Zurück in Bulgarien (059) – „In der Universitätsbuchhandlung in Sofia“

Bin ich in Sofia, schaue ich in aller Regel in der Universiätsbuchhandlung vorbei, die sich in der Unterführung und am Eingang zur U-Bahn direkt zu Füßen der Universität „Heiliger Kliment Ohridski“ (bulgarisch Софийски университет „Св. Климент Охридски“ – Sofijski uniwersitet Sw. Kliment Ochridski) befindet, so auch am vergangenen Donnerstag. Dass ich in die Universiätsbuchhandlung gehe, liegt daran, dass es die beste Buchhandlung in Sofia ist, zumindest meiner Meinung nach. So findet man beispielsweise Postkarten und Jutebeutel wie diese hier. Auch in Berlin bin ich regelmäßig in Buchhandlungen gegangen. Ähnliche Postkarten und Jutebeutel habe ich dort nie gefunden. Klar, gibt es dort auch Postkarten und Jutebeutel. Verglichen mit den Postkarten und Jutebeutel hier ist dort entweder nur Schnulli drauf oder politisch korrektes Gedöhns, was kein Mensch wirklich braucht, sieht man von denen ab, die sich gerne mit Nichts selbst beweihräuchern. Davon gibt es in Berlin wiederum mehr als genug. Mit dem Spruch von Goethe sind sie natürlich überfordert, obwohl – oder vielleicht gerade deswegen – genau sie gemeint sind. Im Original lautet das Goethe-Zitat übrigens: „Niemand ist hoffnungsloser versklavt als jene, die fälschlicherweise glauben, frei zu sein.“

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Gimme Some Truth: „Happy Xmas – War Is Over“

In drei Monaten ist Weihnachten. Das ist ein Fakt, an dem vermutlich auch Faktenchecker nichts auszusetzen haben. Ein anderer möglicher Fakt ist, dass der Krieg in der Ukraine vorbei ist. Dies meint zumindest Seymor Hersh. Das ist der investigative Journalist, nach dessen Meinung die USA Nord Stream Zwei gesprengt haben und nicht Andromeda. Hersh hat in einem aktuellen Beitrag mit dem Titel „Zelensky’s ‚Bad Moment'“ darüber geschrieben. Nach eigenen Angaben hat Hersh mit einem amerikanischen Geheimdienstmitarbeiter gesprochen, der ihm sagte, dass der Krieg vorbei sei, Russland ihn gewonnen habe und es keine ukrainische Offensive mehr gäbe. Weiter sagte er, dass das Weiße Haus und die amerikanischen Medien die Lüge aufrechterhalten müssen. Die Wahrheit sei, wenn der ukrainischen Armee befohlen werden würde, die Offensive fortzusetzen, würde die Armee meutern. Die Soldaten seien nicht mehr bereit zu sterben, was aber nicht zu dem Unsinn passen würde, den Biden und das Weiße Haus bis heute verbreiten.
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Zurück in Bulgarien (058) – Aus dem Buch einer Bewegung: „Ich würde meinem Sohn beibringen, wie man mit einem Gewehr umgeht.“


„Ich würde meinem Sohn beibringen, wie man mit einem Gewehr umgeht.“ – Mit diesem Satz endet das Buch „Zehn Milliarden – Das Ausmaß der Klimakrise.“ von Stephen Emmott. Der herausgebende Suhrkamp Verlag schreibt dazu auf seiner Seite: „2013 prophezeite Stephen Emmott den Kollaps unserer Welt: Rohstoffmangel, Klimakrise, und bald sind wir zehn Milliarden. Eine Prophezeiung, die von Jahr zu Jahr realistischer wird und jetzt Millionen Menschen weltweit zum Demonstrieren auf die Straße treibt. ‚Zehn Milliarden‘ ist zum Buch einer Bewegung geworden und erscheint nun (im März 2020) in erweiterter Neuausgabe. Dies ist ein Buch über uns. Es ist ein Buch über Sie, Ihre Kinder, Ihre Eltern, Ihre Freunde. Es geht um jeden Einzelnen von uns. Und um unser Versagen. Unser Versagen als Individuen, das Versagen der Wirtschaft und das unserer Politiker. Es geht um den beispiellosen Notfall planetarischen Ausmaßes, den wir selbst geschaffen haben. Es geht um unsere Zukunft.“ – So weit der herausgebende Suhrkamp Verlag. Der Autor selbst schreibt in seinem Buch: „Ich habe einem der nüchternsten und klügsten Forscher, die mir jemals begegnet sind, einem jungen Kerl aus meinem Labor, der sich weiß Gott in diesen Dingen auskennt, die folgende Frage gestellt: Wenn er angesichts der Situation, mit der wir derzeit konfrontiert sind, nur eine einzige Sache tun könnte, was wäre das? Was würde er tun? Wissen Sie, was er geantwortet hat? Ich würde meinem Sohn beibringen, wie man mit einem Gewehr umgeht.“ – Ich als nüchternster und klügster ehemaliger Berliner Taxifahrer empfehle dafür nach Bulgarien zu kommen, weil es hier die dafür nötige Ausrüstung – Waffen und Munition – in großer Auswahl und für wenig Geld überall zu kaufen gibt. So beispielsweise auch gestern auf der Kirmes in meinem Dorf, wo die beiden Bilder entstanden sind.

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Zurück in Bulgarien (057) – „Unterm Sonndendach“

Sonnendach mit Ausblick

Heute beim Mittagessen bei meinen Nachbarn unterm Sonnendach fiel mir der Traum ein, den ich vor gut vierzig Jahren hatte. Dieser Traum war wenn man so will meine Antwort auf die Frage, ob ich in den Westen gehen soll oder nicht. Im Traum sah ich mich unter einem Sonnendach aus Weintrauben in Bulgarien sitzen und den Spiegel lesen. Ähnlich obigem Sonnendach, unter dem ich heute Mittag bei meinen Nachbarn zum Essen saß. Im Traum war es das meiner bulgarischen Verwandten in einem kleinen Dorf auf dem flachen Land. Der obige Ausblick auf das Gebirge fehlte dort also. Zurück zum Spiegel, den ich damals noch nicht gefunden hatte in Bulgarien. Trotzdem war ich mir sicher, dass ich ihn finden würde. Dass ich mir dessen sicher war, lag vor allem daran, dass ich bereits die Süddeutsche gefunden hatte. Die Süddeutsche Zeitung gab es im sozialistischen Bulgarien am Zentralen Hauptbahnhof in Sofia an einem kleinen Kiosk für viel Geld zu kaufen. Ich war Teenager, vielleicht 15 oder 16 Jahre alt, und hatte zuvor noch nie die Süddeutsche in der Hand gehalten, im Gegensatz zum Spiegel. Beides waren damals für mich als „Kind der DDR“ wirkliche Offenbarungen. Für mich stand fest, dass, wenn ich schon nicht in den Westen gehe, sie eines Tages unterm Sonnendach dann in Bulgarien lesen, ach was sage ich, regelrecht studieren würde. Dass ich irgendwann einmal aus Notwehr gegen Presseorgane wie den Spiel und die Süddeutsche von Bulgarien aus anschreiben würde, gegen den täglichen Unsinn, die falsche, verlogene und tendenzielle Berichterstattung – das hätte ich mir nie träumen lassen. – Das Leben ist voller Überraschungen und überraschenden Wendungen. Auf jede von ihnen freue ich mich bis heute Tag für Tag aufs Neue.

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Zurück in Bulgarien (056) – „Essen mit Ausblick“

Heute war ich anlässlich des Sbor, also der Dorfkirmes, bei meinen Nachbarn zum Mittagessen eingeladen, wo obige Aufnahme entstand. Das vorne ist ein traditioneller bulgarischer Schopska Salata. Den habe ich gemacht. Genauso den in der Mitte, das ist Sele s Morkovi, also Kohl mit Möhren. Sele s Morkovi ist einfach und lecker. Das ist er aber nur in Bulgarien. Der deutsche Kohl ist zu hart für Sele s Morkovi. Die Nachbarn haben etwas Fleisch in die Pfanne gehauen, genau waren es platt gemachte Rippchen. Dazu gab es Kartoffeln mit Zwiebeln, die sind in dem Topf, und Schafkäse mit Oliven und eine Tomate. Brot gab es nicht, was ganz untypisch ist. Normalerweise gibt es immer und überall Weißbrot dazu in Bulgarien. Da das Weißbrot aber nicht mehr das ist, was es mal war, verzichten viele Bulgaren neuerdings auf das traditionelle Weißbrot auf ihrem Mittagstisch. Was immer noch unverändert ist, das ist der Ausblick auf das Balkangebirge.

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Zurück in Bulgarien (055) – „Sbor – sich versammeln“

Schrott mit Werbung

Heute ist in meinem Dorf Sbor, das vielleicht wichtigste weltliche Fest, eine Art Kirmes. Der Höhepunkt wird der Auftritt von Zwetelina am späten Abend sein, die mit bulgarischen Weisen aufwarten wird. So deute ich die Plakate, die mein Bürgermeister auch auf seinem kleinen privaten Schrottplatz im Zentrum des Dorfes aufgehängt hat, auf denen Zwetelina im traditionellen Kostüm zu sehen ist. Vorher wird es Blasmusik geben, wofür unsere Region bekannt ist. Sbor ist immer am vorletzten Samstag im September. Der September ist in Bulgarien gespickt mit Feiertagen. Als wenn es nicht genug wäre, dass der September der schönste Monat vom Wetter her ist. So beginnt beispielsweise die Schule immer am 15. September, was dieses Jahr ein Freitag war. Am 6. September war bereits Tag der Vereinigung und gestern Unabhängigkeitstag, womit die Unabhängigkeit von den Türken gemeint ist. (Welche Unabhängigkeit feiern die Amerikaner eigentlich an ihrem Unabhängigkeitstag? Weiß das jemand?) Gestern gab es auch kein Wasser, es war mal wieder ein altes Rohr aus der Türkenzeit sozialistischen Zeiten geplatzt. Dass es kein Wasser gab, hat viele im Dorf mehr interessiert als der Unabhängigkeitstag. Ich hatte nachts noch meinen Bürgermeister angerufen wegen dem geplatzten Rohr. Ich hatte es bemerkt als ich kurz vor Mitternacht zurück aus Sofia kam. Mein Bürgermeister hatte bereits geschlafen, ist aber trotzdem ans Telefon gegangen. Am nächsten Tag, also gestern, hat er trotz Feiertag Leute organisiert, die das Rohr repariert haben. Vermutlich wären sonst viele nicht zum Sbor gegangen. Ich wäre auf jeden Fall nicht gegangen. Heute Mittag bin ich erstmal bei den Nachbarn eingeladen. Sbor kommt von Versammeln. Viele sind aus Sofia oder von anderswo angereist, um sich auf der heimischen Scholle zu versammeln. Zwetelina, Blasmusik und auch die zahlreichen Plastik-Kalashnikows, die vermutlich wieder verkauft werden an den Ständen im Dorfzentrum, interessiert sie dabei nur am Rande.

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„Das Volk versteht das meiste falsch; aber es fühlt das meiste richtig.“ – Kurt Tucholsky (1931)

Zwei Drittel der US-Bürger glauben, dass der Mord an ihren Präsidenten Kennedy vor jetzt fast 60 Jahren Teil eines großen Komplotts war und die Regierung mitgewirkt hat, dies zu vertuschen. Das ist keine Verschwörungstheorie, sondern stand genauso im Spiegel, und das bereits vor 20 Jahren. Mittlerweile dürfte kaum noch ein vernünftiger Amerikaner der Geschichte vom Alleintäter Lee Harvey Oswald Glauben schenken, obwohl dies bis heute das offizielle Narrativ in den USA ist. Ich komme drauf, weil es dem Segelschiff Andromeda genauso ergehen könnte wie Oswald, oder vielleicht sogar schon ergeht. Das Segelschiff Andromeda, wer es nicht kennt, soll Nord Stream Zwei in die Luft gejagt haben. Andromeda soll allerdings, das hat auch wieder der Spiegel herausgefunden, eine „Schrottmühle“ sein, dessen „Bordwände verschrammt“ sind, wo aus „porösen Toilettenschläuchen Fäkaliengeruch wabert“, dessen „75-PS.Dieselmotor wie ein alter Traktor rattert“, auf der es „ächzt und knirscht“ und wo der „Autopilot kaputt“ ist. Was sich anhört wie der Karabiner von Oswald, mit dem er Kennedy erschossen haben soll, ist im Moment der letzte Stand der Dinge, was die Sprengung von Nord Stream Zwei angeht. Warum ich dir das erzähle? Weil das der Grund ist, dass deine Gasrechnung so hoch ist und der Winter nicht nur vor meiner, sondern auch vor deiner Tür steht – mit einem Unterschied: Ich heize mit Holz, das ich allerdings noch machen muss.
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