Das Offensichtliche eingestehen

Kam ich früher aus den USA nach Berlin zurück und traf in der Ring-Bahn auf Biertrinkendes Volk, rief ich immer aus: Endlich normale Leute! Das ist lange her. Heute graut es mir vor jeder Rückkehr in die Bundeshauptstadt. Dass ich einmal in Bayern und in Bulgarien dasselbe ausrufen würde, hätte ich mir nie träumen lassen. Aber es ist wirklich so. Sowohl in Bulgarien, als auch in Bayern treffe ich mehr geerdete Menschen mit gesundem Menschenverstand und Herzensbildung als in Berlin. Die Schwierigkeit besteht darin, das sage ich aus eigener Erfahrung, sich das Offensichtliche einzugestehen. Hört sich einfach an, ist aber das Einfache, das so schwer zu machen ist. Manchmal sind es auch nur die kleinen Dinge, die man anders machen muss. Beispielsweise in Dachau, das vielen vor allem für sein Konzentrationslager bekannt ist, dieses einfach mal Konzentrationslager sein zu lassen und dafür zum Schloss Dachau hochzufahren, wo obige Aufnahme entstand.

Das Siegestor

Vorderansicht

In München steht nicht nur ein Hofbräuhaus, sondern auch ein Siegestor. Es erinnert ein wenig an das Brandenburger Tor in Berlin. Auf dem Dach gibt es auch eine Quadriga, allerdings eine mit Löwen. In Berlin sind es Pferde. Ich weiß gar nicht, wem das Brandenburger Tor geweiht ist. Beim Siegestor ist es klar. Es ist „Dem Bayrischen Heere“ geweiht, so wie der Reichstag „Dem Deutschen Volke“. So wei(h)t, so gut. Erwähnt sei auf jeden Fall noch der Hinweis auf der Rückseite (unten) des Siegestores. Ich verstehe ihn so, dass auf jeden Sieg eine Zerstörung folgt – Mahnung hin oder her. Mich erinnert das an „Alles wird besser“, ein Song von Silly – „Die Top Band aus der DDR“.

Hinteransicht

Tennis für Strom

Berliner Stillleben

Wenn ich es richtig verstanden habe, hat der Berliner Südwesten schon jetzt wieder Strom, weil Bürgermeister Wegner Tennis gespielt hat. Muss so ’ne Art „Spiel ohne Grenzen“ gewesen sein: Tennis für Strom. Jetzt soll er dafür zurücktreten – das muss man sich mal vorstellen! Wo der Mann doch alles gegeben und sich so aufgeopfert hat für seine Bürger. Obiges Foto ist übrigens nicht während des Blackouts aufgenommen, sondern schon eine Woche vorher auf dem Flohmarkt. Jemand hat dort liebevoll seinen Stand beleuchtet, unter anderem mit einer Grabkerze, wie viele die letzten Tage in Zehlendorf ihre Wohnung. Ganz Pfiffige sollen sich bereits im Vorfeld mit Kerzen, Kurbelradios und Teelichtöfen eingedeckt haben. Für mich sind das alles olle Kamellen, wie man so schön sagt. In Bulgarien sitzen die Menschen den lieben langen Tag nur um ihre Teelichtöfen.

Echte Bayrische Solidarität

Berliner Bär in München

Während man im Südwesten Berlins solidarisch ist mit den vom Strom- und Wärmeausfall Betroffenen, scheint die Information, dass es einen Anschlag von linken Linken gab, in Berlin -Mitte noch nicht angekommen zu sein. Manch einer ist sich gar sicher, dass – mal wieder – Putin Schuld ist. So gesehen wird eine „Demo gegen Rechts“ demnächst in Zehlendorf immer wahrscheinlicher. Zurück zur Solidarität: Auch in Bayern ist man solidarisch mit den Südwest-Berlinern. In München beispielsweise hat ein Döner-Geschäft mit dem schönen Namen „Echte Berliner“ einen Teil seiner Berliner Bär Verkleidung abgerissen, um die so frei gewordene, von den Lampen produzierte Wärme in den Berliner Südwesten zu senden. So sieht echte bayrische Solidarität aus.

Solidaritätsbekundung in der Leopoldstraße

Reichsbürger Recherche

Im Bayrischen

Heute wurde ich gefragt, was ich in Bayern mache. Meine spontane Antwort: „Bin auf Reichsbürger Recherche“ war natürlich ein Witz. Die Wahrheit ist, dass ich im Bayrischen das „Überleben im Winter“ trainiere. Das Ganze undercover. Süddeutschland als geheimes Trainingslager sozusagen. Wenn ich gewusst hätte, dass es in Berlin einen Blackout gibt, hätte ich mir den Aufwand sparen können. Aber wer konnte das ahnen? Auch dass es in Berlin mal mehr Schnee gibt als in Bayern? Natürlich nur Reichsbürger! Zurück zum geheimen Winter Überlebenscamp in Bayern. Mein Fazit zur Halbzeit: Man muss gut aufpassen, dass man nicht so endet wie manch Rentner in Berlin.

Groß-Demo in Dunkel-Deutschland

Selbst im Bayrischen geht mir der von linken Linken verursachte Blackout im Berliner Südwesten nicht aus dem Kopf. Der Begriff „Dunkel-Deutschland“ bekommt durch ihn nochmal eine ganz neue Bedeutung. Eigentlich ein toller Hintergrund für bewegende Bilder von einem Meer in die Höhe gehaltener Kerzen und Feuerzeugen. Man kann nur hoffen, dass es die Tage noch eine große „Demo gegen Rechts“ im dem betroffenen Gebiet Berlins gibt. Also bevor der Strom wiederkommt.

Ganz vergessen

Ganz vergessen zu erwähnen, dass sich obiger Spruch auf der Speisekarte eines zünftigen bayrischen Wirtshauses am Schliersee befand, wo wir heute mit unseren beiden Hunden einkehrten, für die wir sogleich Wasser bestellten. Zuerst sind immer die Tiere dran, und dann erst die Menschen. Ich sage das für all die, die sich mit Tieren nicht auskennen. Die uns bedienende Wirtin schien so eine Person zu sein, denn sie fragte uns, ob es stilles Wasser sein soll oder doch lieber ein Sprudel mit Zitrone. Während wir uns noch fragend ansahen, das Wasser war ja nicht für uns, sondern für die Hunde, meinte die Wirtin: Das war’n Witz! Bayrischer Humor halt. Aber nicht nur das! Überall, wo wir bisher waren, wurden nicht nur wir, sondern auch unsere beiden Hunde auf das freundlichste begrüßt. Als chronisch schlecht gelaunter Berliner, der das nicht gewohnt ist, kommt man sich immer irgendwie verarscht vor. Aber die meinen das wirklich ernst, die Bayern.