Das nächste große Ding nach Corona

So wie ich mit meinem Taxi vorausschauend gefahren bin, so denke ich auch im richtigen Leben immer weiter. Gut, was nach Corona kommen wird, das hat sich manch anderer auch schon gefragt. Aber was muss ich da hören: Überwachung, Bargeldabschaffung oder gar Sozialpunktesystem wie in China. Das mag ja alles sein. Aber woran werden wir glauben? Vor allem so labile Zeitgenossen wie beispielsweise Karl Lauterbach. Denn der Deutsche, das ist bekannt, muss immer an irgendetwas glauben – unter dem tut er’s nicht, vor allem nichts Gutes. Und so bin ich schon vor einiger Zeit auf den Asino, den gemeinen Hausesel gekommen. Über den lässt sich nichts Negatives sagen, ausser dass er angeblich dumm sei, was aber nicht stimmt, ganz im Gegenteil, und was mehr über den aussagt, der dies behauptet, als über den Asino. Er ist auch nicht störrisch, wie viele denken, sondern nur vorsichtig. Vor allem ist der Esel aber kein Fluchttier, das wegrennt, wenn Gefahr droht. Ich jedenfalls glaube fest an den neuen Gott Asino und habe auch schon angefangen ihn anzubeten. Man kann da nichts verkehrt machen, wenn man den Gott Asino anbetet. Denn wie gesagt, mit Corona geht es den Bach runter, so sehr wurde den kleinen Kerlchen der garaus gemacht. Das kann mit dem zugegeben etwas unförmigen und überdimensionierten Asino Gott nicht passieren. Und besser als Geld anzubeten ist es allemal.

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Der ehrliche Makler von Bulgaristan (0008)

Tue dir Gutes und setze ein Zeichen

„Den Turm“ gibt es wirklich, nicht nur als Buch, sondern auch als Immobilie, in der man wohnen kann. Man muss nur ein paar Löcher in die Wände reinmachen, in diese Fenster einbauen und fertig ist das Wohnhaus. Das ganze in Bulgarien, was das Kommende ist. Daran glaube ich so fest, wie Stefan Zweig daran geglaubt hat, dass „Brasilien, das Land der Zukunft“ sei. Ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass das, was früher „rübergehen“ war, heute das „runtergehen“ ist, und zwar nach Bulgarien, in die Schluchten des Balkans. Denn hier sind die Immobilien noch erschwinglich, für zehn Monatsmieten in Berlin kann man in Bulgarien bereits in seinen eigenen vier Wänden wohnen. Und überhaupt: Mit Geld kann jeder! Die Herausforderung, und das sage ich als bekennender Commercial Guy, ist die, ohne Moos was los zu machen und, im besten Fall, nebenbei noch ein Zeichen zu setzen. In dem Fall, wenn man in einem bereits von Weitem sichtbaren überdimensionierten Penis lebt, für das männliche Glied und gegen „Die Verschwulung der Welt“. Bevor ich es vergesse: Land gibt es zur Immobilie 0008 natürlich auch dazu, jede Menge sogar, und zwar Ackerland, was ebenfalls sehr gut ist, denn die Eigenversorgung wird ein Teil des Kommenden sein.

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Neues aus „Dem besten Deutschland, das es jemals gegeben hat“

Von aussen, beispielsweise aus den Schluchten des Balkans, und mit etwas Abstand, bei mir sind es knapp 2.000 Kilometer, sieht man die Dinge oftmals viel klarer. Die Angst, die ich um meine daheim verbliebenen Landsleute habe, und die Sorgen, die ich mir um meine erste Heimat mache, auch um das in dem Fall unzutreffende Wort Vaterland zu vermeiden, sind keinesfalls übertrieben sondern absolut berechtigt. Denn man lebt in Deutschland mittlerweile und ganz offensichtlich in einem Land, in dem man nicht nur mehr Wahrheiten bei Bild als im Spiegel, wie ich ursprünglich dachte, sondern sogar mehr Wahrheiten bei Bild als bei Öffentlich/Rechtlich, die mit dem Bildungsauftrag, findet. Für mich ist das keine Überraschung. Hatte ich doch bereits, als ich noch Taxi gefahren bin, genau diesen Umstand kritisiert und den Bildungsauftrag selbständig übernommen.

 

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„Die Freiheit ist dein Soundtrack“

Aktuell in Bulgarien

Jede Zeit hat ihre Musik. Der „Wind of Change“ von den Scorpions war der Soundtrack der Wende, die in Bulgarien bis heute „Demokratisierung“ genannt wird – ganz bewusst mit Anführungsstrichen. Auch wenn die Wende hier nur eine so genannte Wende war –  oder besser: gerade deswegen! – ist die Freiheit in dem kleinen Land am Rande unseres schönen Kontinents bis heute eine größere als in Deutschland, das mir aus knapp 2.000 Kilometern Entfernung mit jedem Tag mehr wie ein Irrenhaus vorkommt, in dem man bald die Normalen wegsperren wird. Diese Gefahr besteht in Bulgarien nicht – ganz im Gegenteil! – was daran liegt, dass, wenn die Wende schon keine Demokratie, so doch die Freiheit gebracht hat, das zu sagen, was man denkt, die man sich nicht nehmen lassen will. Hinzu kommt, dass man hierzulande keine Angst hat – wovor auch?! Man hat die Türken überlebt, danach die Kommunisten, also wird man auch die Kapitalisten samt Corona überleben, wobei Überleben das zutreffende Wort ist. Von einem Leben im Sinne von westlichem Konsum kann keine Rede sein. So gesehen hat man auch nichts zu verlieren, insbesondere – vielleicht das wichtigste – nicht den eigenen Wohnsitz! Dieser ist zwar meist sehr einfach, das Haus unverputzt mit Wasser vor der Tür und ohne Strom, aber Eigentum. Neuerdings auch von Menschen aus Deutschland, die sich ein Leben in ihrer angestammten Heimat nicht mehr leisten können. So traurig das ist, aber: „Ne vsitshko e pari“ („Nicht alles ist Geld“), wie man in Bulgarien sagt, dafür: Ein Überleben in Freiheit! Denn es geht in Sachen Wohnsitz hierzulande nicht ums Haben, sondern ums Sein. Genauso wie in der Musik, wo vielleicht auch bald „Die Freiheit“ oder „Freiheit statt Angst“, die deutsche Variante, „Dein Soundtrack“ ist.

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Jetzt wird’s irre

Eigentlich wollte ich nicht mehr über den verlorenen Krieg der Amerikaner in Afghanistan schreiben, aber jetzt wird’s doch zu skurril. Denn was muss ich gerade lesen? Es ist gar keine Niederlage, sondern die größte Rettungsaktion aller Zeiten, bei der 120.000 Menschen evakuiert wurden, was niemand für möglich gehalten hat. Für nicht möglich gehalten hatte ich, dass eine Zusammenarbeitet mit den Taliban für möglich gehalten wird. Auch diese Information stammt aus Amerika, und zwar von einem ranghohen Militär. Nach knapp 20 Jahren Krieg und Leid in Afghanistan eine geniale Erkenntnis. Man hätte aber auch schon vorher drauf kommen können, wenn man den Krieg der Sowjetunion im selben Land etwas besser studiert hätte. Die Amerikaner hatten mit Afghanistan eine Falle gestellt, in die der russische Bär prompt getappt ist, und in die die USA später dann selbst getappt ist. Was heißt das ganze nun für den Krieg gegen Corona? Genau, wir werden mit dem Virus leben müssen. Wann wird uns diese Erkenntnis mitgeteilt? Am 1. September 2041.
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Bald in Berlin

Neulich war ich bei Frank und Angelina eingeladen. Dass man eingeladen wird, ist auf dem Balkan nichts besonderes. Das passiert praktisch stündlich. Die Einladung von Frank und Angelina war etwas besonderes, weil ich die beiden zufällig auf einer Ausstellung kennengelernt habe. Eine Ausstellung in der ärmsten Region Bulgariens, einem kleinem Land sehr am Rand, gibt es nicht jeden Tag. Aber es wird noch besser. Ich glaubte meinen Ohren nicht zu trauen, als ich dort plötzlich meine Muttersprache vernahm, die ich schon Monate nicht gehört hatte. Normalerweise spricht hier niemand Deutsch. Und so kam ich gleich mit den beiden ins Gespräch. Es stellte sich heraus, dass Angelina Bulgarin ist, sie seit Jahren in Deutschland lebt und sich selbst als Wirtschaftsflüchtling bezeichnet. Frank kommt aus dem Ruhrgebiet, wo sie aber nicht leben. Sie leben auch nicht in Bulgarien, sondern in Berlin, und zwar bei mir um die Ecke im Friedrichshain. Natürlich waren wir gleich beim Thema Nummer Eins, das wir uns nicht ausgesucht haben, sondern das uns allen seit nunmehr über einem Jahr aufgedrückt wird. Frank und Angelina müssen demnächst nach Berlin zurück, weil sie für ihren kleinen Sohn Alexander einen Platz in der Kita bekommen haben, aber vor allem wohl, weil ihnen das Geld ausgeht. Auch in Bulgarien, dem ärmsten Land Europas, ist ohne Moos nicht viel los, auch wenn man zum Überleben viel weniger braucht als in Berlin. Die meiste Zeit sprachen wir über ihre Zweifel. Denn Angelina und Frank glauben nicht alles, was so offiziell erzählt wird, einfach weil dies zu widersprüchlich sei, aber auch, weil sie noch selber denken und sich Sorgen um ihren Sohn machen. Gerade haben mir die beiden einen Link zu einem Text geschickt, wo sich die Autoren fragen, warum es nur für die eine Seite bestimmte Bezeichnungen gibt. Warum werden beispielsweise die Verängstigten, also die besorgten Bürger von heute, nicht „Phobokraten“ genannt. Auch „Phobokratie“ anstelle von Demokratie wäre eine Option. Oder „Ängstige und Herrsche“ als Weiterentwicklung von „Teile und Herrsche“ der alten Römer ist den Autoren eine Überlegung Wert. Aber, damit das ganz klar ist, das sind weder Franks noch Angelinas oder gar meine Ideen – Gott bewahre! Ich gebe sie hier nur wieder, um es von Anfang an zuzugeben und kein Geheimnis daraus zu machen. Manchmal ist es das beste, man gibt gleich alles zu. Also falls auch du Kontakt zu Menschen wie Frank und Angelina hast oder hattest, so ist das erstmal nicht schlimm, denn es gibt viele von ihnen. Schlimm wird es nur, wenn auch dir plötzlich Zweifel kommen. Das passiert, keine Frage, kommt in den besten Familien vor. Dann hilft nur an die Öffentlichkeit zu gehen, so wie ich dies hier tue, und sich zu offenbaren. Früher glaubte man, dass es helfen würde, mehr zuzugeben, als eigentlich passiert ist. Aber „Viel hilft viel“ gilt beim Zugeben nicht, geht meistens nach hinten los. Am besten, du bleibst bei der Wahrheit. Du hattest Kontakt mit dem Feind, hattest die und die Gedanken gehabt, und jetzt hast auch du Zweifel. So in der Art. Wohin nun mit den Zweifeln? Das kann auch ich dir nicht sagen. Am besten man hat erst gar keinen Feindkontakt, auch wenn dies immer schwieriger wird. Ein neuer Lockdown könnte helfen, wenn da nicht das Internet wäre. Zum Schluss nochmal der Hinweis: Frank, Angelina und ihr kleiner Sohn Alexander werden bald zurück in Berlin/Friedrichshain sein. Nur, dass du die Namen schon mal gehört hast …

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Wählen ist wie einkaufen

Meine Wahlquittung

Schon Wochen vor den Neuwahlen am 11. Juli wurde im Bulgarischen Nationalen Radio darüber berichtet, dass diesmal erstmals Wahlautomaten zum Einsatz kommen würden. Ich konnte mir das nicht vorstellen, und schon gar nicht in meinem Dorf in der ärmsten Region des Landes. Auch wenn ich sonst was Wahlen angeht der Meinung bin, dass wenn wählen gehen was ändern würden, Wahlen verboten wären, wollte ich an dieser Wahl unbedingt teilnehmen. Zum einen, weil mich die Sache mit dem Wahlautomaten interessierte, und zum anderen, weil ich bei uns im Dorf nicht als Freidenker gelten will. So bin ich also am 11. Juli ins Bürgermeisteramt, wo sich das Wahllokal befand. Dort stand in einer Ecke noch die improvisierte Wahlkabine von der letzten Wahl, die aber bei dieser Wahl nicht gebraucht wurde, weil es den seit Wochen im Radio erwähnten Wahlautomaten wirklich gibt. Das muss man sich mal vorstellen: In ein Dorf irgendwo in den Schluchten des Balkans mit nur wenigen Wählern wird ein Wahlautomat samt Wahlleiter und drei Assistenten rangekarrt! Unglaublich, Dank EU-Gelder aber möglich.
Damit ich mich nicht verwähle, betrete ich das Wahllokal ohne Maske, denn ich bekomme unter ihr zu wenig Luft. Daraufhin werde ich von der Wahlleiterin höflich aufgefordert, eine aufzusetzen. Da ich keine Maske dabei habe, erhalte ich eine Maske gratis – ist schließlich Wahltag. Nachdem ich mich bei den Assistenten ausgewiesen habe, bekomme ich von der Wahlleiterin eine Chipkarte ausgehändigt. Die Chipkarte sieht aus wie eine Geldkarte oder eine Versichertenkarte der Krankenkasse bzw. wie früher Telefonkarten aussahen. Diese Chipkarte stecke ich in den Wahlautomat, der auf dem Tisch direkt neben der Wahlleiterin auf einem kleinen Podest, das eigentlich ein Rednerpult ist, steht. Der Wahlautomat gleicht einem Geldautomaten, er verfügt über Ziffern, die seitlich einen kleinen Sichtschutz haben. Der Monitor ist etwas kleiner als bei einem Geldautomaten. Nachdem ich meine Chipkarte eingeführt habe, werden mir auf dem kleineren Monitor alle Parteien, die zur Wahl stehen und ihre Nummern angezeigt, was ich bestätigen muss. Als nächstes soll ich die Nummer eingeben, die für die Partei steht, die ich wählen will. Als dieses vollbracht und bestätigt ist, spuckt der Wahlautomat zwar kein Geld, aber immerhin eine Quittung (Foto) für mich aus. Auf der steht oben „Wahlquittung“, (m)eine Nummer (121200009), darunter das Wort „Volksvertreter“ und die von mir gewählte Partei (geschwärzt), ein QR-Code (ebenfalls geschwärzt) und am Schluss „Ende des Dokuments“. Das war’s!
Nach der Wahl gehe ich runter in die Kneipe von meinem Bürgermeister, wo es Bier gibt, was wegen der Wahl eigentlich verboten ist. Da mein Bürgermeister aber heute Geburtstag hat, lässt man Fünfe gerade sein. Ich nehme eine eisgekühlte Coca Cola in der 250 ml Glasflasche für einen ganzen Lewa, was 50 Cent sind. Mein Bürgermeister, der wie gesagt heute Geburtstag hat, lädt mich ein. Zur gratis Cola gibt es noch kostenloses Geburtstagskonfekt.
Ich frage mich, was ich mit der Wahlquittung anstellen soll und ob meine Wahl anhand der Nummer auf der Wahlquittung eventuell nachverfolgbar ist. Vor allem frage mich, wie die Leute, die ihre Stimme haben kaufen lassen, bisher beweisen konnten, dass sie auch „Das Richtige“ gewählt haben. Heute ist das Stimmenkaufen Dank der Wahlquittung leichter geworden. Früher musste in der Wahlkabine mit dem Smartphone ein Foto vom angekreuzten Stimmzettel gemacht werden, klärt mich mein Bürgermeister auf. Ich weiß das nicht, weil ich kein Smartphone habe. Jetzt gibt es zum Glück für Menschen wie mich eine Wahlquittung, auch damit man seine Wahl nicht vergisst. Ich stecke meine Wahlquittung in meine ansonsten leere Geldbörse.
Bald nun sind Wahlen in Deutschland, und irgendwie hatte ich die Vorstellung nach Sofia zu fahren, um in unserer Botschaft meine Stimme abzugeben. In Berlin lebende Bulgaren können in ihrer Botschaft wählen gehen, genauso der Rumäne in seiner, und für den Türken wird sogar das Olympiastadion aufgemacht. Auf der Internetseite der deutschen Botschaft in Sofia erfahre ich, dass das umgedreht nicht geht. Um den Text zu verstehen, muss man mindestens ein Grundstudium oder heute gar einen Masterstudiengang abgeschlossen haben. Beim Deutschen muss immer alles wahnsinnig kompliziert sein und am Ende klappt es dann doch nicht oder erst Jahre später (Stichwort: neuer Flughafen). – Wie es aussieht, werde ich an der Wahl am 27. September nicht teilnehmen können, was insofern Schade ist, weil 27 meine Zahl ist.
Was mich trotzdem interessieren würde, ist die Frage, ob auch bei uns diese Wahlautomaten zum Einsatz kommen, die hier wie gesagt Dank der EU bis ins letzte Dorf gekarrt wurden. Es ist durchaus möglich, dass Bulgarien da eine Vorreiterrolle gespielt hat. Die Balkanisierung, die seit Jahren in vollem Gange ist, mal anders. Falls das so ist, also falls es auch in Deutschland Wahlautomaten bei der Wahl in vier Wochen gibt, würde ich noch wissen wollen, was der Deutsche mit der Wahlquittung macht. Hebt er sie auf? Gilt sie auch als Garantiebeleg? Kann er später die gewählte Ware eventuell umtauschen? Oder kann er, wenn die Politik nicht liefert, dies vielleicht sogar bei Gericht einklagen?
Was die Garantie angeht, so gilt in Bulgarien auch bei Wahlen: „Garanzija? – Franzija!“ :– Wer Garantie will, muss nach Frankreich gehen.
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