Bericht aus Amerika (052) – „Stromklau“

Abgeschlossene Steckdose

Auch in Amerika wird Strom geklaut, allerdings in kleinerem Stil als in Bulgarien. Und das, obwohl in Amerika alles immer größer ist. In dem Fall ist sogar das Schloss kleiner, mit dem man die Steckdose abschließt, um sich vor Stromklau zu schützen. In Bulgarien wird direkt an der Quelle Strom abgezapft, also von den großen Leitungen. Immerhin, mein Stall, das zukünftige Donkey Sanctuary & Writers Retreat in den Schluchten des Balkans, hat so ein kleines Schloss. Aber das ist nicht einmal abgeschlossen, sondern offen. Strom gibt es dort aber auch nicht.

Foto&Text TaxiBerlin

Bericht aus Amerika (051) – „In der Bibliothek“

Bill Gates neben Noam Chomsky

Gestern war ich Downtown, um mit Menschen für einen Beitrag über die alte Goldgräberstadt im Nordosten von Kalifornien zu sprechen. Unter anderem war ich in einem Wohnprojekt für Obdachlose, bei der Polizei, im Book Shop und in der Bibliothek. Überall war man sehr freundlich und hilfreich. Das bin ich gar nicht gewohnt – weder aus Berlin, noch aus Bulgarien. In der Bibliothek bin ich auf diese beiden Bücher gestoßen, die genau so nebeneinander standen. Das musste ich sogleich fotografieren. Die perfekte Welle des Bill Gates mit Pfeil auf die Bomben des Buches von Noam Chomsky über den Hegemon. Beim Arrangement, selbst in öffentlichen Büchereien, haben die Amis was drauf, das muss man ihnen lassen.

Foto&Text TaxiBerlin

Der Fall Till Lindemann: Vom Penis- zum Sexneid

Rammstein-Frontmann Till Lindemann steht seit Wochen in der Kritik. Was steckt – abgesehen von einer möglichen strafrechtlichen Relevanz – dahinter?

Kalifornische Venusfliegenfalle

Im April veröffentlichte das urologische Fachmagazin „Uro-News“ unter der Rubrik „Fortbildung“ einen Beitrag mit dem Titel „Liebe in Zeiten von Corona“ von Professor Christopher Woodhouse (76). Woodhouse ist emeritierter Professor für Jugendurologie am University College London (UCL). Er hat zahlreiche wissenschaftliche Artikel und Bücher veröffentlicht, darüber hinaus unzählige Vorträge gehalten. Woodhouse war Gastprofessor an Universitäten und medizinischen Fakultäten in vielen Ländern auf fast allen Kontinenten.

Woodhouse’ Beitrag ist unter anderem zu entnehmen, dass sich die Pandemie negativ auf alle Aspekte des Geschlechtsverkehrs ausgewirkt hat, mit Ausnahme von „Solo-Aktivitäten“. So meldete beispielsweise „Pornhub“, einer der größere Anbieter der Branche, für die Zeit zwischen Februar und März 2020, als in vielen Ländern der erste Lockdown verhängt wurde, einen Anstieg des Datenverkehrs um 11 Prozent. Als das Angebot der Seite für die Nutzer kostenlos wurde, gab es einen weiteren Anstieg um bis zu 24 Prozent.

Messbare Merkmale der Sexualität wie Vorspiel, Häufigkeit, Dauer und Potenz in festen Beziehungen verschlechterten sich laut Woodhouse dagegen. Einer britischen Studie zufolge ging die Häufigkeit sexueller Aktivitäten insgesamt um 40 Prozent zurück. Auch subjektive Aspekte wie Libido, Lustempfinden und Lubrikation, womit die Sekretion einer Gleitsubstanz in die weibliche  Scheide bei sexueller Erregung gemeint ist, haben aller Wahrscheinlichkeit nach abgenommen, so Woodhouse.

Angesichts dieser wissenschaftlichen Erkenntnisse erscheint der Fall Lindemann in einem anderen Licht. Insbesondere wenn man berücksichtig, was Woodhouse ebenfalls herausfand: „In einer Kohorte von 7.000 Personen war das Drittel, das regelmäßig Sex hatte, glücklicher als die abstinenten zwei Drittel. Nach den üblichen Maßstäben für sexuelle und psychische Gesundheit ging es denjenigen, die Sex hatten, deutlich besser als den Zölibatären.“

Nunmehr stellen sich folgende Fragen: Ist die Kritik an einem alten weißen Mann, der noch mit 60 Jahren überdurchschnittlich häufig Sex mit deutlich jüngeren Frauen haben soll, vielleicht der schlechteren sexuellen und psychischen Gesundheit seiner abstinenten Kritiker geschuldet? Und: Kann man gar von einer Fortentwicklung des Freudschen Penisneid hin zu Sexneid sprechen?

Foto&Text Rumen Milkow

Bericht aus Amerika (050) – „Dies & Das“

Spruch zum Sonntag

Es ist Sonntag morgen in Kalifornien, um genau zu sein halb neun (in der Heimat ist es 17:30 Uhr). Ich trinke gerade Kaffee und schreibe diesen Beitrag, in dem es um zwei Sachen geht, die mit Amerika direkt nichts zu tun haben. Zum einen geht es um meinen Beitrag „The Mexican Mind!“, in dem es um die Idee geht, angeregt durch meinen Fund „The Mexican Mind! – Understanding & Appreciating Mexican Culture!“, ein Buch mit dem Titel „The Bulgarian Mind! – Understanding & Appreciating Bulgarian Culture!“ zu verfassen. Der Autor des Ursprungswerkes heißt Boyé Lafayette De Mente, was mich anmerken ließ, dass der Nachnahme „Mente“ auf Bulgarisch „Betrug“ heißen würde. Das ist nicht falsch, aber auch nicht ganz richtig. Richtiger, darauf hat mich ein Leser in Bulgarien hingewiesen, der wie ich früher in Berlin lebte, wäre „Fälschung“. Ich erinnere mich an den bekannten Ausspruch in Bulgarien in den Neunzigern: „Всичко е менте“ (Vsitshko e mente – Alles ist gefälscht). Es gab sogar einen Hit mit dem Refrain „Meнтетa, Meнтетa“ (Menteta, Menteta – Fälschungen, Fälschungen). Eine Textstelle in dem Hit ist, dass selbst das Parlament „Mente“, also eine „Fälschung“ ist. Das bringt mich zu der aktuellen Frage, ob es bereits eine deutsche Version von „Meнтетa, Meнтетa“ gibt. Fern der Heimat weiß ich es nicht genau. Aber falls nicht, sollte dringend daran gearbeitet werden. Auch, und jetzt komme ich zu meinem zweiten Punkt, weil Dichtung der Realität besser gerecht wird als Logik. Das sage nicht ich, sondern kein geringerer als Niels Bohr! Woher ich das weiß? Es steht in dem Buch „Die Psychologie des Totalitarismus“. Ich hatte bereits hier aus dem Buch zitiert, weil der Autor Mattias Desmet dort Bulgarien als ein Land nennt, in dem Menschen in der Vergangenheit aufgewacht sind, was ich bestätigen kann. Bulgarien als Land zum Aufwachen wird, um ganz genau zu sein, neben Dänemark sogar zweimal erwähnt. Die Aussage von Niels Bohr findet man einmal und zwar auf Seite 232/33. Was  „The Bulgarian Mind! – Understanding & Appreciating Bulgarian Culture!“ angeht, hat mein Leser in Bulgarien ganz und gar einen Mehrbänder angeregt.

Foto&Text TaxiBerlin

Bericht aus Amerika (049) – „Brot & Joghurt“

Es ist nicht leicht, guten Joghurt in Amerika zu finden. Ich hatte bereits darüber geschrieben, dass viele Sachen sehr geschmacksneutral sind hier, und leider auch der Joghurt. Pavel’s Joghurt kommt dem bulgarischen Joghurt bisher am nächsten, denn er ist zumindest leicht säuerlich. Ich habe Pavel’s Joghurt auf Verdacht gekauft, denn Pavel, der eigentlich Pavel Malcoff heißt, kommt ursprünglich aus Sibirien, was in Russland ist. Und die Bulgaren, das ist bekannt, haben dem Russen nicht nur das Alphabet, sondern auch den Joghurt gebracht.

Es ist also keine Überraschung, zumindest nicht für den Insider, dass Pavel die bekannte bulgarische Joghurtkultur Lactobacillus Bulgaricus für seinen Joghurt verwendet. Das ist aber noch keine Garantie, dass der Joghurt dann auch gut ist, aber es schließt diese Möglichkeit immerhin ein. Denn ohne den Lactobacillus Bulgaricus kann es nichts werden mit dem Joghurt, auch beim Russen nicht.
Noch schwieriger als guten Joghurt zu finden, ist es, in Amerika gutes Brot zu finden. Dunkles Brot ist in den USA praktisch unbekannt, und beim Weißbrot muss man aufpassen, dass man nicht nur Luft kauft. Hört sich wie ein Luxusproblem an und ist es auch, denn das wichtigste ist doch, dass ich nicht hungern muss.

Fotos&Text TaxiBerlin

Bericht aus Amerika (048) – „Kein Denkmal für den Holocaust in Amerika

Gestern haben wir uns den kanadischen Film „Die Invasion der Barbaren“ angesehen. Ich hatte mich zuvor bei der hiesigen Bücherei als Leser angemeldet, die den Film online in ihrem Angebot hat. Die Handlung des Films kann man hier nachlesen. Da eine wichtige Anekdote dort fehlt, schreibe ich noch einmal über den Film. Der totkranke Rémy ist Professor für Geschichte in der kanadischen Provinz. Als solcher kennt er die Zahl der Toten der beiden Weltkriege, sowie der Konzentrationslager und der Gulags. Alle sind sie im zweistelligen Bereich. Die meisten Menschenleben haben, wenn ich mich richtig erinnere, die Gulags gefordert, 20 bis 30 Millionen. Die Eroberung Amerikas soll, so Rémy, 200 Millionen Tote gefordert haben. Trotzdem gibt es, so der Historiker weiter, kein einziges Denkmal für diesen Holocaust in Amerika, was ich bestätigen kann.

Video YouTube
Text TaxiBerlin

Bericht aus Amerika (047) – „Mein erster Tod“

Einen Toten habe ich schon gesehen. Beim Sterben dabei war ich noch nicht. Das hat sich nun in Amerika geändert. Vor einer Woche ist meine Schwiegermutter verstorben. Meine Schwiegermutter war eine sehr aufgeschlossene, extrovertierte und kontaktfreudige Person. Noch im letzten Frühjahr hat sie mich in Bulgarien besucht, saßen wir gemeinsam bei meiner Nachbarin Oma Borislawa am Küchentisch. Einmal haben wir in Berlin bei einem Freund sogar zusammen einen Joint geraucht. Die meisten Menschen kannte meine Schwiegermutter aber in Amerika. Alle sind sie vor ihrem Tod noch einmal vorbeigekommen, um sich von ihr zu verabschieden. Am Ende haben wir uns mehr um die zahlreichen Besucher als um sie kümmern müssen. Dabei ging es ihr gar nicht gut. Im Frühjahr ist praktisch über Nacht aus der einst „stabilen Frau“, wie man in Bulgarien sagt, ein Pflegefall geworden. Ob dies mit der neuartigen Impfung zusammenhängt (meine Schwiegermutter hatte sich mehrfach gegen Corona impfen lassen), kann keiner sagen, aber auch niemand ausschließen. – Auf den kanadischen Film „Die Invasion der Barbaren“ komme ich aus verschiedenen Gründen. Der wichtigste ist der, dass meine Schwiegermutter genau so starb, wie es in dem Film dargestellt ist. Also im Kreise der Familie und Freunde, an einem tollen Ort in der Natur und selbstbestimmt. Vieles, was im Film zu sehen ist, hat auch sie bei ihrer Odyssee durch verschiedene Krankenhäuser der Vereinigten Staaten erleben müssen. Dass meine Schwiegermutter nicht wohlhabend ist und auch keine reiche Tochter hat (einen reichen Schwiegersohn schon gar nicht), das unterscheidet sie von dem Hauptdarsteller im Film, für dessen Sohn Geld keine Rolle spielt, mit dem er aus den Vereinigten Staaten ein Drittweltland macht. Deswegen konnte meine Schwiegermutter sich auch keine bulgarische Kranschwester leisten, die, obwohl sie nur einen kurzen Auftritt hat im Film, im Trailer nicht fehlen darf. – Einen Menschen beim Sterben zu begleiten, war wie gesagt neu für mich. Das schlimmste war das Wiedersehen, ich hatte meine Schwiegermutter zuletzt in Bulgarien als vitale Frau erlebt. Hat man sich erst einmal daran gewöhnt, wird alles andere normal. Manchmal leidet man mehr als die Person selbst. Das hatte ich bei Nietzsche gelesen und kann es bestätigen. Wenn ich etwas gelernt habe, dann dies: das schlimmste, was einem leidenden Menschen passieren kann, ist, das man ihn in seinem Leid alleine lässt. Den Tod verstehe ich immer noch nicht. Immerhin, ich habe realisiert, dass der Tod etwas Normales ist und zum Leben dazugehört. Mein nicht vorhandener Glaube an das ewige Leben durch Schwabs Transhumanismus ist in dem Sinne größer geworden, dass er weiter im Minus vorangeschritten ist.
Video YouTube
Text TaxiBerlin