Bericht aus einem gebrochenen Land (048)

Vor der Wahlwiederholung in Berlin, der Zentrale des …, na Du weißt schon

Keine Frage: Das Wort Kommunismus ist verbrannt. Aber ist es das Wort Demokratie nicht auch? Immerhin kommt das Wort Demokratie aus dem Griechischen und heißt „Herrschaft des Volkes“. Klingt doch sehr völkisch, oder? Gut, an unserem Parlament steht noch „Dem Deutschen Volke“. Aber wie lange noch? Die Frage ist ganz ernst gemeint! Dass man vor seinem Parlament zwar demonstrieren darf, die Fahne des Landes dabei aber verboten ist – so einen Irrsinn gibt es nur in Deutschland. Zur Erinnerung: auf dem Parlament wehen vier Deutschlandfahnen. Und im Parlament sitzen gewählte Volksvertreter, also Vertreter des deutschen Volkes. Wenn ich die Geschichte einem Bulgaren erzähle, glaubt er mir nicht. Ich war auf vielen Demonstrationen in Bulgarien. Eine Demonstration ohne bulgarische Fahne und Nationalhymne habe ich nicht erlebt. Würde man das von einem Bulgaren verlangen, würde der einen für verrückt erklären. Also – einmal mehr – genau umgedreht wie in Deutschland. Doch zurück zum Kommunismus. Wie gesagt, das Wort ist verbrannt. Die Idee aber nicht. Darauf wurde ich von Konstantin aufmerksam gemacht, dem das Antiquariat „Ortograph“ in Sofia gehört. Schriften von Marx und Che werden dort vor allem von jungen Menschen nachgefragt. Dasselbe kann ich nun auch für Berlin bestätigen. Bücher kommunistischer Klassiker werde ich auf dem Flohmarkt immer los, sind sozusagen eine sichere Bank. Du glaubst mir nicht? Dann komm morgen auf den Flohmarkt auf dem „Boxi“ und bilde dir dein eigenes Bild. Solltest Du selbst auf der Suche nach marxistischer Literatur sein, dann musst Du früh aufstehen. Aber das musst Du sowieso, denn Du willst doch morgen Deine Volksvertreter wählen, oder?

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Bericht aus einem gebrochenen Land (047)

Nicht in Afrika und auch nicht in Bulgarien muss erneut gewählt werden, weil es bei der letzten Wahl Unregelmäßigkeiten gab, sondern in Berlin, der …, na Du weißt schon. Allerdings darf nicht jeder Berliner morgen wählen, auch hier gibt es solche und solche. Ich beispielsweise darf nicht wählen, was mir zupass kommt. Denn ich habe für morgen schon andere Pläne, ich sage nur Bücher und Flohmarkt. Wahrscheinlich wäre ich auch gar nicht wählen gegangen, denn ich kenne nur Parteien, die ich nicht wählen würde. Beispielsweise die gute alte SPD, zu der mir immer öfter die Frage „Wer hat uns verraten?“ einfällt. Die Bekämpfung der Armut geht an mir jedenfalls vorbei. Der Wohlstand, der gesichert werden soll, erst recht. Demokratie verteidigen klingt gut, kann aber nicht darin bestehen, politische Gegner zu verteufeln. Mit ihnen müsste man sich inhaltlich auseinandersetzen. Aber wenn man keine Argumente hat, geht das natürlich nicht. Deswegen wäre meine erste Forderung an die SPD, endlich nach ernstzunehmenden Argumenten Ausschau zu halten, statt Demonstrationen zu organisieren oder gar über Verbote nachzudenken. In Dänemark und Schweden geht es ja auch. Ein erster praktischer Schritt wäre Kanzler Scholz auszutauschen, genau den mit den Erinnerungslücken, damit er nicht wie Joe Biden als „Älterer Herr mit schlechtem Gedächtnis“ endet.

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Bericht aus einem gebrochenen Land (046)

Ich soll zur Demo kommen. Diesmal geht es nicht gegen Rechts und auch nicht gegen Putin, sondern gegen das Patriarchat. An dem soll Rache genommen werden. Mit Schlangengift, wenn ich es richtig verstehe. Mal was anderes als dieses ewige Waffen für den Frieden. – Wie es aussieht, werde ich nicht zur Demo gehen. Die Racheengel aus der Hölle müssen ohne mich auskommen. Nichts gegen Schlangengift. Der Gott der Heilkunde, Äskulap, trägt einen von einer Schlange umwundenen Stab. Es kommt auf die Dosierung an. Bei Rache bin ich, genauso wie beim Alkohol, bei Null. – Was ich sagen will: Ich gehe lieber zu einem Meeting der Anonymen Alkoholiker als zu einer Demo, die „Rache am Patriarchat“ nehmen will.

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Bericht aus einem gebrochenen Land (045)

Alltag in den Öffentlichen Verkehrsmitteln in Berlin:
Mühselige und Beladene, die sich die Türklinke in die Hand geben

Ich höre gerade im öffentlich/rechtlichen InfoRadio, dass sich die Verbraucher in Deutschland in einem „Kaufstreik“ befänden. Auch wenn es sich bei diesem „Kaufstreik“ um einen „Kaufstreik“ bei Immobilien handelt, lässt mich der Begriff „Kaufstreik“ aufhorchen. Der Begriff „Kaufstreik“ lässt mich deswegen aufhorchen, weil mein Eindruck und auch meine aktuellen Erfahrungen als Buchverkäufer auf dem Flohmarkt und im Internet die sind, dass es eine „Kaufzurückhaltung“ gibt. Der Begriff „Kaufstreik“ wäre mir für diese „Kaufzurückhaltung“ nie in den Sinn gekommen. Je mehr ich über die Verwendung des Wortes „Kaufstreik“ durch das öffentlich/rechtliche InfoRadio nachdenke, desto mehr komme ich zu dem Schluss, dass der Begriff „Kaufstreik“ nichts anderes als „Wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie doch Kuchen essen!“ von heute in einem Wort zusammengefasst ist.
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Bericht aus einem gebrochenen Land (044)

In Potsdam soll es ein „Café Montana“ geben, hatte ich neulich gehört. Da ich in Bulgarien unweit der Stadt Montana zuhause bin, musste ich mir die gleichnamige Lokalität vor den Toren Berlins, der Zentrale …, na Du weißt schon, natürlich ansehen. Gestern war es so weit. Und so (oben) sieht es aus. Unweit des „Cafés Montana“ gibt es ein Buchgeschäft, wo auf der neben der Ladentür hängenden Hitliste Peter Handke auf Platz Eins steht. Gut, Handke hat den Nobelpreis gewonnen. Aber ist er nicht vor allem „umstritten“? Bücher von ihm werde ich jedenfalls nur sehr schwer los. Praktisch gegenüber vom „Café Montana“ gibt es SM-Moden zu kaufen. Der Laden war interessant für mich, weil ich in einer SM-Beziehung lebe. Die funktioniert so, dass meine Frau immer „Quäl mich!“ zu mir sagt, wozu ich aber immer „Nein!“ sage. Im Bahnhof Potsdam, genau ist es der Hauptbahnhof, befindet sich eine Touristeninformation, wo ich auf „Marina am Tiefen See“ stieß. Leider kann ich mir Marina nicht leisten und eigentlich auch nicht das „Café Montana“. Aber da ich einmal in Potsdam war, wollte ich zumindest das mitnehmen. Die leckeren selbst gebackenen Kuchen kosten alle 5,90 € das Stück und der Cappuccino dazu 3,50 €, so dass ich am Ende mit Trinkgeld bei 10,00 € war. Der Preis ließ mich daran denken, dass ich im November für dasselbe, also ein Stück selbst gebackenen Käsekuchen mit einem Cappuccino, in Sofia auch 10,00 bezahlt habe, allerdings Lewa, was fünf Euro sind. In der Stadt Montana hätte ich vermutlich nur sieben oder acht Lewa bezahlt, also 3,50 bis vier Euro.

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Bericht aus einem gebrochenen Land (043)

Nachdem ich heute Vormittag über Sex geschrieben habe, kam am Nachmittag die Frage rein, was das sei. Daraufhin habe ich es versucht zu skizzieren, also das mit dem Sex. Und zwar am Beispiel eines Ziegenpaares, einem männlichen Ziegenbock und einer weiblichen Ziege. Zum Sex reichen zwei Geschlechter vollkommen aus. Rechts im Bild ist der Ziegenbock, und links ist die Ziege. Der Ziegenbock gehört möglicherweise der Frau am Fenster mit der Katze auf dem Fensterladen. Die Ziege gehört garantiert dem Herrn links hinterm Baum, denn der hält ihre Leine in der Hand. Der Sex der beiden Ziegen findet unter freiem Himmel und vor Zeugen statt. Die Frau am Fenster ist dabei oben ohne. Du willst wissen warum? Find‘ es heraus!

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Bericht aus einem gebrochenen Land (042)

„Arm aber Sexy“ heute
Berlin war einst in aller Welt dafür bekannt, „Arm aber Sexy“ zu sein. „Arm“ ist Berlin immer noch. Genau genommen ärmer als arm, denn immer mehr können sich Berlin nicht mehr leisten. „Sexy“ ist Berlin schon lange nicht mehr. Neulich hörte ich, dass jemand schon 29 Jahre keinen Sex mehr hatte. Was sich wie ein Einzelfall wenn nicht gar Extremfall anhört, dürfte weiter verbreitet sein als gedacht. Erschöpfte und müde Gestalten, die Berlin immer zahlreicher bevölkern, können sich immer seltener zum gemeinsamen Sex aufraffen. Darüber hinaus ist Sex unhygienisch. Also besser man lässt es gleich sein. Für viele ist das Normalität. Für mich, als gelernter Bulgare, ist es das Gegenteil. Um Berlin, das auf dem Kopf steht, wieder auf die Füße zu stellen, ist Bulgarien eine gute Schule. Solange die Bundeshauptstadt auf dem Kopf steht, bleibt sie für mich die …, na Du weißt schon.
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