Bericht aus Berlin (9)

Auch in meiner Abwesenheit ist die Balkanisierung Berlins weiter voran geschritten. Ihren letzten Höhepunkt erreichte sie bei den Wahlen im vergangenen September, bei der in Berlin sogar Tote gewählt haben. Unter ihnen waren auch überdurchschnittlich viele Corona-Tote, denn deren Durchschnittsalter liegt auch in der deutschen Hauptstadt über der allgemeinen Lebenserwartung. Somit ist klar, wer an dem Berliner Wahldesaster die Schuld trägt. – Auf keinen Fall die uns Regierenden. Und ich war’s auch nicht, denn ich war wie bekannt auf dem Balkan.

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Bericht aus Berlin (8)

Lebenszeichen eines Schläfers

Wer heute noch Maske trägt, ist ein Schläfer, und zwar der Zeugen Coronas, oder hat zumindest das Potential dazu. Ein Schläfer, der auf seinen Einsatz wartet, der spätestens im Herbst kommen wird. So lange muss er sich noch gedulden. Dann kann er aber um so härter zuschlagen, seine Aggressionen und seinen Frust an allem, die ihm jetzt nicht gefolgt sind, abreagieren. – Hört sich nicht gerade schön an, ist aber mehr als wahrscheinlich. Wer sich bis heute das freie Durchatmen verbietet, sondern lieber weiterhin wie befohlen alles schluckt, muss es irgendwann rauslassen. Das Maske tragen ist zu für ihn zu einer Zwangshandlung geworden, mit der er, wenn es so weit ist, auch andere beglücken will. Dass er überhaupt noch lebt, dessen muss der Schläfer sich dadurch versichern, dass er es aufschreibt, z.B. indem er es an die Häuserwände sprayt. Dass er als Mensch, als human heing, menschlich, also human, bleiben soll – das muss man wiederum ihm aufschreiben. Ob’s geholfen hat, wird man im Herbst sehen. Ich persönlich glaube nicht daran, auch darum ziehe ich den Balkan Berlin vor. Jedem, der sein Leben lang Berlin oder Deutschland gebucht hat, dem empfehle ich die Zeit bis dahin zu genießen.

wenn Selbstverständliches nicht mehr selbstverständlich ist
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„Ein Arschloch namens ….“

 

Diese Uber-Doku ist an erster Stelle die Geschichte von Travis Kalanick, dem Uber-Gründer, der das Taxigewerbe „ein Arschloch namens Taxi“ genannt hat. Eine alte Taxiweisheit sagt, dass das, was Peter über Paul sagt, mehr über Peter als über Paul sagt. Und Kalanick ist kein Einzelfall. Die anderen heißen Bezos und Zuckerberg, beide kommen vor in der Doku, Gates, Musk, Schwab – um nur einige zu nennen. Was Recht und Gesetz ist, interessiert sie nicht. Aber nicht nur das. Sie sind die Paten der uns Regierenden, die von ihnen „penetriert“ wurden. Die Doku hilft zu verstehen, wie sie ticken. Am Ende ticken sie alle gleich, so wie Travis Kalanick.

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Bericht aus Berlin (7)

Ein Stück Balkan in Berlin

Komme gerade vom Brötchen kaufen und bringe dieses schöne Mädchen mit, zumindest ein Foto von ihr. Sie bewunderte meine Kamera, und ich sie, und so kam es zu diesem Foto. Dass ich sie bewunderte, lag vor allem an ihrer freundlichen und offenen Art. Die meisten Menschen, denen ich seit meiner Rückkehr in der deutschen Hauptstadt begegnet bin, leiden ganz offensichtlich an Depressionen oder zumindest an depressiven Verstimmungen. Nicht so die junge Verkäuferin. Dass sie keine deutsche Landsmännin ist, muss ich deswegen nicht betonen. Das ist klar. Sie war zwar keine Bulgarin, aber immerhin vom Balkan, oder zumindest aus der Nachbarschaft. Ich will die vom Balkan jetzt nicht besser machen als sie sind. Zu hause haben sie meist auch schlechte Laune, in der Regel aber keine Depressionen. Ihre schlechte Laune ist nur eine andere als die chronisch schlechte Laune des Berliners, zu der sich aktuell wie gesagt in vielen Fällen die Depression gesellt hat. Die schlechte Laune des Berliner ist sein Markenzeichen, sein Image sozusagen. Bei den Menschen vom Balkan ist die schlechte Laune dagegen echt.

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Bericht aus Berlin (6)

Gesucht und gefunden

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, nur ein Buch am Tag zu kaufen. Dieser Vorsatz ist gestern schon den Bach runter gegangen, denn ich habe beide Bände „Männerphantasien“ gefunden, die ich am Sonntag auf dem Flohmarkt finden wollte. Gefunden habe ich sie bei „Sparbuch“ in der Frankfurter Allee, einem meiner Tatorte. Sie sind wichtig für mich, weil mich das Thema interessiert, ich darüber schreiben will, und da vor allem über die sexuellen Phantasien. Um die geht es zwar auch in den beiden Büchern von Klaus Theweleit, aber in einer überdrehten, wenn nicht gar verdrehten Art und Weise, den die Achtundsechziger damals hatten. Nicht alles, was die Achtundsechziger dachten und wollten ist gut und richtig, nur weil es die Achtundsechziger waren. Im Gegenteil, ziemlich viel von dem ist ganz schöner Quatsch. Deswegen überlege ich schon, die beiden Bücher gleich wieder zu verkaufen. Überhaupt denke ich darüber nach, „TaxiBerlins BauchLaden“ bei Booklooker wieder aufzumachen. Was dagegen spricht, ist der Umstand, dass ich nur drei Wochen in Berlin bleiben werde. Danach will ich wieder auf dem Balkan sein. Aber immerhin werden die beiden Bände von Theweleit dort, also bei Booklooker, zwischen 50 und 130 Euro gehandelt. Ich habe vier Euro investiert. – Die von mir als büchersüchtig bezeichneten Personen sind genau gesagt Kollegen, die die Bücher, die sie kaufen, weiterverkaufen und versuchen davon zu leben. Das scheint immer schwerer zu werden, was wahrscheinlich auch ein Grund für ihr Grunzen war, nachdem ich sie zuvor höflich gegrüßt hatte. Sie haben mir nicht gesagt, wie das Geschäft läuft, sie haben mich nur angegrunzt. Aber da ich Augen im Kopf habe und sehe, wie viele interessante Bücher gerade in den Antiquariaten rumstehen, vermute ich, dass ihr Geschäft alles andere als gut läuft, sie möglicherweise frustriert sind, und dann grunzt man die plötzlich auftauchende potentielle Konkurrenz natürlich an, wofür ich sogar Verständnis habe. Wofür ich kein Verständnis habe, ist das falsche Denken dieser Leute. Mit falschem Denken meine ich, dass der Wert eines Buches an dem Preis gemessen wird, für den man es verkaufen kann. Das wusste schon Oscar Wilde, dass das Quatsch ist, als er sagte: „Heute kennt man von allem den Preis, von nichts den Wert.“ Und das würde ich auch über die beiden Bände „Männerphantasien“ von Theweleit sagen. Ich meine, 50 bis 150 Euro sind für mich viel Geld, damit könnte ich meinen Rückflug nach Sofia bezahlen. Wert sind die Bücher es nicht, also inhaltlich meine ich. Aber immerhin handelt es sich um eine Erstausgabe von 1977 vom „Verlag Roter Stern“, es ist also nicht der billige Nachbau von „Rowohlt“. Wer Interesse an ihnen hat, kann mir ’ne e-mail schreiben. Irgendwie muss ich zurück nach Bulgarien kommen.

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Bericht aus Berlin (5)

Im Land der Affenmenschen

Meine Seele ist noch nicht in Berlin angekommen, die hängt noch irgendwo „in the air“ zwischen Sofia und Berlin, und ich bin schon wieder meiner Büchersucht nachgegangen, vielleicht auch gerade deswegen. Aber was musste ich da wieder sehen? Meine Leidensgenossen, die anderen Büchersüchtigen, sie tragen noch Maske! Dementsprechend wurde ich, ganz ohne Gesichtswindel, auch nicht von ihnen begrüßt, wie es sich nach einem Jahr gehört hätte, sondern nur angegrunzt. Keine Ahnung, ob das nun mehr mit ihrer Maske zu tun hatte oder mit meiner nicht vorhandenen. Angegrunzt zu werden, ist nicht schön, vor allem wenn man selbst höflich gegrüßt hat. Wenn ich eines in Bulgarien gelernt habe, dann das: Es hätte schlimmer kommen können! Beispielsweise wenn aus meinen Leidensgenossen Affenmenschen geworden wären. Aber vielleicht sind sie es schon, und nicht nur in der Phantasie eines Science Fiction, sondern tief in ihrem grunzenden Inneren.

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Bericht aus Berlin (4)

Heute Mittag in Frankfurt / Oder

Erfahre gerade vom ehemaligen Nachrichtenmagazin aus Hamburg, dass Heinz Strunk in der Coronazeit noch zwanghafter geworden ist. Obwohl ich Heinz Strunk nicht kenne, frage ich mich, ob und was das mit mir zu tun haben könnte. Meine Überlegungen werden abrupt dadurch unterbrochen, dass ich lesen muss, dass Deutschland ein Drückeberger sei. Da gehöre ich auf keinen Fall dazu, denn ich habe mich ja vor dem Drückeberger in Sicherheit gebracht. Drückeberger können richtig gefährlich werden, insbesondere zwanghafte deutsche Drückeberger. Jedem Deutschen, der kein Drückeberger mehr sein will, empfehle ich nicht in die Schluchten des Balkan sondern an die Front zu gehen, auch und gerade auf die Gefahr hin als ausländischer Kämpfer mit dem Tode bestraft zu werden. Dann ist man zumindest sicher, dass man kein Drückeberger war beziehungsweise ist. Bin ich mit dieser Idee jetzt vielleicht etwas zu radikal? Ich denke nein. Denn wer kein Drückeberger mehr sein will, muss dies auch beweisen können, beispielsweise indem er Verantwortung übernimmt, Rede und Antwort steht, und zwar persönlich, am besten durch seine eigene Satisfaktionsfähigkeit. Alles andere ist nur hohles Spiegel-Gewäsch. Nicht alles im Spiegel ist hohles Spiegel-Gewäsch. Beispielsweise die Feststellung, dass die USA kurz vor einem Krieg mit China und Russland steht. Dass diese simple Wahrheit ausgerechnet von dem amerikanischen Hedgefonds-Manager und Multimilliardär Ray Dalio stammt, der auch ein Experte für Krisen sein soll, ist für mich keine Überraschung. Kriegsprofiteure sind immer Experten von Krisen, deswegen kennen sie sich mit ihnen aus. Du und ich, wir verdienen nicht an Kriegen. Genannter Krieg, das wichtigste stand mal wieder nicht im ehemaligen Nachrichtenmagazin aus Hamburg, hat auch schon begonnen, und zwar als Stellvertreterkrieg. Jeder, der in diesen Krieg zieht, beispielsweise weil er kein Drückeberger sein möchte, zieht in einen Stellvertreterkrieg, kämpft auch für Experten von Krisen wie Hedgefonds-Manager und Multimilliardär Ray Dalio. 

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