Heute wurde ich gefragt, was ich in Bayern mache. Meine spontane Antwort: „Bin auf Reichsbürger Recherche“ war natürlich ein Witz. Die Wahrheit ist, dass ich im Bayrischen das „Überleben im Winter“ trainiere. Das Ganze undercover. Süddeutschland als geheimes Trainingslager sozusagen. Wenn ich gewusst hätte, dass es in Berlin einen Blackout gibt, hätte ich mir den Aufwand sparen können. Aber wer konnte das ahnen? Auch dass es in Berlin mal mehr Schnee gibt als in Bayern? Natürlich nur Reichsbürger! Zurück zum geheimen Winter Überlebenscamp in Bayern. Mein Fazit zur Halbzeit: Man muss gut aufpassen, dass man nicht so endet wie manch Rentner in Berlin.
Selbst im Bayrischen geht mir der von linken Linken verursachte Blackout im Berliner Südwesten nicht aus dem Kopf. Der Begriff „Dunkel-Deutschland“ bekommt durch ihn nochmal eine ganz neue Bedeutung. Eigentlich ein toller Hintergrund für bewegende Bilder von einem Meer in die Höhe gehaltener Kerzen und Feuerzeugen. Man kann nur hoffen, dass es die Tage noch eine große „Demo gegen Rechts“ im dem betroffenen Gebiet Berlins gibt. Also bevor der Strom wiederkommt.
Ganz vergessen zu erwähnen, dass sich obiger Spruch auf der Speisekarte eines zünftigen bayrischen Wirtshauses am Schliersee befand, wo wir heute mit unseren beiden Hunden einkehrten, für die wir sogleich Wasser bestellten. Zuerst sind immer die Tiere dran, und dann erst die Menschen. Ich sage das für all die, die sich mit Tieren nicht auskennen. Die uns bedienende Wirtin schien so eine Person zu sein, denn sie fragte uns, ob es stilles Wasser sein soll oder doch lieber ein Sprudel mit Zitrone. Während wir uns noch fragend ansahen, das Wasser war ja nicht für uns, sondern für die Hunde, meinte die Wirtin: Das war’n Witz! Bayrischer Humor halt. Aber nicht nur das! Überall, wo wir bisher waren, wurden nicht nur wir, sondern auch unsere beiden Hunde auf das freundlichste begrüßt. Als chronisch schlecht gelaunter Berliner, der das nicht gewohnt ist, kommt man sich immer irgendwie verarscht vor. Aber die meinen das wirklich ernst, die Bayern.
Gut, in Bayern ist nicht alles umgedreht wie in Bulgarien, wo JA NEIN und NEIN JA bedeutet. Aber der bayrische Humor und die bayrische Lebensart kommt der bulgarischen schon sehr nah. Natürlich auf einem anderen Niveau, das ist klar, insbesondere was die Preise angeht. Das dürfte sich aber auch in Bulgarien bald ändern, jetzt, nachdem zum ersten Januar der T€uro eingeführt wurde im ärmsten Land der EU. Da hilft nur lachen und lieben, aber auch singen und trinken, am Besten zeitgleich. Was das Trinken angeht, ist dem Bayern sein Bier was dem Bulgaren sein Rakija ist. Nicht unbedingt das Paradies für einen trockene Alkoholiker wie mich. Aber wo gibt es das schon, das Paradies auf Erden? Berlin, wo gerade das Motto gilt: „Niemand soll hungern ohne zu frieren“, ist es mit Sicherheit nicht, auch wenn es wie Bayern und Bulgarien mit B anfängt.
Eben erreicht mich in meinem Dream-Hotel im Bayrischen die Nachricht einer guten Freundin aus Berlin. Sie lässt mich wissen, dass sie gerade eine steile Karriere macht und viele Anfragen erhält. War sie gestern als Prepperin noch Reichsbürgerin, ist sie heute als jemand, die für den Ernstfall vorsorgt, zu einer Vorzeigebürgerin geworden – so schnell kann’s gehen! Denn das Preppern gilt neuerdings als erste Bürgerpflicht. Aber nicht nur das. Seitdem im Berliner Südwesten 50.000 Haushalte ohne Strom und ohne Heizung sind, kann sich meine Freundin vor Beratungsanfragen kaum retten. Besonders interessieren sich die vom Strom- und Wärmeausfall Betroffenen für Notstromaggregate. Damit kennt sich meine Freundin aus, aber auch mit Kerzen. Die gibt es jetzt nach Weihnachten bei Rossmann und DM im Angebot, falls sie nicht schon ausverkauft sind. Das lässt sich aus der Entfernung schlecht einschätzen. Gerade gab es auch im Dream-Hotel ein gewisses Berlin-Feeling. Zwei Wagen der Freiwilligen Feuerwehr kamen innerhalb von Minuten angerast, um einen Fehlalarm zu beenden. Vielleicht war es aber auch ein Probealarm, wer weiß das schon so genau. Von Seiten der Freiwilligen Feuerwehr war es ein voller Erfolg, auch wenn viele Gäste des Dream-Hotels dies gar nicht mitbekommen haben. Sie sind einfach auf ihren warmen Zimmern geblieben. Zurück zu meiner guten Freundin in Berlin. Falls es Fragen von Südwest-Berlinern gibt, wie sie die nächste Woche überstehen sollen, dann her damit. Sie beantwortet sie gerne. Damit die Letzten nicht die Ersten sind, die in die Kiste springen. Der ein oder andere mag das für übertrieben halten. Ich nicht. Ich kann mir sogar vorstellen, dass meine Freundin, die einstige Reichs- und jetztige Vorzeigebürgerin, demnächst das Bundesverdienstkreuz erhält.
Mein Traumhotel im Bayrischen heißt genau „McDreams Hotel“ mit der Betonung auf „Mc“. Auch der Ausblick ist nicht unbedingt der von Capri. Aber hey, im Süd-Westen Berlins träumen viele gerade von einem „McDreams Hotel“. Denn dort sitzen sie im Kalten, während mein Zimmer hier in Bayern wohl temperiert ist. Aus dem Hahn im Bad kommt noch warmes Wasser, aus der Dusche sogar heißes. Lediglich der Mönch mit dem Bierkrug und der Winzer mit dem Weinkrug direkt über meinem Kopf sind für mich als trockener Alkoholiker etwas gewöhnungsbedürftig. Was mache ich? Ich konzentriere mich einfach auf das deftige Essen auf dem Fass, das es bei Bedarf im ROSI’S gleich hinter der Shell-Tanke gibt. Mein Leben im Bayrischen ist ein wahr gewordener Traum.
Bei Schneetreiben habe ich mich auf den Weg Richtung Süden gemacht. Als ob ich gewusst hätte, dass bald darauf bei 50.000 Berliner Haushalten die Küche kalt beiben würde. Im Südwesten der Stadt sind die Menschen seither ohne Strom und auch ohne Heizung. Niemand weiß, wie lange das Chaos andauern wird. Ich bin mittlerweile in Bayern angekommen, wo es noch Strom gibt. Aber nicht nur das. Auch die Küche ist noch warm, es gibt leckere Weißwürste mit Brez’n und auch Leberkäsbrötchen mit süßem Senf beim Bayern, das Ganze zu zivilen Preisen. Aber es wird noch besser. Bisher bin ich hier ausschließlich auf freundliche, hilfsbereite und vor allem geerdete Menschen gestoßen. Zurück zu Berlin: Der Grund für den Stromausfall ist ein Anschlag, vermutlich von linken Linken. Mit Sicherheit kann man jetzt schon sagen, dass es sich bei den Attentätern weder um freundliche, noch um hilfsbereite, geschweige denn um geerdete Menschen handelt.