Bericht aus Bulgarien (277) – „Ohne Etiketten“

Birnen von der Nachbarin

Am Freitag waren wir bei Baba Bore, wo wir vier Wochen nicht waren. Für jede Woche, die uns Baba Bore, was die liebevolle Abkürzung für Borislava ist, nicht gesehen hat, gab es eine Tüte mit Obst und Gemüse aus ihrem Garten. Die Birnen und Pfirsiche auf dem Tisch waren in einer davon. In den anderen befanden sich Zwiebeln, Paprika, Feigen, Tomaten, Knoblauch, Auberginen und Zucchini. Jetzt sind wir erstmal versorgt. Früher haben wir Dinge auch eingekocht, aber das schaffen wir heute nicht mehr. Dafür sind wir zu sehr mit dem Lesen und Schreiben beschäftigt. Baba Bore weckt wie jedes Jahr ein, sie ernährt damit ihre Kinder, Enkel und Urenkel. Damals hat sie uns Tips gegeben wegen dem Einwecken, aber wir haben auch im Internet nachgeschaut. Und da war es so, dass der Deutsche unbedingt Etiketten fürs Einwecken braucht. Das war komplett irre, auch weil sich dieser Hinweis nirgendwo sonst fand, und beim Deutschen man das Gefühl bekam, dass man ohne Etiketten nicht einwecken kann. Baba Bore sind Etiketten unbekannt. Es geht also auch so. Das können wir aus eigener Erfahrung bestätigen.

Alles von Baba Bore (Borislava)

Foto&Text TaxiBerlin

Bericht aus Bulgarien (276)

Ein Plakat auf der Demonstration am 19. März in Sofia
In Prag sollen 70.000 Menschen auf der Straße gewesen sein gestern. Ich lese nur noch die Überschriften und die Kommentare. Wenn sie 70.000 schreiben, gehe ich davon aus, dass es mindestens 100.000 gewesen waren, wahrscheinlich eher 200.000. So viele Menschen sind in Sofia bisher nicht zusammengekommen. Wie auch, wenn jeder dritte Bulgare im Ausland lebt. Obwohl, nicht wenige sind in den letzten beiden Jahren in ihre Heimat zurückgekehrt, manche sogar auf ihre Dörfer. Einige von ihnen habe ich auf den zahlreichen Protesten in der bulgarischen Hauptstadt kennengelernt, der ein oder andere der Zurückgekehrten hat sogar zu den Protestierenden gesprochen. Eine Einladung dazu brauchte keiner von ihnen. Dass das alles nützliche Idioten wären, die da auf die Straße gehen, davon habe ich hier noch nie gehört. Aber da ist man selbst beim ehemaligen Nachrichtenmagazin aus Hamburg gerade dabei zurückzurudern, zumindest gestern. Morgen in Leipzig sieht das natürlich schon wieder anders aus. Wie gesagt, ich lese nur noch die Überschriften und die Kommentare, denken kann ich noch selber. Ich brauche die Zeit auch für meine Bücher, die ich mir selbst aus Berlin nach Bulgarien geschickt habe. Gerade lese ich „Im Zeitalter der Sucht“ von Anne Wilson Schaef, ihr indianischer Name ist Weán Wamblischka Wanka. Die bekannte US-amerikanische Psychotherapeutin ging schon vor über 30 Jahren davon aus, dass wir in einem Suchtsystem leben, was aber nicht heißt, dass alle an der Nadel hängen, obwohl in diesem Punkt das Buch unter Umständen schon überholt ist. Die Einleitung beginnt jedenfalls mit diesem Satz: „Unsere Gesellschaft zerfällt mit beängstigender Geschwindigkeit.“ Im Kapitel „Angst“ schreibt die Autorin, sie ist Mitbegründerin des „Woman’s Institute of Alternative Psychotherapy“, dass wir uns unsere Krisen selber schaffen, und zwar „als Garantie dafür, dass doch noch eine geringe Überlebenschance besteht.“ So sehe ich auch den Krieg in der Ukraine zwischen Russland und den USA, für den die USA in hohem Maße mitverantwortlich ist und den ebenfalls die USA als größter Kriegsprofiteur auf keinen Fall beenden will. Deutschland, also auch du und ich, wir sind dafür nur die nützlichen Idioten.
Foto&Text TaxiBerlin

Bericht aus Bulgarien (275) – „Vom Auswildern“

In der Wüste von Arizona

Weil man in Deutschland jetzt doch nicht frieren will für den Frieden, was die Bulgaren schon seit 30 Jahren ohne zu murren machen, überlegt man nun Strom aus der Ukraine und zwar von dortigen Atomkraftwerken russischer Bauart zu kaufen. Während der ein oder andere in der Heimat sagt, warte mal, da war doch was, da war doch dieser Krieg, fällt mir dazu ein, dass es auch hier in Bulgarien genau ein Atomkraftwerk russischer Bauart gibt, und zwar in Kozloduy an der Donau. Die Abkürzung ist АЕЦ Козлодуй, also AEZ Kozloduy, was für Атомна електроцентрала „Козлодуй” steht und auf deutsch Atomkraftwerk Kozloduy heißt. Ich weiß das deswegen so genau, weil meine bulgarische Ex-Schwiegermutter in Kozloduy an der Donau direkt neben dem Atomkraftwerk gewohnt hat und ich sie dort regelmäßig besucht habe. Wenn man sich dem Ort Kozloduy und seinem Atomkraftwerk genähert hat, tauchten Schilder in drei Sprachen auf, die darauf hinwiesen, dass man nicht fotografieren darf. Eine der drei Sprachen war unsere geliebte Muttersprache und die Übersetzung in diese lautete beim Bulgaren „Machen Photos Verboten“. Ich hab dann immer gedacht, na hoffentlich können die besser mit ihren Atomen als mit der deutschen Sprache umgehen. Jetzt war ich schon über zehn Jahre nicht mehr am Atomkraftwerk in Kozloduy, und ich muss sagen, ich vermisse es gar nicht. Vermutlich, weil ich seitdem öfters in Amerika war, wo nicht nur meine jetzige Schwiegermutter wohnt, sondern auch obige Langohren. Und die darf ich jetzt nicht mehr besuchen, also weder die Langohren, noch meine Schwiegermutter. Das liegt daran, dass ich nicht geimpft bin, besser nicht „gentechnisch behandelt“ bin. Ich wollte es erst nicht glauben, aber ohne Gen-Spritze kein Amerika. Und das, obwohl in Europa nun auch der letzte dahinter gekommen ist, dass das Impfen, das diesen Namen nicht verdient, nicht nur nichts bringt, sondern darüber hinaus auch noch nicht ganz ungefährlich ist. An dem Einreiseverbot ändert auch nichts die Tatsache, dass ich mit einer Amerikanerin, auf bulgarisch „Amerikanka“, verheiratet bin, obwohl Staatsbürger wiederum ungeimpft einreisen dürfen in die USA, das einstige „Promised Land“, „Home of the Brave“ und „Land of the Free“. Es muss also auch ohne Schwiegermutter in Kalifornien und selbst ohne Langohren in der Wüste von Arizona gehen, wo obige Aufnahme vor jetzt sieben Jahren entstanden ist. Die Esel, das sei noch erwähnt, haben dort früher in den Goldminen gearbeitet und wurden dann irgendwann ausgewildert. Und das kann ich auch nur jedem empfehlen, also das Auswildern. Ohne dem geht es nicht. Wer keinen Atomstrom aus dem ukrainischen Kriegsgebiet haben möchte, sondern lieber kalt duschen will für den Frieden, wie auch ich es nun seit über einem Jahr in den Schluchten des Balkans praktiziere, der muss sich selbst auswildern. Beim Auswildern gilt übrigens: „Machen Photos Verboten“.
PS: Das Auswildern ist insbesondere dem zu empfehlen, der nicht so recht vom Verteidigen seiner Freiheit an der amerikanisch-russischen Front in der Ukraine überzeugt ist, nachdem das mit der Verteidigung der Freiheit am Hindukusch nicht so richtig erfolgreich war, auch wenn die Vereinigten Staaten von Nordamerika ihren nur allzu schmählichen Abzug aus Afghanistan wie einen Erfolg feierten, über den sie zuvor mit den bösen bösen Russen Taliban verhandelt haben, und der, wenn er unter Trump erfolgt wäre, natürlich ein Fehler gewesen wäre – das ist klar. 

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Bericht aus Bulgarien (274) – „An alle Waschlappen“

 

Das halbe Jahr war vorgestern vorbei, ich musste meinen Gasspeicher auffüllen. Beim Russen fülle ich nur wegen der Aussicht auf, das musst du mir glauben. Die Preise sind überall dieselben in Bulgarien: 1,22 Lewa für das Kilo Flüssiggas. Bei zehn Kilo sind das 12,20 Lewa. Damit komme ich bis ins neue Jahr. Alles hätte gut sein können. Aber nein, was muss ich wieder aus Deutschland hören, das Russland ruinieren will. Man beklagt sich allen Ernstes über den bösen Putin, der angeblich nun kein Gas mehr liefert. Aber genau das wolltet ihr doch nicht haben, das blöde Russengas. Lieber wolltet ihr frieren für den Frieden. War doch so, oder? Jetzt ist noch nicht mal Herbst, und ihr jammert schon in Deutschland? Du meine Güte, was seid ihr für Waschlappen! Apropos: War da nicht was mit ’nem Waschlappen?

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Bericht aus Grossbritannien – „No More Lockdown“

Mehrfach habe ich schon über meinen besten englischen Freund Jerry geschrieben, der drei Dörfer weiter wohnt, und der am liebsten Deutscher wäre, zumindest bis vorgestern. Manchmal geht es mir nun wie Jerry, nur umgedreht, und zwar dass ich gerne Engländer wäre. Gut, was da jetzt von den britischen Medien kommt, sogar von der BBC, ist nicht wirklich neu, zumindest nicht für Bulgaren, von denen viele in Grossbritannien ihr Geld verdienen. Der Unterschied scheint mir zu sein, dass wenn der Engländer etwas sagt, dann hat es irgendwie mehr Gewicht. Wobei schwer zusagen ist, woran das genau liegt. Ob es alleine an der Sprache liegt, oder an den vielen Banken in der Londoner City, die das Gesagte aufwerten, oder einfach nur an dem Umstand, dass das Vereinigte Königreich einst ein Weltreich war und zum Teil immer noch ist. Jedenfalls ist es so, dass wenn der Bulgare etwas sagt, dann sagt es eben nur ein dummer Bulgare. In dem Zusammenhang frage ich mich gerade, ob Van Morisson, den ich neulich, also vor Corona, noch live in Berlin erlebt habe und von dem obiger Song „No More Lockdown“ aus dem Jahre 2020 ist, eigentlich immer noch ein Covidiot ist, oder doch eher jemand mit Weitsicht? Was mit mir als halber und dummer Bulgare ist, danach frage ich besser erst gar nicht.
Song VanMorisson
Text TaxiBerlin

Bericht aus Bulgarien (273) – „No matter what my german voters think“ – Annalena Baerbock

Annalena Baerbock vorgestern in Prag
Bei den letzten Wahlen in Bulgarien im November lag die Wahlbeteiligung bei 40 Prozent. Die nächsten Wahlen gibt es am 2. Oktober, also heute in einem Monat. Die Wahlbeteiligung wird dann aller Wahrscheinlichkeit weiter fallen. Davon würde ich ausgehen, wenn die Außenministerin Bulgariens Annalena Baerbock heißen würde. So einfach darf man es sich nicht machen, das schreibt zumindest der Spiegel. Wenn unsere Außenministerin sich einen Dreck um ihre Wähler in Deutschland schert, dann hat natürlich der Russe Schuld. Das meint allen Ernstes das ehemalige Nachrichtenmagazin aus Hamburg, wo alle mit Menthol-Zigaretten gedopt zu sein scheinen. Ich weiß nicht, wie viele Menschen diesen Quatsch noch glauben in Deutschland. Meine Befürchtung ist, dass es nur allzu viele sind. Anders in Bulgarien. Die Menschen hier mögen einfach sein, aber nicht dumm. Vor allem kriegen sie mit, wenn sie verarscht werden, was mir hier der Fall zu sein scheint. Kriegstreiberin Annalena Baerbock empfehle ich, wenn sie so geil auf Krieg ist, dann soll sie an die Front gehen und in erster Reihe mitkämpfen, und sich nicht bequem im Sessel fläzen und ihre Wähler in der Heimat für dumm verkaufen, die sie mit ihrer „pro westlichen“, sprich „make America great again“ Politik, gerade dabei ist zu ruinieren. Noch mehr Delegitimation geht eigentlich nicht mehr.
Video YouTube
Text TaxiBerlin

Bericht aus Bulgarien (272) – „Go Sahra go!“

 

Gerade erfahre ich, dass Sahra Wagenknecht ausgeladen wurde, am Montag auf der von ihrem Parteikollegen Sören Pellmann organisierten Demo in Leipzig zu sprechen. Während man in Deutschland noch versucht herauszufinden, wer hinter der Ausladung steckt, ist man in Bulgarien schon wieder einmal weiter. Bereits am 11. Mai dieses Jahres haben diese beiden Frauen auf einer Demo vor dem Parlament gesprochen. Ich bin hundertprozentig mir sicher, dass keine der beiden Frauen eine Einladung hatte, um auf der Demonstration zu sprechen. Weder die große Frau oben im roten Jacket, noch die kleine Frau unten in den weinroten Leggins. Sie haben es einfach getan. Die ganze Diskussion in Deutschland erinnert mich an einen Ausspruch, der Lenin zugeschrieben wird. Lenin hieß eigentlich Wladimir Iljitsch Uljanow und war Russe. Ich sag es besser vorher, damit es später keine Beschwerden gibt. Besagter Lenin sagte über deutsche Revoluzzer folgendes: „Deutsche Revolutionäre besetzen einen Bahnhof erst nach Kauf einer Bahnsteigkarte.“ – Genau das möchte ich Sahra Wagenknecht auf den Weg geben. Kümmere dich nicht um irgendeine Einladung. Geh nach Leipzig und sprich zu den Menschen. Sie wollen dich hören, deine Stimme, dein Charisma, deine Intelligenz, deine Weit- und Durchsicht. Vergiss die Einladung, du brauchst sie nicht! – Und: Es ist richtig, dass du mit dem „Laden“ DIE LINKE nichts mehr zu tun haben willst. Übernimm endlich den „Laden“ BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND, Sahra!
PS: Der, die, das Deutsche am Fahrkartenschalter: „Einmal Revolution bitte!“ – Nachfrage der Deutsche Bahn Mitarbeiterin: „Einfache Fahrt oder mit Rückfahrt?“

Fotos&Text TaxiBerlin