„Wer einmal dort war kommt immer wieder.“ stammt aus einem Kommentar zu meinem gestrigen Interview, das man jetzt nachhören kann. Die Sätze vorher lauteten: „Habe 2022 einen Text bei manova oder multipolar von Herrn Milkow gelesen. Bin dann seitdem schon fünfmal in Bulgarien gewesen. Wunderbares Land. Vielen Dank Herr Milkow.“ – Den Dank gebe ich gerne zurück! Es ist nicht selbstverständlich in diesen Tagen, dass das Geschriebene auch wirklich verstanden wird, geschweige denn, dass es dann auch in die Tat umgesetzt wird.

George Simion – Wahlsieger in Rumänien
Glaubt man t-online, zittert Europa vor diesem Mann. Und, bist Du schön folgsam und zitterst mit? Ich nicht! Nach dem Russen-, nun also der Rumänen-Wahn in der Heimat. Hier noch ein paar Kostproben aus deutschen Medien über den gestrigen Wahlsieg von George Simion: „Rechtsextremer Trump-Fan holt die meisten Stimmen bei Rumänien-Wahl“ schreibt ntv, „Rechtsradikaler Kandidat Simion führt in erster Runde“ titelt die taz, „Historischer Wahlerfolg für Rechtsextremisten“ die Deutsche Welle – die Liste ließe sich fortsetzen.
Ganz anders der Umgang mit dem Ausgang der Wahl in Rumänien beim Bulgarischen Nationalradio:
George Simion und Nikusor Dan ziehen in die zweite Runde der Präsidentschaftswahl in Rumänien ein.
George Simion und Nikusor Dan sind die beiden Kandidaten, die am 18. Mai in der Stichwahl der Präsidentschaftswahlen in Rumänien gegeneinander antreten. Dies berichten rumänische Medien und verweisen auf eine Auszählung von 99,25 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang.
George Simion, Kandidat der nationalistischen Partei „Allianz für die Vereinigung der Rumänen“, erhielt im ersten Wahlgang der Präsidentschaftswahl 40,56 Prozent der Stimmen.
„Dies ist ein Sieg für die rumänische Würde, ein Sieg für diejenigen, die die Hoffnung nicht aufgegeben haben, für diejenigen, die noch immer an Rumänien glauben – an einen freien, respektierten, souveränen Staat“, sagte er, nachdem klar geworden war, dass er bei den Wählerstimmen in Führung lag.
Simion erschien nicht auf der Bühne vor den Wählern, sondern entschied sich für eine Videoansprache, in der er allein hinter einem Schreibtisch sitzt.
„Heute hat das rumänische Volk gewählt. Das rumänische Volk hat gesprochen. Es ist Zeit, gehört zu werden. Trotz aller Hindernisse und Manipulationen, trotz der Medien, die dafür bezahlt werden, uns täglich zu demütigen, haben sich die Rumänen erhoben. Ich möchte allen, die sich für die Nummer 1 entschieden haben, von ganzem Herzen danken. Das ist mehr als nur eine Entscheidung. Das ist ein Akt des Mutes, des Vertrauens und der Solidarität“, betonte Simion.
Auf dem zweiten Platz liegt mit 20,91 Prozent Nikusor Dan, der derzeitige Bürgermeister von Bukarest. Er trat bei den Präsidentschaftswahlen als unabhängiger Kandidat an.
Dritter ist der Kandidat der Regierungskoalition, Crin Antonescu, mit 20,32 Prozent, gefolgt vom unabhängigen Kandidaten und ehemaligen Ministerpräsidenten Rumäniens, Victor Ponta, mit 13,26 Prozent.
PS: Mittlerweile ist Rumäniens EU-freundlicher Regierungschef Marcel Ciolacu wegen des schlechten Wahlergebnisses zurückgetreten. (Der war auf der Demonstration am 1.März in Bukarest auf zahlreichen Plakaten mit einer langen Pinocchio-Lügen-Nase zu sehen, fällt mir gerade ein.)

Neulich in Sofia – So hat das damals bei mir auch angefangen
Bibliopathie bezeichnet die krankhafte, emotionale Bindung zu Büchern. Es handelt sich um eine pathologische Buchliebe, die sich in verschiedenen Formen manifestieren kann. Die Bibliopathie ist eine ernste psychische Erkrankung, die durch eine krankhafte Bindung an Bücher gekennzeichnet ist. Sie kann sich in verschiedenen Formen äußern, beispielsweise als Bibliophilie (krankhafte Liebe zu Büchern), Bibliokleptomanie (zwanghaftes Stehlen von Büchern), Biblioklasmus (krankhaftes Zerstören von Büchern) oder Bibliofobie (Angst vor Büchern).

Neulich im Goethe-Institut in Sofia
In keiner gut sortierten Bibliothek darf Thomas Bernhard fehlen, sonst ist es keine gut sortierte Bibliothek. Dasselbe gilt für Buchläden. Aber was musst ich da neulich wieder erleben. In einem Buchladen in der deutschen Hauptstadt kannte die Verkäuferin Thomas Bernhard nicht. Das muss man sich mal vorstellen! Völlig losgelöst und orientierungslos gleitet es dahin das Traumschiff Deutschland. Immer mehr tragen sich mit dem Gedanken, das sinkende Schiff zu verlassen. Aber wohin? Ob Bulgarien eine Option ist und wenn ja: für wen, darüber spreche ich heute ab 20 Uhr deutscher Zeit live. Das mit dem live betone ich deswegen, weil man nur live auch Fragen stellen kann. Nachhören kann man das Gespräch später natürlich immer. So hoffe ich zumindest. Sicher ist es aber nicht. Wird ja viel zensiert in diesen Tagen. Insbesondere wenn man „Der Wahrheit auf der Spur“ ist.
Auswandern ist nicht jedermanns Sache, insbesondere nicht nach Bulgarien. Nur die Harten kommen hier durch. Warum ich es geschafft habe, weiß ich selber nicht. Muss mit meinem Namen zusammenhängen. Ich werde hier penetrant „Rumen, der Deutsche“ genannt, was mir „Welpenschutz“ gibt. Prinzipiell ist ein Überleben im „Land of the Freaks“, wie Bulgarien unter Insidern heißt, aber möglich. Wie genau, das verrate ich morgen ab 20 Uhr deutscher Zeit, bei mir ist dann schon 21 Uhr und dunkel, auf obigem Kanal. Wage nicht, es zu verpassen!

Am Montag in Montana habe ich es so richtig krachen lassen, da war ich nämlich in der besten Kantine der Stadt direkt neben der wichtigsten Taxihalte. Das ist immer ein gutes Zeichen, wenn gleich neben einer Taxihalte eine Kantine ist. Besucht wird die Kantine neben den Taxifahrern noch von Arbeitern, Angestellten der Stadt und Rentnern. Viele nehmen ihr Essen auch mit nach Hause. Ich habe vor Ort gegessen und hatte Hühnchen, genau waren es zwei Keulen, mit Erbsen, dazu eine Scheibe Brot und „Creme Caramel“, die bulgarische Version der französischen „Crème brûlée“. Das Ganze für zehn Lewa, was fünf Euro sind. In Vraca, einer anderen Großstadt im Nordwesten Bulgariens, gibt es eine Kantine, wo das Essen nur 5,90 Lewa, also drei Euro kostet. Da ist dann sogar noch eine Vorsuppe dabei. Diese Kantine will ich als nächstes ausprobieren. Da muss man aber vorher anrufen, wenn man das Menu für 5,90 Lewa haben will. Ansonsten gibt es auch andere Gerichte, die vermutlich etwas teurer sind. Das Hühnchen mit Erbsen war übrigens ziemlich gut und die „Creme Caramel“ war auch OK.

Fünf EUR-Paletten plus Kleinkram
Mein heutiger 1.Mai bestand darin, dass ich sieben Bücherregale einweihen konnte, die ich aus fünf EUR-Paletten gebaut habe, was eine ziemliche Arbeit war: Nägel ziehen, Bretter schleifen, dann ölen, um sie danach wieder zusammenzubauen. Diesmal nicht zu Paletten, sondern wie gesagt zu Bücherregalen. Am Freitag habe ich mir fünf Paletten plus ein bisschen Kleinkram von einem Landsmann im Nachbarort abgeholt. Den Deutschen habe ich vorletztes Jahr zufällig kennengelernt, seither haben wir uns nicht wieder gesehen. Aber da wir Nummern ausgetauscht hatten, habe ich einfach mal angefragt, ob er ein paar EUR-Paletten zu viel hat, und die hatte er. So bin ich zu meinem Ausgangsmaterial gekommen. Um ehrlich zu sein, kann ich nicht wirklich empfehlen, sich Bücherregale aus EUR-Paletten zu bauen. Nicht nur, weil es eine Heidenarbeit ist, sondern weil die Regale nicht perfekt sind, zumindest wenn man keine professionelle Maschinen hat so wie ich. In Deutschland würde ein Tischlermeister meine Regale sogleich verbrennen, und in Bulgarien vermutlich auch. Aber es kommt nicht auf die Regale an, sondern auf die Bücher. Und überhaupt: „Mit Geld kann jeder!“, wie man in Bulgarien sagt. Hier ist Holz mittlerweile ähnlich teuer wie in Deutschland. Und Deutschland kann ich mir nicht mehr leisten …

Erstes Bücherregal (von sieben)