Angriff auf die Pressefreiheit

Erfahre gerade, dass das Multipolar-Magazin ein Schreiben der Landesanstalt für Medien NRW (LfM), eine Art Wahrheitsministerium, als „verfassungswidrig“ zurückweist. In seinem heutigen Antwortschreiben verweist Mitherausgeber Paul Schreyer auf Artikel 5 des Grundgesetzes und erklärt, dass die Redaktion den „Versuch, unsere Berichterstattung zu beeinflussen“ ablehnt. In der Antwort wird auf die Einschätzung von Fachjuristen verwiesen, wonach „die journalistische Sorgfaltspflicht weder für sich genommen rechtlich sanktionierbar“ ist, „noch durch eine ordnungsbehördliche Aufsicht über die Redaktionen überwacht“ werden darf. Denn „die Pressezensur wurde in Deutschland 1874 gesetzlich abgeschafft“, so Schreyer weiter. Der Medienstaatsvertrag in aktuell gültiger Form – auf den sich die LfM beruft – sei „ein Rückfall hinter diese Zeit“, das Vorgehen der Behörde „ein Angriff auf die Pressefreiheit“. – Passend zum Thema ein weiterer Flohmarktfund vom Montag: „Politiker-Märchen – Die schönsten Lügen aus 60 Jahren Bundesrepublik“. Wer weiß noch, wann die Bundesrepublik 60 Jahre alt wurde? Genau: 2009! Steht ja auch drauf. Der Witz an der Sache: Die CD ist nicht Original! Als braver Deutscher habe ich das sofort der Marktleitung vom Flohmarkt in Montana gemeldet (eine Landesanstalt für Medien gibt es in Bulgarien nicht), aber die hat das natürlich Null interessiert. Ich bin dann weiter, was sollte ich auch sonst tun. Als nächstes ist mir diese Schreibmaschine ins Auge gefallen, daneben ein blauer Plastikkoffer mit Deutsche Mark „Rechengeld“. Das ließ mich daran denken, dass Multipolar jetzt vermutlich auch rechnen muss, wie es seine Anwälte und die Gerichtskosten bezahlt. Das Magazin lebt bekanntlich von Spenden. Aber keine Angst, ich sage jetzt, dass Du spenden sollst. Ich wollte nur daran erinnern, dass es die Möglichkeit gibt.

Plötzlich Frieden

Tarnung ohne Ende

Bulgarien ist traditionell an der Seite Deutschlands. Dafür hat das kleine Land am Rand schon zweimal einen hohen Preis bezahlt. Immerhin zwei verlorene Weltkriege. Trotzdem genießt Deutschland in Bulgarien ein hohes Ansehen. Aber vielleicht sollte man da besser in der Vergangenheitsform sprechen: Deutschland, das Deutsche und selbst Deutsche (auch wenn man sich über sie und ihrem sprichwörtlichen Stock im Arsch immer lustig gemacht hat) genossen in der Vergangenheit ein hohes Ansehen in Bulgarien. Manch Bulgare orientiert sich sogar heute noch an Deutschland. Beispielsweise obiger Händler. Neben stabilem Nähgarn (unten in den Kisten), urigen Ledergürteln (links oben auf dem Tisch) und Messern (auf dem kleineren Tisch davor) hat er vor allem Tarn-Klamotten im Angebot. Selbst sein Sonnenschirm ist in Camouflage. Er kann es sich auch leisten, denn immer mehr Käufer tauchen mit einem langen Bestellzettel und einer prall gefüllten Geldbörse in der Hand an seinem Stand auf wie obiges Paar am Montag in Montana. Nun ist es aktuell aber so, dass der deutsche Kanzler den bulgarischen Händlern gehörig in die Suppe spuckt, indem er plötzlich Frieden will. Zum Glück ticken die Uhren in Bulgarien immer noch anders. Es wird mindestens bis Ende des Jahres dauern, bis sich auch in Bulgarien herumgesprochen hat, dass sich der deutsche Kanzler vom Saulus zum Paulus gewandelt hat, beziehungsweise vom Kriegstreiber zum „gefallenen Engel aus der Hölle“. Bis dahin kann sich Olaf Scholz mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr an die von ihm vorgeschlagene Friedenskonferenz unter Beteiligung Russlands erinnern. Es könnte also alles noch mal gut gehen für den bulgarischen Camouflage-Händler. Andererseits ist Bulgarien auch als Orakel bekannt. Dieses Orakel besagt, dass das Land, mit dem sich Bulgarien verbündet hat, den Krieg verliert. Ein drittes Mal wäre dies Deutschland (diesmal die gesamte EU unter deutscher Führung), das mal wieder den Krieg verlieren wird, obwohl man eigentlich „Russland besiegen“ wollte.

Der Dienstgrad ist fei wählbar – steht später auf dem Grabstein

Schmuckvolle Zigaretten-Box des bulgarischen Soldaten

„Endzeiten“

Auf dem Flohmarkt in Montana – Bulgarien

„Endzeiten“ war der Kommentar eines noch in Deutschland Verbliebenen auf obiges Foto, das ich heute auf dem Flohmarkt in Montana gemacht habe. „Endzeiten“ fiel mir ein, als ich las, dass der Bayrische Verfassungsschutz der Berliner Zeitung unterstellt, sie wäre ein „potenzielles russisches Propagandawerkzeug“. Beweise für diese Behauptung? Fehlanzeige! Mein nächster Gedanke war dann: Die Deutschen wieder – voll im Russenwahn!

Wo aus Totem Neues wächst

Das ist eine Esskastanie, auch Edelkastanie oder Echte Kastanie genannt, bei mir um die Ecke. Ihre Kastanien kann man essen, sie werden Maronen genannt. Vor einigen Jahren hätte ich noch gesagt: das war einmal eine Esskastanie. Damals existierte nur der aus welchen Gründen auch immer abgestorbene Baum, dessen Spitzen man auf dem Foto sieht. Irgendwann sind aus den Wurzeln des eigentlich toten Baumes neue Bäume gewachsen. Diese sind mittlerweile fast so groß wie der tote Baum. Und, vielleicht das wichtigste: sie tragen Früchte. Das war meine größte Sorge, dass ich im Winter keine eigenen Esskastanien mehr auf den Ofen legen kann. Klar, man kann Esskastanien auch kaufen. Aber das kostet Geld, was immer mehr Menschen immer weniger haben. Und nichts kommt gegen eigene Esskastanien an. Übrigens, fällt mir gerade noch: meinem Besuch neulich ist besonders aufgefallen, wie viel Selbstversorgung es in Bulgarien noch gibt. Es gibt sie, weil viele Menschen sich die Dinge im Supermarkt nicht leisten können, zumindest nicht jeden Tag. Hinzu kommt, dass die Dinge im eigenen Garten „sauber“ (чистo – chisto), also nicht behandelt sind und alleine deswegen besser schmecken.

Toter Esskastanienbaum (Mitte), aus dem mehrere neue wachsen

Scholz als Friedensschwurbler

Olaf Scholz muss meinen Beitrag vom Freitag gelesen haben, denn nun ruft auch er zum Frieden mit Russland auf. Angeblich schwebt ihm eine Friedenskonferenz vor, an der sogar Russland beteiligt sein soll. Aber es wird noch besser: Scholz soll sich mit Kiew einig sein. Aber Moment mal! War man sich in der Heimat nicht bis gestern noch einig, dass man „Russland besiegen“ muss? Und nannte Scholz nicht Menschen wie mich, die zu Frieden aufriefen, nicht neulich noch „gefallene Engel aus der Hölle“? Wahrscheinlich kann sich Olaf Scholz daran nicht mehr erinnern. Und vermutlich weiß er morgen schon nichts mehr von der Friedenskonferenz mit Russland.

Lost Place Bulgaria

Neulich hatte ich Besuch aus der Heimat, der sich mit Lost Places beschäftigt. Auch in Deutschland gibt es Lost Places und stündlich werden es mehr. Auch meine Besucher denken bereits darüber nach, die Heimat irgendwann zu verlassen. Ob sie diese gegen den Balkan eintauschen werden, diese Entscheidung steht noch aus. Das weiß man immer erst, wenn es so weit ist. Der Umstand, dass es hier die von meinen Besuchern geliebten Lost Places gibt, und das nicht zu knapp, spricht auf jeden Fall für Bulgarien. Hier eine kleine Auswahl ihrer Fotos vom Lost Place Bulgaria:

Reich Arm – Богат Беден – Bogat Beden

„Reich Arm“ („Богат Беден“ – „Bogat Beden“) ist nicht einfach nur ein einzelner Supermarkt in Bulgarien, sondern eine ganze Supermarktkette. Alleine hier im Nordwesten, der ärmsten Region nicht nur Bulgariens, sondern der gesamten EU, gibt es drei (3!) Filialen von „Reich Arm“. Obwohl ich schon einige Zeit in den Schluchten des Balkans zuhause bin, weiß ich immer noch nicht, wie die Kette auf ihren Namen gekommen ist. Eines scheint mir sicher zu sein, und zwar dass eine Supermarktkette mit einem solchen Namen in der Heimat undenkbar wäre. Obwohl, mittlerweile bin ich mir da nicht mehr so sicher. Einerseits, weil die Supermarktkette Edeka sich in Auflösung befindet und vielleicht bald eine Lücke hinterlässt, die von einer anderen Kette gefüllt werden muss. Warum nicht von „Reich Arm“? Andererseits ist es so, dass immer mehr Menschen unruhig werden in Deutschland, weil sie sich bereits auf der Straße sitzen sehen, z.B. bei VW. Diesbezüglich kann ich bestätigen: Auch wenn es in Bulgarien weit weniger Menschen gibt, die auf der Straße leben als in Berlin beispielsweise. Wer auf der Straße sitzt, geht nicht bei „Reich Arm“ einkaufen. So ist also „Reich Arm“ nicht zu verstehen, also dass sowohl arm als auch reich dort einkauft. Vielmehr ist es so, dass man bei „Reich Arm“ reich reingeht und arm wieder herauskommt.

PS: Nicht jeder „Reich Arm“ Supermarkt hat nebendran eine Apotheke wie obige Filiale!