Bericht aus Berlin (27) – „Unwissenheit ist Stärke“

Klassenkampf? – Watten ditte?

Waren wir nicht schon immer im Krieg mit Russland? Diese Frage stelle ich mir seit ich in Berlin bin immer öfter. Aber nicht nur das. Immer öfter muss ich sie auch mit JA beantworten. Vermutlich weil ich vergessen habe, was ich in Bulgarien in einem Buch gelesen hatte, das ich zur Sicherheit dort gelassen habe. In dem stand, dass mitten in einer Hasskundgebung gegen Eurasien den Demonstrierenden mitgeteilt wird, dass der bisherige Verbündete Ostasien nun der Kriegsgegner sei, Eurasien hingegen ein Verbündeter. Die Masse setzt ihre Demonstration fort, als sei nichts gewesen, nur die Zielscheibe ihres Hasses hat sich abrupt geändert. Eine Riesenaufgabe liegt vor den Angestellten des Wahrheitsministeriums: Alle Artikel, Geschichtsbücher, Flugblätter und Plakate der Vergangenheit müssen eilig korrigiert werden. Danach, also jetzt, übe auch ich mich im richtigen Denken: Ozeanien stand immer schon im Krieg mit Ostasien, die Naturgesetze sind Unsinn und der Zeitungsausschnitt, der das Gegenteil bewies, hat nie existiert, genauso wenig wie irgendein Klassenkampf. Es gilt das Motto des Wahrheitsministeriums: „KRIEG IST FRIEDEN. FREIHEIT IST SKLAVEREI. UNWISSENHEIT IST STÄRKE.“

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Bericht aus Berlin (26) – „Die Macht im Staate“

Vorm Kino „Babylon“ am Rosa-Luxemburg-Platz
früher Mitte, heute Neue Mitte

Es ist gar nicht so einfach herauszufinden, wie hoch die Wahlbeteiligung gestern in Frankreich war. Laut Münchner Merkur lag sie bei 46,84 Prozent. Mehr als die Hälfte der Franzosen ist gar nicht erst zur Wahl gegangen. Die größte Partei ist nun auch in Frankreich die der Nichtwähler, genauso wie in Bulgarien schon seit Jahren ist. Das meine ich, wenn ich sage, dass Bulgarien uns voraus ist, und nicht nur die eine Stunde Zeitunterschied. Solange der „richtige“ gewinnt, in Bulgarien ist das „Harvard Boy“ Petkow, in Frankreich der „Europa freundliche“ Macron, ist die Wahlbeteiligung kein Problem. Das ist dabei sich zu ändern. In Frankreich sind laut Mainstream Medien die Rechten schuld, obwohl sie nur auf Platz drei gelandet sind. Über die „Vereinigte Linke“, die auf Platz zwei liegt, und zu der in Frankreich auch die Grünen gehören, hört man wenig. Und von der „Partei der Nichtwähler“, dem eigentlichen Wahlgewinner, hört man gar nichts. Für die meisten scheint das kein Problem zu sein. Nur, in einer Demokratie, die diesen Namen verdient, müssten sie die Regierungsgeschäfte übernehmen. Wer laut Rosa Luxemburg alle Macht im Staate inne haben sollte, steht in Berlin sogar auf der Straße geschrieben.

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Bericht aus Berlin (25) – „Nichtwähler aller Länder vereinigt euch!“

Irgendwo* in Sachsen Anhalt

Gestern im Zug Richtung Dessau gab es nicht nur „Sterile Menschen“, sondern vor allem ganz normale, beispielsweise eine Mutter mit ihrer Tochter aus Augsburg neben mir. Wir sprachen über die Augsburger Puppenkiste. Jetzt soll es um die Augsburger Allgemeine gehen. Diese schreibt über die gerade zu Ende gegangene Wahl in Frankreich folgendes: „Die niedrige Wahlbeteiligung ist erschreckend.“ Wie niedrig sie genau ist, erfährt der Leser nicht. Vermutlich war es dafür noch zu früh. Immerhin erfährt der Leser das Wahlergebnis, das uns aber nicht weiter interessieren soll. Wichtiger als das Wahlergebnis und die genaue Wahlbeteiligung ist dieser Satz: „Erschreckend ist hingegen die geringe Wahlbeteiligung, die einmal mehr zeigt, dass sich viele Menschen in Frankreich gar nicht mehr betroffen fühlen von der Politik.“ – Zum Glück ist das nur in Frankreich so und hat nichts mit Deutschland zu tun. Und falls doch demnächst, dann bin ich schon nicht mehr hier.

* in einer ehemaligen Kaserne der Sowjetischen Armee

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Bericht aus Berlin (24) – „Kafka in der Kurfürsten“

Kafka in der Kurfürstenstraße, früher Tiergarten, heute Neue Mitte
nördliche Seite zwischen Potsdamer und Dennewitzstraße
Bin gerade rein von meiner heutigen Fahrradtour durch die Stadt, die einmal meine Stadt war, auf deren Straßen und Plätzen ich einst zu hause war, und ich muss sagen, dass es auch Positives, wenn nicht gar Denkwürdiges zu berichten gibt. Es ist zugegeben rar gesät, aber es gibt es, das Positive, das Schöne und das Gute, selbst in Sodom und Gomorrha Berlin. Dazu muss man wissen, dass Kafka 1910 in Berlin war, es ist also schon etwas her. Die Kurfürstenstraße im Tiergarten ist vor allem durch Christina F. aus „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ und nicht durch Kafka bekannt. Das Kafka Zitat befindet sich nicht am Bahnhof Zoo, sondern am anderen Ende der Straße, und es hat das Potenzial zu meinem neuen Mantra zu werden: „Verbringe die Zeit nicht mit der Suche nach dem Hindernis, vielleicht ist keins da.“
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Bericht aus Berlin (23) – „Berliner Graffitologie“

Stell dir vor, es ist Demokratie und sie ist gar keine mehr

Auch heute war ich wieder mit dem Fahrrad in Berlin unterwegs. In der Neuköllner Friedelstraße bin ich auf obiges Graffito gestoßen. Sofort fing ich an zu überlegen, was es zu bedeuten hat. Erst einmal lässt sich feststellen, dass es existiert, also das Graffito. Aber glaubt derjenige, der es an die Wand geschrieben hat wirklich, dass Demokratie nicht demokratisch ist? Muss nicht, wenn Demokratie drauf steht, auch Demokratie drin sein? Und wenn die Demokratie nicht mehr demokratisch ist, ist sie dann überhaupt noch eine Demokratie? Ich frage das, weil davor ja immer gewarnt wird, also dass alle Populisten, egal ob von links oder von rechts, die Demokratie abschaffen wollen. Aber was ist, wenn sie schon längst abgeschafft wurde, und zwar von Menschen, die sie „penetriert“ haben, und dies auch ganz offen zugeben. So würde obiges Graffito Sinn machen, aber nicht nur das. Die größte Gefahr für die Demokratie ginge dann von denjenigen aus, die dies sehenden Auges zugelassen haben und bis heute zulassen, dass die Demokratie nicht mehr demokratisch ist, weil sie am Ende nur noch mit dem Warnen beschäftigt waren und darüber die Analyse, also das „Sagen, was ist!“, komplett vergessen haben. Davor kann auch nicht mehr gewarnt werden – man muss es als gegeben feststellen.

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Bericht aus Berlin (22) – „Sterile Menschen“

Baustelle Ostbahnhof im Friedrichshain

Die Züge sind voll, die Informationstafeln leer und die Bahnhöfe eine einzige Baustelle. Dass deswegen meine Regionalbahn nicht ab Ostkreuz sondern ab Ostbahnhof fährt, wie es im Internet steht, hätte ich wissen müssen, so die Frau am Informationsschalter. Und sie hat recht: bestimmte Dinge muss man einfach wissen. Beispielsweise was „steril“ bedeutet. Im Zug sagte eine Frau, die, wie ich erfahren musste, in einem Labor arbeitet, in dem Impfstoffe hergestellt werden, dass sie „steril“ sei, weil das Labor steril ist. Ob das Labor wirklich steril ist, das weiß ich nicht. Was ich weiß, ist, dass wenn eine Person „steril“ ist, sie entweder „nur“ nicht zeugungsfähig ist, oder bereits tot. Das scheint mir festzustehen. Bei der Frau ging es um die Frage, ob sie im Zug eine Maske tragen soll oder nicht. Am Ende war sie die einzige, die eine Maske trug. Ein Schaffner, der das kontrolliert hätte, kam nicht vorbei. Alleine deswegen kann ich das Zugfahren sehr empfehlen, aber auch, weil man viel lernt im Zug, praktisch wie im Taxi, nur noch gewaltiger.

PS: Die Idee der Frau war, dass alle anderen eine Maske tragen, nur sie nicht, weil sie „steril“ ist. Aus der Idee konnte aber, auch mangels Kontrollen, nichts werden.

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Bericht aus Berlin (21) – „Geschäft statt Gesundheit“

Illegale Bebauung im ehemaligen Todesstreifen

Das interessante in Berlin sind gerade die Graffitis. Sie drücken das unausgesprochene aus. Das, was die Menschen zwar denken, aber nicht sagen. Obiges Graffito weist auf die illegale Bebauung des ehemaligen Todesstreifen an der East-Side bei mir im Friedrichshain hin. Illegal deswegen weil, die East-Side, das längste erhaltene Stück Mauer, unter Denkmalschutz steht und damit nicht verändert und schon gar nicht bebaut werden darf. Außerdem muss in Berlin überall der Zugang zum Wasser, in dem Fall die Spree, für jeden zugänglich sein. Kapital schafft aber nicht nur mit unerlaubten Hausbauten Fakten. Kapital schafft auch in Sachen Impfung und Impfstoff Fakten schaffen. Mann muss den Menschen nur ausreichend Angst machen, damit sie sich impfen lassen. Angst als Herrschaftsinstrument ist ein alter Hut. So viel Angst, wie seit zwei Jahren tagtäglich verbreitet wird, so viel Angst gab es nicht einmal in der DDR. Aber nicht nicht nur das. Die DDR hätte gar nicht das Geld gehabt, so viel Impfstoff zu kaufen, der jetzt weg muss, weil man ihn sonst wegschmeißen muss. Man bewahrt den bereits bezahlten alten Impfstoff aber nicht nur vorm Wegschmeißen, sondern schafft gleichzeitig Platz für neuen. Das Spiel beginnt gerade von Neuem. Es geht jetzt aber schon lange genug (und eigentlich müsste auch ich schon tot sein, was ich aber nicht bin – im Gegenteil), dass nun auch der letzte mitbekommen haben müsste, dass es in Sachen Impfung nicht um Gesundheit geht, sondern ums Geschäft. (Typen wie Lauterbach sind früher, als die Politik noch nicht von ihnen „penetriert“ war, von Tür zu Tür gezogen, um ihren Scheiß zu verkaufen.) Auch hier schafft Kapital Fakten, und dass schon seit mehr als zwei Jahren mittels permanenter Angst- und Panikmache und neuerdings auch mit Kriegsangst. Auch bei der scheint es mir vor allem ums Geschäft zu gehen. Denn mit einem kurzen Krieg kann man sich dumm verdienen, mit einem langen aber dumm und dämlich.

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