Bericht aus Bulgarien (348) – „Winterwanderung“

Die üblichen Kondensstreifen über den bulgarischen Twin Peaks

Heute habe ich meine erste Wanderung nach der „Wim Hof Methode“ absolviert. Ich war also splitterfasernackt und hatte nur Schuhe an den Füßen. Meine Kamera war, wenn man so will, mein einziges Kleidungsstück. Sie hat mich zwar nicht warm gehalten, aber immerhin habe ich mit ihr folgende Aufnahmen machen können.

Vom Wind abgeknickte Bäume gibt es genug
Manchen ist auch die Krone abhanden gekommen
Im Hintergrund der Vraca-Balkan – ein Kletter-Paradies
Mein Sommersitz
Der Stausee
Die Berge im Hintergrund sind bereits in Serbien
Am Ende wieder die Twin Peaks
Meine Hütte mit dem neuen Tor

Fotos&Text TaxiBerlin

Bericht aus Bulgarien (347) – „Den Kurs korrigieren“

Ist möglich, nicht nur in Bulgarien

Wie ich bereits schrieb, orientieren sich die Piloten mit ihren Flugzeugen in Bulgarien am Verlauf des Balkangebirges. Bei mir sind es die Todorini Kukli, auf deutsch Theodoras Puppen, die eine einmalige, unverwechselbare Form haben, und die ich auch deswegen die bulgarischen Twin Peaks nenne. Auch wenn sie nicht mit im Bild sind, so kann man erahnen, wo sie sich befinden, nämlich rechts. Das aus dem Osten kommende Flugzeug, oder genauer sein Pilot, hat eine Linkskurve vollzogen, als er ihrer ansichtig wurde. Das immerhin ist gut auf dem Foto zu erkennen. Nicht nur bulgarischen Piloten und ihren Flugzeugen ist es möglich, ihren Kurs zu korrigieren. Auch in meinem Berliner Taxi musste ich ihn hin und wieder die Fahrstrecke korrigieren, und zwar wenn ich mich verfahren hatte. Das kam immer mal wieder vor, selbst nach vielen Jahren auf den Straßen und Plätzen der Hauptstadt. Auch im richtigen Leben ist es möglich, Fehler zu korrigieren und seinen Kurs zu ändern. Das sage ich auch aus eigener Erfahrung. Ein wenig Mut muss man allerdings mitbringen, denn es gehört das Eingeständnis dazu, vorher falsch gelegen zu haben. Ohne dem geht es nicht. Auch das sagt meine Erfahrung.

Foto&Text TaxiBerlin

Bericht aus Bulgarien (346) – „Orientierungshilfe“

Die bulgarischen Twin Peaks
Der Winter in den Schluchten des Balkans kann sehr schön sein. Die vergangenen Wochen waren es nicht. Sie waren von Grau in Grau geprägt. Das ändert sich gerade, pünktlich zur Wintersonnenwende, dem kalendarischen Winterbeginn, am 21. Dezember. Letzte Nacht ist auch wieder Schnee gefallen, nachdem dieser zuvor vollständig weggetaut war. Der Schnee macht die Stille, die vorher schon herrschte, richtig unheimlich. Gestört wird sie nur durch gelegentlich übers Balkangebirge fliegende Flugzeuge. Diese orientieren sich an den Bergen, insbesondere an den direkt vor meiner Hütte liegenden Todorini Kukli, die auf deutsch Theodoras Puppen heißen, und die ich die bulgarischen Twin Peaks nenne. Die Todorini Kukli sind 1785 Meter hoch und haben eigentlich fünf Spitzen, von denen man meist aber nur zwei, maximal drei sieht. Und durch diese zwei Spitzen fliegen die Flugzeuge gefühlt und auch praktisch durch. Die original Twin Peaks sind übrigens in San Francisco. Sie sind vergleichsweise sehr sehr klein, regelrecht mickrig, und waren deswegen eine ziemliche Enttäuschung für mich, auch weil in Amerika sonst immer alles größer ist. Auch das ist, wie so oft in Bulgarien, umgedreht. Die bulgarischen Twin Peaks, also die Todorini Kukli oder auch Theodoras Puppen, sind auf jeden Fall viel größer als die Twin Peaks in SanFran, weswegen dort auch kein Flugzeug durchfliegen kann. Es kann sich nicht einmal an ihnen orientieren, so klein sind sie.
Foto&Text TaxiBerlin

Bericht aus Bulgarien (345) – „Sägeketten schärfen“

Geschärfte Sägekette mit Feile
Das Schärfen einer Sägekette mittels Kettenschärfgerät kostet in Montana jetzt 2,50 Euro statt 2 Euro. Das sind zwar nur 50 Cent mehr als neulich noch, entspricht aber einer Inflation von 25 Prozent und liegt damit im Landesdurchschnitt. Man kann eine Sägekette auch selber schärfen, also manuell, und zwar mit einer Feile. Die Feile, sie heißt aus Bulgarisch „пила“ (Pila), das habe ich heute von der netten Verkäuferin gelernt, sie kostet nur 1,50 Euro. Da musste ich zugeschlagen, ich konnte nicht anders, da habe ich es krachen lassen. – Ist schließlich Weihnachten!

Foto&Text TaxiBerlin

Bericht aus Bulgarien (344) – „Das Deutsche Kettensägenmassaker – Reloaded“

„Mit der Motorsäge durch die Energiekrise“ ist ein aktueller Filmbeitrag des Spiegels, aus dem ich erfahre, dass sich in Deutschland immer mehr Menschen mit einem Kettensägenkurs auf den Winter vorbereiten. Offensichtlich gibt es in der Heimat auch Menschen, die nicht bereit sind für den Winter zu frieren. Nach dem Film „Das deutsche Kettensägenmassaker“, in dem der Filmemacher Christoph Schlingensief sich böse über uns Ossis lustig macht, nun der Deutsche Kettensägenkurs des ehemalige Nachrichtenmagazins über deutsche Solidaritätsverweigerer und Umweltsäue vermutlich mehrheitlich aus dem Westen. Aber ich will nicht ungerecht sein, denn ich bin mir sicher, dass nur ein Bruchteil der Kettensägenkursteilnehmer danach auch wirklich in den Wald gehen werden, um sich ihr Holz zu sägen. Wenn überhaupt, werden sie dort wohl nur ihre orangenen Arbeitsschutzwesten spazieren tragen. Ich habe keine solche Arbeitsschutzweste und ich habe auch keinen Kettensägenkurs besucht. Der Verkäufer hat mir die Bedienung der Kettensäge nur kurz in seinem Geschäft in Sofia gezeigt. Jetzt gleich, ich bin sozusagen auf dem Sprung, fahre ich nach Montana, um meine Kette schärfen zu lassen, wofür es spezielle Maschinen gibt. Das Schärfen einer Kette kostet in Bulgarien zwei Euro. Besser ist es, die Kette wie in obigem Beitrag mit der Hand zu schärfen, weil sie dann länger hält. Deswegen werde ich mir heute so eine Feile zulegen – mein Weihnachtsgeschenk sozusagen.
Video YouTube
Text TaxiBerlin

Bericht aus Bulgarien (343) – „Paradise Mall Protest“

„Nein zum Euro“

Während man im Westen über den Beitritt Bulgariens zum Shengen-Raum debattiert, fallen die gleichzeitig stattfindenden Proteste gegen die Euroeinführung zum 1. Januar 2024 völlig hinten runter. Bereits am Samstag vergangener Woche gab es einen solchen Protest in der bulgarischen Hauptstadt, an dem etwa 3.000 Menschen teilnahmen, ich hatte hier darüber berichtet. Vorgestern gab es nun einen weiteren Protest, und zwar vor der „Paradise Mall“ in Sofia. Die gibt es wirklich, ich war selbst schon einmal dort, allerdings nicht vorgestern. Da gab es dort eine Konferenz zum Thema „Bulgarien in der Eurozone“, der Anlass des erneuten Gegen-Protestes. Das Bulgarische Nationalradio (BNR) schreibt hier dies darüber: „Die Protestierenden durften die Halle nicht betreten.“ Auch Kostadin Kostadinow, der Chef der Partei Wiedergeburt, die den Protest organisiert hat, kommt beim Bulgarischen Nationalradio zu Wort, und zwar ganz ohne den in Deutschland obligatorischen Zusatz „nationalistisch“ oder „ultranationalistisch“: „Bei dieser privaten Veranstaltung sind Mitarbeiter des NSO, der Polizei, der Sicherheitsdienste und der privaten Sicherheit anwesend. Nur die Armee fehlt, und sie fehlt aus einem ganz einfachen Grund – weil es überhaupt keine Armee gibt. Ist das normal? Wie ist Ihre Meinung?, frage ich als Bürger. Hier am Eingang gibt es Leute, die entscheiden, wer reinkommt und wer nicht, also im Grunde mag ich dich, ich mag dich nicht. Wir wollen ihnen sagen, dass wir ein Referendum wollen, weil die überwiegende Mehrheit der Bulgaren die Zerstörung des Lewa nicht will. Sie stellen sich gegen den Staat und damit am Rande eines Bürgerkrieges.“ 

Kostadin Kostadinow, Chef der Partei „Wiedergeburt“

So weit zum Protest vorgestern, also am Freitag, vor der „Paradise Mall“ in Sofia, zu dem ich wie gesagt nicht war. Weiter geht es mit dem Protest gegen die Einführung des Euro zum 1. Januar 2024 am Samstag vergangener Woche, bei dem ich anwesend war und von dem auch alle Aufnahmen in diesem Beitrag stammen.

„Ich wähle den Lewa“ & „Ich wähle bulgarische Souveränität“

Der Protest begann vor dem bulgarischen Parlament und im Schatten des Reiterdenkmals (rechts oben im Bild). Hier hatten sich etwa 2.000 Menschen versammelt, es gab verschiedene Redner, unter ihnen auch Kostadin Kostadinow, der Chef der Partei „Wiedergeburt“. Kostadinow berichtete von dem kürzlich stattgefundenen Treffen von Vertretern seiner Partei mit Staatspräsident Rumen Radev, einem ehemaligen Militär-Piloten. Radev lehnte auf diesem Treffen den Vorschlag Kostadinows, über die Einführung des Euros ein Referendum abzuhalten, mit der Begründung ab, dass dies gegen die Verfassung verstoßen würde, weil die Einführung des Euro zum 1. Januar 2024 beschlossene Sache sei.

Vor dem Sitz des Europaparlamentes in Sofia
Vom Platz vor dem bulgarischen Parlament im Schatten des Reiterdenkmals ging es vorbei am Finanzministerium zum Sitz des Europaparlamentes in der Rakowski-Straße. Auf dem Weg wurden die Protestierenden nicht nur von Menschen aus ihren Fenstern oder von Balkonen herab unterstützt, sondern die Menge schwoll auch auf etwa 3.000 Menschen an. Das Europaparlamentsgebäude in der Rakowski-Straße ist eine protzige Stahlskelett-Konstruktion mit viel Glas, die nicht so recht in die Landschaft passen will. Insbesondere dann nicht, wenn man weiß, dass in vielen Gegenden Bulgariens ganze Dörfer verfallen. Die Protestierenden befürchten, dass sie der Beitritt zur Euro-Zone noch einmal ärmer machen wird, als sie es ohnehin schon sind, und dass es zu einem weiteren Ausverkauf des Landes kommt, wie wir es in Griechenland gesehen haben und bis zum heutigen Tage sehen. Viele Redner verwiesen auch auf den Umstand, dass es nicht wenige Länder gibt, die wie Bulgarien Mitglied der EU sind, aber aus gutem Grund nicht den Euro eingeführt haben, zum Beispiel Polen, die Tschechische Republik und Ungarn. 
Ein Lidl-Supermarkt gegenüber vom Europaparlament
Die Inflation in Bulgarien dürfte mittlerweile bei 30 Prozent liegen, und das alleine in diesem Jahr. Immer mehr Menschen drehen den Lewa jetzt schon zweimal um, bevor sie ihn ausgeben. Die Einführung des Euros in Deutschland hat, der ein oder andere erinnert sich, uns damals alle ärmer gemacht, und zwar alleine dadurch, dass die Preise überall rasch aufgerundet wurden. Auf dem Protest am Samstag vergangener Woche in Sofia gab es bereits Menschen, die Angst vor Hunger hatten.
„Ich möchte Arbeit, keinen Hunger!“
Fotos&Text TaxiBerlin

Bericht aus Bulgarien (342) – „74 Tausend Tote“

Selbst wenn man „mit“ und „im Zusammenhang mit“ und auch noch den positiv getesteten Selbstmörder mitzählt, der Hand an sich gelegt hat, weil er nicht mehr weiter wusste, in letzter Zeit immer öfter wegen sinnloser Maßnahmen, Krieg und Inflation, gibt es in Deutschland mehr Tote infolge von Alkohol als wegen Corona. Nachdem letzteres nun kein Thema mehr ist, der Krieg gegen Corona also beendet wurde, soll demnächst der gegen den Alkohol eröffnet werden. Noch vor den Feiertagen soll der Krieg losgehen, und ich kann dir sagen: Ich freu mich drauf!
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Text TaxiBerlin