Bericht aus Bulgarien (536) – „Rückkehr aufs Land“

Früher sind die Menschen in BG gewandert, danach ausgewandert, seit einiger Zeit kehren sie zurück, manche von ihnen auch aufs Land, so wie ich. Neuerdings sind nicht nur eine Familie, die zuvor in Sofia lebte, mit ihren Schafen meine Nachbarn, sondern jemand weidet auch seine Pferde nebenan. Damit ich diese neue Entwicklung nicht vergesse, tragen die Pferde Glocken am Hals. Aber eigentlich haben sie diese, damit der Besitzer sie auch wiederfindet. Auch wenn sie Hobbles tragen und damit weniger mobil sind, grasen sie mal hier aber manchmal auch dort.

Video&Foto TaxiBerlin

Bericht aus Bulgarien (535) – „schwarz auf weiß“

„Unabhängigkeit und Neutralität für Bulgarien“

Mehrfach habe ich alteingesessenen Medien wie beispielsweise dem Spiegel, der Süddeutschen und auch der Neuen Zürcher Artikel über Bulgarien angeboten. Immer war die Antwort, dass man nur Beiträge der eigenen Journalisten veröffentlichen würde. Diese waren und sind bis heute Mangelware, und die eigenen Journalisten sind oft gar nicht in Bulgarien, sondern berichten aus Istanbul, Belgrad oder Bukarest über Bulgarien. Zum Glück gibt es jetzt die neue Online Zeitung „schwarz auf weiß“ von Paul Brandenburg, die heute einen ersten Artikel von mir mit dem Titel „Bulgarien als Zone des Friedens“ veröffentlicht hat. Jeder hat nun die Möglichkeit zu vergleichen zwischen alteingesessenen Medien, die zwar über Geld verfügen, deren Journalisten aber oft gar nicht am Ort des Geschehens sind, und einer Online Zeitung, die sich über Spenden finanziert und deren Berichterstatter am Puls der Zeit sind. Ich beispielsweise war auf praktisch jeder Friedensdemo im letzten Jahr in der bulgarischen Hauptstadt Sofia. Obige Aufnahme entstand zum Beispiel am 6. April vor dem bulgarischen Parlament, im Hintergrund sieht man die Kuppeln der Alexander-Newski-Kathedrale, einem Wahrzeichen der bulgarischen Hauptstadt. Friedensdemonstrationen sind nichts Neues in Bulgarien. Neu ist, dass sie nicht von der Partei „Wiedergeburt“ organisiert werden, sondern von Bürgerinitiativen. Die letzte gab es am vergangenen Sonntag, nicht nur in Sofia, sondern darüber hinaus zeitgleich in sechs anderen bulgarischen Städten, darunter in der zweitgrößten Stadt Plowdiw und auch in Varna am Schwarzen Meer. Für mich als in Deutschland sozialisierter ist es, unabhängig davon wer die Demonstration organisiert, immer wieder aufs Neue eine tolle Erfahrung zu sehen, dass die Berichterstattung in Bulgarien selbst weitestgehend neutral ist. Dementsprechend kommen die Demonstranten auch ungefiltert zu Wort, so wie es sich in einer Demokratie gehört. Sie werden auch nicht von Journalisten vorgeführt, wie dies in der Heimat an der Tagesordnung ist. Die Arbeit dieser Journalisten, besser „Journalisten“, bereitet mir körperliche Schmerzen. Mit meiner Arbeit setze ich mich zur Wehr gegen ihre falsche und verlogene Berichterstattung. Ich freue mich, wenn meine Berichte auch in Zukunft ungefiltert erscheinen, beispielsweise bei Paul Brandenburgs „schwarz auf weiß“.

Foto&Text TaxiBerlin

Bericht aus Bulgarien (534) – „Die Heldenreise“

Auch wenn der Begriff „Heldenreise“ als solcher nicht in meinem Text „Schreiben als Therapie“ vorkommt, der von Sabrina Khalil für RadioMünchen eingelesen wurde, so fasst er mein Verständnis von Kunst im Allgemeinen und vom Schreiben im Besonderen in einem Wort zusammen. Irgendwo hatte ich gelesen, dass Kunst heute Alles und Nichts bedeuten kann, sie in aller Regel aber Nichts bedeutet. Viele denken sogar, dass es dann Kunst sein muss, wenn sie sie nicht verstehen. Ich denke das nicht. Meiner Erfahrung nach wird das, was als Kunst bezeichnet wird, oft nicht verstanden, weil der Künstler, eher „Künstler“, nicht verstanden werden will. Dementsprechend versteht auch er selbst seine Kunst, besser „Kunst“, nicht. Kunst, die diesen Namen verdient, ist immer selbstkonfrontative Kunst. Selbstkonfrontative Kunst meint, dass der Künstler sich mit sich selbst auseinandersetzt. Sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, heißt nicht automatisch Egoismus und Selbstbezogenheit, auch wenn dies heutzutage nur allzu oft so verstanden wird. Selbstkonfrontation ist immer auch eine Heldenreise, und zwar die zu sich selbst. Niemand kann weiter kommen als bis zu sich selbst. Man kann x-mal um die Welt reisen, oder auch „nur“ nach Bulgarien, am Ende wird man immer wieder nur bei sich selbst ankommen. Bei sich selbst anzukommen, das ist die Heldenreise. Dabei seine Wunden zu zeigen, kann nicht nur Heilung bedeuten, sondern kann darüber hinaus auch Kunst sein. Und zwar genau dann, wenn sie andere Menschen berührt. Kunst, die einen weder berührt, noch dass man sie versteht, ist keine Kunst, ist bestenfalls Kunstgewerbe, im Normalfall nur „Kunst“.
Podcast RadioMünchen
Text TaxiBerlin

Bericht aus Bulgarien (533) – „Himmel über Sofia“

Gestern und vorgestern war ich in Sofia. Zuerst war ich bei meinem Freund, dem Zahnarzt, wegen einer Füllung. Ich hatte ihn fast ein Jahr nicht gesehen. Er wollte mich immer mal auf meinem Dorf besuchen, woraus aber bis heute nichts geworden ist. Er hat einfach zu viel Arbeit. Als ich das letzte Mal ganz spontan bei ihm war, habe ich seine Mutter kennengelernt, mit der er sich die Praxis teilt. Auch sie eine sehr angenehme Person etwa in meinem Alter, dazu noch äußerst attraktiv. Als ich ihm das gestern sagte, freute er sich. Auch er ist ein schöner Mann, wo weit ich das als Mann beurteilen kann. – Am Abend waren wir, meine Frau und ich, auf einem Treffen von Expats. Expat ist die Kurzform von Expatriate und bezeichnet im weiteren Sinne Personen, die außerhalb ihres Heimatlandes leben. Unter ihnen ein junger Deutscher und ein junger Holländer. Beide fühlen sich sehr sicher und wohl in Bulgarien. Sie sind zuvor noch nie hier gewesen und waren wegen der Berichterstattung über den Balkan am Anfang verständlicherweise vorsichtig. Keine ihrer Befürchtungen hat sich erfüllt – im Gegenteil. Bis heute sind sie angetan von der Freundlichkeit und Gastfreundschaft der Bulgaren. – Übernachtet haben wir auf dem Gästesofa der bulgarischen Freundin unseres englischen Freundes Jerry in Sofia. Sie hatte es uns freundlicherweise angeboten, damit wir nachts nicht übers Balkan-Gebirge zurückfahren mussten. Am gestrigen Morgen erwartete uns dann dieser phantastische Ausblick von ihrem Wohnzimmer auf das Vitosha-Gebirge.

Foto&Text TaxiBerlin

Bericht aus Bulgarien (532) – „Einfach umgedreht“

Auf dem Slawejkow Platz in Sofia / Bulgarien

Die Dinge sind in Bulgarien nicht immer nur umgedreht, sondern auch einfacher. Ein Beispiel: In Bulgarien gibt es weiterhin nur zwei Geschlechter. Die Dame, die da auf der Bank raucht, ist eine Frau. Die Herren Petko und Pentcho Slawejkow neben ihr, übrigens Schriftstellervater mit Schriftstellersohn, sind Männer. Beim Gendern der Sprache geht man den umgedrehten Weg. Bei den Berufsbezeichnungen gibt es jetzt nur noch die männliche Form. Wer sich darüber beklagt, gilt als von gestern. Sternchen, Strich und Binnenirgendwas sind gänzlich unbekannt. Kein Scheiß jetzt!

Foto&Text TaxiBerlin

Bericht aus Bulgarien (531) – „Kill All Men!“

OK, es ist keine Friedensdemo und auch keine „Friedensdemo“. Aber immerhin eine Frauentagsdemo, oder eher „Frauentagsdemo“. Das ganze in Berlin, der Stadt, auf dessen Straßen und Plätze ich viele Jahre mit meinem Taxi unterwegs war. Als Mann muss ich mich heute an diesen Orten in Acht nehmen, denn alle Männer sollen dort getötet werden. Nichts anderes heißt „Kill All Men!“ auf Deutsch: „Töte alle Männer!“. – Warum ich mir das anschaue? Ich schaue es mir als Vorbereitung auf meine bevorstehende Heimkehr an. Nach zwei Jahren in den Schluchten des Balkans verstehe ich das deutsche Denken beziehungsweise „The German Mind“ nicht mehr. In Deutschland ist man offensichtlich gerade dabei, völlig den Verstand zu verlieren, und die deutsche Hauptstadt ist die Zentrale dieses Irrenhauses. Da ist man besser vorbereitet, insbesondere wenn man – so wie ich – ein Mann ist.
Video LeoLowis
Text TaxiBerlin

Bericht aus Bulgarien (530) – „Emotional Support“

And Writer’s Support Too
Auch in Hollywood ist man nun dahinter gekommen, dass ein Esel ein toller emotionaler Unterstützer ist. Das ist keine Überraschung, denn im Westen brauchen die Menschen in der Tat Hilfe, um mit ihren Gefühlen klarzukommen. Auch Schreibende können Unterstützung durch den Esel gebrauchen, aber an erster Stelle der Esel selbst, der vom Aussterben bedroht ist. In Bulgarien beispielsweise sind von den 350.000 Exemplaren Mitte der Achtziger heute gerade einmal 20.000 Esel übrig geblieben. Die meisten von ihnen sind alt und männliche Tiere sind in aller Regel kastriert, so dass keine Nachkommen zu erwarten sind. Auch deswegen habe ich ein Crowdfunding gestartet, obwohl ich nie ein Crowdfunding starten wollte. Mit meinem „Donkey Sanctuary & Writers Retreat“ will ich den ersten Rückzugsort für Schreibende ins Leben rufen, an dem es auch Esel gibt. Ich freue mich über jeden, der mein Crowdfunding emotional und/oder finanziell unterstützt. Man kann das über die Plattform „Betterplace“ machen oder auch gerne direkt. Natürlich weiß auch ich, dass wir in schwierigen Zeiten leben. Nicht jedem ist es möglich, etwas zu geben, selbst wenn er wollte, was absolut in Ordnung ist. Für den Fall freue ich mich darüber, wenn man mein Projekt mit anderen Menschen mit Emotionen für Esel und fürs Schreiben teilt. Vielen Dank!
Video AcademyAwards
Text RumenMilkow