NZZ: „Selenskis Unterwerfung war unvermeidlich“

„leider“ vorbei – jetzt geht’s an die „seltenen Erden“

War „Unterwerfung“ bisher vor allem als Roman von Michel Houellebecq bekannt, stellt die Neue Zürcher Zeitung, die manche für das West-Fernsehen von heute halten, vor einer guten Stunde fest, dass Selenskis Unterwerfung unvermeidlich war. Am Dienstagabend habe sich Wolodimir Selenski dem Unvermeidlichen ergeben. In einer schriftlichen Stellungnahme vollzog er eine Unterwerfung vor Donald Trump. Niemand wolle einen endlosen Krieg, schreibt Selenski: „Mein Team und ich sind bereit, unter der starken Führung von Präsident Trump für einen dauerhaften Frieden zu arbeiten.“ – Was wird nun mit all den Bellizisten in der Heimat, von denen es so einige gibt, nachdem ihnen plötzlich der Feind abhanden gekommen ist. Ich mache mir große Sorgen und befürchte das Schlimmste, nämlich dass sie sich einen neuen Feind suchen. Oder einen alten. Was ist zum Beispiel mit den Ungeimpften? Haben schon wirklich alle mit dem Finger auf sie gezeigt?

PS: Hier Selenskis vollständige Erklärung, die er heute auf X abgegeben hat: Ich möchte das Engagement der Ukraine für den Frieden bekräftigen. Keiner von uns will einen endlosen Krieg. Die Ukraine ist bereit, so schnell wie möglich an den Verhandlungstisch zu kommen, um einen dauerhaften Frieden näher zu bringen. Niemand will Frieden mehr als die Ukrainer. Mein Team und ich sind bereit, unter Präsident Trumps starker Führung zu arbeiten, um einen dauerhaften Frieden zu erreichen. Wir sind bereit, schnell zu arbeiten, um den Krieg zu beenden, und die ersten Schritte könnten die Freilassung von Gefangenen und ein Waffenstillstand im Himmel sein – Verbot von Raketen, Langstreckendrohnen, Bomben auf Energie und andere zivile Infrastruktur – und ein sofortiger Waffenstillstand auf See, wenn Russland dasselbe tut. Dann wollen wir alle nächsten Schritte sehr schnell durchlaufen und mit den USA zusammenarbeiten, um ein starkes endgültiges Abkommen zu erzielen. Wir schätzen wirklich, wie viel Amerika getan hat, um der Ukraine zu helfen, ihre Souveränität und Unabhängigkeit zu bewahren. Und wir erinnern uns an den Moment, als sich die Dinge änderten, als Präsident Trump der Ukraine Javelins lieferte. Dafür sind wir dankbar. Unser Treffen in Washington, im Weißen Haus am Freitag, verlief nicht so, wie es hätte sein sollen. Es ist bedauerlich, dass es so gekommen ist. Es ist an der Zeit, die Dinge in Ordnung zu bringen. Wir möchten, dass die zukünftige Zusammenarbeit und Kommunikation konstruktiv ist. Was das Abkommen über Mineralien und Sicherheit betrifft, ist die Ukraine bereit, es jederzeit und in jedem geeigneten Format zu unterzeichnen. Wir sehen dieses Abkommen als einen Schritt in Richtung größerer Sicherheit und solider Sicherheitsgarantien, und ich hoffe wirklich, dass es effektiv funktionieren wird.

Die größte Enttäuschung sind die sogenannten Intellektuellen

Genauso wie in Bulgarien, so sind auch in Rumänien Proteste immer mit Heimatklängen verbunden, zu denen nicht immer aber sehr oft auch getanzt wird. Die Lebensfreude kommt also bei allem Ernst der Lage nicht zu kurz. Lange bin ich nicht mehr auf einer Demo in der Heimat gewesen. Gibt es sie überhaupt noch? Und wenn Ja: Welche Musik wird dort aktuell gespielt? Ich erinnere mich an alte Kampf- und Arbeiterlieder oder „Macht kaputt, was euch kaputt macht“ von Ton Steine Scherben. Auf dem Balkan würde das niemand verstehen, jetzt nicht wegen der Sprache, sondern weil sich einfach nicht gut danach tanzen lässt. – Das flache Gebäude im Hintergrund ist übrigens der Sitz der rumänischen Regierung. Die Fahnen sind so echt wie die Musik. Dann gibt es noch Schilder von Orten oder Regionen, aus denen die Menschen angereist sind. In Bukarest selbst arbeiten viele für den Staat oder die Stadt, was gut bezahlt sein soll, weswegen diese Menschen keinen Grund hätten auf die Straße zu gehen. Die rumänischen Intellektuellen sollen genauso verlogen sein wie die in der Heimat. Offiziell unterstützen sie den Protest nicht, aber heimlich wählen sie den Kandidaten, den man neulich im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Verkehr gezogen hat, dann doch. So wie viele in der Heimat es mit der AfD halten.

Gedanken am Busbahnhof „Militär“ in Bukarest

Ich kam am Samstagmorgen nicht an irgendeinem Busbahnhof in Bukarest an, sondern am „Autogara Militari“. Dass der Ankunftsbahnhof in der rumänischen Hauptstadt so heißt, erfuhr ich am Abend zuvor am Zentralen Busbahnhof in Sofia, an dem meine Reise startete. Das Wort „Militari“ löste unschöne Assoziationen in meinem Kopf aus, die sich zum Glück nicht bewahrheiteten. Der Massenprotest in Bukarest verlief absolut friedlich. Gleichzeitig scheint die Welt immer unfriedlicher zu werden, insbesondere Europa. Sollte ich mir deswegen Sorgen machen? Schwer zu sagen. Der deutsche Wahnsinn ist weit weg von den Schluchten des Balkans. Aus dieser Erfahrung heraus kann ich jedem in der Heimat nur empfehlen, einen Moment inne zu halten und sich die Lage, in der er sich befindet, genau anzusehen. Am besten mit etwas Abstand – so weit dies möglich ist. „Militari“ heißt übrigens nicht nur der Busbahnhof, von dem aus ich am Samstag kurz vor Mitternacht meine Rückreise nach Sofia antrat, sondern ein ganzer Stadtbezirk im Westen der rumänischen Hauptstadt. Bereits im 19. Jahrhundert gab es Militäreinrichtungen. Zuvor lagerte die österreichische Armee auf ihrem Marsch in den Russisch-Osmanischen Krieg hier.

Auf vielfache Nachfrage

Kurz bevor in Bukarest die Menschen zu Hunderttausenden auf die Straße gegangen sind, ist auch am anderen Ende der Welt in der US-amerikanischen Hauptstadt einiges los gewesen. Mehrere Freunde und Bekannte haben mich seither gefragt, was ich davon halten würde. Meine Antwort blieb wegen meiner Bukarest-Reise bisher aus. Jetzt möchte ich sie nachholen. Ich tue dies, indem ich Serdar zu Wort kommen lasse. Nicht deswegen, weil Serdar mein „Frienemy“ (auf Deutsch Freundfeind oder falscher Freund) ist, und auch nicht, weil wir beide einen Migrationshintergrund haben, sondern weil ich das allermeiste, was er über das, was da in Washington passiert ist, teile, meine Worte aber drastischer ausfallen würden. Auch deswegen lasse ich Serdar zu Wort kommen.

Kein Karneval in Bukarest

Das ist kein deutscher Karnevalsumzug, sondern der gestrige Massenprotest in Rumänien, der friedlich und ohne größere Zwischenfälle verlief, und an dem sich bis zu 300.000 Menschen beteiligt haben sollen. Ich war vor Ort, habe ihn mir angeschaut und mit vielen Menschen gesprochen. Ich habe auch schon angefangen zu schreiben, es ist aber noch nicht ganz fertig. Es lohnt sich auf jeden Fall, immer wieder hier auf meiner Seite vorbeizuschauen. Ich habe einige interessante Dinge gesehen und gehört in Bukarest. Es wird auch Fotos geben. Hier ist eins davon: