Bericht aus Berlin (030) – „Probelauf“

Irgendwo in Ostdeutschland

Es soll Menschen geben in Deutschland, die kennen keine Umgeimpften, nicht einen einzigen. Von den Diskriminierungen, denen sie ausgesetzt waren, wollen sie nichts mehr wissen. In Bulgarien, wo offiziell nur 30 Prozent sich haben impfen lassen (in Wahrheit dürften es nur 20, maximal 25 Prozent sein), sieht es anders aus, praktisch umgedreht. Dort einen Geimpften zu finden, ist nicht so einfach. Trotzdem ist ihnen das Mitgefühl der Mehrheit sicher. Nicht so in Deutschland. Mitgefühl mit Ungeimpfte? Fehlanzeige! Im Gegenteil: „Möge die ganze Republik mit dem Finger auf sie zeigen“ und „Die Tyrannei der Umgeimpften“ waren keine Ausrutscher sondern die Tagesordnung. Eine Aufarbeitung des Corona-Unrechts hat hierzulande bis heute nicht stattgefunden, nicht einmal begonnen. Sie wäre notwendig, damit in Zukunft nicht ähnliches passiert. So gesehen bleibt die Corona-Panikdämie nur ein Probelauf. – „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.“

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Bericht aus Berlin (029) – „Vielleicht verreist?“

Seit sechs Wochen bin ich in Berlin und seit drei Wochen gehe ich wieder zu den Meetings der Anonymen Alkoholiker. Vorher hatte ich einfach keine Zeit. In Bulgarien habe ich keine Meetings besucht. Sie sind dort nicht sehr verbreitet. Die zwei Meetings in Berlin, zu denen ich gehe, kenne ich von früher. Der auffälligste Unterschied ist, dass jetzt viel weniger Leute da sind, über den Daumen gepeilt ein Drittel. Waren früher 15 Leute auf dem Meeting, so sind es heute nur noch fünf. Das hat den Vorteil, dass jeder Einzelne mehr Redezeit hat. Dafür hat man aber auch weniger Zuhörer und weniger Input. Man lernt sehr viel, indem man einfach nur zuhört. Warum man weniger zu hören bekommt, das ist immer noch ein Rätsel. Fakt ist, dass der Besuch der Meetings hilft trocken zu bleiben. Manch einer trinkt schon sein halbes Leben keinen Alkohol mehr und geht immer noch zu den Meetings. Was jetzt häufiger vorkommt, ist, dass manch eine über ihre Krankheit spricht. Eine Krankheit, die sie vor kurzem noch nicht hatte. Oft ist es Krebs oder eine ähnlich unangenehme Erkrankung. Man könnte deswegen vermuten, dass diejenigen, die nicht mehr kommen, ebenfalls Krankheiten entwickelt haben. Vielleicht haben sie auch wieder angefangen zu trinken. Oder sie sind einfach tot.

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Bericht aus Berlin (027) – „Haste mal ’ne Penne?“

Irgendwo in Ostdeutschland

Auch was das Zwischenmenschliche angeht, fühle ich mich gerade sehr an früher, also DDR erinnert – aber auch an Bulgarien. Beispielsweise pennen Menschen bei mir, die ich eigentlich gar nicht kenne. Dadurch, dass ich sie bei mir pennen lasse, lerne ich sie kennen. Wir sitzen dann viel bei mir in der Küche und führen lange Gespräche. Die Zeiten, wo ich mich im Café getroffen hat, sind vorbei – die Kneipe als Treffpunkt schon lange. Dass man sich im Café oder in der Kneipe und nicht bei sich zu hause trifft, habe ich erst im Westen kennengelernt. Und, dass man sich nicht die Hand gibt. Auch das Hand geben ist wieder gekommen, so wie praktisch alles wiederkommt im Leben. Dafür gibt es kein oberflächliches Gequatsche mehr in meinem Leben. Trotzdem nenne ich auch weiterhin nur wenige einen Freund. Einen Freund macht nochmal mehr aus, als jemanden bei sich pennen zu lassen.

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Bericht aus Berlin (026) – „Folge der Sandalette“

Neu im Angebot

Morgen werde ich wieder Bücher auf dem Boxhagener Platz verkaufen, der von Insidern auch einfach nur „Boxi“ genannt wieder. Neben vielen anderen hervorragenden Büchern wird sich dabei auch obiges medienkritische Werk im Angebot befinden. Bevor es mit dem Verkauf losgeht, wird immer die Szene mit der Sandalette aus „Das Leben des Brian“ nachgespielt. Dabei müssen alle Verkäufer und Verkäuferinnen der jungen Frau vom Flohmarkt hinterherlaufen. Anstelle der Sandalette hält die junge Frau einen Plan in der Hand. In dem Plan steht, wo welcher Stand ist und wer ihn bekommt. Das ist immer sehr aufregend und auch total spannend. Selbst wenn es noch kein Krieg ist, so trennt es doch die Spreu vom Weizen. Wer es nicht um den Platz schafft, bekommt keinen der begehrten Stände.

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Bericht aus Berlin (025) – „Das Klimagift CO₂“

Irgendwo in Ostdeutschland
Für mich eine neue Begrifflichkeit ist: „Das Klimagift CO₂“. So wurde das Kohlendioxid, dass sich auch in der Luft befindet, die wir ausatmen, vorgestern von einem Nachrichtenmagazin bezeichnet. Nur, wenn ich ein Gift ausatme, bin ich dann nicht selbst auch Gift oder zumindest giftig? – Wie dem auch sei, in Zukunft kann es jedem von uns als Ausscheider eines „Klimagiftes“ an den Kragen gehen.

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Bericht aus Berlin (024) – „Kotname: Eimer“

Aktuelle Werbung der Berliner Stadtreinigung (BSR)

Mit „Kot“ beziehungsweise „Kotname“ zu werben, ist offensichtlich erlaubt. Die Berliner Stadtreinigung macht es vor. Bei „Scheiße“, Umgangssprache für „Kot“, wird es schon schwieriger. Die Finger lassen sollte man von „Scheißhausexperten“, und da insbesondere von den „Scheißhausexpertinnen“ – „Kotnahme: Eimer“.

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Bericht aus Berlin (023) – „Der Ladenhüter“

in der ersten Reihe

Komme gerade von einem meiner Tatorte. Tatort deswegen, weil ich an ihm meiner Sucht nachgehe. Ich bin Büchersüchtig, ich hatte bereits mehrfach darüber geschrieben. Heute stand obiger „Spiegel-Bestseller“ in der ersten Reihe bei „Deutsche Gesellschaft“. Warum Bücher in der ersten Reihe stehen, ist mir nicht ganz klar. Entweder, weil die Mitarbeiter meinen, man müsse sie gelesen haben. Dazu muss man wissen, dass es sich um einen politisch korrekten Tatort handelt. Es kann aber auch sein, dass man denkt, es bestehe eine Nachfrage nach genau diesen Büchern. Ganz genau kann ich es nicht sagen, vermute aber ersteres. Was ich mit Sicherheit weiß, ist, dass alle Bücher Spenden sind und jedes Buch nur zwei Euro kostet. Trotz des unschlagbaren Preises, blieb obiges Buch bisher unverkauft. Das spricht für die These, dass die Bücher in der ersten Reise stehen, von denen die Mitarbeite meinen, man müsse sie lesen. Ein Lesebedarf besteht offensichtlich nicht, sonst wäre das Buch längst weg. Was ich von Robert Habeck, dem Autor der politischen Skizze „Von hier an anders“ halte, habe ich am Morgen beschrieben.

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