Leben in Zeiten von Corona – Heute: Ich bin jetzt auch bei Corona dabei

 

Ying und Yang tief im Osten
52°28’39.8″N 13°31’31.0″E

Der ein oder andere hat es mitbekommen: Ich habe mich bisher schwer getan mit Corona. Das ist die Wahrheit. Aber das wird jetzt anders, ab sofort bin auch ich bei Corona dabei. Ich mache das nicht aus einem sportlichen Gedanken heraus, wo dabei sein alles ist. Ich meine es Ernst. Denn ich habe festgestellt, dass wenn man mitmacht, es sich einfach leichter lebt. Das war damals schon so, also in der DDR. Mein bisheriger Widerstand hat auch damit zu tun, dass ich es in Zukunft anders machen wollte als damals in der DDR. Anders ist aber nicht automatisch besser. Das ist mir jetzt klar geworden. Was mich letztendlich überzeugt hat, ist der Umstand, dass diesmal auch die Wessis dabei sind, also nicht nur wir dummen Ossis. Und die Wessis sind nicht nur dabei, nein, sie marschieren sogar vorneweg, und das finde ich gut. Es ist ja einfach auch schön, wenn es nur noch eine richtige Meinung gibt. Das macht das Leben um einiges leichter, und darum ging es uns doch damals. Wir wollten gar nicht die Welt sehen, nein, wir wollten es nur leichter haben. Also so wie jetzt, wo die Welt so klar und leicht zu verstehen ist. Wenn die anderen immer die Bösen und wir die Guten sind. Und wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Das ist geradezu genial. Denn der Gute hat immer Recht, koste es was es wolle. Praktisch ist gegen das Böse und den Bösen jedes Mittel Recht. Überhaupt ist es wichtig, einen Feind zu haben, den man bekämpfen kann. Das gibt dem Leben einen Sinn und dem Tag Struktur. Die permanente Angst erinnert mich an Maos permanente Revolution in China. Die habe ich damals leider verpasst, weswegen ich so froh bin, dass ich sie jetzt nachholen kann. Möglicherweise werde ich auch noch den Sieg der Weltrevolution, also Null Covid, sozusagen den Endsieg, miterleben. Das ist mein absoluter Traum. Die Welt erlöst von allem Bösen. Dann ist alles Gut. Aber gibt es dann überhaupt noch das Gute, wenn es das Böse gar nicht mehr gibt? Wäre die Welt nicht ohne Menschen besser dran? Da sind sie wieder, meine kleinbürgerlichen Zweifel. Ist es am Ende nicht egal, ob man mitmacht oder nicht, so wie halbvoll letztendlich halbleer ist? Du siehst, ich bin noch nicht ganz dabei. Ich muss mich noch von meinem kleinbürgerlichen Gedankengut trennen. Aber bald soll sowieso keiner mehr etwas besitzen. Alles soll allen gehören. So wie in der DDR. Gut, damals ging der Traum nicht ganz in Erfüllung. Aber diesmal wird es garantiert klappen. Und dann werden auch meine letzten kleinbürgerlichen Gedanken in der allgegenwärtigen Präsenz des Guten untergehen. Der Sex soll dann übrigens auch sozialisiert und kostenlos zugänglich sein. Darauf freue ich mich ehrlich gesagt am meisten. Wenn das mit dem Sex nicht wäre, wäre ich wohl nicht dabei. Das ist die Wahrheit.  Also sprach TaxiBerlin, kannste glauben.

Foto&Text TaxiBerlin

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