Lerne Achtsamkeit

Achtsam herausgestellte Bücher

Achtsamkeit gehört zu den Dingen, die ich in Bulgarien lernen durfte. In gewisser Weise auch auf die harte Tour, weil man in Bulgarien besser nichts anfasst. Denn alles, was man anfasst, geht kaputt. Beispielsweise fällt in Bulgarien regelmäßig die komplette Gardinenstange von der Decke, nur weil man die Vorhänge schließen möchte. Mein Leben in Bulgarien könnte man praktisch so zusammenfassen: Fasse nichts an und achte auf deine Sachen! Wobei das mit dem Aufpassen auf die eigenen Sachen nicht mehr so schlimm ist wie in den Neunzigern. Ich würde so weit gehen und sagen, dass Bulgarien heute sicherer als Deutschland ist, und es fällt auch nicht mehr jede Gardinenstange von der Decke, nur weil man die Vorhänge zumacht. Bis heute bin ich dankbar, dass ich diese Achtsamkeit lernen durfte in Bulgarien. Auch weil ich sie in Deutschland oft sehr vermisse. Dass jemand achtsam wie oben Bücher zum Verschenken auf einem Küchentuch vor die Tür stellt, ist die absolute Ausnahme. Die Menschen hier sind aber nicht nur unachtsam, sondern regelrecht betäubt. Ferngesteuerten Zombies gleich, zugeschissen mit sinnlosen Informationen, die sie nicht verarbeiten können, weil sie sie auch gar nicht brauchen. Verrückt, sie wissen oft besser darüber bescheid, was gerade am anderen Ende passiert, als was mit ihnen selbst geschieht. Auch wenn ich alles andere als Bibelfest bin, muss ich bei ihrem Anblick immer an Psalm 39.7 denken: Sie gehen daher wie ein Schatten und machen sich viel vergebliche Unruhe; sie sammeln und wissen nicht, wer es kriegen wird. – Neuerdings denke ich daran, für sie zu beten. Dass auch sie achtsamer werden dürfen.

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