Nichts Neues von der Fahrschein-Front

Fahrscheine der Staatlichen Bulgarischen Eisenbahn

Wenn ich in Bulgarien mit der Bahn fahren will, gehe ich an den Schalter, mache dort meine Ansage und bekomme daraufhin einen Fahrschein wie oben, den ich in bar bezahle. Bei der Deutschen Bahn ist das anders, zumindest wenn man ein Deutschland-Ticket kaufen möchte und nicht vor Ort ist. Dann braucht man eine App, also ein Smartphone, und darüber hinaus noch einen Computer, um sich anzumelden. Bezahlen geht natürlich nicht in bar, das ist klar. Aber es geht auch keine Überweisung, zumindest in meinem Fall nicht. Da geht nur Kreditkarte. Auf Nachfrage bekomme ich folgende Antwort von der Deutschen Bahn: Ihre Zahlung per SEPA-Lastschriftmandat für die Bestellung in unserem Onlineshop wurde nicht akzeptiert, daher konnte die Bestellung nicht abgeschlossen und kein Ticket ausgestellt werden. Eine Stornierung oder Kündigung Ihrerseits ist nicht erforderlich. Haben Sie weitere Fragen? – Ich denke, nicht. Es ist alles gesagt:

Der Euro (wahlweise auch die Deutsche Bahn) = Der Fahrschein für die Titanic.

Ich schreibe das auch, weil es mich an die Endzeit der DDR erinnert. Dort hat zum Schluss auch nichts mehr funktioniert. Genauso wie heute. Ich sage nur Verspätung, Zugausfälle, einstürzende Brücken etc. … Mit einem Unterschied: Die Leute damals waren elektrisiert. Heute nehme ich meine Landsleute vor allem betäubt wahr.

Bevor es zu spät ist

Die bulgarische Rose ist nicht ganz so bekannt wie der bulgarische Schafkäse, das Schwarze Meer und der Schopska Salata. Vom bulgarischen Rosenöl dürfte der ein oder andere schonmal gehört haben. Irgendwo müssen die Rosen stehen, aus denen es gewonnen wird. Eine steht direkt vor meiner Hütte, wo die bulgarische Rose wild wächst. Dahinter übrigens die wilde Sauerkirschen, die demnächst kommen. Doch zurück zum Rosenöl, einem Muss für jeden Bulgarienreisenden. Vor kurzem habe ich die Abrechnung bekommen für das von mir herausgegebene Buch über einen mobilen Rosenölhändler. Mir sind die Tränen gekommen. Jetzt nicht vom Rosenöl, sondern von der Anzahl der verkauften Exemplare. Dabei wurde kurz vor Weihnachten nochmal Werbung dafür gemacht. So kann es nicht weitergehen! Wovon soll ich leben? Vielleicht von Wasser und Brot? Das mache ich doch schon! OK, so schlecht ist das auch wieder nicht. Weder das Wasser, noch das Brot. Und überhaupt ist Wasser und Brot das Kommende. Andererseits erfahre ich von Menschen in der Heimat, dass sie schon wieder in den Urlaub fahren, als gebe es keinen Krieg in der Nachbarschaft. Gut, die meisten fliegen nach Spanien oder Portugal, auch weil sie Bulgarien und Rumänien nicht auseinanderhalten können. Aber selbst da kann man lesen, am Strand oder auch im Flieger. Was will man da auch sonst machen, die anderen nerven ja sowieso nur. Und die Saison fängt gerade erst an. Gleichzeitig wird die Aufmerksamkeitsspanne immer kürzer. Bei wieviel Sekunden liegt sie derzeit? Oder sind wir schon bei Millisekunden angekommen? Am witzigsten finde ich die, die immer von einer Auszeit faseln, und dann in dieser angeblichen Auszeit der Welt im Minutentakt wissen lassen, was für sinnlose Sachen sie gerade machen. Für die ist mein Buch nichts. Für den Rest, falls es ihn noch gibt, schon. Es geht wie gesagt um einen mobilen Rosenölhändler und dessen Abenteuer auf seinen Reisen quer durch Europa. In Bulgarien kennt den Typen, sein Name ist Ganju Balkanski – besser bekannt ist er als Bai Ganju, jedes Kind. Wer Bulgarien nicht mit Rumänien auseinanderhalten kann, kennt ihn natürlich nicht. Das ist klar. Die Lektüre ist durchaus auch beim Tanz auf dem Vulkan zu empfehlen. Vielleicht ist es das letzte Buch, das du liest, bevor es endgültig den Bach runter geht. So nah an einem Dritten Weltkrieg waren wir seit der Kubakrise nicht mehr. Für immer mehr Menschen wäre es gleichzeitig das erste Buch. Also das einzige, was sie je gelesen haben. Noch ist Zeit zum Zugreifen. Bestelle gleich jetzt und bevor es zu spät ist „Bai Ganju, der Rosenölhändler“!

Eine Berliner Zeitung Ente?

„Wir wollen keinen Euro!“ & „Schützen wir den bulgarischen Lev“ – Nationalistisch?

Meinen Beitrag über die Proteste in Sofia wollte die Berliner nicht haben, da man in der Redaktion bereits an einem Artikel zur aktuellen Situation in Bulgarien arbeite. Heute ist dieser Beitrag erschienen. Ich gehe davon aus, dass es der angekündigte ist. Hier nochmal mein Beitrag. Möge sich jeder sein eigenes Urteil bilden. Eine Sache fällt mir am Beitrag der Berliner Zeitung auf, weswegen ich in Form eines Leserbriefes nachgefragt habe. Die Rede ist von den „nationalistischen Slogans“, die erst als Bildunterschift und später nochmal im Text zu finden sind . Die Autorin der Berliner Zeitung schreibt in ihrem Beitrag: „Die Demonstranten riefen demnach nationalistische Slogans und …“ Worauf bezieht sich nun „demnach“? Ich gehe davon aus, dass es sich auf einen verlinkten Artikel von „Novinite“ bezieht, obwohl „Novinite“ erst danach namentlich erwähnt wird. Demnach (hier ist „demnach“ richtig) rief die Menge wiederholt Parolen wie „Rücktritt“, „Mafia“, „Nein zum Euro“ und „Mörder“. Nur, was davon ist ein nationalistischer Slogan? Wie bereits erwähnt war ich am Samstag in Sofia, wo ich Plakate mit Aufschriften wie „Referendum = Freedom“, „Brussels! Are You Blind?“ und „Wir wollen keinen Euro!“ gesehen und diese Slogans gehört habe: „Rücktritt!“, „Referendum!“ und „Wir wollen den Lev!“. Auch hier die Frage: Welcher davon ist nationalistisch? Zu meiner Frage habe ich mir erlaubt in meinem Leserbrief zwei Sachverhalte zu erwähnen, die in dem Artikel der Berliner leider nicht zu finden sind – wohl aber in meinem – und die mir wichtig erscheinen. Zum Einen, dass eine Meinungsumfrage Anfang des Jahres ergab, dass 57,1 Prozent der Bulgaren gegen die Einführung des Euros in Bulgarien sind und nur 39 Prozent dafür. Mit anderen Worten: Die Mehrheit der Bevölkerung ist dagegen, weswegen sich jetzt auch der Präsident zu Wort gemeldet und die Demokratie in Form eines Referendums angemahnt hat. Zum Anderen die Information, die sich zwar bei „Novinite“ findet, aber nicht in der Berliner Zeitung, und zwar, dass bei dem heutigen Protest bis zu 100.000 Menschen auf den Straßen von Sofia gewesen sein sollen, was für Bulgarien eine sehr große Teilnehmerzahl ist.

Alles nur gefälscht

Haifisch Europa

Lange habe ich nicht verstanden, warum so viele Leute ständig Bulgarien mit Rumänien verwechseln. Jetzt scheint es eine Erklärung zu geben. Nach den gefälschten Präsidentschaftswahlen neulich in Rumänien nun der gefälschte Bericht, dass Bulgarien angeblich die Kriterien der Eurozone erfüllt. Alle Bulgaren, egal ob sie für oder gegen den Euro sind, wissen, dass Bulgarien die Kriterien für die Eurozone nicht erfüllt. Das sage nicht ich, ich bin ja nur halber Bulgare, sondern Ivelin Mihaylov, Vorsitzender der Partei „Velichy“. Also nicht so ein schräger rechter Vogel von der utranationalistischen und prorussischen Partei „Wiedergeburt“. Aber es wird noch besser: Ivelin Mihaylov sagt das nicht irgendwem, sondern dem Bulgarischen Nationalradio (BNR). Und die veröffentlichen das auch noch prompt, das muss man sich mal vorstellen! Sind die denn des Wahnsinns? Die haben offensichtlich vorher nicht in Brüssel angerufen, mit welchen Adjektiven die EU den Herrn bereits belegt hat. Ich vermute, unsere Ursula wird demnächst wieder auf X von „unerhörten Szenen in Sofia“ schreiben.

Tip für heute: An einer neuen Version von „Alles nur geklaut“ mit dem Titel „Alles nur gefälscht“ arbeiten.

Hurra, der T€uro kommt!

Wie ich bereits schrieb, sind bei Lidl Bulgaria die Preise neuerdings auch in T€uro angegeben. Ab 1. Juli soll man bereits mit ihm bezahlen können. Keine Ahnung, ob das stimmt. Was stimmt, ist, dass ich schon Kommentare von in Bulgarien lebenden dummen Deutschen gelesen habe, die sich darüber freuen. Worüber sie sich freuen, ist mir nicht ganz klar geworden. Ich vermute, weil sie dann ihr Geld nicht mehr umtauschen müssen. Es kann nie bequem genug sein. Vielleicht sollte das Recht auf Bequemlichkeit ins Grundgesetz geschrieben werden. In Amerika ist das – glaube ich – so. Aber zum eigentlichen Thema: dem Brot. Ich habe viele verschiedene probiert und bin bei diesem Brot von Lidl gelandet. Angeblich Handgemacht. Wer’s glaubt. Es ist kein richtiges Weißbrot. Zumindest ist es innen nicht richtig weiß. Warum es nicht richtig weiß ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Jedenfalls schmeckt es. Zwar nicht so, wie das Brot früher in Bulgarien geschmeckt hat, aber doch besser als jedes andere Weißbrot in Bulgarien. Vom Graubrot nicht zu reden. Das gibt es praktisch nicht. Zumindest in dem Sinne, dass es kein Sauerteig-Brot ist. Es ist eher gefärbtes Weißbrot. Vielleicht hat Lidl an dieses Brot auch etwas graue Farbe ran gemacht. Neulich bei Kaufland meinte eine Frau, dass in der Milch weiße Farbe drin sei. Das ist natürlich eine Verschwörungstheorie. Vermutlich eine von der Hafermilch-Lobby in die Welt gesetzte. Hafermilch gibt es übrigens auch in Bulgarien. Dass sie jemand kauft, habe ich allerdings noch nicht gesehen. Das Brot von Lidl geht dagegen gut weg, obwohl mit 2,99 Lewa nicht gerade billig – und dank T€uro bald noch teurer.

„Freiheit ist Sklaverei“ und „Zwang ist Demokratie“

Obige Aufnahme entstand am Samstag in der Rakowskistraße in Sofia. Nicht nur in Sofia, auch in anderen Städten Bulgariens gab es Proteste gegen die „zwangsweise Einführung des Euro ohne Referendum und ohne Zustimmung des bulgarischen Volkes“. Die Formulierung stammt nicht von mir, sondern vom Bulgarischen Nationalradio (BNR). Über den Protest in Sofia habe ich diesen Beitrag verfasst, der gerade bei der „Freien Akademie für Medien und Journalismus“ erschienen ist. In meinem heutigen Blogbeitrag soll es um die Rakowskistraße gehen. Ich kenne die Straßen von Sofia nicht so gut, wie ich die Straßen Berlins gekannt habe. Die Rakowskistraße, benannt nach dem Revolutionär, Schriftsteller und Aufklärer der Bulgarischen Nationalen Wiedergeburt Georgi Rakowski, von dem der Ausspruch stammt: „Vaters Haus sollst du nie vergessen, alte Bräuche sollst du nie verachten“, macht da eine Ausnahme. In der Rakowskistraße wohnte einst meine Oma, vielleicht 300 Meter weiter unten in Blickrichtung. Als Kind bin ich oft diese leichte Steigung hochgelaufen vorbei am übergroßen Denkmal von Alexander Stamboliski, dem Vorsitzenden des Bauernvolksbundes und Abgeordneten der Nationalversammlung. Während Rakowski im rumänischen Exil an Tuberkulose starb, wurde Stamboliski in der Heimat ermordet. Bevor er erschossen wurde, wurde er gefoltert. Seiner Leiche schnitt man die Hände ab, was ich als Kind, das sein Viertel erkundete, noch nicht wusste. Jetzt weiß ich es und muss daran denken, wenn ich so wie letzten Samstag die Rakowskistraße hochlaufe, diesmal als Protestberichterstatter.

Angeführt wurde der Demonstrationszug, es war der größte, den ich je in der bulgarischen Hauptstadt gesehen habe, wie bei Demonstrationen üblich von Polizisten in Schutzkleidung. Diese gab es auch am anderen Ende der Rakowskistraße, an dem sich der Glaspalast der Europäischen Kommission befindet. Dort trugen die Polizisten zusätzlich Schilde, offensichtlich um sich vor mit Fahnen bewaffneten Mädchen auf Mutters Arm zu schützen.

Dabei haben sie doch nur die Demokratie geschützt, also die von den anderen, weswegen sie in der Heimat auch „unsere“ Demokratie genannt wird. Am Samstag in Sofia ging es auch darum, zu verhindern, dass wieder mit roter Farbe gefüllte Eier auf das Gebäude geworfen werden oder gar Scheiben des Glaspalastes zu Bruch gehen. Es muss gute Farbe gewesen sein, vermutlich war sie aus dem Westen, denn an einigen Stellen ist sie bis heute zu sehen, obwohl der Protest, auf dem die Eier geworfen wurden, bereits mehr als drei Monate zurück liegt.

Wie man sieht, befindet sich der Glaspalast der EU an einer Ecke. Nur einen Steinwurf entfernt, praktisch gegenüber, befindet sich der Supermarkt Lidl, in dem seit Neuestem die Preise auch in Euro angegeben sind. Mit anderen Worten: Die Deutschen sind Vorreiter bei der „zwangsweisen Einführung des Euro ohne Referendum und ohne Zustimmung des bulgarischen Volkes“. Mit Zwang kennt er sich aus, der Deutsche. An seinem Wesen soll mal wieder die Welt genesen. Man kennt das. Auch wenn niemand an den EU-Glaspalast herangekommen ist, war der deutsche Lidl geöffnet. „Business As Usual“ sagt der Amerikaner dazu. Ob man es noch sagen darf, seitdem Trump Präsident ist, da bin ich mir gerade nicht sicher. „Da rollt der Rubel“ geht glaube ich nicht mehr.

„Die Suche geht weiter – nach vorn.“

Heute ist Montag, und ich war wieder auf dem Flohmarkt in Montana. Letzten Montag war ich zwar auch in Montana, aber nicht auf dem Flohmarkt. Der fiel aus wegen Regen. Auch für meinen Freund aus der Heimat, der mich letzte Woche in den Schluchten des Balkans besucht hatte. Er hat meinen letzten Beitrag gelesen, und als ich ihm von meinem heutigen Flohmarktbesuch erzählte, fiel ihm sogleich ein, dass er mal irgendwo gelesen hatte, dass wöchentliche Routine antidepressiv wirkt, was ich bestätigen kann. Womit wir beim Flohmarkt und meinen Fundstücken wären: Zwei CDs von Rosenstolz. Die Sängerin ist kürzlich verstorben. Sie war in meinem Alter und wohnte bei mir um die Ecke im Friedrichshain. Wenn heute Menschen sterben, deren Zeit eigentlich noch nicht gekommen ist, frage ich mich sogleich: Haben sie sich impfen lassen? So weit ich es verstanden habe, war das bei AnNa R., der Sängerin von Rosenstolz, der Fall. Ich erinnere mich noch daran, dass gesagt wurde, dass jeder bald jemanden kennen würde, der an Corona gestorben sei. Ich persönlich kenne keinen. Ich kenne aber auch keinen, der an der Impfung gestorben ist, zumindest nicht persönlich. Aber ich kenne sowieso nur wenige, die sich haben impfen lassen. Trotzdem habe ich den Eindruck, dass man eher jemand kennt, der an der Impfung gestorben ist als an Corona. Vor allem, wenn man berücksichtigt, dass bei vielen, die angeblich an Corona gestorben sind, die Todesursache eine ganz andere war. In Griechenland beispielsweise starb fast jeder zweite „Corona-Tote“ nicht an Covid. Doch zurück zu meinen heutigen Flohmarkt-Fundstücken, den beiden Rosenstolz-CDs. Ich hatte sie schon mehrfach gesehen. Eine Verkäufer hat mehrere Kisten mit deutschsprachigen CDs, die sich nicht verkaufen. Ich habe den Eindruck, dass nur ich CDs aus diesen Kisten kaufe. Da ich kein Rosenstolz-Fan bin, habe ich sie bisher links liegen lassen. Dass ich heute zugeschlagen habe, hat mit den Titeln der beiden CDs zu tun. Die eine heißt „Wir sind am Leben“. Für AnNa R. trifft dieser Satz heute nicht mehr zu. Hätte sie vielleicht noch am Leben sein können? Die Frage ist müßig, ich weiß. Hatte sie eventuell ein Vorgefühl, dass es irgendwann demnächst vorbei sein könnte? Die CD ist von 2011, also noch nicht soo alt. Etwas älter, von 2008, ist „Die Suche geht weiter“. Gerade höre ich das zweite Lied „Gib mir Sonne“. Dort singt AnNa R.: „Nur was weh tut, ist auch gut“. Ich muss an Mikes Kommentar zu meinem letzten Beitrag denken, der schrieb: „Lernen durch Schmerz“, und dass er Dank seiner Frau noch am Leben ist. Seinen Kommentar hatte ich gelesen, da hatte ich die CDs schon gekauft. Jetzt, wo ich darüber schreibe, fällt mir auf, dass wir dasselbe Thema haben: AnNa R., Mike und ich. Gerade bin ich beim letzten Lied „Die Suche geht weiter“ angekommen, wo AnNa R. dies singt: „Wir rannten wie Gejagte …“, was mich an die Jagd auf Ungeimpfte und Menschen ohne Maske in D denken lässt – Opfer des deutschen Corona-Wahns. – AnNa R.s letzte Worte sind: „Die Suche geht weiter – nach vorn.“