Als gelernter Grenzgänger und studierter Schutzwallexperte musste ich mir natürlich auch diesen mit eigenen Augen ansehen. Auch wenn das Überqueren der Grenze wie bei den meisten Grenzen illegal ist, so gibt es keine Wachtürme, keine Selbstschussanlagen und auch kein Minenfeld. Eine Grenzpolizei scheint es zu geben, auch wenn ich selbst keine gesehen habe, und ein Taxi, das einen zur Grenze bringt. Die steht übrigens mit unter dem Schutz der UNESCO, der Weltkulturerbeorganisation, was im ersten Moment verwundern mag. Wenn man berücksichtig, was die WHO, also die Weltgesundheitsorganisation, demnächst alles bekämpfen will und im Auftrag von wem, gibt sich das. Sich dem zu entziehen, dafür scheinen mir Orte wie der Athos immer mehr die richtige Adresse zu sein.
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Vom Dach meines Raumschiffs „Antlantis“, auf dem ich immer übernachte, hatte ich heute morgen diesen wunderschönen Blick auf den Berg Athos. Nicht jeden morgen hat man einen solchen Blick auf den Athos, sondern nur ein- oder zweimal im Monat. Die meiste Zeit sieht man den heiligen Berg gar nicht. Gestern habe ich auch erfahren, dass es auf dem Athos Esel gibt, man sogar mit einem Esel anstelle eines Autos, von denen es nur einige wenige geben soll, abgeholt wird, wenn man zum Athos geht. Jetzt überlebe ich ernsthaft, ob ich mich nicht als nächstes auf dem Athos einquartiere. Das richtige Geschlecht habe ich schonmal, denn nur Männer dürfen auf den heiligen Berg. Außerdem wäre ich nicht mehr so alleine, müsste dafür allerdings auf mein Arschloch aufpassen, wie mir gesagt wurde. Aber das ist kein Problem, das habe ich u.a. im Taxi gelernt: auf Arschlöcher aufzupassen. In Vorbereitung lese ich schonmal „Reise in die Stille“ von Patrick Leigh Fermor, der sich in verschiedenen Klöstern einquartiert hatte. Über seine Rückkehr ins normale Leben schreibt er dort, dass die Reklameschilder beispielsweise von Cinzano „wie eine persönliche Beleidigung“ auf ihn wirkten. Dazu kann ich sagen: Das geht mir jetzt schon so. Um diese Erfahrung zu machen, muss ich nicht ins Kloster gehen.
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Einmal in der Woche nehme ich ein Bad, und das was gestern. Im Meer bade ich immer noch täglich. Das Meerwasser ist übrigens immer noch salzig, und das Salz muss irgendwann runter von der Haut. Freitag ist dafür ein guter Tag. Im Keller vom Raumschiff „Atlantis“ gibt es auch ein Bad, gleich neben dem Bunker. Im Bunker selbst gibt es zwar fließend Wasser, aber kein Bad, nicht mal ’ne Dusche. Dafür gibt es im Bunker Vorräte. Neben erwähntem Corned Beef in der Dose viel Süßkram. Komischerweise auch Dominosteine, Marzipanbrote und Butterstollen. Kaffee gibt es auch, sogar reichlich, allerdings griechischen Kaffee. Der ist ganz fein gemahlen, und man muss ihn aufkochen. Die Griechen trinken ihn üblicherweise süß. Ich nicht, der Süßkram reicht mir, der ist süß genug. Griechischer Kaffee ist nicht so stark wie italienischer Espresso. Das liegt in der Natur der Dinge, die Physik spielt auch eine Rolle. Griechischer Kaffee hat also nicht die Stehaufwirkung vom italienischen Espresso. Deswegen gehe ich jeden Morgen ins Meer – um wach zu werden. Und deswegen nehme ich jeden Freitag ein Bad – um das Salz auf der Haut loszuwerden. Also eigentlich ist der griechische Kaffee Schuld. Ausnahmsweise mal nicht Putin. Aber vielleicht doch. Sicherlich war es irgendein ein Russe, der den Griechen ihren griechischen Kaffee verordnete, so wie Atatürk den Türken das Tee trinken befahl. Übrigens: Nächste Woche will ich mich bis nach Thessaloniki durchkämpfen und Atatürks Geburtshaus besuchen oder besser gleich einziehen – das hängt vom Bad und von den Vorräten ab. Der Eintritt soll frei sein.
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