Muss man bei mir linksgrünen politischkorrekten woken Friedrichshain überlegen, was man denkt, und vor allem was man sagt, sieht es andernorts ganz anders aus. Die Rede ist von der Provinz, und zwar von der Ostdeutschen, ganz genau von Sachsen-Anhalt. Obige Aufnahme entstand in einer Kleinstadt, die ungenannt bleiben soll. Ebenso der Rechtsanwalt, dessen Fenster zu sehen ist. Fotografiert hat es ein Freund, der auch lieber anonym bleiben möchte. So viel kann ich verraten: Der Freund kommt aus dem Westen und meint, dass unsere einzige Hoffnung der Osten ist.
Linksgrüner, woker und politischkorrekter als bei mir im Friedrichshain geht es nicht. Nicht nur in Berlin, sondern Deutschlandweit. Man muss aufpassen, was man sagt. Am besten auch, was man denkt. Umso überraschter war ich gestern, auf Anti-Fracking-Graffitis zu stoßen. Wenn ich mich recht erinnere, ist das amerikanische Fracking-Gas doch „Freiheitsgas“. Oder etwa nicht?
Heute geht die Sommerzeit zu Ende. Eingeführt wurde sie 1980. Sowohl im Westen, als auch im Osten. Durch die Zeitumstellung wollte man Energie sparen, vermutlich auch Gas. Energie wurde durch die Sommerzeit nie gespart. Das sagt gerade auch das öffentlich/rechtliche InfoRadio, das angeblich das „Warum?“ so liebt. Warum es die Sommerzeit immer noch gibt, erfahre ich nicht.
In Bulgarien wird heute mal wieder gewählt. Es sind die 7. Wahlen in nur dreieinhalb Jahren. Dass es nach der heutigen Wahl eine stabile Regierung geben wird, ist eher unwahrscheinlich. Aber auch wenn es sie geben sollte, hätte sie kein Mandat. Denn die Wahlbeteiligung lag in Bulgarien bei der letzten Wahl bei gerade einmal 34 Prozent. Sie dürfte bei der heutigen Wahl noch einmal fallen. Vermutlich wird sie der Impfquote entsprechen, die in Bulgarien bei nur 30 Prozent liegt.
Zurück um Anfang, und dass man aufpassen muss, was man sagt bei mir im Friedrichshain. Genau genommen ist es schwieriger geworden als es in der DDR war. In der DDR konnte man davon ausgehen, dass der andere auch Westfernsehen sieht. Das ist heute nicht mehr so. Ich bringe jetzt immer die RKI-Protokolle ins Spiel. Wer noch nie etwas von den RKI-Protokollen gehört, und das sind die meisten bei mir im Kiez, mit dem kann man höchstens Smalltalken – wenn überhaupt.
PS: Das öffentlich/rechtliche InfoRadio rechnet mit einer Wahlbeteiligung gar von unter 30 Prozent in Bulgarien, wie ich gerade erfahre. Je weiter weg, desto mehr scheint man zu wissen.
Gestern rief mich ein Freund an, um mir empört mitzuteilen, dass der neue Nato-Stützpunkt in Rostock gegen den Zwei-plus-Vier-Vertrag verstoße, aber niemand es mitbekommen würde. „Mein Gott, du hast Sorgen!“, antwortete ich ihm. Und weiter: „Ich wäre froh, wenn die Leute noch Eins und Eins zusammenzählen könnten.“ Einer, der sich noch an den Zwei-plus-Vier-Vertrag erinnern kann, ist Norbert Häring. Ihm ist auch aufgefallen, dass die Tagesschau in Orwellscher Manier ihren „Bericht zum Nato-Stützpunkt“ durch „Bericht zum Bundeswehr-Stützpunkt“ ersetzt hat.
Ein Freund ist sich sicher, dass immer mehr Menschen merken, dass unser Land gerade den Bach runter geht, was nicht zu meinen Beobachtungen passen will. Ich erlebe die allermeisten meiner Zeitgenossen taub, regelrecht betäubt. Nicht Alkohol und Cannabis, sondern Smartphone und Internet sind dabei die größten Betäubungsmittel. Steige ich in die Öffentlichen, sind neun von zehn nur noch mit ihrem Endgerät beschäftigt. Nomen ist auch hier Omen. Unbewusst spüren auch sie, dass eine Ära zu Ende geht. So erkläre ich mir obige Formulierung der Ersten Rheinländische Bäckerei, die neulich ihre Filiale in Berlin-Wilmersdorf schließen musste. Um dieses unbewusste Wissen ins Bewusstsein zu bringen, werden alle Tauben und Betäubten bald die ersten sein, die es schon immer gewusst haben. Genauso wie nach dem Untergang der DDR vor jetzt fast 35 Jahren.
Hups, was ist denn beim RBB los? Beim ebenfalls öffentlich/rechtlichen InfoRadio, das seinen Sitz gleich um die Ecke vom RBB hat (oder ist es gar dasselbe Gebäude?), und das ich regelmäßig morgens höre, lebt man (noch) in einer anderen Welt. Mal sehen, wie lange noch …
PS: Beim Titel handelt es sich um einen Kommentar zum Beitrag.
Neulich las ich, dass durch die Kreuzberger Bergmannstraße rasende Fahrradfahrer so viele Unfälle wie nie zuvor verursachen. Das fand ich ja schon irre. Aber es wird noch besser. In der Charlottenburger Kantstraße sorgen Fahrradfahrer jetzt dafür, dass Mieter ihre Wohnungen nicht mehr nutzen dürfen. Sie dürften demnächst auf der Straße sitzen. Oder auf dem Radweg …
Nichts wie weg von hier! (aktuelles Graffito im Friedrichshain)
„Der deutsche Staat mobbt seine Bürger“, so der aus Polen stammende Schriftsteller Jacek Dehnel, der nach Berlin gekommen war, um frei zu sein, nun aber lieber nach Polen zurückkehrt. Hier nur einige seiner Beweggründe: Berlin lebt von der Legende, eine wunderbare, erschwingliche, freie Künstlerstadt zu sein. Inzwischen sind aber ein paar Jahrzehnte der Gentrifizierung vergangen, die Stadt hat Hamburg preislich überholt. … Die Zeiten, in denen Berlin ein Symbol der Freiheit war, sind vorbei. … Ständig erlebe ich Mikro-Aggressionen. … In Berlin ist Stillstand zu spüren. … Mit großer Erleichterung verlasse ich dieses Land, das sich in einem desolaten Zustand befindet. – Wenn selbst Polen lieber in Polen leben, ist es höchste Zeit, seine Koffer zu packen.