Auf dem Weg zu den deutschen Aussteigern

Eines von vielen verlassenen Dörfern in Bulgarien und ideale Filmkulisse für dystopische Endzeitfilme. Dieses Dorf im zentralen Balkangebirge ist nicht vollständig verlassen. Ein altes Mütterlein, das gerade Wasser vom Dorfzentrum holte, wo obige Aufnahme entstand, erzählte mir, dass sie erst kürzlich von Varna hierher gezogen sei. Warum, das sagte sie nicht. Varna ist die größte bulgarische Stadt am Schwarzen Meer. Viele Deutsche zieht es dorthin, und da müssen Bulgaren eben Platz machen. Das waren meine Gedanken über den Wegzug der Frau, der ich erzählte, dass ich auf dem Weg zu den deutschen Aussteigern im Nachbardorf bin. Das Mütterlein hatte schon von ihnen gehört und fragte mich, ob die Deutschen vielleicht ihr Dach reparieren könnten. Ich versprach nachzufragen. Und in der Tat können die Deutschen das. Warum, das erfährst du in meinem Bericht über die deutschen Aussteiger, der demnächst erscheinen wird.

Deutsche in Bulgarien

Im letzten Städtchen auf meinem Weg zu den deutschen Aussteigern im zentralen Balkan-Gebirge stieß ich auf dieses Zitat eines anderen Deutschen. Albert Einstein erklärt in ihm den Unterschied zwischen Wahnsinn und Genie, der seiner Meinung nach darin besteht, dass das Genie Grenzen hat – im Gegensatz zum Wahnsinn. Eine interessante Feststellung zur rechten Zeit, wie ich finde. Aber nicht nur das! Für nur fünf Lewa (2,5€) ist Einstein zu haben. Zwar nicht in Stein gemeißelt, aber immerhin in Holz gebrannt. Von dem 7.000 Seelen-Ort, in dem, glaubt man dem Roman, „Der Medicus“ auf seinem Weg nach Persien überwintertete, sind es noch einmal 30 Minuten zu den deutschen Aussteigern im Balkan-Gebirge. Sie freuen sich über Besucher, so haben sie es mir gesagt. Und wenn man keinen Camper hat und auch nicht zelten will, kann man sich in dem Städtchen einquartieren, so wie es einst „Der Medicus“ getan hat – und jetzt auch Einstein.

Gestern in Zentral-Bulgarien

Ich hatte schon davon gehört, dass es in Zentral-Bulgarien die meisten verlassenen Dörfer geben soll. Auch in meiner Ecke, der ärmsten Region Bulgariens im Nordwesten, gibt es einige von ihnen. So gesehen war ich vorbereitet auf das, was mich erwartete. Wenn man es mit eigenen Augen sieht, ist es immer nochmal was anderes. Oft sind die Dörfer nicht vollständig verlassen, sondern werden noch von ein paar älteren Menschen bewohnt. Meistens von Frauen, so wie diese oben auf dem Bild. Sie kann sich glücklich schätzen, denn sie hat nicht nur Schafe und Ziegen, sondern auch einen Hund zu ihrem Schutz. Nur wenige Kilometer weiter ein ganz anderes Bild. Dort haben sich vor zwei Jahren Deutsche niedergelassen, die ich gestern besucht habe. Ich will nicht zu viel verraten, denn mein Bericht ist noch nicht ganz fertig. Jedenfalls gibt es bei den Deutschen auch junge Frauen und Männer, und sogar Kinder. Ihr Ziel ist, sich nach Möglichkeit vollständig selbst zu versorgen. Da sie schon einmal in Bulgarien waren, ist ihnen das Land nicht völlig unbekannt. Einige von ihnen sprechen sogar bulgarisch. Man kann sie auch besuchen und von ihnen lernen. Auswandern soll gerade ein großes Thema sein in Deutschland. So habe ich es gehört. Wer sich dafür interessiert, sollte die Tage immer mal wieder hier vorbeischauen. Dann dürfte mein Bericht über den Besuch bei den deutschen Auswanderern im zentralen Balkangebirge fertig sein.

Deutsche Auswanderer der besonderen Art

Es sind Auswanderer der besonderen Art und nicht die typischen deutschen Auswanderer -zumindest bisher. Da kamen eher ältere Herrschaften nach Bulgarien, die es ans Schwarze Meer zog. Das könnte sich bald ändern. Das ist zumindest mein Gefühl. Es ist jetzt ein oder zwei Jahre, dass ich von ihnen hörte. Vor wenigen Tagen fand ich zufällig dieses aktuelle Video, dass nach nur neun Tagen 120.000 Aufrufe hat. Das Interesse an den Auswanderern aus Deutschland, deren Ziel es ist, sich nicht nur in Bulgarien (sie haben zuvor schon an vielen anderen Orten weltweit gelebt) zu 100 Prozent selbst zu versorgen, ist offensichtlich sehr groß. Morgen werde ich sie in Zentral-Bulgarien besuchen. Eine Gegend, in der es die meisten verlassenen Dörfer gibt. Ich bin gespannt.

Einkaufen mit Russlands neuer Geheimwaffe

Nicht nur bequem

Gestern stand es noch exklusiv im Spiegel, heute ist die neue russische Geheimwaffe schon in den Schluchten des Balkans angekommen, wo man Deutschland mal wieder der Zeit voraus. Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet Kaufland Russlands neue Geheimwaffe präsentiert. Der Deutsche hat’s einfach drauf. Zwar nicht so gut wie der Ami, aber auch nicht soo schlecht. Eine Runde Einkaufen kostet mit ihr ein Lew (50Cent) und drei Runden zwei Lewa (ein Euro). Mit der neuen russischen Geheimwaffe ist das Einkaufen nicht nur bequem, sondern sicher. Bald auch in Deinem Kaufland!

Sondern auch sicher

Was ist da denn los?

! Achtung !

Zwei Nachrichten von heute aus ein und derselben Stadt: „A100-Verkehrschaos: Können Anwohner die Miete mindern, wenn Laster durch den Kiez brettern? – Zehntausende Fahrzeuge umfahren den Dauerstau und kurven durch Wohngebiete. Die Leute sind genervt vom vielen Lärm und den Abgasen. So können Mieter vorgehen.“ So steht es in der Berliner Zeitung. Im Spiegel liest es sich so: „Berliner Brücke gesperrt. Kein Chaos. Was ist da denn los? – Weil eine viel befahrene Brücke gesperrt wurde, versank Berlin im Chaos. Wie erwartet. Doch wenig später die Überraschung: Alles läuft wie geschmiert. Die ungewöhnliche Geschichte in einer leidgeplagten Stadt.“ Immerhin, die Frage des Spiegels scheint mir berechtigt: Was ist da denn los? – In Bulgarien gibt es für solche Fälle ein neues Verkehrsschild (oben links). Genau genommen zwei. Das Zweite (oben Mitte) warnt vor den neuen russischen Geheimwaffen. Das sollen Pferde und Esel sein. – Über das Schild, dass dem Mann das pinkeln verbietet, habe ich mich neulich mit meinen Nachbarn unterhalten. Zuerst redeten wir über die Unterschiede zwischen Stadt und Land, dann über die zwischen früher und heute, um am Ende bei denen zwischen Mann und Frau anzukommen. Meine Nachbarn hier sind sich sicher, dass sich dieser zwischen den Beinen befinden würde. Aber Achtung: Das ist geheim!

Eine Verschwörungstheorie – noch

Heute habe ich mich mit Jerrys bulgarischer Freundin im „Vegas“ getroffen, das bei ihr „Texas“ heißt. Sonst treffe ich mich immer mit Jerry in dem kleinen Café, aber mein englischer Freund und Musiker ist seit einer Woche mit seinem Orchester auf Tournee durch Bulgarien, gerade ist er in Burgas am Schwarzen Meer. Das „Vegas“ alias „Texas“ war heute gut besucht, denn Dienstag ist Markttag, und da ist alles auf den Beinen, was noch krauchen kann. Ich war mal wieder überall der Jüngste, ich hatte hier schonmal über den bulgarischen Jungbrunnen geschrieben. Zum ersten Mal ist mir heute aufgefallen, dass es direkt gegenüber vom „Vegas“ einen kleinen Pavillon Namens „Reichstag“ gibt. Vermutlich ist er neu, geöffnet hatte er heute nicht, was aber am Wetter lag. Doch zurück zu Jerrys Freundin, die mich fragte, ob ich auch gehört hätte, dass die Regierung die Bevölkerung dazu auffordert, Reserven anzulegen. Neulich noch taten dies nur Schwurbler und Verschwörungstheoretiker, heute die Regierung. Warum die Regierung dies tut, wird nicht ganz klar. Offensichtlich rechnet man mit dem schlimmsten. Aber womit genau? Versorgungsengpässe? Oder gar ein Krieg? Passenderweise gab es heute Vormittag um 11 Uhr Ortszeit schonmal einen Probealarm, gerade als Jerrys Freundin und ich im „Vegas“ saßen, das bei ihr wie gesagt „Texas“ heißt. Just in dem Moment erreichte mich der Hinweis eines Freundes in der Heimat darauf, dass es dieses Jahr besonders schwer sei, Aprilscherze von normalen Nachrichten zu unterscheiden. Ganz klar die Verschwörungstheorie eines Schwurblers – zumindest noch am Mittag.