Geschichten statt Geschichte

Geschichte findet nur noch in Geschichten und als Werbung statt

Der Krieg im Osten eskaliert gerade, und das mit deutschen Waffen. (Auch der im Nahen Osten ist am Eskalieren. Die Amerikaner haben sich bereits auf den Weg gemacht.) Einer, der auf beiden Seiten der Front in der Ukraine recherchiert hat, ist Patrik Baab. Sein Buch darüber hat den Titel „Auf beiden Seiten der Front: Meine Reisen in die Ukraine“ und war ein Bestseller, der bei Dussmann allerdings nicht im Regal stand. Dafür in der Stadtbibliothek in Halle an der Saale. Jetzt ist ein neues Buch von Patrik Baab mit dem Titel „Propaganda-Presse – Wie uns Medien und Lohnschreiber in Kriege treiben“erschienen, das er neulich im Sprechsaal in Mitte vorgestellt hat.

Komplizenhaft, kompliziert, und voll Sch…e

Zuerst dachte ich, da hätte sich jemand verschrieben und jemand anders hätte deswegen aus complicit complicated gemacht. Aber das Wort complicit gibt es wirklich. Es heißt mitschuldig, alternativ auch komplizenhaft. Wessen Komplize Deutschland ist, wird nicht gesagt. Jemand anders meint dann noch, dass Deutschland complete shit wäre. Robert Habeck?

„Deutsche Panzer auf russischem Boden? Berlin nimmt’s plötzlich gelassen“

„Deutsche Panzer auf russischem Boden? Berlin nimmt’s plötzlich gelassen“, so ein aktueller Titel beim Bill Gates finanzierten ehemaligen Nachrichtenmagazin aus Hamburg. Dass man es in Berlin gelassen nimmt, kann ich so nicht bestätigen. Gelassen können es nur bedauernswerte Gestalten wie Habeck nehmen, die mit Deutschland noch nie etwas anfangen konnten und deshalb die deutsche Geschichte nicht kennen. Als das letzte Mal deutsche Panzer auf russischem Boden unterwegs waren, standen bald darauf sowjetische Panzer vor dem Reichstag und auch vor dem Brandenburger. Zwei stehen heute noch da. Einer davon ist auf obigem Foto. Ein Freund von mir sagte vor jetzt über zehn Jahren einmal, dass er auf dem ersten russischen Panzer sitzen will, wenn der Russe wieder kommt. Damals hielt nicht nur ich ihn für verrückt. Heute verstehe ich ihn besser.

Berlin kriegstauglich

Am gestrigen Sonntag war es nun so weit. Ausgerechnet auf dem Flohmarkt ein Patronengurt um der Hüfte einer jungen Frau. Der Krieg ist in Berlin angekommen. Viele haben es nur noch nicht bemerkt. Beschäftigen sich immer noch mit Messern. Mit einem Messer ist man aber nur ein Mörder. Mit einem Gürtel voller Patronen kann’s zum Helden mit Orden an der Brust reichen.

„Was ich gesagt habe, habe ich nicht gesagt“

Was wie ein Ufo-Stachel-Tier aussieht, ist eine Überwachungskamera. Genau sind es vier, wie ich freundlicherweise aufgeklärt wurde. Der junge Bäckersmann sprach mich beim Fotografieren an und klärte mich auf. Angebracht vor der Fussball-EM werden sie wohl bleiben. Interessiert ja auch keinen. Nachdem das mit der Überwachung geklärt war, kam er auf den Krieg in der Ukraine zu sprechen. Er sei kein Nationalist und auch kein Patriot, würde aber in den Krieg ziehen. Nicht nur, wenn es um Deutschland geht, sondern auch in die Ukraine. Etwas anderes könne man nicht machen. Die Politik will es so. Warum ich das alles wissen will. Dass ich Journalist bin, kann er sich nicht vorstellen, will er nicht glauben. Noch nie habe ihm ein Journalist so zugehört, wie ich es getan habe. Nachdem ich ihm meinen Presse-Ausweis gezeigt habe, wird er unsicher. Nun will er das, was er gesagt hat, nicht gesagt haben, vor allem nicht irgendwo gedruckt sehen. Er müsse auch an sich denken. Ich verspreche ihm, seinen Namen nicht zu nennen. Und das mache ich.

Messer gegen Netflix

Auch ich überlege gerade, mein Messer bei der Polizei abzugeben. Deren Gewerkschaft fordert aktuell eine sofortige Waffenamnestie für Messer einzuführen. Das Problem ist, dass ich mein Messer in Bulgarien gelassen habe. Wer konnte das ahnen! Aber nicht nur das. Wenn man sein Messer abgibt, soll man ein Jahr lang umsonst Netflix schauen können. Und das ist das nächste Problem: Ich schaue kein Netflix. Ich warte jetzt einfach auf passendere Angebote der Polizei.

„Wir müssen die Corona-Jahre endlich aufarbeiten“

„Wir müssen die Corona-Jahre endlich aufarbeiten“, so der Titel eines aktuellen Beitrags in der Frankfurter Allgemeinen (FAZ). Unter den Autoren auch die Schriftstellerin Juli Zeh. Es ist noch nicht so lange her, da habe ich einem Schiftstellerkollegen vorgeschlagen, gemeinsam mit der Aufarbeitung zu beginnen. Er lehnte ab mit der Begründung, dass er kein Mediziner sei und sich deshalb kein Urteil erlaube. Juli Zeh erlaubt sich ein Urteil, obwohl auch sie keine Medizinerin ist, aber immerhin Juristin – vielleicht liegt es daran. Auch ich erlaube mir ein Urteil. Aber nicht nur, weil ich gelernter Krankenpfleger bin. An erster Stelle erlaube ich mir ein Urteil, weil es bei einer Impfung um meinen Körper geht. Und die Entscheidung, was mit dem eigenen Körper geschieht, dessen Unversehrtheit das Grundgesetz garantiert, kann am Ende nur jeder selbst treffen.