Die ist „für gut“

Normalerweise trinke ich Tee aus eigener Produktion, meistens aus getrockneten Linden- oder Holunderblüten. Manchmal kaufe ich mir aber auch welchen, zum Beispiel Rooibos oder obigen Grünen Tee von der bulgarischen Firma „Bio-Programm“. Dann habe ich nicht nur 20 Teebeutel, sondern dazu die Verpackung. Habe ich die früher verheizt, mache ich heute Notizzettel aus ihnen. Ich kenne mich also etwas aus mit Verpackungen, und da gibt es Unterschiede. Oben zum Beispiel, das ist weiße Pappe. Auf der schreibt es sich besser. Dann gibt es noch graue. Auf der kann man auch schreiben, es sieht aber nicht so schön aus. Da die bulgarischen Verpackungen in aller Regel aus grauer Pappe sind, schreibe ich meistens auf der grauen Pappe. Auf der weißen Pappe schreibe ich nur zu besonderen Anlässen. Oder mit anderen Worten: Die weiße Pappe ist „für gut“ – so wie wir früher sagten.

Life is Easy in Bulgaria

In Bulgarien bezahle ich alle meine Rechnungen bei Easy Pay und in Bar. An erster Stelle ist das der Strom. Der wird jeden Monat abgelesen und muss dementsprechend auch monatlich bezahlt werden. Neulich habe ich eine Strafe von der Polizei bekommen, weil ich eine doppelte Linie überfahren hatte. Die konnte ich auch bei Easy Pay bezahlen. Da ich innerhalb von einer Woche bezahlt habe, gab es sogar 20 Prozent Rabatt. Also anstelle von 20 Lewa (10€) wurden nur 16 (8€) fällig. In dem Fall kam bei Easy Pay aber eine Gebühr von 2,40 Lewa (1,2€) hinzu, so dass ich am Ende doch 18,40 Lewa (9,2€) bezahlt habe. Eine Gebühr kommt nicht immer dazu, es ist eher die Ausnahme. Beim Strom zahle ich z.B. keine Gebühr. In den letzten Monaten habe 15 bis 20 Lewa (7,5-10€) für Strom bezahlt. Den Boiler schalte ich beispielsweise nur Nachts an, wenn Strom ein Drittel kostet. Sollte ich ihn trotzdem irgendwann nicht mehr bezahlen können, gehe ich aber nicht zu Easy Credit, sondern dusche kalt.

Bergab geht’s immer schneller

Lieber holprig geradeaus als rasant den Bach runter

Eigentlich wollte ich mich nicht mehr zur Tagespolitik im Irrenhaus Deutschland äußern, aber jetzt muss es doch noch einmal sein. Denn unser neuer Bundeskanzler hat seinem Volk versprochen, es würde schon im Sommer „spüren“, dass sich „etwas zum Besseren verändert“. Keine Ahnung, wovon Dr. BlackRock etwas versteht, vom Spüren kann es jedenfalls nicht sein. Zumindest sagt mein Gefühl mir genau das Gegenteil: Schon im Sommer wird die Bevölkerung nicht nur fühlen sondern auch spüren, dass es mit ihrem schönen Land rasant den Bach runter geht. Apropos: Gerade muss ich an einen Witz aus DDR-Zeiten denken, der jetzt wahr wird. Frage: Warum geht’s denen im Westen besser? Antwort: Weil’s bei denen bergab geht und bergab geht’s immer schneller.

Neue Trends und alte Sitten

Hausgemachte Limonade ist gerade total angesagt in Bulgarien. In der Provinz kostet das große Glas vier Lewa (zwei Euro) in der Hauptstadt Sofia schon sechs (drei Euro). Viele bieten auch hausgemachte Limonade mit Hollunderblütensirup an, aber nicht alle. Was alle haben, ist Zitrone und Himbeere. Von meinen sechs Flaschen habe ich schon zwei an meine Nachbarn verschenkt. Es ist wichtig in Bulgarien, eine gute Nachbarschaft zu pflegen. In Berlin kenne ich die meisten Nachbarn gar nicht. Hier kenne ich das halbe Dorf. Nicht alle bekommen Hollunderblütensirup von mir, das ist klar, auch wenn ich die sechs Flaschen komplett verschenken werde. Auch weil noch viereinhalb Liter aus erster Produktion da sind. Die biete ich Ende Mai an, wenn ich Leute zu mir zum Essen einlade. Das muss man in Bulgarien auch hin und wieder machen: Leute zum Essen einladen. Aber nicht nur das! Man muss sie dann auch richtig bewirten sprich bedienen. Als Gast muss man in Bulgarien das Gefühl haben, ein Geschenk zu sein. Nicht so wie in Deutschland, wo der Gastgeber seinen Gast, der sich meist gar nicht willkommen fühlt, auf das kalte Büffet und den Kasten Bier oder andere Getränke irgendwo auf dem Boden in der Ecke verweist, so weit überhaupt vorhanden. In Bulgarien gibt es warmes Essen und man muss seinen Gast, also sein Geschenk, auch bedienen, ihm nachschenken und so weiter, was ein guter Gastgeber eben so macht. In Deutschland weiß man das nicht mehr, weswegen ich, bevor ich nach Bulgarien kam, auch eine Diener-Schule besucht habe. Das kann ich auch nur jedem Empfehlen. Nenn es wegen mir auch gerne Schule der Demut.

Von der Leyen zittert

Letzte Woche zitterte Europa noch vor diesem Mann (man achte auf seinen Mittelfinger) – heute zittert eine Frau. So schnell kann sich der Wind drehen und das Blatt sich wenden. Ich finde es besser, wenn nur eine Person zittert und nicht ein ganzer Kontinent. Aber das ist nur meine persönliche Meinung. Das kann jeder halten, wie er will.

An Morgen denken

Deutsche Technologie – Made in Europe

Ich muss immer noch heizen in den Schluchten des Balkans. Nicht immer, aber gestern Abend und heute Morgen beispielsweise schon. Früher habe ich das ohne Feueranzünder gemacht. Da hatte ich aber auch mehr Zeit. Die habe ich heute nicht mehr. Hatte ich gestern auch geschrieben. Außerdem habe ich die Feueranzünder für VIPs mit deutscher Technologie für mich entdeckt. Da ist eine Packung genauso teuer wie eine leere Flasche, von denen ich sechs für meinen Hollunderblütensirup gekauft habe. Mein Nachbar, dem ich eine Flasche geschenkt habe, hat mir einen Vogel gezeigt, als ich ihm davon erzählt habe. Er wird ab sofort seine leeren Wodka- und Whiskey-Flaschen für mich sammeln. Doch zurück zu meinen VIP-Feueranzündern. Immer wenn ich sie in der Hand habe, muss ich an meinen Besuch aus Deutschland denken, den ich neulich hatte. Der hat gleich drei Stück vom VIP-Feueranzünder genommen, nur um einmal Feuer zu machen. So als gebe es kein Morgen. Das ist natürlich viel zu viel. Ich nehme höchstens ein Stück, wenn überhaupt. Dafür hat der VIP-Feueranzünder doch die Sollbruchstellen! Das ist mit deutscher Technologie gemeint! Aber viele Deutsche verstehen heute ihre eigene Technologie nicht mehr, selbst hundertprozentige Deutsche, oder vielleicht gerade die. Ich nehme Maximum ein Stück vom VIP-Feueranzünder. Manchmal schaffe ich es, nur ein halbes Stück oder noch weniger abzubrechen. Das ist deutsche Technologie. Du musst auch an Morgen denken! Lass Dir das vom Halb-Bulgaren gesagt sein!

Warten auf Wladimir

Unplugged in den Schluchten

Immer wieder fragen mich Menschen aus der Heimat, was ich so den ganzen Tag treibe in den Schluchten des Balkans. Also wenn ich nicht auf dem Flohmarkt, auf dem Basar oder in irgendeinem Second Hand Laden für Klamotten aus Deutschland bin, ich gerade kein Gras mähe und auch keine Bäume fälle, ich nicht beim TÜV und auch nicht beim Konzert bin, ich keinen Hollunderblütensirup mache und nicht im Bus nach Bukarest, Sofia, Belgrad oder Istanbul sitze, auch nicht bei den Nachbarn auf der Terrasse und ebenso nicht auf meinem Balkon mit dem genialen Ausblick. Dann sitze ich bei mir am Küchentisch, von wo aus der Ausblick genauso schön ist, und warte, dass mich der Wladimir anruft. Wobei es mir egal ist, ob jetzt Wladimir oder Volodymyr anruft. Es ist ein und derselbe Name, genauso wie Rumen und Roumen. Rumen alias Roumen bedeutet, der mit der gesunden Gesichtsfarbe und gleichzeitig auch der Kluge. (Rumen ist „umen“, das bulgarische Wort für „klug“.) Wladimir alias Volodymyr kann sowohl Friedens- als auch Weltherrscher bedeuten. Ich könnte auch bei denen anrufen. Die Nummer habe ich, die steht am Telefon. Aber das ist unplugged in den Schluchten, genauso wie ich. Deswegen brauche ich weder Augenmaske noch Ohrenstöpsel. – So fühlt es sich also an, wenn kein Schwein mich anruft.