Asche zu Asche

Neulich las ich in der Berliner Zeitung einen Beitrag über einen Mitarbeiter der BSR, der seit 45 Jahren für die Berliner Stadtreinigung arbeitet. Der 61-Jährige Ronald Fiedler hat bereits in der DDR die Stadt sauber gehalten. Ein Detail, das meiner Meinung nach nicht ganz unwichtig ist. Der alte Ossi erklärt die Unterschiede beim Straßenfegen in Ost und West, und darüber hinaus weiß er, warum für die BSR immer mehr Arbeit anfällt. Alles nicht uninteressant, aber das wichtigste erscheint mir die Feststellung von Ronald Fiedler zu sein, dass es inzwischen Angestellte gebe, „die wollen mehr wertgeschätzt werden, teilweise auch für Mittelmaß“. Darauf habe er sich erst einstellen müssen. Fiedlers Erfahrung bei der BSR lässt mich an folgenden Satz denken, der gerne Dostojewski zugeschrieben wird: „Die Toleranz wird ein solches Niveau erreichen, dass intelligenten Menschen das Denken verboten wird, um Idioten nicht zu beleidigen.“

„Sie haben nichts zu verlieren als ihre Ketten …“

So wie ganz Berlin ist auch der Flohmarkt „eventisiert“. Es geht immer weniger um die Dinge, die man kaufen kann. Die Menschen sind so satt, dass sie sich praktisch nur noch zudröhnen können. So wie Yuval Noah Harari sich selbst die Frage beantwortete, was man mit all den überflüssigen Menschen machen soll: Computerspiele & Drogen. Zum Glück ist Cannabis jetzt legal, Alkohol (Foto oben) war es schon immer. Tattoos sind auch eine Art Computerspiel, mit denen man sich selbst Schmerzen zufügt, um überhaupt noch irgendetwas zu fühlen. Wenn zu den Tattoos noch Techno erklingt, die einzige musikalische Innovation aus Deutschland nach den Preussischen Märschen, kann der Bürgerkrieg praktisch beginnen. So gesehen ist auch ein Flohmarktbesuch eigentlich nur ein Tanz auf dem Vulkan. Aufgeführt von vorzugsweise jungen Menschen, die im Hamsterrad Kettenkarussell sitzend noch nicht realisiert haben, was die Stunde geschlagen hat (Foto unten).

Vom Bibliomanen zum Bibliophilen

Morgen mache ich wieder Flohmarkt. Ich hatte es schonmal erwähnt, dass ich Büchersüchtig bin. Es gibt da jetzt eine neue Entwicklung. Meine Bibliomanie hat sich in Richtung Bibliophilie weiterentwickelt. Im Gegensatz zur Bibliomanie, wo es ums Besitzen geht, ist die Bibliophilie die Liebe zum Inhalt und zur Qualität eines Buches. Liebe wird weitgehend unterschätzt heutztage, Qualität und Inhalt sowieso. Durfte ich früher Buchläden und Antiquariate nur in Begleitung meiner Betreuerin betreten, darf ich heute alleine auf den Flohmarkt, um meine Bücher an den Mann, aber vor allem an die Frau zu bringen. Auch wenn ich die inhaltlich wertvollsten Bücher für mich behalte, geht der Rest weg wie geschnitten Brot – oder vielleicht gerade deswegen. Du glaubst mir nicht? Dann komm gerne vorbei, aber bring eine große Tasche (Foto) mit. Ein großes Portemonnaie kann auch nicht schaden. Und falls Du eine Betreuerin hast, bring auch sie mit.

Endlich heulen wieder die Sirenen

Eigentlich sollten die Sirenen nach 30 Jahren erstmals am 11.9. um 11 Uhr wieder heulen. Bei mir heulten sie letzte Nacht schon. Sofort bin ich runter in den Keller, wo ich neulich schon mal war, weswegen ich ihn auch gleich wiedergefunden habe. Das kann ich auch nur jedem empfehlen. Geh‘ in den Keller und such Dir schonmal eine Ecke! Oder mach’s so, wie Du es im Urlaub machst: Leg ein Handtuch auf einen Stuhl. Besser noch einen Schlafsack – man kann nicht wissen …

Endlich wieder Krieg!

„Wir stehen auf 100 Prozent Wahrscheinlichkeit, dass dieser Krieg kommen wird.“ – So die Prognose von Gustav Gressel von der Landesverteidigungsakademie des Bundesheeres in Wien.

Die Frage, die ich mir stelle, ist: Wer ist wir? Gustav Gressel? Seine Akademie? Das Bundesheer? Wien? – Man weiß es nicht. Der Krieg scheint jedenfalls fest zu stehen. Eine ausgemachte Sache. Vermutlich von Rheinmetall. Jetzt unbedingt noch Aktien kaufen. Oder Wetten abschließen. Wenn der Krieg zu 100 Prozent sicher ist, dann kann man nur gewinnen. Juhu, endlich wieder Krieg!

PS: Gustav Carl Maria Gressel ist übrigens ein österreichischer Politikwissenschaftler. Gustav Gressel absolvierte die Offiziersausbildung an der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt. Zum Glück ist er kein abgelehnter Kunststudent oder erfolgloser Postkartenmaler.

Ursula von der Leyen jetzt auch ein Nazi?

Ursula von der Leyen war in Bulgarien, um Rheinmetalls neue Waffenfabrik zu feiern. Das gefällt nicht jedem Bulgaren. Manch einer meint sogar, dass Ursula ein Nazi sei. Bekannt geworden ist die Reise vor allem deswegen, weil der böse Russe das GPS von Ursula beim Anflug auf Plovdiv gestört haben soll, was nicht bewiesen sondern eine Vermutung ist. Sicher, aber hinten runter gefallen ist, dass es Proteste gegen Ursulas Besuch gab, die nicht von allen willkommen geheißen wurde.

PS: Gegen den Protest gegen den Besuch von Ursula von der Leyen gab es in Bulgarien keinen wie in Deutschland üblichen Gegenprotest der so genannten „Antifa“. Komisch, oder was denkst Du?