr gut für den Rücken und die Wirbelsäule ist. Anfangen sollte man mit dreimal fünf Minuten am Tag – maximal! Denn es ist nicht nur ungewohnt, sondern kann sogar regelrecht gefährlich werden, die Dinge plötzlich richtig herum zu sehen.
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Wir leben wahrlich in verrückten, fast wahnsinnigen Zeiten, in denen man mehr Wahrheiten bei BILD als im Spiegel und auch bei Öffentlich/Rechtlich findet, und wo der Bundeskanzler in seinem eigenen Schwarzen Kanal den wiederauferstandenen Karl-Eduard von Schnitzler spielt, in dem es keine Spaltung der Gesellschaft gibt, „weil nicht sein kann, was nicht sein darf“. – Ich würde sagen: Wir sehen uns auf der Straße, Herr Scholz, Verzeihung, Karl Eduard.
Als ich „Was tun?“ las, ist mir der seltsame, sogar unpassende Gedanke gekommen, dass Nietzsche, wenn er heute lebte, vielleicht der erste wäre, der eine Erneuerung des Katholizismus wünschen würde. Während er damals hartnäckig das Christentum als eine ‚Religion der Schwachen’ bekämpfte, würde er heute einsehen, dass die ganze Kraft Europas in jener ‚Religion der Schwachen’ begründet war, und dass Europa ohne sie verloren ist. Michel Houellebecq in „Was tun?“ von David Engels
Nachdem ich gestern das Interview mit David Engels, dem Autor von „Was tun?“ mit seinem Übersetzer ins Bulgarische veröffentlicht habe, und ich bereits vor einiger Zeit auf das des Übersetzers mit dem Bulgarischen Nationalradio (BNR) „Christo Botew“ hingewiesen hatte, möchte ich nun etwas zum Buch „Was tun?“ selbst sagen, das seit zwei Monaten ein Bestseller in Bulgarien ist. Ich kannte bis zu dem Zeitpunkt, bis mir der Übersetzer im Sommer in Sofia von dem Buch „Was tun?“ erzählt hat, den Autor David Engels nicht, hatte noch nie von ihm gehört. Der Titel seines Buches kam mir hingegen bekannt vor. Wenn ich mich richtig erinnere, hat Lenin ein Buch mit einem solchen Titel geschrieben. Jedenfalls existiert ein Buch im Russischen mit dem Titel „Shto derljat?“ aus der Zeit der Oktoberrevolution. Das Buch von David Engels, das mit einem Zitat von Michel Houellebecq eingeleitet wird, hat damit nichts zu tun.
Dass David Engels sein Buch mit einem Zitat Michel Houellebecqs einleitet, der wiederum „Was tun?“ gelesen hat und sich in seinem Zitat sogar auf das Buch bezieht, hat mir den Autor gleich sympathisch gemacht. Und dann natürlich das Zitat selbst, in dem sich Michel Houellebecq mit Friedrich Nietzsche beschäftigt. Dazu muss man wissen, dass Houellebecq kein Fan von Nietzsche ist – eher das Gegenteil. Ich finde den Gedanken Houellebecqs, dass „Nietzsche, wenn er heute lebte, vielleicht der erste wäre, der eine Erneuerung des Katholizismus wünschen würde“, alles andere als abwegig – im Gegenteil. Der Gedanke ist auch nicht neu für mich. Mein bester Freund Dietrich hatte denselben Gedanken den Katholizismus betreffend bereits vor über zehn Jahren gehabt.
Der Gedanke bringt mich zurück zu dem Interview mit David Engels, denn der Autor hat das Interview mit seinem Übersetzer in Sofia vom Katholischen Polen aus geführt. David Engels hat sich aktuell von Belgien nach Polen in Sicherheit gebracht, so wie ich mich von Berlin nach Bulgarien in Sicherheit gebracht habe. Aus dem Interview erfahre ich weiterhin, dass David Engels sein Buch „Was tun?“ an erster Stelle für sich selbst geschrieben hat, um Antworten auf seine eigenen, brennenden Fragen zu finden. Das merkt man, so denke ich, dem Buch unbedingt an und macht es so leicht zu lesen.
Eine Sache hat mich in „Was tun?“ dann aber doch überrascht, und zwar dass für David Engels die Abschaffung des Bargeldes bereits beschlossen Sache ist. Dazu muss man wissen, dass er die erste Fassung des Buches auf Französisch noch vor Corona geschrieben hat. Weiter möchte ich über das Buch von David Engels eigentlich gar nichts sagen. Jeder, der lesen kann, sollte das Buch lesen und sich selber ein Bild machen, denn es versucht Antworten auf die wichtigsten Fragen unserer Zeit zu geben.
Zum Schluss mache ich das, was Verlage seit einiger Zeit mit ihren Autoren machen. Ich weise hiermit ausdrücklich darauf hin, dass, auch wenn ich das Buch „Was tun?“ von David Engels gelesen habe, das nicht automatisch bedeutet, dass der Inhalt dieses Buch meine Meinung darstellt. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, aber wir leben in besonderen Zeiten, in denen Selbstverständliches nicht mehr selbstverständlich ist.
Würde ich noch Taxi fahren, würde ich heute auch nach jeder Fahrt erklären, dass das, was Fahrgäste in meinem Taxi, in dem man zwar nicht telefonieren, dafür aber alles sagen durfte – sogar die Wahrheit, gesagt haben, nicht automatisch meine Meinung ist.
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Seit zwei Monaten gehört „Was tun?“ von David Engels zu den meistverkauften Büchern in Bulgarien. Ich hatte hier über das Interview des Bulgarischen Nationalradios (BNR) „Christo Botew“ mit dem Übersetzer ins Bulgarische geschrieben. Heute veröffentliche ich das zweiteilige Interview des Autors David Engels mit seinem Übersetzer. Ich habe den Übersetzer im Sommer in Sofia auf der Straße kennengelernt, und zwar an dem einzigen verbliebenen Stand des einstigen großen Buchbasars auf dem „Slaweijkow“. Der Platz wurde vor drei Jahren total-, also tot-saniert, und der bekannte Buchbasar, der einst eine Institution war, auch weil er jeden Tag und bei jedem Wetter geöffnet hatte, hat danach einfach nicht wieder aufmachen dürfen. Was es auf dem „Slaweijkow“ bis heute gibt, ist eine Bank aus Bronze, auf der Vater und Sohn Slaweijkow, beide Schriftsteller und ebenfalls aus Bronze, sitzen. Da es den Buchbasar nun nicht mehr gibt, habe ich den Übersetzer von „Was tun?“ von David Engels nicht auf dem „Slaweijkow“ kennengelernt, sondern auf dem „Platz vor dem Hotel Rila“. Der „Platz vor dem Hotel Rila“ ist ein kleiner, ungepflegter Park, in dem Obdachlose, auch die gibt es in Bulgarien, wenngleich viel weniger als in Berlin, zu hause sind und auf dessen Bänken sie schlafen. Obwohl der Platz durchaus zentral gelegen ist, ist er ein dunkler und unwirtlicher Ort. Mit Sicherheit hätte ich dort nicht die Bekanntschaft des Übersetzers gemacht, gäbe es hier nicht den einzig verbliebenen Stand vom ehemaligen großen und bekannten Buchbasar auf dem „Slaweijkow“. Dazu muss man wissen, dass Bulgarien ein kleines Land mit nur doppelt so vielen Einwohnern wie Berlin ist, wenn überhaupt, und wo praktisch jeder jeden kennt. Ich kenne jetzt nicht nur den Übersetzer, sondern auch den Verlag, der das Buch auf Bulgarisch herausgegeben hat, und dessen Büro in Sofia. Der Übersetzer wiederum hat seinen Verleger, also den Eigentümer des „Ost-West“ Verlages, der das von ihm übersetzte Buch „Was tun?“ von David Engels vor zwei Monaten herausgegeben hat, und das seither ein Bestseller in Bulgarien ist, auch an einem Stand für Bücher kennengelernt. Das war aber ein anderer Bücherstand auf einem anderen Platz in der bulgarischen Hauptstadt Sofia und ist auch schon wieder eine andere Geschichte.
Karl Lauterbach hat versichert, dass niemand ins Gefängnis muss. Das ist neu, dass ein Gesundheitsminister jetzt auch für die Justiz zuständig ist. Alt ist dagegen, was von solchen Versicherungen zu halten ist. Wenn die Herrschenden von Frieden reden, solle der kleine Mann sein Testament machen. Und wenn niemand die Absicht hat, eine Mauer zu errichten, wird sie garantiert gebaut. Ich habe mein Testament bereits vor Jahren gemacht. Und im Gefängnis war ich auch schon mal, sogar in Bulgarien. Es zieht mich nichts dorthin zurück. Trotzdem würde ich es vorziehen, dort wieder einzuziehen, bevor ich mich mit einem neuartigen Impfstoff ohne jegliche Langzeitstudien impfen lasse. Vielleicht werde ich aber auch Mönch. Arbeit gibt es hier genug für die Gesandten Gottes auf Erden. Das kleine Land am Rand unseres schönen Kontinents ist von alten Menschen bevölkert, die nun nach und nach wegsterben. Das ist auch der Grund, dass selbst auf dem Gottesacker mitunter ein Handyklingeln zu vernehmen ist. In den orthodoxen Klöstern, die sich meistens wirklich in den Schluchten des Balkans befinden, und in denen mit Sicherheit niemand nach einem Impfnachweis fragt, haben schon einmal Sprache und auch Kultur des Landes überlebt. Auch deswegen würde ich die Mönchszelle einer Gefängniszelle vorziehen.
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