Beim alten Stalin

Gestern war ich bei meinem Nachbarn, dem alten Stalin. Früher nannte sich der alte Stalin einfach nur „Grill Stalin“, heute heißt er „Komplex Stalin“. Gegrillt wird immer noch beim alten Stalin, seine Spezialität sind Forellen. Man kann sich auch einquartieren beim alten Stalin. Seit Jahren hat der alte Stalin Ausbauarbeiten zu laufen, und wenn die einmal fertig sind, können sich nicht nur mehr bei ihm einquartieren, sondern dann wird es auch komplex. Vermutlich braucht man dann eine Landkarte für den „Komplex Stalin“. So weit ist es zum Glück noch nicht. Bisher gibt es nur Speisekarten, und die sind nur auf bulgarisch. Der „Komplex Stalin“ ist ein Familienbetrieb, und das merkt man. Man wird sogar bedient, auch wenn man vorher selbständig am Tresen seine Bestellung abgeben musste. „Halbautomatisch“ nennt man das glaube ich. Dass ich gestern beim alten Stalin war, hatte seinen Grund. Es war der letzte Tag meines Besuchers aus der Heimat, was im „Komplex Stalin“ gefeiert wurde. Mein Besucher ist ein alter Bulgarienreisender, der auch schon mal beim alten Stalin war, weswegen er darauf bestand, wieder hinzugehen. Ich war das letzte Mal im September beim alten Stalin, es ist für mich also auch etwas Besonderes. Genauso wie die Forelle, die ich seither nicht mehr zu mir genommen habe. Beim alten Stalin ist die Forelle traditionell vom Grill, deswegen der ursprüngliche Name „Grill Stalin“. Und sie war – wie immer – hervorragend. Dazu einen einfachen Kohl-Möhren-Salat und zum Nachtisch leckeren Schafjoghurt mit Waldbeeren oben drauf – was will man mehr. Auch der alte Stalin hat die Preise seit dem Krieg erhöhen müssen. Aber ich will gar nicht erst mit den Preisen anfangen und mir damit den Tag versauen. Das Wetter war toll wie das Essen, die Sonne schien und wir saßen unter Trauben im Schatten beim alten Stalin.

„Land of the Freaks“

„Land of the Freaks“ – so heißt nicht nur Bulgarien unter Insidern, sondern auch der zweite Teil unseres Bulgarien-Podcasts. Da wir viel positive Rückmeldung auf unseren ersten Teil „Bacillus Bulgaricus“ erhalten haben, haben wir uns heute gleich nochmal an den Küchentisch gesetzt und eine Fortsetzung aufgenommen. Auch weil unser eigentliches Thema, das Auswandern, im ersten Teil etwas kurz gekommen war. Vor dem zweiten Teil muss aber auch gewarnt werden, denn es geht nochmal an den Anfang zurück, nämlich zur Corona-Zeit, dem Gehorsamkeitsexperiment, mit dem die viel beschworene „Zeitenwende“ eingeläutet wurde. Aber keine Sorge, an erste Stelle geht es ums „Auswandern“ und persönliche Erlebnisse und Erfahrungen im „Land of the Freaks“.

Blonde Bestien

Gestern sind die beiden Bestien von gegenüber und ich Freunde geworden, und das kam so: Vorgestern hatte ich Geburtstag, und da mache ich traditionell Schnitzel. Um Geld zu sparen, habe ich diesmal Fleisch gekauft, an dem noch der Knochen dran war. Eigentlich wollte ich die Knochen auskochen und zu einer Suppe verarbeiten. Daraus wird jetzt aber nichts, weil ich gestern die beiden blonden Bestien meiner Nachbarn damit gefüttert habe. Mit dem Fleisch habe ich die Gäste meiner kleinen Geburtstagsfeier bewirtet. Am Ende waren alle zufrieden: sowohl meine alten, als auch meine neuen Freunde. Man kann sich auch mit blonden Bestien anfreunden.

Bacillus Bulgaricus

Den Bacillus Bulgaricus gibt es wirklich. Er befällt im Normalfall keine Homo Sapiens, sondern macht Milch zu Joghurt. Manchmal infizieren sich aber auch Menschen mit ihm, beispielsweise Bulgarienreisende, die einmal da gewesen nicht mehr loskommen von dem kleinen Land am Rande unseres Kontinents. In unserem Podcast unterhält sich ein von Geburt aus Infizierter mit einem frisch Infizierten. Also meine Wenigkeit, dessen Vater zwar Bulgare ist, der selbst aber in Deutschland geboren und groß geworden ist, und der seit Corona immer mehr Zeit in Bulgarien verbringt. Und Achim, der sich aus Bremen in die Schluchten des Balkans gewagt hat, und das bereits zum dritten Mal. Der Bacillus Bulgaricus produziert überwiegend linksdrehende Milchsäure, nicht rechtsdrehende. Ob dies in unserem Podcast genauso ist, möge der geneigte Hörer selbst herausfinden.

Frieden machen

Wenn ich in Sofia bin, gehe ich nicht nur in die Universitätsbuchhandlung, sondern auch ins Antiquariat. Aber nicht in irgendein Antiquariat, sondern in das Antiquariat „Ortograph“, weil dies das beste der Stadt ist, auch wenn „Ortograph“ orthographisch nicht ganz korrekt ist. Mittlerweile ist es so, dass es im Antiquariat bessere Bücher in deutscher Sprache gibt als in der Universitätsbuchhandlung. Genau genommen gehe ich aber gar nicht wegen den Büchern auf deutsch hin, ich habe genug Bücher, sondern wegen dem „Feeling“, um es mal so zu formulieren. Vor den Flohmärkten sind es vor allem die Antiquariate, die mir fehlen. Im Antiquariat „Ortograph“ kommen noch die zum Nachdenken anregenden Sprüche hinzu. Der Ire Gerry Adams war erst Oberbefehlshaber im Untergrund und hat dann Frieden gemacht. Mit Gerry Adams verhält es sich also so wie mit dem Antiquariat „Ortograph“. Gerry Adams ist nicht irgendjemand, sondern jemand, der sich mit Frieden machen auskennt.

Deutschland ganz unten

Der linke Pfeil muss eigentlich nach unten zeigen, denn dort befinden sich die drei letzten verbliebenen Kisten mit deutschen Büchern (Foto unten). Darunter so wichtige Werke wie „Die Hölle der Zahlen“, „Erotische Volksmärchen aus aller Welt“ und „Wir treffen uns in New York“. Es ist nicht irgendeine Buchhandlung in Bulgarien, wo die Aufnahmen entstanden, sondern die der Universität in Sofia. Deutschland ist also jetzt auch bei den bulgarischen Gelehrten ganz unten angekommen. Auf dem absteigenden Ast war es bei vielen Bulgaren zuvor schon gewesen. Sie haben es einfach nicht mehr verstanden. Da helfen auch keine Bücher mehr.

Abstand ist gesund – aber wo?

Gestern war ich wieder in Montana. Da es wie aus Eimern schüttete, trieb es mich anstatt zum Flohmarkt zu Humana Second Hand Bulgaria, wo es nicht nur abgelegte Klamotten aus Deutschland gibt, sondern auch die unaufgebarbeitete neuerliche Vergangenheit meiner Landsleute. Das mit dem Abstand halten soll beispielsweise total ausgedacht gewesen sein, also ohne jegliche wissenschaftliche Grundlage. Es war – wenn man so will – lediglich Teil eines Gehorsamsexperiments, von dem man heute nichts mehr wissen will. Deswegen hängen die orangenen T-Shirts, die aussehen wie die von der Berliner Stadtreinigung (BSR), auch in Bulgarien und nicht in Berlin rum. Mit fünf Lewa (2,5€) das Stück nicht nur farblich, sondern preislich ansprechend, wie ich finde.

Humana Second Hand Bulgaria hat nicht nur T-Shirts, sondern auch Unterwäsche. So (Foto unten) sieht es aus, wenn Frau zu oft auf Lady Camel Toe gemacht hat. Es soll auch einen männlichen Camel Toe geben. Das war das letzte, was ich von der armen Kamelzehe gehört habe, was ich mir aber nicht wirklich vorstellen kann. Male Camel Toe – echt jetzt? Wenn es sie wirklich gibt, kann sie nicht sonderlich gesund sein. Denn genau deswegen habe ich seinerzeit den Hodenhalter erfunden, der nicht einfach nur das Gegenstück zum Büstenhalter ist, sondern eine gesundheitsfördernde Aufgabe hat. Diese besteht darin, die paarig angelegten Hoden, auf lateinisch Testis, vom Körper wegzuhalten, denn diese brauchen, um optimal zu funktionieren, leichte Untertemperatur. Hier ist das Abstand halten wirklich wissenschaftlich belegt. Wer’s nicht glaubt, fragt die KI.