Zwischenbilanz

Mein Berliner Slum – Verzeihung: Szene-Kiez

Über ein halbes Jahr bin ich nun schon wieder in Berlin, viel länger als geplant – Zeit für eine Zwischenbilanz. Die Stadt ist mir fremd geworden und wird mir mit jedem Tag fremder. Klar, auf dem Balkan liegt auch jede Menge Müll herum. Aber die hiesige Ansammlung von Dreck & Müll ist für mich um einiges schlimmer. Möglicherweise liegt es daran, dass die Verwahrlosung von den Bewohnern hingenommen wird. Manchmal bin ich mir nicht sicher, ob sie die Verslumung überhaupt bemerken, so betäubt kommen sie mir vor. Vielleicht liegt es auch einfach nur daran, dass sie zu wenig Sonne sehen. Der wichtigste Grund, warum ich nach Berlin gekommen bin, war, Menschen für Bulgarien zu begeistern. Wie gesagt, ich kenne eigentlich nur Menschen, die aus Berlin weg wollen. Aber, und das ist die traurige Erkenntnis nach gut einem halben Jahr, so richtig weg will eigentlich keiner. Lieber wandelt man täglich aufs Neue über Schutt und Schmutz, als sich auf den Weg zu machen. Die größte Enttäuschung sind aber zweifellos die vermeintlich Aufgewachten. Ihre Aggressivität und ihr Hass auf alle, die nicht so denken wie sie, ist für mich unerträglich. Wo ist da noch der Unterschied? Das verrückteste ist, dass auch sie am Ende lieber bleiben, um hier weiter hassen zu können. Etwas Gutes hat mein hiersein dann doch. Es zeigt mir, wie weit weg ich mich vom hiesigen Wahnsinn entfernt habe, wie wenig ich noch mit ihm zu tun habe.

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