Gerade habe ich mir noch einen Fruchtsalat gemacht. Auch in den Schluchten des Balkans braucht man Vitamine. Die Früchte habe ich mir letzte Woche auf dem Markt gekauft, der hier Basar heißt. Da ich nur einen warmen Raum in meiner Hütte habe, brauche ich keinen Kühlschrank. Mein Kühlschrank ist mein Flur. Hab ich auch schon wieder Geld gespart. In meinem Fruchtsalat sind ein Apfel, eine Apfelsine, eine Möhre, eine viertel Rote Beete, ein Drittel von einem Granatapfel und drei getrocknete Datteln. Das schöne an einem bulgarischen Basar ist nicht nur, dass die Sachen preiswert sind, sondern dass man sie sich darüber hinaus selbst aussuchen kann. Man muss also keine abgepackten Netze oder sowas kaufen. Ich wähle mir meine Früchte immer ganz genau aus, sie sind sozusagen Handverlesen. Bestimmte Dinge kaufe ich so gut wie gar nicht mehr, allen voran Fleisch. Ich habe mich in Bulgarien zum Fast-Vegetarier entwickelt. Heute habe ich allerdings altes Weißbrot zu Bröseln verarbeitet, mit denen ich Schnitzel panieren werde. Das zelebriere ich dann richtig. Man nennt mich im Dorf nicht nur den Deutschen, sondern auch den Schnitzel-König. Meine Wiener Schnitzel sind legendär. Sie sind zugleich das einzige Fleisch, das ich esse. Zu irgendwas muss ich schließlich die Semmelbrösel verarbeiten. Die nächsten werde ich zusammen mit meiner Partnerin verspeisen. Sie kehrt Ende der Woche aus Kalifornien in die Schluchten des Balkans zurück, die jetzt auch ihr zuhause sind. Über den Fruchtsalat hätte sie sich heute auch gefreut. Ich mach‘ dann einfach ’nen neuen.
Foto&Text TaxiBerlin
Ich habe mir gerade ’ne Banitsa gebacken, und zwar nach diesem Rezept. Dass ich jetzt auch backe, hat zwei Gründe. Zum einen spare ich etwas Geld, das ich nicht habe. Der wichtigere Grund ist aber, dass ich weiß, was drin ist in der Banitsa. Aber vor allem: Dass sie auch schmeckt! Es wird mit jedem Tag schwerer, Dinge zu finden, die man noch essen kann. Wenn kaum einer Kohle hat so wie bei mir in der ärmsten Region des Landes, dann verkauft man auch nichts, schon gar nichts teures. Ich gehe davon aus, dass überall nur noch das billigste vom Billigen drin ist, was man anderswo wegschmeißen würde – so schmeckt es zumindest meistens. Aber ich will mich nicht beklagen. Es ist das Kommende. Heute auf dem Balkan, morgen in Berlin. Die Tafel soll dort schon gar nicht mehr hinterherkommen, weil jeden Tag mehr Hungrige vor der Tür stehen. Wäre interessant zu wissen, wie da das Essen ist. Vermutlich ist es derzeit noch etwas besser als bei mir hier. Ist aber bestimmt nur ’ne Frage der Zeit, bis sich auch da die Unterschiede verwischen. Man kann sich darauf auch nicht vorbereiten. Außer man lernt schnell noch ein bisschen kochen und backen. Das kann nicht schaden. – Meine Banitsa sieht übrigens nicht nur gut aus, sondern schmeckt auch lecker. Dazu gibt es selbstgemachten Ayran. Bulgarischen Joghurt, Wasser und etwas Salz, aber nicht zu viel, denn der Schafkäse in der Banitsa ist salzig genug – vermutlich auch mangels Geschmack.
PS: Meine Banitsa hat nicht den im Rezept stehende Quark (sie hat dafür mehr Joghurt), ganz einfach deswegen, weil Quark in Bulgarien gänzlich unbekannt ist. Da es auch in Amerika keinen Quark gibt, gehe ich davon aus, dass es sich bei ihm um eine deutsche Erfindung ist, die ich wegen des guten Joghurts nicht vermisse.
Foto&Text TaxiBerlin