Der Eselflüsterer spricht auf Veggieradio

Ich hatte ja schon erwähnt, dass ich in Bulgarien praktisch Vegetarier geworden bin. Von daher ist es keine Überraschung, dass ich Veggieradio ein Interview gebe. In dem Interview geht es aber nicht um die Schweinehälften, die aus Deutschland rangekarrt werden, auch wenn sie der Grund sind, weswegen ich mich hier vorzugsweise von Gemüse ernähre. Der Veggieradio-Macher und Radio-Profi Michael Kiesewetter hat mich als Eselflüsterer interviewt. In dem Interview geht es auch um die kleine Eselin, die Ende März geboren wurde und die ich gestern besucht habe, wo obiges Foto von ihr und ihrer Mutter entstanden ist. Im Mittelpunkt steht aber mein Projekt „Donkey Sanctuary & Writers Retreat“, dem ersten Rückzugsort für Schreibende, an dem es auch Esel gibt. Dadurch, dass ich im Sommer viel unterwegs war (erst war ich in Berlin, dann in Kalifornien), ist es etwas ruhig um mein Projekt geworden. Jetzt starte ich wieder durch, und du kannst mich dabei unterstützen. Entweder durch Geld, oder du kommst vorbei wie die beiden Helfer aus dem Allgäu, die mir im Oktober unter die Arme greifen wollen. Oder auch nur, indem du andere auf das Interview aufmerksam machst.

Foto&Text TaxiBerlin

Zurück in Bulgarien (065) – „Über Anrufe und Besuche aus der Heimat“

Vor einer Woche habe ich mit einer guten Bekannten aus Berlin telefoniert, die sich gerade eine Wohnung am Schwarzen Meer gekauft hat. Vorgestern hat mich jemand aus Norddeutschland angerufen, der sich mit dem Gedanken trägt, die Heimat zu verlassen. Dass diese Person, die ich bis zu dem Zeitpunkt nicht kannte, gerade mich angerufen hat, liegt daran, dass sie ernsthaft überlegt, nach Bulgarien auszuwandern. Sie hat viel Positives über das kleine Land am Rand gehört, angefangen von der Impfquote, die offiziell bei 30 Prozent liegt (da sich nicht wenige die Impfung gekauft haben, dürfte sie in Wirklichkeit bei 20, maximal 25 Prozent liegen), bis hin zu den fruchtbaren Böden, über die Bulgarien verfügt. Das ist wichtig, denn die Person kommt aus der Landwirtschaft. Deswegen habe ich auch sogleich meinen Bürgermeister ins Spiel gebracht, der ihr beim Finden einer Immobilie mit dementsprechendem Land behilflich sein könnte. Sie, also die Person aus Norddeutschland, will wirklich vorbeikommen. Wenn du ähnliche Überlegungen hast, kannst auch du dich an mich wenden. Im Oktober, ich erwähnte das schon einmal, wollen mich bereits Leute aus der Heimat besuchen. Und zwar zwei Handwerker aus Süddeutschland, die bei meinem Projekt „Donkey Sanctuary & Writers Retreat“ mit anpacken wollen, und ein Kollege von der schreibenden Zunft. Mein Bürgermeister hat dafür, dass mich die Leute auch finden, extra Straßenschilder anbringen lassen. Und das, obwohl unser Weg, der unbefestigt ist, offiziell „außerhalb der Regulierung“ („извън регулация“ – isvin regulazija) ist und er sich eigentlich nicht um uns kümmern müsste, so wie er sich um das Dorf kümmern muss. „Außerhalb der Regulierung“ (isvin regulazija) heißt, dass wir tun und lassen können, was wir wollen, was in Bulgarien aber nichts besonderes ist. Hier macht ein jeder, was er will – oder zumindest versucht er es.

Foto&Text TaxiBerlin

Wahrlich, wir leben in aufregenden Zeiten

Es ist ziemlich genau 30 Jahre her, dass ich ein Konzert von Karsten Troyke in den damals noch unsanierten Hackeschen Höfen besuchte. Karsten Troyke präsentierte im ehemaligen jüdischen Viertel Berlins Jiddische Lieder. Obwohl die historische Kulisse, in der das Konzert seinerzeit stattfand, einen „maroden Charme“ besaß, hatten damals noch alle ein Dach über dem Kopf. Das ist heute nicht mehr selbstverständlich. Doch zurück zu Karsten Troyke, dessen Vortrag mir damals sehr gut gefallen hat. Dass er einmal einen Text von mir einsprechen würde, hätte ich mir nicht träumen lassen. Genau dies ist nun mit meinem Text über San Francisco passiert, der neulich in der Berliner Zeitung erschienen ist. – Wir leben wahrlich in aufregenden Zeiten. Ich kann es kaum erwarten zu erfahren, wie es weiter geht.
Podcast RadioMünchen
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Zurück in Bulgarien (064) – „Im South Park in Sofia“

Auch in Sofia gibt es einen South Park, der auf bulgarisch Jushen Park (Южен парк) heißt. Dort haben die USA, genau USAID, 570 Bäume gepflanzt, so steht es auf einem Denkmal im Jushen Park. Das passt augenscheinlich nicht jedem, denn das metallene Schild auf dem Denkmal weist Beschädigungen auf. Schwer zu sagen, ob ganz und gar geschossen wurde auf das Denkmal. Auszuschließen ist es nicht. Was sicher zu sein scheint, ist, dass es vor wenigen Tagen ein FarmAid Konzert in den USA gab, auf dem neben Neil Young und Willie Nelson auch Bob Dylan auftrat. 1985 gab es schon einmal ein großes FarmAid Konzert, das ich damals noch live vor dem Fernseher mitverfolgt habe. Das ist jetzt fast 40 Jahre her. Schon damals ging es den Farmern in den USA mies. Daran scheint sich nichts geändert zu haben, sonst würde man wohl kaum ein zweites FarmAid Konzert veranstalten. Dass USAID nun ausgerechnet Bäume in Bulgarien pflanzt, verwundert viele Bulgaren. Weder leben die Menschen in Bulgarien auf Bäumen, noch ernähren sie sich von ihnen. Allerdings vermuten einige Bulgaren, dass wenn der Amerikaner 570 Bäume pflanzt, er irgendwann 1.570 Bäume zurückhaben will, wenn nicht gar 10.570.

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Still alive – Der Nichtsänger und Nobelpreisträger

Bob Dylan, der 82 jährige Literaturnobelpreisträger von 2016, der auch als „Der Nichtsänger“ bekannt ist, ist „still alive“, wie obige aktuelle Aufnahme beweist. Seine aktuelle „Rough and Rowdy Ways World Wide Tour“ begann bereits 2021 und soll bis 2024 gehen. Wenn, ja wenn der gute alte Bob nicht vorher den Löffel abgibt, möglicherweise auf der Bühne. Vielleicht ist das sogar Bobs Idee – wer weiß?
PS: Wer sich nicht alle drei Songs vom Nichtsänger und Nobelpreisträger anhören möchte, dem empfehle ich bei dessem letzten Lied, also bei 9:35 einzusetzen.
PPS: Was das Werbeplakat für die Tour angeht – schau es dir ganz genau an!
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Im Taxi mit Serdar Somuncu und Maximilian Pütz

Als ich noch Taxi in Berlin gefahren bin, habe ich Sonntags im Taxi oft „Die Blaue Stunde“ auf Radio Eins von und mit Serdar Somuncu gehört und mich zunehmend mit Serdar gequält. Gequält habe ich mich deswegen, weil mir Serdar immer öfter auf die Nerven ging. Warum genau, kann ich gar nicht mehr sagen. Es ist einfach schon zu lange her. Jedenfalls hätte ich nie gedacht, dass Serdar eine solche Wendung hinbekommen würde. Dass Serdar sie hinbekommen hat, hat, so denke ich, mit seinem türkischen Migrationshintergrund zu tun. Maximilian Pütz, mit dem sich Serdar in obigem aktuellen Interview unterhält und dessen Mutter Griechin ist, kenne ich erst seit kurzem. Maximilian coacht Männer, die Angst vor Frauen haben. Angst vor Frauen haben sie, weil sie von Frauen erzogen wurden und kaum männliche Vorbilder haben. Ein interessanter Ansatz, wie ich finde, der auf immer mehr Männer zutrifft heute. Das Gespräch zwischen Serdar und Maximilian erinnert mich an Gespräche in meinem Taxi, wo ein jeder alles sagen durfte, sogar die Wahrheit. Dass ein jeder alles sagen durfte, bedeutete nicht, dass ich alles Gesagte geteilt habe. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Aber wir leben in besonderen Zeiten, in denen selbstverständliches nicht mehr selbstverständlich ist.
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Zurück in Bulgarien (063) – „Selbstbeweihräucherung“

Lange habe ich es nicht gemacht, dafür jetzt gleich zweimal in kurzer Folge. Die Rede ist davon, dass ich meine Hütte ausgeräuchert habe, und zwar mit Weihrauch. Auch die Orthodoxen nehmen Weihrauch zur Desinfektion, aber vor allem zur Selbstbeweihräucherung. Zur Selbstbeweihräucherung und Desinfelkion braucht man Weihrauch, den man in jeder Kirche in Bulgarien bekommt, in den größeren Städten gibt es auch Geschäfte, die ihn verkaufen. Den Weihrauch legt man auf kleine runde Briketts, die dafür auf der einen Seite eine kleine Vertiefung haben, die sich selbst entzünden, und die man überall zum Weihrauch dazu bekommt. Selbst entzünden bedeutet, dass sie selbstständig weiterbrennen, wenn man sie einmal angezündet hat. Woran das genau liegt, kann ich nicht sagen. Man muss dem Brikett etwas hinzugegeben haben, dass er sich selbst entzündet. Das Gefäß, in das man das kleine Brikett legt, der Fachbegriff fällt mir gerade nicht ein, bekommt man auch in jeder Kirche. Man kann auch einfach einen Unterteller oder eine flache Tasse nehmen. Weihrauch, der ein oder andere erinnert sich, hatten neben Myrrhe und Gold auch die drei Weisen Caspar, Melchior und Balthasar aus dem Morgenland im Gepäck, als sie bei dem kleinen Jesus kurz nach seiner Geburt im Stall aufschlugen. Weihrauch ist ein Harz, das vor allem aus der Baumart Boswellia gewonnen wird. Boswellia wiederum ist eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Balsambaumgewächse. Weihrauch hat neben anderen pharmakologischen Wirkungen auch eine hirnleistungssteigernde und eine das Immunsystem stärkende Wirkung, was man auch meinen Texten anmerkt, so hoffe ich zumindest.

Foto&Text TaxiBerlin