Die Deutsch-Russin Alina Lipp berichtet aktuell aus dem Donbass. Und da ich irgendwann einmal gelernt habe, dass man immer beide Seiten sehen muss, schaue ich mir auch das an, was ich auch jedem nur empfehlen kann. Alina Lipp tut dies, was ein guter Journalist tun sollte. Sie geht dahin, wo es weh tut, einfach weil das, was es dort zu sehen gibt, möglicherweise nicht ins eigene Weltbild passt. Ich habe ganz großen Respekt vor dem Mut und der Arbeit von Alina Lipp.
Auch wenn in Bulgarien die Spritpreise an Apotheken angezeigt wird, gibt es den Diesel und das Benzin hier an der Tankstelle. Sie werden auch nicht an jeder Apotheke angegeben, sondern nur bei denen von МАРЕШКИ, also MARESHKI. In Sofia soll МАРЕШКИ alias MARESHKI nur eine Tankstelle haben, und zwar auf den Ring von Sofia, dem Äquivalent zum Berliner Ring, wenngleich der Ring um die bulgarische Hauptstadt unvollendet ist, wie so vieles in dem kleinen Land sehr am Rand. Ich war selbst noch nie bei МАРЕШКИ sprich MARESHKI tanken, obwohl dort der Sprit immer am preiswertesten sein soll. Im Moment gibt es laut der Anzeige in der Apotheke den Diesel dort für 2,79 Lewa (1,40 Euro) und das Benzin für 2,74 Lewa (1,37 Euro) der Liter.
Foto&Text TaxiBerlin
Gestern war ich gerade bei einem Freund, als er einen Anruf vom Arbeitsamt erhielt. Er solle sofort hinkommen, es sei wichtig, weswegen wir ein Taxi nahmen. Unterschiedlich gelbe, teilweise sogar orangene Taxen prägen bis heute das Stadtbild von Sofia. Uber war nur kurze Zeit erlaubt und ist nun schon lange verboten. Unser Taxi war sauber und der Fahrer freundlich. Im Arbeitsamt war es leer und ebenfalls sauber. Ein Messgerät gab in kurzen Abständen und mit Roboterstimme an, dass die Körpertemperatur normal sei. Es war ein wenig wie in einem Science Fiction. Wessen Körpertemperatur da ständig gemessen wurde, blieb unklar, da kein neuer Kunde ins Arbeitsamt kam. Mein Freund wurde umgehend bedient. Warum man ihn angerufen hatte, auch das konnte nicht geklärt werden. Vermutlich wegen irgendeiner Frist. Arbeit gab es keine für ihn, und Geld schon lange nicht mehr. Zurück sind wir mit dem Bus, in den wir ohne Fahrscheine eingestiegen sind. Die gibt es immer noch beim Fahrer. Zumindest das ist weiterhin klar und hat sich nicht verändert
Foto&Text TaxiBerlin
Obige Bilder von einem gemeinsamen Manöver amerikanischer und bulgarischer Panzer auf bulgarischem Territorium stammen vom Mai vergangen Jahres, sind also nicht aktuell. Aktuell sollen dagegen immerhin Panzer quer durch Bulgarien Richtung Ukraine gekarrt werden, man findet dazu diese und diese Aufnahmen auf Facebook.
Bulgarien ist seit 2007 in der EU, zuvor war es schon Mitglied in der NATO. Die Bulgaren haben sich insbesondere durch den Beitritt zur EU eine Verbesserung ihrer oft prekären Lebensverhältnisse versprochen, was leider nicht eingetreten ist. Im Gegenteil, noch mehr Bulgaren als zuvor schon haben das Land verlassen. Bei den 20- bis 45-jährigen ist es jeder zweite. Verblieben im Land, das immer mehr verfällt, sind vor allem die Alten, deren Leben eher ein Überleben ist.
In Bulgaren gibt es traditionell eine pro-russische und eine pro-westliche Strömung. Das ist also nichts Neues. Der Bulgare als Mensch steht oftmals dem Russen und auch dem Ukrainer näher, und zwar um einiges, als dem Westeuropäer oder gar dem Amerikaner. Der Deutsche macht dabei eine gewisse Ausnahme, ihm fühlt sich der Bulgare in besonderer Weise verbunden. All dies im Detail auszuführen, würde diesen Beitrag allerdings sprengen.
In der Ukraine leben eine halbe Million Bulgaren. Deren Wohlergehen und/oder Evakuierung steht gerade im Mittelpunkt in Bulgarien. Dass jemand gegen Russland in den Krieg ziehen will, habe ich noch nicht gehört, vor allem nicht für die NATO. Bei der Regierung, deren Führer in Harvard studiert haben, gibt es durchaus diese Überlegung, aber sie hat keine Mehrheit im Land. Ich habe mehrfach darüber berichtet.
Den Gevrek gab es früher warm an jeder Straßenecke Sofias zu kaufen. Der Geruch der bulgarischen Brezel, die aussieht wie ein türkischer Simit, geschmacklich aber ganz klar ein amerikanischer Donat ist, und auf den Geschmack kommt es bekanntlich an, war das Parfum der Stadt. Angeboten wurde er vorzugsweise von alten Omas, die auf einem Hocker sitzend den Gevrek aus einem großen dicken Papiersack heraus verkauften, wo er aus unerfindlichen Gründen immer warm blieb. Seit langem ist das bulgarische Traditionsgebäck im Aussterben gegriffen. Jedenfalls ist er nur noch schwer zu finden, was nicht nur an den alten Omas liegt, die schon alle weggestorben sind. In ganz Sofia gibt es noch einen winzig kleinen Pavillon, wo der Gevrek von früher verkauft wird. Es gibt auch Gevreks von heute, aber die sind soft wie die Sünde. Ein richtiger bulgarischer Gevrek ist bissfest, eben so wie ein amerikanischer Donat. Dass der Gevrek von heute eher weich ist, hängt mit der Bevölkerungsstruktur und mit der Krankenversicherung in Bulgarien zusammen. Die meisten Menschen sind alt hier, die jungen sind alle im Ausland, und selbst wenn sie eine Krankenversicherung haben, müssen sie, gehen sie zum Arzt, erstmal Geld auf den Tisch legen. Geld, das sie nicht haben, vor allem nicht für den Zahnarzt. Das ist der Grund, dass kaum einer der im Land verbliebenen noch einen Zahn im Mund hat, und deswegen gibt es auch keinen Gevrek von früher mehr, weil keiner kann ihn essen. Ich lasse mir gerade die Zähne machen in Bulgarien, um auch in Zukunft noch einen Gevrek essen zu können, wenn es ihn dann noch gibt, was ich natürlich hoffe. Jeder Besuch beim Zahnarzt endet mit dem Bezahlen meines Zahnarztes, der auch mein Freund ist, und den ich aktuell zu mir aufs Dorf eingeladen habe. Bin gespannt, ob er kommt. Das mit dem Bezahlen nach jedem Termin, war auch für mich neu. Aber was macht man nicht alles für den Geschmack eines Gevreks. Der erwähnte einzig verbliebene Pavillon, wo noch der Gevrek von früher verkauft wird, befindet sich praktisch genau an der Ecke Königin Maria Luisa und Ekzarh Yosif Straße, ganz genau ist es die Ekzarh Yosif Straße 21, im Schatten der alten Markthalle von Sofia.
Foto&Text TaxiBerlin