Von der Reichs- zur Vorzeigebürgerin

Berlin-Gefühle im Paradies

Eben erreicht mich in meinem Dream-Hotel im Bayrischen die Nachricht einer guten Freundin aus Berlin. Sie lässt mich wissen, dass sie gerade eine steile Karriere macht und viele Anfragen erhält. War sie gestern als Prepperin noch Reichsbürgerin, ist sie heute als jemand, die für den Ernstfall vorsorgt, zu einer Vorzeigebürgerin geworden – so schnell kann’s gehen! Denn das Preppern gilt neuerdings als erste Bürgerpflicht. Aber nicht nur das. Seitdem im Berliner Südwesten 50.000 Haushalte ohne Strom und ohne Heizung sind, kann sich meine Freundin vor Beratungsanfragen kaum retten. Besonders interessieren sich die vom Strom- und Wärmeausfall Betroffenen für Notstromaggregate. Damit kennt sich meine Freundin aus, aber auch mit Kerzen. Die gibt es jetzt nach Weihnachten bei Rossmann und DM im Angebot, falls sie nicht schon ausverkauft sind. Das lässt sich aus der Entfernung schlecht einschätzen. Gerade gab es auch im Dream-Hotel ein gewisses Berlin-Feeling. Zwei Wagen der Freiwilligen Feuerwehr kamen innerhalb von Minuten angerast, um einen Fehlalarm zu beenden. Vielleicht war es aber auch ein Probealarm, wer weiß das schon so genau. Von Seiten der Freiwilligen Feuerwehr war es ein voller Erfolg, auch wenn viele Gäste des Dream-Hotels dies gar nicht mitbekommen haben. Sie sind einfach auf ihren warmen Zimmern geblieben. Zurück zu meiner guten Freundin in Berlin. Falls es Fragen von Südwest-Berlinern gibt, wie sie die nächste Woche überstehen sollen, dann her damit. Sie beantwortet sie gerne. Damit die Letzten nicht die Ersten sind, die in die Kiste springen. Der ein oder andere mag das für übertrieben halten. Ich nicht. Ich kann mir sogar vorstellen, dass meine Freundin, die einstige Reichs- und jetztige Vorzeigebürgerin, demnächst das Bundesverdienstkreuz erhält.

Mein Leben im Traumhotel

Der Ausblick

Mein Traumhotel im Bayrischen heißt genau „McDreams Hotel“ mit der Betonung auf „Mc“. Auch der Ausblick ist nicht unbedingt der von Capri. Aber hey, im Süd-Westen Berlins träumen viele gerade von einem „McDreams Hotel“. Denn dort sitzen sie im Kalten, während mein Zimmer hier in Bayern wohl temperiert ist. Aus dem Hahn im Bad kommt noch warmes Wasser, aus der Dusche sogar heißes. Lediglich der Mönch mit dem Bierkrug und der Winzer mit dem Weinkrug direkt über meinem Kopf sind für mich als trockener Alkoholiker etwas gewöhnungsbedürftig. Was mache ich? Ich konzentriere mich einfach auf das deftige Essen auf dem Fass, das es bei Bedarf im ROSI’S gleich hinter der Shell-Tanke gibt. Mein Leben im Bayrischen ist ein wahr gewordener Traum.

Über’m Bett

Freundlich, geerdet und hilfsbereit

Strom und Sonne entgegen

Bei Schneetreiben habe ich mich auf den Weg Richtung Süden gemacht. Als ob ich gewusst hätte, dass bald darauf bei 50.000 Berliner Haushalten die Küche kalt beiben würde. Im Südwesten der Stadt sind die Menschen seither ohne Strom und auch ohne Heizung. Niemand weiß, wie lange das Chaos andauern wird. Ich bin mittlerweile in Bayern angekommen, wo es noch Strom gibt. Aber nicht nur das. Auch die Küche ist noch warm, es gibt leckere Weißwürste mit Brez’n und auch Leberkäsbrötchen mit süßem Senf beim Bayern, das Ganze zu zivilen Preisen. Aber es wird noch besser. Bisher bin ich hier ausschließlich auf freundliche, hilfsbereite und vor allem geerdete Menschen gestoßen. Zurück zu Berlin: Der Grund für den Stromausfall ist ein Anschlag, vermutlich von linken Linken. Mit Sicherheit kann man jetzt schon sagen, dass es sich bei den Attentätern weder um freundliche, noch um hilfsbereite, geschweige denn um geerdete Menschen handelt.

Neulich am Alex

Neulich am Alex stand direkt an der Weltzeituhr ein Straßenmusiker, der genau diesen Song von Bob Dylan zum Vortrag brachte. Ich hatte das Album „Time Out Of Mind“, auf dem sich das Lied befindet, lange nicht gehört, und so brauchte es einen Moment, bis ich das Lied erkannte. Praktisch gleichzeitig erinnerte ich mich an einen Fahrgast im Taxi, eine junge Frau, die sich mit Bob Dylan auskannte, die sogleich den Song erkannte, der gerade bei mir im Taxi lief. Sie kannte sich wegen ihrer Eltern mit dem „Meister“ aus, die ihn oft gehört hatten zuhause. Dann erzählte sie mir von einem Running Gag, einen sich oft wiederholenden Witz, in ihrer Familie. Ähnlich dem Running Gag, dass mich Leute ständig nach Rumänien befragen, weil sie Bulgarien und Rumänien nicht auseinanderhalten können. Der Running Gag in der Familie der jungen Frau in meinem Taxi ging so: Wenn Du ein Lied hörst, das dir gefällt, Du aber nicht weißt, von wem es ist, kannst Du mit ruhigem Gewissen sagen, es sei von Bob Dylan – in den allermeisten Fällen hast Du Recht.

„Liebes Leben, danke“

Ein Freund hat mir gerade seine Hymne fürs neue Jahr geschickt. Es ist „Sólo Le Pido A Dios“ von Mercedes Sosa. Mir fällt ein, dass ich die argentinische Sängerin einmal live im Konzert gesehen habe. Das ist jetzt 40 Jahre her, Mercedes Sosa ist mittlerweile verstorben. Mercedes Sosa hat damals neben eigenen Liedern auch „Gracias A La Vida“ der chilenischen Sängerin Violeta Parra gesungen. Auch Violeta Parra ist schon tot. Wer noch lebt, ist Gerhard Schöne, den ich neulich noch einmal in einer kleinen Kirche in Ostdeutschland live gehört hatte. Das letzte mal war ich 1988 zu großen Open Air Konzerten von ihm gewesen, ebenfalls in Ostdeutschland. Obige Interpretation von Violeta Parras bekanntem Lied ist meine Hymne fürs neue Jahr: „Liebes Leben, danke“.

Räume dein Haus auf!

Energetische Wunderlampe

Pünktlich Null Uhr habe ich eine Hausreinigung bei mir gemacht. Das dazu nötige Energetische Hausreinigungsset wurde mir zu Weihnachten geschenkt. Jemand meint es gut mit mir. Was so aussieht wie Aladins Wunderlampe, ist eine Schale mit Sand, auf den ein kleines Stück glühende Kohle gelegt wird. Auf die Kohle wiederum legt man Weihrauch, Wacholderspitzen und Salbei. Weihrauch hat eine stark reinigende Wirkung, ebenso die Wacholderspitzen, die darüber hinaus „böse Geister“ vertreiben, und der Salbei, der zu den ältesten Räucherpflanzen überhaupt gehört, neutralisiert „negative Schwingungen“. Schwer zu sagen, ob eine einmalige Hausreinigung ausreicht. Wenn ich es richtig verstanden habe, soll man die Prozedur in regelmäßigen Abständen wiederholen. Was ich sagen kann, ist, dass es jetzt wie in einer orthodoxen Kirche bei mir riecht, was daran liegt, dass ich noch Weihrauch aus Bulgarien da hatte. Für mich hat die Hausreinigung auch eine übertragene Bedeutung: Du willst Dinge verändern? Dann räume zuerst dein Haus auf!

„Nein! Das Leben hat mich nicht enttäuscht!“

Gerade im Grunewald

Ich komme gerade aus dem Grunewald, wo es nicht nur jede Menge Schnee gab, sondern mir auch klar geworden ist, worum es in 2026 gehen soll und auch wird. Bisher lag mein Fokus vor allem auf dem alltäglichen Wahnsinn, der uns immer und überall umgibt, und der deswegen leicht zu finden war. Zu diesem Wahnsinn gehören unter anderem Graffitis und Werbung wie diese:

Aktuell an Berliner S-Bahnhöfen

Aber auch Paare, die sich trennen und Freundschaften, die auseinandergehen. Ich kenne praktisch nur noch Menschen, bei denen das so ist. Und trotzdem gibt es auch heute noch die positiven Dinge im Leben, auch wenn viele den Glauben daran schon verloren zu haben scheinen. Genau auf die möchte ich mich ab sofort konzentrieren. Das wird nicht immer einfach sein. Beschreib mal einen verschneiten Wald und die Freude, die du bei seinem Anblick empfunden hast.

Heute im Grunewald

Oder den Blick auf den Wannsee, der an Caspar David Friedrichs „Kreidefelsen auf Rügen“ erinnert. Wie gut dir der Spaziergang getan hat. Was für tolle Ideen dir dort gekommen und welche guten Gespräche du dabei mit neuen Freunden oder gar Partnern geführt hast. Und wie dich alles zusammen weiter gebracht hat. Missmut und negative Gedanken haben noch nie etwas Positives bewirkt. Demut und Dankbarkeit, auch den kleinen Dingen gegenüber, dagegen schon.

Heute am Wannsee

Zum Schluss noch dieses Bild (unten), das schon gestern veröffentlicht werden sollte. Da ich es verpasst habe, hole ich es heute nach. Doch damit endgültig genug der schlechten Stimmung und negativen Gedanken, und wer eignet sich dafür besser als Friedrich Nietzsche: Niemand kann dir die Brücke bauen, auf der gerade du über den Fluss des Lebens schreiten musst, niemand außer dir allein. – Nein! Das Leben hat mich nicht enttäuscht!Ich kenne keinen höheren Lebenssinn, als beim Versuch, das Große und Unmögliche zu vollbringen, mein Leben zu riskieren.

Neulich in Neukölln