Gefangen auf Usedom

Gestern war ich bei meinem Feriengastnachbarn, um ihm und meiner Gastgeberin Fotos aus Bulgarien zu zeigen. Vorher habe ich den Weg, der unsere Unterkünfte verbindet, vom Eis befreit. Der Rest des Grundstückes ist weiterhin vereist (Foto oben), so dass der Titel „Gefangen aus Usedom“ keine Übertreibung ist. Wobei ich selbst nicht von „gefangen“, sondern von „befreit“ sprechen würde. Befreit von Ablenkung, Oberflächlichkeiten und Luxusproblemen. Denn wir haben alles, was wir brauchen. Wir haben genug zu Essen, zu trinken und die Bude ist darüber hinaus auch noch warm, was nicht mehr selbstverständlich ist. Der Süd-West-Berliner weiß, wovon ich rede. Aber nicht nur das. Die aktuelle Situation hier ist praktisch so, wie sie für mich in Bulgarien permanent ist. Und das war sowohl für den anderen Feriengast, als auch für meine Gastgeberin nur schwer vorstellbar. Also auch ganz ohne Eis keine Ablenkung, Oberflächlichkeiten und Luxusprobleme zu haben. Und das nicht nur für ein paar Tage, sondern für länger oder gar für immer. Ich musste an Landsleute denken, die mich in Bulgarien besucht haben, und die plötzlich nichts mehr mit sich anzufangen wussten und Schreibblockaden oder gar Depressionen bekamen. Obwohl auch dort für Essen, Trinken und wohlige Wärme gesorgt war, und sie darüber hinaus Berge, Natur und Stille direkt vor ihrer Nase hatten (Foto unten). – Oder vielleicht gerade deswegen.
