Ich bin jetzt auch einer von diesen Caféhausgängern geworden, allerdings nicht in Wien, sondern in Bulgarien. In obigem Caféhaus, dessen Name mir gerade nicht einfällt, ich nenne es immer „Das neben dem ‚Vegas'“, treffe ich mich regelmäßig mit meinem englischen Freund Jerry, um die Lage zu besprechen. Und die ist in Bulgarien nicht ernst, aber hoffnungslos. Beispielsweise haben wir keine Hoffnung mehr, dass wir jemals ein Stück Torte in unserem Caféhaus essen werden. Einfach, weil diese wohl alle auf ewig so süß sein werden, wie sie es eben sind. Tee kann man auch nicht trinken, denn das Wasser, in das man seinen Teebeutel tunken soll, ist nur lauwarm und nicht heiß. Immerhin, den Kaffee kann man zu sich nehmen. Mit einem Wiener Melange hat er freilich nichts zu tun, dafür kostet er aber auch nur 70 Cent. Der niedrige Preis ist den Robusta-Bohnen geschuldet, die in bulgarischen Caféhäusern regelmäßig Verwendung finden. Robusta-Bohnen sind billig und nur für robuste Menschen, die jegliche Hoffnung fahren gelassen haben. Dafür kann nach dem Besuch eines bulgarischen Caféhauses garantiert Texte schreiben, die man nach dem Besuch eines Wiener Caféhauses nie und nimmer schreiben könnte.
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Am Montag auf dem Flohmarkt in Montana habe ich auch meine Vorratsbox gefunden, nach der ich so lange gesucht habe. Sie ist aus Holz, hat Tragegriffe, die Maße 60x36x33 und ist sogar abschließbar. Die Kiste ist weiß, ich werde die Farbe aber irgendwann abschleifen und damit auch die Aufschrift „TVG“ in dunkellila. Im Internet findet man den Handballverein TVG Grosswallstadt „Ewige Liebe“, der mir nicht ganz unbekannt ist, denn ich habe in meiner Jugend viele Jahre Handball gespielt. Ob meine Kiste wirklich einmal zu diesem Verein gehörte, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Fest steht, dass die Kiste jetzt auf dem Balkan angekommen ist. Es stimmt wirklich: Besuche Bulgarien, deine Sachen sind schon da! Der Mann, der mir die Kiste verkaufte, saß in seinem Transporter, mit dem er regelmäßig nach Deutschland fährt, um dort Sachen einzusammeln. Manchmal findet er auch die „Große Liebe“, für die er ursprünglich 30 Lewa (15 Euro) haben wollte. Am Ende haben wir uns auf 15 Lewa (7,50 Euro) geeinigt. Das ist nicht selbstverständlich. Im Gegensatz zu Flohmärkten in Deutschland ist verhandeln auf bulgarischen eher unüblich. Vermutlich wollte der Mann die Kiste loswerden, weil sie zu viel Platz in seinem Transporter einnimmt. Gestern kam James bei mir vorbei, der mir eine Leiter bauen will. Mein englischer Freund Jerry hat mich mit James, einem Lands- und Zimmermann, bekannt gemacht. James meinte, dass 15 Lewa (7,50 Euro) ein guter Preis ist, auch weil das Material mehr wert ist. Er gab mir auch einen Tip, wie ich die Farbe von der TVG „Ewige Liebe“ abkriege, und zwar mit Tapetenkleister und Soda zum Backen, was ich da habe, weil ich neuerdings auch backe. Nur den Tapetenkleister, den muss ich mir noch besorgen.
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