Bericht aus Amerika (046) – „Andere Geschichte“

Der erste Hinweis auf Waffen, dem ich begegne, und das ausgerechnet an einer Bibliothek. Eine Waffe selbst habe ich noch nicht gesehen. Also alles ziemlich friedlich beim Amerikaner. Bis auf den Mann, der neulich vorm Supermarkt herumgeschrien hat. Möglicherweise ein Kriegsveteran. Amerika hat ja viele Kriege geführt und führt sie immer noch überall auf der Welt. Vielleicht war der Mann auch einfach nur betrunken. Als wir aus dem Supermarkt kamen, war die Polizei mit zwei Wagen und vier Leuten vor Ort. Der Mann wurde untersucht. Nach Waffen oder Drogen oder beides. Die Polizisten trugen dabei Handschuhe. Als wir an der Ausfahrt vom Supermarkt standen, rutschte dem Mann plötzlich die Hose herunter und er stand nunmehr nur noch mit seiner Unterhose bekleidet direkt neben uns. Das war das aufregendste, was in den letzten Tagen passiert ist, sieht man vom Tod meiner Schwiegermutter ab. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte.
Foto&Text TaxiBerlin

Bericht aus Amerika (045) – „The Mexican Mind!“

Auch in Amerika gibt es Orte, wo man Bücher für lau findet. Obige liebevoll gestaltete LittleFreeLibrary ist ein solcher Ort. An ihm habe ich gestern „The Mexican Mind! – Understanding & Appreciating Mexican Culture!“ (mit zwei ! Ausrufezeichen ! ), ein Handbuch „For Businesspeople, Students, Teachers & Travelers“ von Boyé Lafayette De Mente gefunden. An dem Buch hat mich sogleich der Titel fasziniert, weil auch ich gerne „The Bulgarian Mind“ sage, wenn etwas typisch Bulgarisch ist, beispielsweise dass Ja Nein bedeutet und Nein Ja. Ich sage auch oft „The German Mind“, und zwar wenn etwas typisch Deutsch ist, was meistens einfach nur bescheuert ist, weswegen ich in aller Regel „Stupid German“ hinzufüge. Ein deutsches Ding finde ich ganz OK, und zwar eine Sache um seiner selbst Willen zu machen. Ein Deutscher ist zweifellos großer Dinge fähig, davon war schon Nietzsche überzeugt, der allerdings einräumte, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass er sie auch tut, denn er gehorcht, wo er kann, wie dies einem an sich trägen Geiste wohl tut. Doch zurück zu dem Buch „The Mexican Mind!“, das mit folgenden Sätzen beginnt: „Most Americans and Canadians are blissfully ignorant of the cultural heritage and character of the Mexican neighbors to the south. When they think of great cultural accomplishments they think of Europe“. Die ersten Sätze sind wichtig, sie sollen den Lesern fesseln. Das ist dem Autor Boyé Lafayette De Mente gelungen. Und das, obwohl sein Nachnahme „Mente“ auf Bulgarisch „Betrug“ heißt. Es scheint eine Verbindung zu geben zwischen Bulgarien und Mexiko. Man muss nur Amerikaner durch Deutsche, Kanadier mit Westeuropäer, Europa durch USA und Mexikaner mit Bulgaren ersetzen. Dann kann es auch „The Bulgarian Mind! – Understanding & Appreciating Bulgarian Culture!“ heißen.

Fotos&Text TaxiBerlin

Bericht aus Amerika (044) – „7 Prozent sind 4 Grad“

Im Moment ist es ziemlich heiß in Kalifornien. Da können schonmal 100 Grad Fahrenheit zusammenkommen auf dem Thermometer, was 38 Grad Celsius sind. Beim Gefälle gilt auch in Amerika, dass bei sieben Prozent die Höhe auf 100 Meter Fahrstrecke um sieben Meter abnimmt. Sieben Prozent Gefälle sind aber auch vier Grad. Die Gradzahl bezieht sich dabei nicht auf den Höhenunterschied, sondern bezeichnet den Steigungswinkel bezogen auf die Waagrechte. Diese Information mag den ein oder anderen überfordern, was aber nicht schlimm ist, denn es geht auch gar nicht um sie. Hier geht es um das Verkehrsschild mit dem LKW drauf. In Deutschland handelt es sich dabei um Zeichen 108-7 – Gefälle, StVO 2017.svg, das ganz ohne LKW auskommt. Dass in Amerika ein LKW drauf ist, erkläre ich mir mit den ewig dicken Autos, die hier alle fahren, und über die ich gestern berichtet habe.
Foto&Text TaxiBerlin

Bericht aus Amerika (043) – „Feuerwerk Nachtrag“

Jedes Volk ist auf seine ganz eigene Weise bescheuert. Die Bulgaren sind es, die Deutschen sowieso, aber auch die Amerikaner. So wie jeder einzelne Mensch auf seine ganz eigene Art bescheuert ist, aber eben auch liebenswürdig. Das darf man nicht vergessen. Jedes Ding hat immer seine zwei Seiten – mindestens. Es soll sogar dreidimensionale Dinge und auch Menschen geben. – Eine wichtige Dimension bei den Amerikanern ist ihr dickes Auto. Warum die Autos in Amerika immer so dick sein müssen, das konnte mir noch niemand erklären. Die allerwenigsten wohnen irgendwo im Gebirge oder im Wald, dass sie zwingend einen hochbeinigen Jeep brauchen würden. Eher bräuchte ich einen in Bulgarien, aber das ist ein anderes Thema. Zurück zu gestern. Nachdem das Feuerwerk, das etwa zehn Minuten dauerte, vorbei war, hatten die meisten nichts besseres zu tun, als in ihr dickes Auto zu steigen und nach hause zu fahren. Als Fußgänger hatte man da schlechte Karten, so wie man als Fußgänger immer schlechte Karten hat in Amerika. Gestern nach dem Feuerwerk hatte man aber besonders schlechte Karten als Fußgänger. Einfach weil man von so einem hochbeinigen Auto aus keinen Fußgänger mehr sieht. Als solcher musste man höllisch aufpassen, dass man nicht unter die Räder gerät, die genauso dick sind wie die Autos. Vielleicht sind diese deswegen so hochbeinig, dass man als Fußgänger drunter durchlaufen kann, oder zumindest überlebt, wenn man von einem dicken Auto überfahren wird. Das sollte ich vielleicht noch herausfinden.

Foto&Text TaxiBerlin

Bericht aus Amerika (042) – „Fireworks Viewing“

Zum Nationalfeiertag gibt es in Amerika ein Feuerwerk, das man sich aber nicht überall ansehen kann. Amerikaner können manchmal ziemlich Deutsch sein. Dafür haben sie es mit ihrer Fahne. Da sind sie wieder ganz anders als die Deutschen.

Fireworks Viewing Here:

„Wake up Amerika!“ ist insofern interessant, dass es mit den „Woken“, also den angeblich „Wachen“, nichts zu tun zu hat – im Gegenteil. In Amerika gibt es eine starke Gegenbewegung zu allem „Woken“, die hier auch „Backlash“ genannt wird.

Fotos&Text TaxiBerlin

Bericht aus Amerika (041) – „I’m doing it my way“

Seit fünf Jahren bin ich weg vom Alkohol und seit drei von der Straße. Auch in Amerika fahre ich nicht selbst, sondern lasse fahren. Neulich hätte ich mit einem nigelnagelneuen Bronco über den Highway brausen können, was ich abgelehnt habe. Es interessiert mich einfach nicht mehr. Mein Weg ist ein anderer. Ich gehöre jetzt zu denen, die ständig etwas in ihr Notizbuch schreiben oder in die Tasten ihres Notebooks hauen müssen. Die immer irgendetwas lesen, mit anderen reden, kommunizieren, austauschen, sich irgendwelche Texte (auch Liedtexte) ausdenken müssen. Nachdem ich bereits verrückt nach Büchern war, bin ich nun verrückt danach, neue Erfahrungen zu machen, dazu zu lernen und zu verstehen. Hatte ich in der Vergangenheit oft nicht den Kopf dafür, fällt gerade etwas ab von mir. Etwas, das schwer auf meinem Gemüt lag. Ausgerechnet in Amerika. Verstehe es wer will.

Fotos&Text TaxiBerlin

Bericht aus Amerika (040) – „Independence Day“


„Independence Day“ (auf Deutsch „Unabhängigkeitstag“, auf Bulgarisch „Ден на независимостта“)  ist nicht nur ein Film von Roland Emmerich aus dem Jahre 1996, sondern an erster Stelle ein Nationalfeiertag in den USA, der auch als „Fourth of July“ (gemeint ist der von 1776) bekannt ist. Während die Vereinigten Staaten in der Ukraine bis zum letzten Ukrainer kämpfen, in Frankreich die Vorstädte brennen und die Chemnitzer Links-Jugend dies zum Vorbild nimmt, um davon zu lernen: 1. Wie man mit Reichen umgeht und 2. Wie ordentlicher Protest aussieht, lasse ich es mir beim Hegemon gut gehen. Die Aufnahmen, die überall in den USA aufgenommen sein könnten, entstanden in einer Apotheke. „Life is a Cabernet“ war mit „50% off“ im „Sale“. Das lässt das Herz eines Trockenen Alkoholikers höher schlagen. Schließlich bin ich an einem sicheren Ort – und auf der richtigen Seite.

Fotos&Text TaxiBerlin