Seelenheil

Gerade lese ich obiges Buch. Das Buch ist nicht von dem bekannte Dichter und Zeichner Wilhelm Busch (1832-1908), sondern von dem Jugendpfarrer Wilhelm Busch (1897-1966) in Essen. Auf sein Buch „Jesus unser Schicksal“ hat mich eine gute Freundin vor einem halben Jahr aufmerksam gemacht. Danach habe ich es zweimal auf der Straße gefunden. Ein Exemplar habe ich verschenkt, das andere lese ich wie gesagt gerade. In diesem Beitrag soll es aber nicht um das Buch gehen, zumindest nicht direkt, sondern um meine Beobachtung, dass immer mehr Menschen gerade zum Glauben und einige zu Jesus und Gott finden. Das ist kein neues Phänomen, zumindest nicht für mich. In Bulgarien gab es das nach ’89 und hält praktisch bis heute an. In Ostdeutschland hat die Kirche in einer gesellschaftlichen Krise ihre Pforten für die Menschen geöffnet, ganz egal ob sie an Gott glaubten oder nicht. Dass sie dies in den aktuellen Krisen nicht tut, halte ich für einen großen Fehler, der den Kirchen irgendwann auf die Füße fallen wird. Unabhängig davon nehme ich bei Freunden und Bekannten in letzter Zeit vermehrt den Wunsch wahr, an etwas glauben zu können. Und in gewisser Weise gehöre ich auch zu ihnen. Seit einiger Zeit besuche ich die Meetings von AA (Anonyme Alkoholiker), wo wahlweise von Gott oder einer höheren Macht die Rede ist. Viele der AA-Freunde können weder mit Gott, noch mit einer höheren Macht etwas anfangen. Auch zu diesen Menschen gehöre ich. Trotzdem besuchen wir die AA-Meetings und sind dort willkommen. Was uns eint, ist der Wunsch mit dem Trinken aufzuhören. Das ist auch die einzige Voraussetzung für die AA-Zugehörigkeit. Unser Weg ist der der Ehrlichkeit, und dass wir nur über uns sprechen, andere nicht kritisieren oder bewerten. Denn alles, was andere sagen, ist in dem Moment ihre Wahrheit, von der ich oft noch etwas lerne, auch wenn es nicht meine Wahrheit ist. Das wichtigste ist, bei sich zu bleiben und die Fehler nicht immer beim anderen zu suchen. Dazu muss man zugegeben keine AA-Meetings besuchen. Und auch nicht an Gott zu glauben. Ein Freund von mir, der mit dem Trinken ganz ohne AA-Meetings aufgehört hat, meinte einmal zu mir, dass er sich wünscht, die Leute würden später über ihn sagen: Eigentlich war er ein guter Kerl. Das fand ich sehr ehrlich und auch sehr mutig. Ich denke, dass es im Großen und Ganzen das ist, wonach auch ich strebe. Ich nenne es Seelenheil. Zu dem, was ich unter Seelenheil verstehe, gehört vor allem, keine Feinde zu haben und niemanden zu hassen. Das sind große Ziele, keine Frage. Kaum einer ist in der Lage, diese auch nur annähernd vollständig zu erreichen. „Wir sind keine Heiligen. Es kommt darauf an, dass wir willens sind, anhand spiritueller Grundsätze zu wachsen.“ So steht es bei den Anonymen Alkoholikern in Wie es funktioniert. Und weiter: „Unsere Lebensgeschichten offenbaren, wie wir waren, was geschah und wie wir heute sind. Wenn Sie sich darüber klar geworden sind, dass Sie das haben wollen, was wir heute besitzen – und wenn Sie willens sind, den ganzen Weg zu gehen, um es zu bekommen – dann sind Sie auch bereit, dafür gewisse Schritte zu tun.“ Genauso war es bei mir. Ich wollte das haben, was die Anonymen Alkoholiker haben. Das mit den Schritten ist übrigens wörtlich gemeint, es sind genau zwölf. Ich will die für mich wichtigsten hier aufschreiben, damit klarer wird, worum es geht: Erster Schritt: Wir gaben zu, dass wir dem Alkohol gegenüber machtlos sind – und unser Leben nicht mehr meistern konnten. Zweiter Schritt: Wir kamen zu dem Glauben, dass eine Macht, größer als wir selbst, uns unsere geistige Gesundheit wiedergeben kann. Dritter Schritt: Wir fassten den Entschluss, unseren Willen und unser Leben der Sorge Gottes – wie wir Ihn verstanden – anzuvertrauen. Vierter Schritt: Wir machten eine gründliche und furchtlose Inventur in unserem Inneren. Fünfter Schritt: Wir gaben Gott, uns selbst und einem anderen Menschen gegenüber unverhüllt unsere Fehler zu. Sechster Schritt: Wir waren völlig bereit, all diese Charakterfehler von Gott beseitigen zu lassen. Siebenter Schritt: Demütig baten wir Ihn, unsere Mängel von uns zu nehmen. Achter Schritt: Wir machten eine Liste aller Personen, denen wir Schaden zugefügt hatten und wurden willig, ihn bei allen wieder gutzumachen. Neunter Schritt: Wir machten bei diesen Menschen alles wieder gut – wo immer es möglich war -, es sei denn, wir hätten dadurch sie oder andere verletzt. Zehnter Schritt: Wir setzten die Inventur bei uns fort, und wenn wir Unrecht hatten, gaben wir es sofort zu. – Jetzt sind es doch mehr Schritte geworden, als gedacht, die ich aufgeschrieben habe. Wer bis zum Schluss durchgehalten hat mit dem Lesen, hat eine Vorstellung davon bekommen, worum es beim Seelenheil geht und wie der Weg zu ihm ist. Zumindest für mich. Zum Schluss sei noch ein Satz zitiert, den man sehr oft bei den Meetings zu hören bekommt: „Komm wieder, es funktioniert!“ – Ist sozusagen ein Slogan von AA, den ich bestätigen kann. Wie es genau funktioniert, das kann allerdings auch ich nicht sagen.

Das Offensichtliche eingestehen

Kam ich früher aus den USA nach Berlin zurück und traf in der Ring-Bahn auf Biertrinkendes Volk, rief ich immer aus: Endlich normale Leute! Das ist lange her. Heute graut es mir vor jeder Rückkehr in die Bundeshauptstadt. Dass ich einmal in Bayern und in Bulgarien dasselbe ausrufen würde, hätte ich mir nie träumen lassen. Aber es ist wirklich so. Sowohl in Bulgarien, als auch in Bayern treffe ich mehr geerdete Menschen mit gesundem Menschenverstand und Herzensbildung als in Berlin. Die Schwierigkeit besteht darin, das sage ich aus eigener Erfahrung, sich das Offensichtliche einzugestehen. Hört sich einfach an, ist aber das Einfache, das so schwer zu machen ist. Manchmal sind es auch nur die kleinen Dinge, die man anders machen muss. Beispielsweise in Dachau, das vielen vor allem für sein Konzentrationslager bekannt ist, dieses einfach mal Konzentrationslager sein zu lassen und dafür zum Schloss Dachau hochzufahren, wo obige Aufnahme entstand.

Das Siegestor

Vorderansicht

In München steht nicht nur ein Hofbräuhaus, sondern auch ein Siegestor. Es erinnert ein wenig an das Brandenburger Tor in Berlin. Auf dem Dach gibt es auch eine Quadriga, allerdings eine mit Löwen. In Berlin sind es Pferde. Ich weiß gar nicht, wem das Brandenburger Tor geweiht ist. Beim Siegestor ist es klar. Es ist „Dem Bayrischen Heere“ geweiht, so wie der Reichstag „Dem Deutschen Volke“. So wei(h)t, so gut. Erwähnt sei auf jeden Fall noch der Hinweis auf der Rückseite (unten) des Siegestores. Ich verstehe ihn so, dass auf jeden Sieg eine Zerstörung folgt – Mahnung hin oder her. Mich erinnert das an „Alles wird besser“, ein Song von Silly – „Die Top Band aus der DDR“.

Hinteransicht

Tennis für Strom

Berliner Stillleben

Wenn ich es richtig verstanden habe, hat der Berliner Südwesten schon jetzt wieder Strom, weil Bürgermeister Wegner Tennis gespielt hat. Muss so ’ne Art „Spiel ohne Grenzen“ gewesen sein: Tennis für Strom. Jetzt soll er dafür zurücktreten – das muss man sich mal vorstellen! Wo der Mann doch alles gegeben und sich so aufgeopfert hat für seine Bürger. Obiges Foto ist übrigens nicht während des Blackouts aufgenommen, sondern schon eine Woche vorher auf dem Flohmarkt. Jemand hat dort liebevoll seinen Stand beleuchtet, unter anderem mit einer Grabkerze, wie viele die letzten Tage in Zehlendorf ihre Wohnung. Ganz Pfiffige sollen sich bereits im Vorfeld mit Kerzen, Kurbelradios und Teelichtöfen eingedeckt haben. Für mich sind das alles olle Kamellen, wie man so schön sagt. In Bulgarien sitzen die Menschen den lieben langen Tag nur um ihre Teelichtöfen.

Echte Bayrische Solidarität

Berliner Bär in München

Während man im Südwesten Berlins solidarisch ist mit den vom Strom- und Wärmeausfall Betroffenen, scheint die Information, dass es einen Anschlag von linken Linken gab, in Berlin -Mitte noch nicht angekommen zu sein. Manch einer ist sich gar sicher, dass – mal wieder – Putin Schuld ist. So gesehen wird eine „Demo gegen Rechts“ demnächst in Zehlendorf immer wahrscheinlicher. Zurück zur Solidarität: Auch in Bayern ist man solidarisch mit den Südwest-Berlinern. In München beispielsweise hat ein Döner-Geschäft mit dem schönen Namen „Echte Berliner“ einen Teil seiner Berliner Bär Verkleidung abgerissen, um die so frei gewordene, von den Lampen produzierte Wärme in den Berliner Südwesten zu senden. So sieht echte bayrische Solidarität aus.

Solidaritätsbekundung in der Leopoldstraße

Reichsbürger Recherche

Im Bayrischen

Heute wurde ich gefragt, was ich in Bayern mache. Meine spontane Antwort: „Bin auf Reichsbürger Recherche“ war natürlich ein Witz. Die Wahrheit ist, dass ich im Bayrischen das „Überleben im Winter“ trainiere. Das Ganze undercover. Süddeutschland als geheimes Trainingslager sozusagen. Wenn ich gewusst hätte, dass es in Berlin einen Blackout gibt, hätte ich mir den Aufwand sparen können. Aber wer konnte das ahnen? Auch dass es in Berlin mal mehr Schnee gibt als in Bayern? Natürlich nur Reichsbürger! Zurück zum geheimen Winter Überlebenscamp in Bayern. Mein Fazit zur Halbzeit: Man muss gut aufpassen, dass man nicht so endet wie manch Rentner in Berlin.

Groß-Demo in Dunkel-Deutschland

Selbst im Bayrischen geht mir der von linken Linken verursachte Blackout im Berliner Südwesten nicht aus dem Kopf. Der Begriff „Dunkel-Deutschland“ bekommt durch ihn nochmal eine ganz neue Bedeutung. Eigentlich ein toller Hintergrund für bewegende Bilder von einem Meer in die Höhe gehaltener Kerzen und Feuerzeugen. Man kann nur hoffen, dass es die Tage noch eine große „Demo gegen Rechts“ im dem betroffenen Gebiet Berlins gibt. Also bevor der Strom wiederkommt.