Einrichtungsbezogene Impfpflicht vor Gericht

Die so genannte einrichtungsbezogene Impfpflicht, die für mich als gelernter Krankenpfleger ein Berufsverbot darstellte, steht gerade vor Gericht. Das Ganze in Deutschland, wo sonst. In Bulgarien gab es keine einrichtungsbezogene Impfpflicht. Die Berliner Zeitung schreibt in einem Artikel mit dem Titel Höchstgericht soll entscheiden: Verletzte die einrichtungsbezogene Impfpflicht Grundrechte? folgendes dazu: Nach der Gesetzesbegründung sei der Schutz vulnerabler Personen vor einer Ansteckung durch ungeimpftes Personal ein tragendes Motiv für die Einführung der einrichtungs- und unternehmensbezogenen Impfpflicht gewesen. Diese auf den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts beruhende Einschätzung werde durch die nun veröffentlichten Protokolle des Instituts erschüttert. Hintergrund ist, dass die so genannte Impfung niemals auf Fremdschutz getestet worden war. Für manchen mag dies immer noch neu sein, es ist aber schon seit Jahren bekannt. Die Neue Zürcher Zeitung schrieb beispielsweise im Oktober 2022: Pfizer hat seinen Impfstoff nie auf Fremdschutz getestet. Doch zurück zum hier und heute. Da dem Verwaltungsgericht in Osnabrück, das sich gerade mit der Klage einer Pflegehelferin aus Niedersachsen beschäftigt, der wegen der einrichtungsbezogenen Impfpflicht noch im November 2022 verboten wurde, ihrer Arbeit nachzugehen, keine Normverwerfungskompetenz zukommt, wird sich das höchste deutsche Gericht, das Bundesverfassungsgericht, mit dem Fall befassen und das kann dauern. In der Zwischenzeit kann man sich mit dem obigen Plakat beschäftigten, das die drei Konzerte von Bob Dylan im Oktober in Berlin ankündigt. Überschrieben ist es mit dem Hinweis darauf, dass die Dinge nicht so sind, wie sie einmal waren. Am rechten Rand ist ein Skelett in einem Frack zu sehen, das eine Spritze in seiner rechten Hand hält. Unter dem linken Arm hält es ein schön verpacktes Geschenk, das mit Geschenkband in Form eines Kreuzes verschlossen ist. Die Spritze befindet sich nahezu in der Bildmitte, die sie sich mit einem tanzenden Paar teilt. Geimpft oder Ungeimpft, könnte man sich da fragen. Wichtiger scheint aber die Frage nach der Spritze zu sein. Was hat sie in der Bildmitte eines Plakates zu suchen, das ein Konzert ankündigt, übrigens nicht nur in Berlin. Bob Dylan ist seit November 2021, also zu Zeiten der schlimmsten Pandemie überhaupt, bis heute auf Tour, und das weltweit. Das Skelett mit der Spritze in der Hand, so viel möchte ich verraten, gehört zu dem Song „False Prophet“.

Der Anfang vom Ende – Der Osten hat ihn gemacht

Ein Sägeblatt – 50 Stotinki (25 Cent)

Die Wahlergebnisse in Sachsen und Thüringen werden von einigen als Anfang vom Ende interpretiert. Ende klingt erstmal nicht gut, obwohl bekanntlich alles ein Ende hat. Manchmal muss man das Ende auch selbst herbeiführen, zum Beispiel indem man es abschneidet. So ging es mir neulich in der Heimat. Zum Abschneiden brauchte ich eine Säge, eigentlich nur ein Sägeblatt. Versuch einmal in Deutschland nur ein Sägeblatt zu kaufen. Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, denn man muss immer gleich mindestens fünf kaufen und ist dementsprechend auch gleich mit fünf Euro dabei. Nicht so in Bulgarien. Hier bekommt man auch einzelne Sägeblätter, und eins kostet hier nur 25 Cent. Worauf ich hinaus will, ist, dass ein überschüssiges weil überflüssiges Ende abzuschneiden, in Bulgarien viel einfacher ist. Auch die Interpretation ist eine andere. Bezüglich der Wahlergebnisse in Sachsen und Thüringen kommt die Berliner Zeitung mit ihrem Beitrag „Nach dem Wahldesaster im Osten: Ampel droht dem Volk mit noch mehr Kommunikation“ der bulgarischen Sichtweise sehr nahe. Die Zusammenfassung liest sich dort so: Doch obwohl Politiker und Journalisten wieder die Schlüsse von gestern ziehen, hat sich an diesem Abend etwas verändert. Die Menschen spüren, wie viel Angst die Ampel hat, wenn sie das Ergebnis kleinredet. Ja, es wird weiter bergab gehen mit dem Land. Aber dieser Sonntag, der 1. September 2024, ist der Anfang vom Ende einer fehlgeleiteten Politik. Und der Osten hat ihn gemacht.

Deutschland gibt den Ton an

Deutschland gibt den Ton an – nicht nur bei mir

Beim Bulgaren, ich habe oft darüber geschrieben, ist alles immer umgedreht. Das beste Beispiel sind die Kopfbewegungen. Nicken bedeutet Nein und Kopfschütteln, es ist eher ein Kopfwiegen, bedeutet Ja. Bei mir wirkt sich das Bulgarische, also das Umgedrehte, so aus, dass ich in Bulgarien immer die deutsche Ordnung suche und in Berlin das bulgarische Chaos. Verrückt – ich weiß! Andererseits war es nie schwer in Berlin balkanische Ecken zu finden. Die Balkanisierung Berlins hat in den letzten Jahren allerdings sehr an Fahrt aufgenommen. Für meinen Geschmack zu sehr. Dann kann ich auch gleich auf dem Balkan bleiben, was an sich kein Problem ist, wenn nicht diese Suche nach der deutschen Ordnung wäre. Aktuell ist es so, dass ich die Aufforderung unseres beliebtesten Politikers, es ist der Verteidigungsminister Boris Pistorius von den Sozialdemokraten, dass Deutschland wieder kriegstüchtig werden muss, sehr Ernst nehme. Gut, bis 2029 ist noch etwas Zeit. Aber was ich habe, habe ich. Sagt man doch so, oder? Heute bin ich in Sachen Kriegstüchtigkeit fündig geworden, und zwar auf dem Flohmarkt in Montana, wo sonst.

Kaufst du eine – kriegst du die andere umsonst

Bei zwei Knarren zum Preis von einer konnte ich nicht Nein sagen. Vier Lewa haben beide zusammen gekostet, was zwei Euro sind. Überhaupt war es heute ein Zwei-Lewa-Tag:

Wenn der Russe kommt – vom Russen

Auch die Gasmaske Made in Russia war mit nur vier Lewa im Angebot. Ich habe zwar offiziell eine Maskenbefreiung, aber wenns gegen den Russen geht, kenne ich kein Pardon – mit mir selbst.

Ein Schnäppchen-Messer

Das Messer war mit nur vier Lewa ein Schnäppchen. Ich bin eigentlich nicht so der Messer-Typ, aber man muss mit der Zeit gehen. Zur Not kann ich es gegen ein Jahr Netflix eintauschen.

Humana – People to People Bulgaria

Ich bin mir nicht sicher, ob Humana in Deutschland auch ein Motto hat. Was ich weiß, ist, dass Montags bei Humana Bulgaria jedes Teil nur vier Lewa kostet. Nur deswegen gehe ich hin.

Heute nur vier Lewa – nicht 12!

Heute kostete die NATO-Tarnjacke nur vier Lewa. Da konnte ich nicht Nein sagen, was in Bulgarien Kopfschütteln ist. Größe L ist wie für mich gemacht. Seit ich in Bulgarien bin, hat sich mein Gewicht normalisiert. Auch deswegen kann ich Bulgarien nur empfehlen. Aber vor allem natürlich, um in aller Ruhe kriegstüchtig zu werden. Fällt mir gerade auf, dass in kriegstüchtig das Wort tüchtig drin steckt. Tüchtig ist auch so ein schönes deutsches Wort und Tüchtigkeit eine deutsche Tugend.

Sei auch Du tüchtig und werde kriegstüchtig!

„Reserviert für den Thomas Bernhard des Balkans“

Das ist das Café „Vegas“ im Nordwesten Bulgariens, der ärmsten Region des Landes. Es gibt also nicht nur Montana, sondern auch Las Vegas. Obwohl die Menschen hier wenig Geld haben, ist das Café „Vegas“ immer gut gefüllt, was daran liegt, dass die Tasse Kaffee dort gerade mal 50 Cent kostet. Gefüllt ist es, wie man sieht, mit alten Menschen, die sich permanent anschreien. Dazu muss man wissen, dass in Bulgarien immer nur geschrien oder mindestens gerufen wird. In der Umgangssprache gibt es das Wort sprechen (govorja) gar nicht, sondern es wird ausnahmslos das Verb schreien (vika) verwendet. Auch junge Menschen schreien in Bulgarien nur, so weit sie nicht das Land verlassen haben, um beispielsweise in Deutschland ihr Glück zu suchen. Dort müssen sie erst mühsam lernen, in normaler Lautstärke zu sprechen, was für sie leise ist. Ich bin gestern nur am Café „Vegas“ vorbeigelaufen, habe mich nicht hingesetzt, obwohl vorne links immer ein ganzer Tisch für mich reserviert ist. Dort sitzt „Der Thomas Bernhard des Balkans“ sagt die Betreiberin des Café „Vegas“ zu den Gästen, die mich noch nicht kennen. Thomas Bernhard kennt hier keiner, nicht mal die Betreiberin. Aber gut, in Österreich kennt auch keiner Thomas Bernhard. Der Betreiberin hatte ich mal von Thomas Bernhard erzählt. Sie hat sich daraufhin sogleich den Namen notiert und ein Schild auf den Tisch vorne links gestellt. Vom erfolgreichen Wirtschaften versteht die Frau etwas. Im Gegensatz zu unserem Wirtschaftsminister. Aber ich will nicht vom Thema ablenken. Dass ich nur vorbeigelaufen und mich nicht an den für mich reservierten Tisch gesetzt habe, um einen Kaffe für 50 Cent zu trinken, wahlweise auch zwei für einen ganzen Euro, liegt daran, dass ich mich noch in der Akklimatisierungsphase befinde. Mit anderen Worten: ich bin sehr ruhebedürftig und kann Lärm nur schwer ertragen. Dadurch wirkt der bulgarische Jungbrunnen noch nicht, wie er eigentlich wirken könnte. Denn Bulgarien ist, das ist keine Übertreibung, trotz allem Geschreie und Gerufe ein wahrer Jungbrunnen. Auch darüber habe ich, „Der Thomas Bernhard des Balkans“, schon mal was geschrieben, und zwar, wie sollte es anders sein, für die Laienbühne in Wien.

Wie DDR – nur schlimmer

In der Heimat scheint man ganz schönes Muffensausen zu haben wegen den bevorstehenden Wahlen im Osten. In dem Zusammenhang wird immer wieder behauptet, die im Osten wären blöd und rechts. Ich kann das nicht bestätigen. Mein Eindruck ist vielmehr, dass man im Westen Demokratie nicht verstanden hat. Möglicherweise liegt es daran, dass man sie dort geschenkt bekam, oder vielleicht sollte ich besser verordnet sagen. Manche behaupten sogar, der Faschismus stehe vor der Tür. Für mich hat der Faschismus schon begonnen. Spätestens in dem Moment, wo man ungestraft dazu aufrufen durfte, die ganze Republik möge mit dem Finger auf Menschen wie mich zeigen. So etwas hat es im Osten nicht gegeben. Vieles andere, was in letzter Zeit passiert ist, kommt mir dagegen sehr bekannt vor. Irgendwie fühlt es sich gerade wie DDR an – nur schlimmer.

Taxi is back

Manch einer dachte, dass Taxifahren Schnee von gestern sei, weil heute alle Uber fahren. In Amerika ist man da schon wieder einmal weiter, zumindest was Filme angeht. Was das Taxigeschäft angeht, das war schon vor Uber kannibalisch in New York. Eine Schicht auf dem Beifahrersitz hat mir gereicht, um das zu erkennen. Auch deswegen ist es schon eine ziemliche Überraschung, dass das Yellow Cab zurück auf die Leinwand kommt. Auch dass Sean Penn den Taxifahrer spielt, der mir zuletzt in Oliver Stones „U-Turn – Kein Weg zurück“ als Fahrer gefallen hat. In obigem aktuellen Film „Daddio“ von Christy Hall spielt er den New Yorker Taxifahrer Clark, der seit 20 Jahren „on the road“ ist. Bei mir waren es 25 Jahre. Ich schreibe das, weil mir das, was Sean Penn alias Clark in seinem Taxi praktiziert, sehr bekannt vorkommt. Auch ich wusste oft mehr über meine Fahrgäste als das, was sie preisgaben. Sean Penn weiß zum Beispiel, dass seine Fahrgästin eine Affäre mit einem verheirateten Mann hat. Apropos Fahrgästin: sie wird gespielt von Dakota Johnson. Leider nicht wie üblich mit langem brünetten, sondern mit kurzem blonden Haar. Sie hat im Film auch nicht das durchsichtige blaue Kleid an, durch das man ihre Unterwäsche sehen kann, das sie hier auf der Bühne trägt, wo sie über den Film spricht. Aber vielleicht ist das auch gut so. So kann man sich vermutlich besser auf den Film konzentrieren, der bereits im letzten Jahr in die Kinos kam. Leider ist das an mir vorbei gegangen, und jetzt habe ich den Salat. Bisher habe ich noch kein einziges Kino in ganz Bulgarien finden können, das den Film im Programm hat.

PS: Erfahre gerade, dass der Film erst dieses Jahr in die Kinos gekommen ist. In Deutschland war das am 27. Juni, also noch gar nicht so lange her. Vielleicht ist das der Grund, dass ich ihn in Bulgarien (noch) nicht finden kann. Wer weiß, wo der Film hier läuft, bitte Bescheid sagen. Danke!

Blau verboten

Der Wahnsinn in der Heimat kennt keine Grenzen mehr. Deutschlands größte Lebensmittelkette Edeka startet aktuell eine Kampagne gegen die AfD. Das Motto lautet: „Die Evolution hat uns gelehrt, Blau ist keine gute Wahl“. Von einem „natürlichen Feind“ ist in dem Zusammenhang die Rede. Und das, obwohl das Edeka Logo selbst die Farbe Blau enthält. Keine Ahnung, wie der Himmel aktuell über Berlin aussieht. In Bulgarien ist er – wie oben zu sehen – immer noch Blau.