Bericht aus Amerika (013) – „Geschmacksneutral“

Viele Dinge schmecken in Amerika ausgesprochen neutral. Fisch schmeckt nicht nach Fisch, Fleisch nicht nach Fleisch und Joghurt nicht nach Joghurt. Seit ich hier bin, habe ich viele verschiedene Joghurt-Marken ausprobiert. „MountainHigh“ ist der bisher beste Joghurt. Als einziger schmeckt er irgendwie säuerlich. Natürlich nicht so sauer wie der Joghurt in Bulgarien, aber den findet man nicht einmal in Deutschland, sondern nur in den Schluchten des Balkans. Daran ändert auch nichts, dass selbst in Amerika praktisch jeder Joghurt mit dem bulgarischen Lactobacillus Bulgaricus gemacht ist. Gelatine sollte dagegen nicht im Joghurt sein, so wie es auf dem Deckel steht: „No gelatin or funny stuff“. Mein Eindruck ist aber, dass viele Joghurts in Deutschland Gelatine enthalten. Mit 907 Gramm, zwei amerikanisch Pfund (2 LB), ist der Plastikbecher fast ein Kilogramm schwer. Normalerweise kostet so etwas hier zwischen vier und sechs Dollar. Im SPD-Supermarkt ist „MountainHigh“ gerade für 2,99 $ im Angebot, also „On Sale“, weswegen ich zugeschlagen habe. Alle noch vorhandenen Becher „MountainHigh“, es waren ihrer fünf, habe ich gekauft. Zum Glück gibt es in Amerika Kühlschränke, die noch größer sind als die Joghurtbecher. Mit den fünf Bechern zu 907 Gramm komme ich übers Wochenende. Ich esse den Joghurt entweder Natur, also so wie er ist, oder ich mache mir Früchte ran. Brombeeren mit etwas Zucker eignen sich besonders gut. Bananen, Erdbeeren, Himbeeren und Blaubeeren gehen auch, hab ich auch schon ausprobiert. Im Moment habe ich aber meine „Brombeer-Phase“.

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Bericht aus Amerika (012) – „Essen, Beten, Arschlecken“

Gestern war ich wieder an einem meiner Tatorte, an dem ich meiner Büchersucht nachgehe. Es handelt sich um einen Second Hand Book Shop, um genau zu sein eine Kooperative von acht Book Dealern. Ich hatte hier schon einmal über diesen wunderbaren Ort geschrieben. Diesmal hatte ich mehr Zeit mitgebracht, so dass ich drei Stunden stöbern konnte, bis unters Gebälk (Foto). Dass ich mehr Zeit hatte, lag daran, dass ich zuvor meine Arbeit erledigt hatte. Diese ging mir diesmal leicht von der Hand, einfach weil sie so urkomisch war. Das Lachen blieb mir aber sogleich im Halse stecken, denn die Geschichte ist vor allem eines: traurig. Meine Meldung über die Geschichte eines Buch, das in keinem Buchgeschäft der Welt zu finden ist, kam noch vor dem Bericht im Guardian dazu heraus. Der Titel des Guardian-Artikels ist „Eat, pray, pander“, was auf Deutsch „Essen, Beten, Arschlecken“ heißt.

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Bericht aus Amerika (011) – „Die Zukunft der SPD“

Outside SPD

Obwohl die Vereinigten Staaten, im Gegensatz zu Bulgarien, Deutschland zeitlich hinterherhinken, Kalifornien ganz und gar neun Stunden, sind sie der Heimat in aller Regel voraus – genauso wie Bulgarien. Gut, es hat noch niemand behauptet: Was heute in Bulgarien gilt, gilt morgen auch in Deutschland. Aber es hat auch noch nie jemand gesagt, dass die SPD bald ein Supermarkt sein wird. Oder ist sie das vielleicht schon? Wie auch immer. Wenn immer noch gilt: Was heute in den USA üblich ist, ist es morgen auch in Deutschland, steht die Zukunft der SPD fest.
Inside SPD

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Bericht aus Amerika (010) – „Leaving California“

Viele kennen den Film „Leaving Las Vegas“ mit Nicolas Cage aus den Neunzigern. Las Vegas in der Wüste von Nevada, ich war vor 30 Jahren einmal da, ist nicht weit weg vom Nordosten Kaliforniens, wo ich jetzt bin in. Nur fünf oder sechs Stunden. 2019, also vor Corona, startete die Serie „Leaving California“ eines Kalifornien-Insiders. Seit Corona dürfte es noch mehr Gründe geben Kalifornien zu verlassen. Beste Sätze: „Politicians are making money of our problems“, „California’s bad ideas are going national really fast“ und „If California failes – United States faile“.
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Bericht aus Amerika (009.1) – „Small is beautiful“

Hälfte weg

Nach einem Tag ist die Hälfte des Holzes weg, das ich gestern an die Straße gelegt hatte. Immerhin, das ist mehr als ich erhofft habe. Merkwürdig nur, dass die großen Stücken noch da sind. Warum derjenige, der die Hälfte des Holzes genommen, die kleinen den großen Stücken vorgezogen hat, kann ich nicht sagen. Ich habe niemanden gesehen. Was ich sagen kann, ist, dass es in Bulgarien genau umgedreht gewesen wäre, wie in Bulgarien immer alles umgedreht ist. Oder soll ich schon sagen, dass in Amerika immer alles umgedreht ist? Beides stimmt jedenfalls.

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„Wir sind alle Teil eines historischen Experiments“

Endlich wieder Stacheldraht!
Coach Jo = Joseph Biden?
Erfahre gerade, dass wir alle Teil eines historischen Experiments sind. Das wurde auch Zeit, immerhin habe ich an dem letzten Experiment nicht teilgenommen. Und weil ich dafür tüchtig ausgegrenzt wurde, will ich jetzt wieder dabei sein. Das sozialistische Experiment, an dem ich auch teilnahm, ist schon zu lange her. So richtig kann ich mich nicht mehr daran erinnern. Erinnern kann ich mich an das Motto „Keine sozialistischen Experimente!“ der CDU danach. In seinem aktuellen Artikel „Wir sind alle Teil eines historischen Experiments“ fragt der Spiegel: „Haben die Notenbanken aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt?“ Die Antwort, die man in Hamburg leider nicht weiß, lautet: Nein! – Sonst wäre es kein Experiment. Meine Frage ist, ob bald „Keine historischen Experimente!“ Aufkleber die Runde machen, nachdem „Keine Mengele Experimente!“ ausgeblieben sind.
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Bericht aus Amerika (009) – „Bulgare oder Zigeuner“

In Kalifornien darf, im Gegensatz zu Bulgarien, nicht jeder einfach sein Holz verbrennen, selbst wenn es die eigenen Bäume sind, die der Wind umgeknickt hat. Um es im Garten beispielsweise als Lagerfeuer zu verbrennen, muss man vorher bei der Umweltbehörde anrufen und um Erlaubnis bitten. Dasselbe gilt, wenn man es im heimischen Ofen verfeuern will, obwohl es dort niemand mitkriegen dürfte, der einen anzeigen könnte. Deswegen lässt man im Normalfall sein eigenes Holz gegen Geld von der Stadt abholen. Geld, dass man gerade jetzt gut gebrauchen könnte, um Holz zum Heizen im Baumarkt zu kaufen. Natürlich kein richtiges Holz, sondern Pellets oder Briketts. Diese zu verbrennen, ist dann wiederum erlaubt. Einem Halbbulgaren wie mir, will das nicht einleuchten. Und so habe ich durchgesetzt, das Holz an der Straße für umsonst anzubieten, um so zumindest die Kosten fürs Abholen zu sparen – bisher allerdings ohne Erfolg. Noch niemand hat unser Holz mitgenommen und vermutlich bleibt es auch dabei, denn allen anderen geht es genauso. Was dagegen passieren kann, ist, dass wir ob unseres unkonventionellen Vorgehens bald als Bulgaren enttarnt oder gar als Zigeuner bezeichnet werden.

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